das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Bärlauch (Allium ursinum)

Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae), Gattung: Lauch (Allium)
"ein Wildkraut des Mainstreams, im Frühling massenhaft vorhanden, im Geschmack scharf-würzig und mit sehr vielen coolen kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: Grundrosette à meist zwei Blättern (1-3); lange 3-kantige Blattstiele, die unterirdisch aus einer länglichen Zwiebel abzweigen und einzeln aus dem Boden austreten; lanzettlich bis eilanzettlich, 15 bis 25cm lang, am Ende spitz; ganzrandig; Blattspreite am Grund rasch ausdünnend; parallele Blattnerven; deutliche Mittelscheitel die unten hervortritt (knackt beim Brechen); OS glänzend; US matt
Zwiebel: weiss; länglich; am Grund mit wenigen, dafür groben Wurzelfasern
Blüten: Einzelblüten in einer endständigen Dolde angeordnet;
Einzelblüten: mit 6 weissen, lanzettlichen Perigonblättern
Blütenknospen (des Blütenstandes): eiförmig, aussen von einem Hüllblatt umgeben (zum Schutz); Hüllblatt bis zum Ende der Blütenzeit am Stängel verbleibend
Blütenstängel: 20 bis 40 cm hoch; 3-kantig
Früchte: pro Blüte eine braune (unreif grüne) Kapselfrucht aus meist 6 schwarzen Samen
Zeigerwerte: schattig, sehr feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), neutral bis basisch, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich
typische Standorte: feuchte Laubwälder, Auenwälder, unter Gebüschen oder Hecken, z.T. an schattigen Ufern
gefährliche Verwechslungen: Maiglöckchen, Herbstzeitlosen (tödlich!), Aronstab (mehr zu diesen Arten und zur Unterscheidung am Ende dieser Seite)
Fotos




eine wichtiges Bestimmungskriterium



© Peter Oetelshofen– stock.adobe.com


Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Alliin, Isoalliin, Methiin
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (würzig, scharf > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Gewürz (roh verwenden), Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Kräutersalz, Suppe, Pesto, Sauce, Kräuteressig, Kräuteröl, Bärlauchspätzli,….
Blütenknospen (würzig, scharf > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz (roh verwenden), Kräutersalz, Kräuterbutter Kräuterquark, Aufstriche, Gemüse /Gemüsebeigabe (kurz Andünsten), Pesto, Sauce, Falsche Kapern
Blüten (würzig, scharf > mehr dazu): wie die Blätter, zusätzlich als essbare Dekoration
unreife (grüne) Früchte (würzig, scharf > mehr dazu): wie die Blütenknospen
Samen (würzig, scharf > mehr dazu): Gewürz
Zwiebeln (würzig, scharf > mehr dazu): analog wie Küchenzwiebeln


Verwendung in der Phytotherapie: Im Gegensatz zum Knoblauch ist der Bärlauch wissenschaftlich bisher nur schlecht untersucht und es bisher gibt bisher keine Bearbeitung durch HMPC / ESCOP. Auch der Bärlauch enthält das pharmakologisch interessante Alliin, sowie weitere Schwefelverbindungen wie Isoalliin oder Methiin mit ähnlich vermuteten Wirkungen. Theoretisch sind also ähnliche langfristige Wirkungen wie beim Knoblauch möglich (leichte Senkung des Blutdruckes, leichte Senkung des Gesamt-cholesterons, usw.). Inwieweit man den Bärlauch dazu aber tatsächlich einsetzen könnte, ist bisher nicht genauer erforscht. Und gerade die dazu erforderliche hohe Dosis, die man davon täglich und jeweils frisch einnehmen müsste (und den damit einhergehenden sozialen Nebenwirkungen) stellt wohl der entscheidende Teufel im Detail dar. Entsprechend im Netz kursierende Wunderwirkungen des Bärlauchs sind deshalb höchst kritisch zu betrachten, ebenso wie Angaben, wonach man den Bärlauch wie Antibiotika einsetze könne. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Beschreibung
Der Bärlauch gehört zu den wenigen Wildpflanzen, die im kollektiven Gedächtnis der breiten Bevölkerung einen festen Platz haben und ist dabei so eine Art „Frühlings-Bestseller“. Dies ist kein Wunder, denn erstens eignet er sich aufgrund des Knoblauchduftes und der praktisch fehlenden Bitterkeit ideal für allerlei Rezepte in der Hobbyküche. Anderseits tritt er an seinen typischen Standorten in der Regel in Massen auf, so dass er kaum übersehen werden kann.
