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Schlehe / Schwarzdorn (Prunus spinosa)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Prunus
"die Schlehe liefert nicht nur leckeren Wildobst, sondern ist auch eine ökologisch sehr wertvolle Pflanze"
Bestimmung
Habitus: Strauch bis 3m Höhe
Blätter: wechselständig; häufig spiralig um den Zweig angeordnet; verkehrt-eiförmig bis verkehrt-eilanzettlich; 2 bis 5 cm lang; fein und scharf gesägt; meist drüsenlos
Äste / Stamm: stark verästelt; Seitenäste oft senkrecht abstehend; mit Sprossdornen durchsetzt; Rinde dunkel; junge Triebe rotbraun und behaart (jedoch rasch verkahlend)
Blüten: Durchmesser ca. 1.5 cm; weisse (z.T. rosa) Kronblätter; gestielt (Stiel jedoch kurz); blüht März/April vor dem Blattaustrieb; stark duftend (Mandelaroma); einzeln am Ast, jedoch oft in Gruppen gehäuft
Blüten der Arten aus der Familie Rosengewächse (Rosaceae) allgemein: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter
Früchte: kugelige Steinfrucht; Durchmesser ca. 1 bis 2 cm; blau; dunkel bereift; grünes Fruchtfleisch; mit nur einem Steinkern; ab ca. Oktober bis November reif
Zeigerwerte: hell, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, frisch, schwach sauer bis neutral, salztolerant
typische Standorte: Waldrand, Hecken, verwilderte Weinberge, felsige Hänge
Fotos






Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: in den Früchten Gerbstoffe und Anthocyane, resp. im Steinkern Blausäureglykoside
*Giftigkeit: sowohl die Blüten, als auch die Steinkerne enthalten Blausäureglykoside und dürfen entweder nur in kleinen Mengen oder gekocht konsumiert werden
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (fruchtig, adstringierend > mehr dazu): Tee, resp. junge Blätter auch im Salat
Blüten* (Mandelduft > mehr dazu): Tee, essbare Dekoration, mit Zuckerwasser besprüht als kandidierte Beigabe - wegen dem (geringen) Gehalt an Blausäureglykoside nicht in Unmengen konsumieren!
Früchte* (vor dem ersten Frost sauer, leicht süss und adstringierend; nach dem ersten Frost süss und nur leicht astringierend > mehr dazu): roh als Nascherei direkt vor Ort (Kerne ausspucken!), Beigabe im Salat, Tee, Fruchtsaft, Sirup, Likör, Schlehenwein, Wilder Balsamico, Mus, Konfitüre, Chutney (in diesem Fall zusammen mit anderen Früchten wie z.B. Äpfel verwenden, da ein reiner Schlehen-Chutney zu herb-adstringierend ist)

Beschreibung
Die Schlehe, auch Schlehdorn oder Schwarzdorn genannt, ist eine beliebte Heckenpflanze. Früher war sie durch ihr dicht verzweigtes Astnetz mit den kräftigen und spitzen Sprossdornen als Feldhecke ein perfekter «Naturzaum». Dies einerseits um das Vieh einzuhegen, andererseits auch um zu verhindern, dass wilde Tiere von aussen in die Zivilisation einzudringen. In den heidnischen Vorstellungen von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter sah man in dornigen Heckenpflanzen aber nicht nur einen physischen Schutz, sondern man sprach ihnen auch eine magische und schützende Begrenzung zwischen der Menschenwelt und der Geisterwelt zu, die man in der Wildnis ausserhalb des Dorfes vermutete. Zweige der Schlehe wurden als Amulett getragen oder an die Haustüre aufgehängt, um sich vor bösen Geistern, Krankheiten und Flüchen zu schützen. Ihre Früchte waren damals aber auch ein wichtiges Nahrungsmittel. Das Holz ist sehr hart und wurde durch seine Form und Dicke z.B. zur Herstellung von Spazierstöcken verwenden. Aus der Rinde wurde eine rote Tinte hergestellt.
