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Gewöhnlicher Klettenkerbel / Wald-Borstendolde (Torilis japonica)

Familie: Doldenblütler (Apiaceae), Gattung: Klettenkerbel / Borstendolden (Torilis)
"die Art ist eine borstige Angelegenheit, aber auch sehr würzig-aromatisch"
Bestimmung
Lebenszyklus: treibt im Herbst oder Frühling des 1. Jahres als (überwinternde) Grundrosette aus; im Spätfrühling des 2. Jahres erscheinen dann die Stängel mit wechselständigen Stängelblättern und endständigen Blütenständen
Blätter: schmal-dreieckig, 5 bis 15 cm lang; 2-3-fach fiederlanzettlich (1. Ordnung meist gefiedert, 2. und 3. Ordnung meist fiederförmig eingeschnitten), mit schmalen Buchten zwischen den Abschnitten; Endfieder am Blattlänge in die Länge gezogen; bei der Fiederung 1. Ordn. eine grosse Lücke zwischen den unteren zwei Abschnitten und dem Rest des Blattes; OS trüb- bis graugrün; Blattflächen und Blattstiel anliegend und rau behaart
Stängel: 30 bis 120 cm hoch; fein gerillt; kurz, rau und abwärts-anliegend behaart; meist stark verzweigt und dichte "Staude" bildend
Blüten: in endständigen Doppeldolden angeordnet; linealische Hüllblätter, die den Doldenstrahlen anliegen; pro Doppeldolde 4-12 Döldchen; lang-3-eckige ("pfriemliche") Hüllblättchen; blüht Juli / August
Einzelblüten: Kronblätter weiss bis rosa
Doldenblüter (Apiaceae) allgemein: Einzelblüten klein, 5 Kronblätter, unscheinbare Kelchblätter, 5 Staubblätter, 2 zusammengewachsene Fruchtblätter mit unterständigem, synkarpem Fruchtknoten, in der Mitte der Blüten ein flaches nektarabsonderndes Polster (= «Diskus», zum Anlocken von Insekten für die Bestäubung)
Früchte: längliche Doppelachäne; 2 bis 3 mm lang (länger als der Stiel); stachelig behaart, Stacheln (ohne Haken) nach oben gebogen
Zeigerwerte: halbschattig, mässig feucht, nährstoffreich; neutral bis basisch
typische Standorte:Wald-Wegrand, Waldrand, Hecken
gefährliche Verwechslungen: Gefleckter Schierling (Conium maculatum), Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) < die Unterscheidungsmerkmale finden sich weiter unten im Abschnitt «mögliche Verwechslungen»
Fotos