Der Bärlauch hat aber auch giftige Doppelgänger (Maiglöckchen, Herbstzeitlosen und Aronstab) und so kommt es beim Bärlauch-Sammeln auch hin und wieder zu Vergiftungen oder sogar Todesfällen. Beim Sammeln vom Bärlauch verlassen sich viele Leute auf den Geruchstest, um den Bärlauch zu bestimmen, bzw. ihn von den giftigen Doppelgängern zu unterscheiden. Tatsächlich haben Letztere keinen Knoblauchduft, doch leider gibt’s bei diesem Geruchstest einen Haken: Nach der Berührung mit Bärlauch bleibt dessen Geruch noch eine Weile an den Händen kleben. Wenn man dann später mit den duftenden Händen an einem Blatt des giftigen Maiglöckchens oder dem hochgiftigen Herbstzeitlosens schnuppert, ist der Knoblauchgeruch in den Händen immer noch präsent, so dass dann im Grunde alles wie Bärlauch riecht.

Dies kann sich vor allem dann fatal auswirken, wenn die giftigen Doppelgänger zwischen Bärlauch-Exemplaren wachsen. Um eine Verwechslung mit dem giftigen Doppelgänger zu vermeiden, muss der Bärlauch deshalb anhand seiner optischen Merkmale und nicht nach seinem Geruch beurteilt werden! Dabei muss ausserdem jedes gesammelte Blatt einzeln bestimmt werden.
Merkmale des Bärlauchs, um ihn eindeutig von den giftigen Doppelgängern zu unterscheiden:
parallele, unverzweigte Längsnerven
Blätter kommen einzeln aus dem Boden
Blatt unten in einen Stiel ausdünnend
Blattunterseite matt
Die Verwendungen sind vielfältig, sei es einfach als Beigabe im Salat, für Pesto oder im Kräuterbutter. Da der Bärlauch ein «Mainstream-Kraut der breiten Bevölkerung» ist, findet man in Kochbüchern, im Internet, auf Youtube, sehr viele leckere Rezepte, die man ausprobieren kann. Nebst den Blättern können auch die anderen Pflanzenteile genutzt werden, seien es die Blütenknospen als kurz angedünstetes Gemüse oder in Essig eingelegt als «Falsche Kapern». Die weissen Blüten sehen nicht nur als Dekoration schön aus, sondern sind ebenso scharf-würzig im Geschmack. Ab der Blütezeit verändert sich der Geschmack der Blätter etwas, d.h. er wird intensiver, «härter» und leicht bitter. Auch sinken zu diesem Zeitpunkt in den Blättern sowohl der Wasser- als auch der Zuckergehalt. Verwendet werden können sie aber immer noch problemlos, denn giftig wird der Bärlauch dann nämlich nicht (entgegen dem Mythos). Kaum verblühen die Blüten, können die grünen unreifen Früchte gesammelt werden, um sie z.B. als Gewürz zu nutzen oder um sie, wie die Blütenknospen, in Essig einzulegen. Auch die reifen, schwarzen Samen ergeben vermahlen ein schmackhaftes, pfefferartiges Gewürz. Sie sind auch über längere Zeit haltbar, sind allerdings auch sehr hart (nur sehr scharfe Pfeffermühlen kommen damit klar!). Zum Ernten der Samen werden die Fruchtstände gesammelt und anschliessend über einem Behälter getrocknet. Die Samen fallen dabei innert ein paar Tagen von selbst heraus und können am Boden des Behälters gesammelt werden. Die Pflanzenteile (mit Ausnahme der reifen Samen) sollten immer frisch und möglichst roh (oder nur ganz kurz erhitzt) verwendet werden, denn der Knoblauchgeschmack verflüchtigt sich durch Trocknen oder Erhitzen sehr rasch.