Die Schlehe ist ökologisch eine sehr wertvolle Pflanze. Ihre Blüten sondern reichlich Nektar ab und sind deshalb für viele Insekten eine wichtige Nahrungsquelle. Dies ausserdem in der Zeit direkt nach dem Winter, wo das übrige Nahrungsangebot noch sehr dürftig ist. Die frühe Blütezeit kann bei starken Spätfrösten allerdings auch zu Schäden an Blüten und damit Fruchtausfällen führen. Der dichte Bewuchs und die Dornen stellen nicht nur eine effektive Abwehr gegen die grösseren Pflanzenfresser dar, sondern werden auch von kleineren Tieren zu deren Schutz genutzt. So bietet die Schlehe ein hervorragender Unterschlupf für Kleinsäuger, resp. stellt ein Brutplatz für diverse Vogelarten dar. Ein bekanntes Beispiel ist der Neuntöter, der zur Vorratshaltung seine Beute auf den Dornen der Schlehe aufspiesst. Mit dem Verschwinden der Heckenlandschaften ist leider auch der Neuntöter seltener geworden. Die Schlehe ist auch eine wichtige Futterpflanze für diverse Raupenarten. Die Früchte wiederum sind im Winter eine Nahrungsquelle für diverse Vogelarten (v.a. für Amseln und Drosseln), aber auch kleinerer Säugetiere, wie z.B. Fuchs oder Dachs. Offene Flächen kann die Schlehe, durch ihre Fähigkeit zur vegetativen Vermehrung mittels Wurzelausläufer, rasch besiedeln. Nicht nur die Äste, sondern auch die Wurzeln sind dicht verzweigt, weshalb sich die Schlehe gut zur Bodenbefestigung eignet.
Die kugeligen, blauen Früchte findet man nahezu ausgereift bereits ab Sommer. Zu diesem Zeitpunkt sind diese jedoch noch sauer und Gerbstoff-reich (was sich trocken-pelzig-zusammenziehend im Mund anfühlt). Ausserdem sind sie dann noch hellblau, weil sich der blauschwarze Hautüberzug (die «Bereifung») noch nicht ausgebildet hat. Die definitive Endreifung erfolgt mit den ersten Frostnächsten Oktober / November, indem die adstringierende Note schwächer und das Fruchtfleisch weicher wird. Ab diesem Zeitpunkt schmecken die Früchte hervorragend fruchtig-süss (vorher war der süsse Geschmack von den Gerbstoffen überdeckt), resp. werden erst ab diesem Zeitpunkt von den Tieren gefressen. Dass die Schlehe mit der Endreifung der Früchte bis in den Spätherbst wartet, dürfte damit zu tun haben, dass diese im Winter, wo das Nahrungsangebot knapper ist, eher gefressen werden als im Spätsommer oder Frühherbst, wo für viele Tiere noch ein Nahrungs-Überangebot besteht. Ob nach dem ersten Frost tatsächlich ein Abbau der Gerbstoff stattfindet, ist fraglich. Vielmehr findet wahrscheinlich eine Umwandlung der Gerbstoffe in unlösliche Formen statt. Weil die Gerbstoffe so nicht mehr nicht mit dem Speichel reagieren, nimmt man diese auch sensorisch weniger adstringierend wahr.