mit dünner Wurzel


trübgrün und auf den Flächen anliegend borstig behaart



rückwärts-anliegend borstig behaart


linealische den Doldenstrahlen anliegende Hüllblätter
Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle, Flavonoide, in den Früchten Guaian-Sesquiterpene (v.a. Torilin)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch bis würzig > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Suppe, Pesto, Sauce
Blüten (würzig > mehr dazu): essbare Dekoration, Gewürz
Früchte (würzig > mehr dazu): Gewürz
Beschreibung
Der Gewöhnliche Klettenkerbel erinnert als Doldenblütler mit seinen fiederlanzettlichen Blättern etwas an den Wiesen-Kerbel. Gleichzeitig sind aber auch die Pflanzenteile borstig behaart, wodurch der Name "Kletten-Kerbel" durchaus Sinn ergibt. Die beiden Gattungen Kerbel (Anthriscus) und Klettenkerbel (Torilis) sind jedoch, abgesehen dass beide zur Familie der Doldenblütler gehören, nicht besonders nah miteinander verwandt.
Die Art hat ein sehr grosses Verbreitungsareal, welches fast vom gesamten Europa (ausser nördliches Skandinavien), Nordafrika, über Türkei / Kaukasusregion, Zentralasien, Himalaja bis nach Ostasien (China, Korea, Japan) reicht. Weiter wurde die Art auch in Nordmamerika eingeschleppt und kann dort teils auch invasiv vermehren. In Mitteleuropa beschränkt sich das Vorkommen auf die Tieflagen (bis maximal montane Stufe).
Es handelt sich um eine Pionierpflanze, welche Flächen mit gestörten Bodenaufbau an halbschattigen, nährstoffreichen, feuchten Standorte besiedelt. Wenn sich dort höher wachsende Kräuter ansiedeln, eine Grasdecke bildet oder Brombeeren die Flöche für sich einnehmen, wird die Art rasch verdrängt. Seltene Schnitte verträgt sie sehr gut, aber zu häufiges Mähen führt ebenfalls zum Verschwinden.
Der Gewöhnliche Klettenkerbel ist in Mitteleuropa meist zweijährig. Er treibt dann im Frühling als Grundrosette aus und überwintert anschliessend (die Blätter verschwinden jedoch bei starkem Frost). Im Spätfrühling des 2. Jahres treiben dann die Stängel aus und es erfolgt im Sommer die Blütezeit, bzw. die anschliessende Fruchtreife. Diese Exemplare können im 2. Jahr sehr ausladend, mit einem stark verzweigten Stängel und teils mehrere Tausend Früchte. Gewisse Exemplare sind auch einjährig, d.h. die Stängelbildung erfolgt noch im selben Jahr wie der Austrieb der Grundrosetten.
Die borstigen Früchte können sich am Fell von Tieren oder auch an Kleider /Schuhen von Menschen oder auch Reifen anhaften und so auch über grössere Distanzen (v.a. entlang von Wegen, Strassen oder Wildtierpfaden) verbreitet werden. Nach der Fruchtreife sterben die Exemplare ab. An abgestorbenen Sprossen können teils auch noch im Winter darauf einzelne Früchte in den Fruchtständen vorgefunden werden. Die Samen sind mehrere Jahre keimfähig und treiben bei geeigneter Bodenstörung aus. Dieser Austrieb kann an gewissen Standorten, wo eine reiche Samenbank im Boden liegt und die Witterungsbedingungen geeignet sind, durchaus wie "scheinbar aus dem nichts" sehr massenhaft erfolgen.
Die borstige Behaarung von Stängel und Blätter stellt vermutlich ein Frassschutz dar, indem dadurch den potentiellen kleinen Fressfeinden die Fortbewegung erschwert wird. Vor allem am Stängel, wo die Borsten nach unten zeigen, stellen sich diese den kleinen Insekten als eine Art Lanze entgegen.
Der Klettenkerbel hat in Ostasien eine ausgeprägte traditionelle Verwendung. So wurden vor allen die Früchte (teils auch Wurzeln) in China, Korea oder auch Japan für diverse Zwecke wie Hautleiden, zur Entwurmung, oder bei Probleme (Jucken) im Genitalbereich bzw. Impotenz verwendet. Allerdings ist auch den Quellen oft nicht klar, um welche Torilis-Art es sich handelt, bzw. oft waren diese Anwendungen mit Torilis-Arten einfach nur ein Ersatz für die häufiger eingesetzte Brenndolde (Cniodium monnieri).
Extrakte aus den Früchten zeigen in Tierversuchen eine entzündungshemmende Wirkung. Klinische Studien an Menschen liegen jedoch keine vor. Zumindest eine Anwendung bei Hautentzündungen (durch Abkochungen aus den Früchten) scheint so aber durchaus plausibel zu sein. In neueren Laborexperimenten zeigte ein Extrakt auch antitumorale Wirkungen bzw. beim Hauptwirkstoff Torilin konnte man beobachten, dass es die Medikamentenresistenz von Krebszellen aufheben kan. Daraus kann aber (wie so oft bei zytotoxischen Effekten im Labor oder ähnlich) keinesfalls auf eine Wirkung gegen Krebs bei Menschen geschlossen werden.
mögliche Verwechslungen
Weitere Arten der Gattung Klettenkerbel (Torilis) - ungiftig / essbar
Gefleckter Schierling (Conium maculatum) - hochgiftig! / tödlich !!!
Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) – leicht giftig
Weitere Arten der Gattung Klettenkerbel (Torilis) - ungiftig / essbar
Beim nah verwandten Wiesen-Klettenkerbel (Torilis arvensis), der in Mitteleuropa nur in den Wärme-begünstigen Lagen des Tieflandes (in der Schweiz z.B. Alpensüdfuss, Wallis, Genferseeregion, Region Basel) vorkommt und an den Rändern von Äckern auftritt, haben die Doppeldolden nur ein Hüllblatt und die Stacheln der Früchte sind am Ende hakig umgebogen.
Gefleckter Schierling (Conium maculatum) - hochgiftig! / tödlich
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blattform und Blattfiederung sehr ähnlich
Einzelblüten in Doppeldolden angeordnet (Familie der Doldenblütler)
Doppeldolden mit Hüllblättern
Unterschiede (u.a.)
generell unangenehmer Duft (nach Mäuse-Urin)
Blätter breit-dreieckig
Blätter kahl, OS dunkelgrün, US graugrün
Stängel kahl, nur leicht gefurcht, mit blauem Reif (dieser abwischbar), unten mit roten bis violetten Flecken / Streifen
Hüllblätter abwärts gerichtet
Früchte eiförmig und stark wellig gerippt, ohne Borsten

Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) – leicht giftig
>>> mehr zum Hecken-Kälberkropf bei der entsprechenden Pflanzenbeschreibung im erdflow-Phytikon <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blatt im Umriss schmal-dreieckig, bei der Fiederung 1. Ordn. eine grosse Lücke zwischen den unteren zwei Abschnitten und dem Rest des Blattes, Blattflächen behaart, OS trübgrün,
Stängel v.a. unten borstig behaart
Einzelblüten in Doppeldolden angeordnet (Familie der Doldenblütler)
Unterschiede (u.a.)
Stängel rötlich /violett gefleckt, unterhalb der Knotenpunkte (Blattansätze) deutlich verdickt
bei den Doppeldolden meist keine Hüllblätter (und wenn, dann nicht linealisch den Doldenstrahlen anliegend)
Früchte ohne gebogene Borsten
gehört zur Gattung der Kälberkröpfe (Chaerophyllum)


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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