Ein Geheimtipp sind ausserdem die Zwiebeln im Untergrund. Diese sind vor allem ab Ende Frühling bis kurz vor dem Austrieb der Blätter im Februar ergiebig. Im Mai und teils auch noch im Juni können die Standorte der Wurzeln anhand der dann noch vorhanden Blätter erkannt werden. Später, d.h. über den Sommer, Herbst und Winter sind die Standorte der Zwiebeln nicht mehr direkt sichtbar. Gesammelt werden können die Bärlauch-Zwiebeln dann aber trotzdem noch, sofern man sich die entsprechenden Bärlauch-Hotspot-Standorte aus dem Frühling gemerkt hat. An diesen Stellen gräbt man dann einfach mal drauflos und auf gut Glück findet man dann rasch die eine oder andere im Boden versteckte Zwiebel (falls man keine findet, dann bitte nicht alles umgraben!). Die Zwiebeln müssen sauer bestimmt werden, um sie nicht mit Zwiebeln oder Zwiebelartiger Wurzel giftiger Pflanzenarten zu verwechseln. Beim Bärlauch sind die Zwiebeln typischerweise nicht nur weiss und länglich, sondern haben als wichtiges Merkmal am Grund nur wenige Wurzelfasern und diese sind eher grob ausgebildet. Die Zwiebeln dienen als Speicherorgan für Energie und Baustoff. Die Energiespeicherung erfolgt v.a. in Form von Fructanen. Fructane sind Moleküle, die aus Fructose-Ketten, inkl. einem Saccharose-Teil bestehen. Es sind die typischen Reservestoffe diverser Zwiebel-bildender Pflanzenfamilien, wie den Amaryllisgewächsen (zu denen auch die Gattung Lauch / Allium gehört), Spargelgewächsen (u.a. Maiglöckchen) oder auch den Zeitlosengewächsen (u.a. Herbstzeitlosen). Leider können wir Menschen nicht alle Fructane verdauen und dazu gehören auch das Inulin und die Oligofructose in den Bärlauchzwiebeln. Allerdings werden diese Stoffe im Darm von Bakterien in eine für uns verdauliche Form umgewandelt (fördert dadurch auch das Wachstum von Bifidobakterien). So nimmt man mit Bärlauchzwiebeln also auch Kalorien zu sich. Das Problem: Die Bakterien produzieren auch Gase, was zu Blähungen führt. In der Annahme, dass der Energiegehalt der Bärlauchzwiebeln sich irgendwo im Bereich von Küchenzwiebeln oder Frühlingszwiebeln bewegt (entsprechende Untersuchungen sind für den Bärlauch nicht vorhanden), sind das ca. 20-40 kcal (83 bis 167 KJ) pro 100g Frischmasse, was durchaus mit Wurzeln und Beeren vergleichbar ist. Das Gewicht pro Zwiebel beträgt allerdings (je nach Grösse) nur ca. 0.5 bis 5g und bei grossen Mengen sind Blähungen garantiert:-) Achtung: beim Kochen schonend und nur kurz erhitzen, da Oligofructose und (in geringerem Masse auch Inulin) bei hohen Temperaturen abgebaut werden!

Der scharfe Knoblauchduft stammt vom enthaltenen Alliin, Isoalliin und Methiin. Diese sind Schwefel- und Stickstoffhaltige Verbindungen und dienen dem Bärlauch zur Abwehr vor Fressfeinden wie Mikroorganismen oder Tiere. Tatsächlich wird der Bärlauch deshalb auch von vielen kleinen bis grösseren pflanzenfressenden Tierarten verschmäht, da diese von beissenden Geruch und Verdauungsproblemen beim Verzehr in grossen Mengen abgeschreckt werden. In den Blättern liegt gemäss Sobolewska et al (2013) die Gesamtmenge dieser "-iine" bei ca. 1 mg/g, resp. in den Bärlauch-Zwiebeln bei 2.6 mg/g (je Frischmasse) > Vergleich zu Knoblauchzehen: 5-10 mg/g. Viele Quellen geben im Bärlauch Methiin als Hauptkomponente an, wobei Angaben hier widersprüchlich sind. Die Gehalte und Anteile können auch saisonal schwanken: Messungen in Deutschland zeigten z.B. ein Maximum am Gesamtgehalt dieser ""-iine" im März / April vor der Blüte, bzw. bei den Zwiebeln eine Zunahme des Alliin-Anteils gegen den Spätfrühling (Sobolewska et al 2013).