Für die kulinarische Nutzung der Schlehenfrüchte empfiehlt es sich also, diese erst nach dem ersten Frost zu sammeln, damit man in den vollen Genuss kommt. Genascht werden können sie aber selbstverständlich schon vorher, auch wenn man dabei geschmacklich ein paar Abstriche machen muss. Oft liest man in der Literatur, dass der Frost durch eine 1- bis 2-tägige Lagerung im Tiefkühlfach simuliert werden kann. Eigene Erfahrungen bestätigen zumindest, dass damit das Fruchtfleisch deutlich weicher wird und die Früchte süsser schmecken. Die Schlehen sind dann auch weniger adstringierend, aber die Abnahme ist bei Weitem nicht so stark wie bei Schlehen, die draussen mehrere Frost-Tau-Zyklen durchgemacht haben. Vorhandene chemische Untersuchungen zum Einfrieren von Schlehen beziehen sich bisher jeweils auf die Untersuchung des Gesamtgehaltes an Polyphenolen allgemein und auf eine Lagerungsdauer von mehreren Wochen. Zwar gehören Gerbstoffe auch zu den Polyphenolen, doch damit sind auch weitere Stoffe, wie z.B. die ebenfalls enthaltenen Anthocyane mitgemeint. Auch wenn diese Untersuchungen zeigen, dass durch das Einfrieren in dieser Zeitperiode keine Abnahme des Polyphenol-Gehaltes stattfindet (resp. sogar steigt), kann dabei keine Aussage darüber getroffen werden, wie dies mit den Gerbstoffen im Einzelnen aussieht. Und wie erwähnt, kann sowieso davon ausgegangen werden, dass auch bei den Früchten draussen keine Abnahme des Gerbstoff-Gehalt erfolgt, sondern Letztere einfach nur in eine unlösliche Form umgewandelt werden. Möglicherweise sind für eine optimale Geschmacksentwicklung beim Einfrieren Bedingungen notwendig, die den Frost-Tau-Zyklen in der realen Welt nahekommen (mehrere Frost-Tau-Zyklen, weniger tiefe Temperaturen, langsamere Temperaturveränderungen,..)?
Bei der Herstellung von Chutney ist zu beachten, dass die Hitze (durchs Kochen) und auch das saure Milieu (durch den Essig) gebundene Gerbstoffe wieder löslich machen kann, so dass sich ein reiner Schlehenchutney unangenehm adstringierend anfühlt. Chutney mit Schlehen sollten deshalb jeweils mit anderen Früchten, wie z.B. Äpfel, Pflaumen, Zwetschgen, Preiselbeeren, usw. kombiniert werden.
Die Schlehe gehört zur Gattung Prunus. Dazu gehört auch die Vogel-Kirsche (Prunus avium), welche die wilde Form der kultivierten Süss-Kirsche darstellt. Auch sonst befinden sich darunter zahlreiche Kulturfrüchte, wie z.B. die Pflaume (Prunus domestica subsp. insititia), Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica), Aprikose (Prunus armeniaca), Pfirsich (Prunus persica), Kirschpflaume (Prunus cerasifera), usw. Insbesondere in Gärten oder Parks, aber auch auf Wiesen/Äckern, werden solche Arten häufig als Kulturpflanzen angepflanzt. Wichtig: Weil bei all denen die Blüten ähnlich aussehen, können diese rasch mit der Schlehe verwechselt werden! Trotz der Ähnlichkeit im Aussehen und Geschmack der Früchte, handelt es sich bei den Schlehen nicht um die Wildform der Zwetschge, auch wenn dies teils von Wildkräuter-Influencern so behauptet wird.
mögliche Verwechslungen
Kirschpflaume (Prunus cerasifera) - ungiftig/essbar (ausser Steinkern!), ähnliche kulinarische Verwendung
Die Verwechslung mit der Schlehe ist insbesondere im Februar / März möglich. Auch die Kirschpflaume ist ein Strauch, der früh im Jahr blüht. Dies jedoch ca. 1-2 Wochen früher als die Schlehe, teils auch bereits im Februar. Spätfroste (von < -2°C) können dazu führen, dass danach aus den Blüten keine Früchte heranreifen. In der freien Natur Mitteleuropas ist die Kirschpflaume nur selten anzutreffen. Sie ist hier vorwiegend eine kultivierte Pflanze, d.h. eine Zierpflanze in Gärten und Parks. Ihre eigentliche Heimat liegt auf dem Balkan, resp. dem Orient. Die Früchte sind kulinarisch sowohl roh oder auch verarbeitet zu Marmelade, Chutney, etc. nutzbar.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Form und Farbe der Blüte
Unterschiede (u.a.)
Blätter deutlich grösser (5 bis 8 cm lang), eher oval und am Blattrand eher gekerbt
Blüten grösser (2 bis 2.5 cm), in der Mitte oft rosa gefärbt; erscheinen mit den Blättern (oder ganz kurz davor)
Äste ohne Dornen; kann auch ein Baum bis 10m Höhe sein
Früchte rot (z.T. auch gelb), mit 2 bis 3cm deutlich grösser und bereits im Sommer reif


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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