Alliin wird beim Zerkleinern, resp. Kauen durch Knoblauch-eigene Enzyme zu Allicin umgewandelt. Allicin aktiviert Wärmerezeptoren auf Zunge und im Mund, was beim Verzehr zur gefühlten «Schärfe» führt. Da Allicin selbst nicht stabil ist, zerfällt es teilweise in Di- und Trisulfide. Diese Stoffe sind dann für den typischen Knoblauchduft verantwortlich. Die im Körper aus Allicin und den Folgeprodukten gebildeten flüchtigen Abbaustoffe werden teils über den Schweiss und die Atmung ausgeschieden, was so zum berüchtigten Mundgeruch führt. Auch die anderen im Bärlauch enthaltenen Schwefelverbindungen wie Isoalliin und Methiin, werden bei Verletzung mittels dem Enzym Alliinase zu reaktiven Stoffen umgewandelt und wirken dann auf ähnliche Weise schärflich und würzig, jedoch mit etwas anderer Geschmacksnote.
Die Heimat des Bärlauchs sind typischerweise die Laubwälder West- Mittel- und Osteuropas. Man trifft ihn aber auch auf den Britischen Inseln, in Südskandinavien, in den Gebirgsregionen Südeuropas, resp. in Westrussland / Ostsibirien und im Kaukasus an. Er besiedelt dabei den Waldboden unter dem geschlossenen Kronendach und bildet dort meist sehr grosse Bestände. Er benötigt dabei humusreiche, basischer und nährstoffreiche Böden, die besonders im Frühling genug feucht sind. Man findet den Bärlauch auch im Halbschatten, dort hat er allerdings etwas mehr Konkurrenz und bildet dann meist nicht solche Reinbestände wie im Vollschatten. Auf Trockenheit und Vollsonne reagiert er jedoch sehr empfindlich. Dies ist auch der Grund, warum der Bärlauch in Norddeutschland eher selten ist, da die Böden dort eher sandig, trocken und sauer sind. Oft wird jedoch im Mainstream fälschlicherweise behauptet, das lückenhafte Auftreten vom Bärlauch in der Umgebung Berlin oder Hamburg dies hätte damit zu tun, dass er zu viel gesammelt wurde oder weil er vom Wunderlauch (Allium paradoxum) verdrängt werden würde. Vielmehr sind die Gründe jedoch in der Geologie und der Bodenbeschaffenheit zu finden. In typischen Auenwäldern ist der Bärlauch aber auch im Norden Deutschland reich vertreten, da dort Boden- und Feuchteverhältnisse optimal sind.

Der Austrieb der Blätter beginnt meist im März, d.h. viele Wochen vor dem Blattaustrieb der Laubbäume. Dies ermöglicht es dem Bärlauch, an seinen ansonsten schattigen Standorten, möglichst viel Licht für die Zuckerproduktion einzufangen. Beim Ergrünen der Bäume hat er dann bereits so viel Reserven angehäuft, um den Rest des Jahres autark zu überleben. Die Lagerung des Zuckers erfolgt dabei in der unterirdischen Zwiebel. Nun erfolgt im April/Mai erst die Blüte und anschliessend die Fruchtreife. Bereits im Frühsommer verwelken die oberirdischen Teile wieder, ehe die Pflanze im nächsten Spätwinter / Frühjahr wieder austreibt. Pflanzen, welche mit dieser Überlebensstrategie werden «Frühjahrs-Geophyten» genannt.

Die Blüten bilden reichlich Nektar und werden vor allem von Bienen, Schwebfliegen und Käfern bestäubt. Falls die Insektenbesuche ausbleiben, ist aber auch Selbstbestäubung möglich. Die Kapselfrüchte öffnen sich bei Reife (durch Austrocknung des Gewebes), wodurch die Samen auf den Boden fallen. Die Ameisen transportieren die Samen teils in ihr Nest, wo dann die fettreiche Samenhülle verzehrt wird. Der restliche noch intakte innere Teil des Samens wird dann später in der Umgebung des Ameisenhaufens als «Abfall» entsorgt. Dieser Mechanismus ermöglicht es dem Bärlauch neue Standorte zu besiedeln. Bei der Bildung von grossflächigen Bärlauch-Teppichen bereits besiedelter Standorte ist jedoch die vegetative Vermehrung dominierend. So bilden die Mutterzwiebeln typischerweise jedes Jahr ca. 1 bis 3 Tochterzwiebeln. Die Knospen dazu werden im Frühsommer angelegt und das Wachstum zur Tochterzwiebel findet dann über den Sommer statt, ehe diese sich dann im Herbst von der Mutterzwiebel trennen und im nächsten Frühling als neue Klone austreiben. Ein einzelnes Bärlauch-Exemplar lebt jeweils mehrere Jahre.
Inwieweit der Name Bärlauch vom Bär abgeleitet wurde, kann nicht klar rekonstruiert werden. Womöglich hat es damit zu tun, dass man im Bärlauch besondere Kraft und Vitalität vermutete, also Eigenschaft, die man gerne Bären zugeschrieben hat. Es gibt aber auch der Legende, wonach die Bären jeweils im Frühling nach dem Winterschlaf sich gerne mit dem Bärlauch ernährt hätten. Auf jedenfall steht der Bärlauch volksmythologisch für Frühlingskraft, hatte aber nie gross den Stellenwert einer göttlichen Pflanze / Schutzpflanze. Er gehörte jeweils zu den ersten massenhaft vorkommenden grünen Speisen des Waldes, mit dem man sich nach dem langen Winter «reinigen» und «kräftigen» konnte und war (in den Gegenden, wo er vorkommt) ein wichtiger Bestandteil der Gründonnerstagsuppe. Seine Nutzung verschwand zu Beginn 20. Jahrhundert zum Grossteil aus den Köpfen. Erst mit den Naturbewegungen in den 70er- und 80er Jahren wurde er wiederentdeckt und nachdem in den 90er Jahren auch bekannte Köche ihn in die «gehobene Frühlingsküche» aufnahmen, entstand zu Beginn der 2000er Jahre ein regelrechter Hype, der auch dank der Verbreitung über Social Media immer noch anhält.
mögliche Verwechslungen
Maiglöckchen - giftig!
Herbstzeitlosen - tödlich !!!
Aronstab - giftig!
Wunderlauch - ungiftig/essbar
Maiglöckchen (Convallaria majalis) - giftig!
Das Maiglöckchen wächst bevorzugt im Halbschatten und benötigt im Gegensatz zum Bärlauch trockene bis frische Böden. Deshalb tritt es auch nur sehr selten mit dem Bärlauch an gemeinsamen Standorten auf. Die Art verträgt sowohl stark kalkeiche (basische), als auch sandige Böden und kommt im Gegensatz zum Bärlauch auch mit wenig durchmischtem Boden und geringerem Nährstoffgehalt klar. Typische Standorte des Maiglöckchens sind lichte Wälder, Waldweg-Ränder, aber auch Bergwiesen und Geröllhalden. Der Austrieb der Blätter erfolgt erst im April, also deutlich später als beim Bärlauch und die Blütezeit beginn erst im Mai (deshalb der Name!). Die Blätter sterben erst im Herbst ab. Es wird keine Zwiebel gebildet, sondern kriechende Rhizome, mit denen sich die Art auch rasch vegetativ vermehren und so dichte Bestände bilden kann.
Die Giftigkeit kommt von den enthaltenen Herzglykosiden (u.a. Convallatoxin, Convallatoxol, Convallosid, Desglucocheirotoxin,…), die eine Wirkung auf den Herzrhythmus haben. So sind typische Vergiftungssymptome nebst Übelkeit und Erbrechen eben Herzrhythmusstörungen. Da bereits geringe Mengen zu Vergiftungen führen, wird die Art in der Regel in die Kategorie «stark giftig» eingeteilt. Schwere Vergiftungen sind aber trotzdem selten, nicht zuletzt da eben bereits kleine Mengen zu Übelkeit führen und der Geschmack sehr unangenehm ist, was dazu führt, dass keine grossen Mengen verzehrt werden. Weiter vergehen nach dem Konsum zwischen den ersten Symptomen wie Übelkeit / Erbrechen / Bauchschmerzen bis zum Wirkeintritt der Herzglykoside meist einige Stunden, wodurch man Zeit hat, sich Hilfe zu holen. Weiter stehen zur Therapie der Vergiftung (im Gegensatz zur Herbstzeitlosen) einfache Gegengifte zur Verfügung.
Früher wurden Präparate aus Maiglöckchen auch zur Therapie bei Herzinsuffizienz im Stadium I und II eingesetzt. Denn in diesem Fall können die enthaltenen Herz-Glykoside bei geeigneter Dosis u.a. den Puls verlangsamen und die Kontraktionskraft des Herzens erhöhen. Die Wirkung ist mit dem Medikament «Strophantin» vergleichbar, bei dem die Wirkung auf ähnliche Herz-Glykoside beruht, die aus Arten der Gattung Strophantus (aus Afrika) gewonnen wird. Im Gegensatz zum Weissdorn tritt beim Maiglöckchen die Wirkung rasch ein. Da wegen dem stark schwankenden Wirkstoffgehalt und der engen therapeutischen Breite eine sichere Dosierung nicht gewährleistet werden kann, ist der Einsatz von Maiglöckchen-Präparaten ist heutzutage nicht mehr gebräuchlich.Dabei handelt es sich um eine Giftpflanze! Aufgrund der geringen therapeutischen Breite ist auf eine Selbstbehandlung zu verzichten, resp. letztere kann zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden bis zum Tod führen!
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blattform (bei Maiglöckchen jedoch eher in der Mitte am breitesten) und Blattgrösse; Blatt mit Mittelscheitel und Parallelnervatur
Unterschiede (u.a.)
Stängel mit zwei umfassenden Blättern; Blatt-Unterseite glänzend; Mittelscheitel elastisch
Blüten in traubigem Blütenstand; Einzelblüten glockenförmig-hängend
Früchte: rote Beeren
gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae)

Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) - sehr giftig / tödlich !
Auch die Herbstzeitlose hat etwas andere Standortansprüche als der Bärlauch. Sie ist nämlich eine typische Wiesenpflanze und tritt vor allem auf Feuchtwiesen und Fettwiesen auf, die nicht zu früh und nicht zu oft gemäht werden. Man findet die Art auch auf extensiv genutzten Weiden, wo sie vom Weidevieh weitestgehend gemieden wird (ist auch für diese Kollegen giftig!). Bei zu starker Trittbelastung verschwindet sie jedoch. Weiter erstreckt sich das Vorkommen ausserdem auf halbschattige Bereiche am Rand von Wiesen, wo diese in den Wald oder Gehölze übergehen und gerade dort ist (v.a. an Nordhängen) auch ein gemeinsames Vorkommen mit dem Bärlauch möglich. Die Blätter treiben, wie der Bärlauch, bereits früh im Jahr (Ende Winter bis März) aus. Zwischen den Blättern wächst dabei die Frucht aus der Blüte des Vorjahres heran. Die Samen sind Ende Frühling reif und dabei öffnet sich die Fruchtkapsel, wodurch sie auf den Boden fallen. Kurze Zeit später sterben die Blätter bereits wieder ab und die Pflanze zieht sich in die unterirdische Sprossknolle (das Speicherorgan der Herbstzeitlose) zurück. Daraus treiben dann im Herbst die Blüten aus (deshalb auch der Name), dessen Kronen Ende Oktober wieder absterben. Die Fruchtknoten der Blüten befinden sich allerdings tief unter der Oberfläche überwintern dort, ehe diese sich im nächsten Frühling zu den Früchten weiterentwickeln.
Die Herbstzeitlose gehört zu den giftigsten Arten Mitteleuropas. Der Giftstoff ist das Alkaloid «Colchizin». Dieses ist ein Mitosegift, das heisst, es hemmt die Zellteilung: Zellen die sich gerade teilen, bleiben in der «Metaphase» gefangen, was zu deren Absterben und damit auch Organschäden führt. Erste Symptome treten nach wenige Stunden nach der Einnahme auf, typischerweise mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Erst viel später, teils erst nach 24 Stunden kommen dann die gefährlichen Symptome, wie Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden, Nierenversagen, usw., was bei tödlichem Ausgang in einem zu einem Multiorganversagen gipfelt. Auch wenn man diese Phase überstanden hat, können wegen den Organschänden noch Tage später Komplikationen mit tödlichen Folgen auftreten, wie z.B. Knochenmarkversagen, was wiederum die Immunabwehr stark schwächt, was rasch zu bakteriellen Infektionen und damit Blutvergiftung führt. Zur Therapie einer Herbstzeitlosenvergiftung steht kein Gegengift zur Verfügung, wodurch sich die Behandlung lediglich auf rasche Giftentfernung und der Behandlung von Komplikationen beschränkt. In den letzten 10 Jahren wurden in der Schweiz und 15 Vergiftungsfälle mit den Herbstzeitlosen gemeldet und seit 1966 verliefen 4 Fälle tödlich. Bei Überlebenden sind abhängig von der Schwere der Vergiftung und dem Zeitpunkt des Therapiebeginn auch Folgeschäden möglich, von denen sich der Körper aber in den meisten Fällen wieder vollständig erholen kann.
Wie das Maiglöckchen ist auch die Herbstzeitlose nicht nur eine Gift-, sondern auch eine Arzneipflanze. So wird das Colchizin zur Behandlung von Gichtanfällen eingesetzt. Bereits in den antiken Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes und des Orients war die Wirkung der Herbstzeitlose bei Gichtanfällen bekannt. Genutzt wurden dabei die Samen und die Knollen (im Frühling gesammelt). Es wurde damals jedoch meist höher dosiert, was zu häufigen Nebenwirkungen und auch schweren Vergiftungen führte. Heuzutage wird das Colchizin zwar aus den Herbstzeitlosen gewonnen, wird dabei aber gut kontrollierbar als Reinsubstanz eingesetzt. Es verhindert bei einem Gicht-Anfall die Entzündung in den Gelenken. Das Colchizin lagert sich dabei in den Weissen Blutkörperchen an, wo es deren Arbeit hemmt und so beim Gicht-Anfall den Teufelskreis von «Auflösung der Harnsäurekristalle > vermindern des PH-Wertes und erneutes Auskristallisieren» unterbricht. Wegen den möglichen Nebenwirkungen wird Colchizin nur niedrig dosiert, ist aber auch so bei Gichtanfällen ausreichend wirksam. Keine Selbstanwendung (schwer dosierbare und potentiell tödliche Giftpflanze)! Entsprechende Medikamente sind verschreibungspflichtig und deren Anwendung bedarf einer ärztlichen Begleitung!
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blattform ähnlich; Parallelnervatur
Unterschiede (u.a.)
drei ineinander verwachsene Blätter, ungestielt
Blätter deutlich länger (20-40cm) und achsenparallel verdreht
Blattunterseite glänzend
Blüten einzeln und mit deutlich grösseren, lila bis rosa Perigonblättern
als Frucht wird ab Frühling eine hellgrüne Kapsel gebildet, die zwischen den Blättern eingebettet ist
gehört zur Familie der Zeitlosengewächse (Colchicaceae)

(Gefleckter) Aronstab (Arum maculatum) - giftig!
Während Maiglöckchen und Herbstzeitlosen sich in den Standorten nur selten mit dem Bärlauch überschneiden, findet man den Aronstab im «Bärlauchfeld» dazugemischt. Zwar sind die Blätter in der Regel pfeilförmig, doch es gibt immer auch wenige Blätter, die praktisch keine rückwärtsgerichteten Lappen aufweisen und so bei unbedachtem Bärlauch-Pflücken rasch in den Korb gelangen können. Die Giftwirkung beruht auf die mikroskopisch kleinen, nadelförmigen Calciumoxalat-Kristalle (Raphiden), die im Zellgewebe unter Druck stehen. Beim Anbeissen und damit Verletzung des Gewebes schiessen die Raphiden daraus hinaus und bohren sich in die Mundschleimhaut und der Zunge. Dies führt innert Sekunden zu einem stechenden Schmerz und Schwellungen. Das ebenfalls im Aronstab enthaltene Aroin verstärkt dabei die Gewebereizungen und -Entzündungen. Beim Runterschlucken entstehen nach dem ähnlichen Prinzip schmerzhafte Reizungen und Schwellungen im Rachen (die wiederum zu Schluckbeschwerden und in seltenen Fällen auch Atemnot führen können).) und im Magen-Darmtrakt. Vergiftungen mit dem Aronstab sind nur selten, da die Pflanzenteile wegen dem brennenden Gefühl im Mund rasch wieder ausgespuckt werden.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
grundständige Rosette; gewisse Blätter können eine ähnliche Form wie beim Bärlauch aufweisen (ohne rückwärtsgerichteten Lappen)
Unterschiede (u.a.)
Blattnerven verästelt (Netznervatur)
Blattgrund pfeilförmig (jüngere Blätter können aber auch teils eiförmig /eilanzettlich sein!)
Blüte sieht komplett verschieden aus
Früchte: rote Beeren in einem ährigen Fruchtstand
gehört zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae)

Seltsamer-/Wunder Lauch (Allium paradoxum) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung
Der Wunderlauch gehört wie der Bärlauch zur Gattung „Lauch“ und schmeckt so typisch Lauch-, Zwiebel-, Schnittlauch-artig, hat aber gleichzeitig auch einen leichten Bitterton. Essbar sind alle Pflanzenbestandteile. Besonders intensiv in Geschmack und Schärfe sind die Brutzwiebeln, d.h. die kleinen oberirdischen Zwiebeln in der Mitte des Blütenstängels, welche der vegetativen Vermehrung „Klonung“ der Pflanze dienen. Der Wunderlauch ist wie der Bärlauch ein Frühlings-Geophyt, treibt jedoch etwas früher aus, in milden Winter teils bereits sogar im Dezember / Januar. Die Art ist bei uns ein Neophyt und stammt ursprünglich aus dem Raum Kaukasus-Iran-Zentralasien. Ab dem 19. Jahrhundert wurde er bei uns in den Gärten angepflanzt und ist dabei an gewissen Orten auch in die freie Natur verwildert. Vor allem in der Gegend rund um Berlin kommt die Art sehr oft vor, weshalb ein weiterer Name davon auch „Berliner-Lauch“ lautet. Generell scheint er sich als wärmeliebende Art v.a. in den Wärmeinseln um die Grossstädte wohlzufühlen. So auch in der Schweiz, wo die Art generell sehr selten vorkommt, aber zumindest um die Städte Basel und Zürich etabliert ist. Der Wunderlauch wächst wie der Bärlauch in Wäldern, kommt aber auch im Halbschatten (Waldrand, Waldweg-Rand, lichte Wälder) und auf Wiesen / Parkflächen, bzw. Ruderalflächen vor. Im Gegensatz zum Bärlauch verträgt er auch etwas trockenere und saure Standorte, bzw. Standorte mit etwas gestörter Humusschicht. Mit den Brutzwiebeln kann sich die Art sehr rasch vegetativ vermehren und so grossflächige, dichte Bestände bilden, so dass auch heimische Frühlings-Geophyten, wie das Scharbockskraut, das Buschwindröschen und der Bärlauch verdrängt werden können. Das sehr geringe Vorkommen des Bärlauchs in Berlin hat jedoch eher Gründe, die mit der Bodenbeschaffenheit aufgrund der dortigen Geologie zusammenhängen und können nicht allein durch ein aggressives Verdrängen durch den Wunderlauch zurückgeführt werden.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
separater Blütenstängel 3-kantig (jedoch schärfer)
Unterschiede (u.a.)
nur ein Blatt pro Pflanze,
Blattform deutlich lanzettlich; Blatt gebogen; Mittelnerv oben hervortretend
Am Ende des Blütenstiels mehrere gelbgrüne, kugelige Brutblätter und Hüllblätter: davon zweigen dann die lang gestielten Blüten ab
Blüten weiss, glockenförmig; Perigonblätter mit feinen grünen Längsstreifen

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