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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Bärwurz (Meum athamanticum)

Illustration der Bärwurz (Meum athamanticum). Die Bestimmungsmerkmale sind graphisch sehr übersichtlich darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a.: Blätter fiederlinealisch mit dünnen Zipfel, Endzipfel quirlig angeordnet, Früchte eiförmig und gerippt, Art sehr aromatisch, usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Doldenblütler (Apiaceae), Gattung: Meum

"Der absolute super-würzige Geheimtipp, egal ob als Gewürz, Suppe, usw. Leider wächst die Art in den Alpen kaum, dafür umso mehr massenweise in kristallinen Mittelgebirge wie dem Schwarzwald oder dem Bayrischen Wald."

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

> wie bestimme ich Bärwurz und wo kommt die Art vor?


Blattanordnung: Austrieb im Frühling als Grundrosette; ab der Stängelbildung im Spätfrühling auch mit1-2 wechselständigen Stängelblättern


Blätter: lang gestielt; eilanzettlich, 15-30 cm lang; mehrfach fiederlinealisch (Zipfel «haardünn»); Endzipfel ca. 2 bis 6mm lang und scheinbar quirlig angeordnet (Endzipfel zweigen fast aus demselben Punkt ab); OS dunkelgrün; starker Fenchel-ähnlicher Geruch


Stängel: 20-60cm hoch; kantig, kahl; am Grund mit einem Faserschopf (Reste der verwelkten Blattscheiden aus den Grundblättern)


Blüten: in endständigen, 5-15 strahligen Doppeldolden angeordnet; z.T. mit bis zu 6 Hüllblättern; viele schmal-lanzettliche Hüllblättchen; Kronblätter weiss bis gelblich-weiss; blüht Mai bis August


Früchte: länglich-eiförmig; ca. 7mm lang; kantig-gerippt; Fruchtstiele verschieden lang


Zeigerwerte: hell, frisch, nährstoffarm, stark sauer


typische Standorte: Magerwiesen, magere Weiden (in erhöhten Lagen über kalkarmem Gesteinsuntergrund)

Fotos

Verwendung​

> Verwendung von Bärwurz in der Wildkräuterküche


wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (v.a. Beta-Ocimen, p-Cymen, Gamma-terpinen, Delta-3-Caren, in den Wurzeln und Früchten Z-Ligustilid, usw.)


Giftigkeit: Bärwurz ist ungiftig / problemlos essbar.


gefährliche Verwechslungen: evtl. mit giftigen fiederlanzettlichen Doldenblütlern, wie dem Gefleckten Schierling oder der Hundspetersilie (dessen Zipfel jedoch deutlich breiter sind); mit gewissen Doldenblütler-Arten aus der Gattung Rebendolde (Oenanthe), die ebenfalls fiederlinealische Blätter haben und hochgiftig sind (die jedoch "Wasser/-Uferpflanzen in tiefen-wärmeren Lagen" darstellen)


Kulinarische Verwendung

zu den Grundrezepten




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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art



Ein sehr angenehm und intensiv duftendes Kraut


Bei der Bärwurz handelt sich um eine äusserst würzig-aromatische Pflanze. Der Geruch hat seine ganze eigene Note und erinnert am ehesten an Fenchel. Allerdings findet man bei der Zusammensetzung des Ätherischen Öls nicht die für Fenchel typischen Komponenten (wie trans-Anethol oder Fenchon), sondern eine Mischung aus Beta-Ocimen, Gamma-Terpinen, usw, was vermutlich im Gesamtmuster einen ähnlichen Geruchs-Eindruck auslöst. Das Gute ist ausserdem: Der angenehme Geruch verschwindet nicht sofort wenn die Pflanze mehrere Tage getrocknet wird, d.h. geschmacklich lässt sich Bärwurz sehr gut getrocknet konservieren.


Was bei der sauberen Bestimmung noch so zu beachten ist


Bei der Bestimmung typisch sind die haarfeinen Zipfel, die eine Breite von deutlich unter 0.5mm (meist 0.2mm) aufweisen. Die Blätter lassen sich deshalb problemlos von den entsprechend bekannten hochgiftigen Doldenblütlern mit fiederlanzettlichen Blättern (wie z.B. der Hundspetersilie) unterscheiden, dessen Fiedern deutlich breiter sind (mind. mehrere mm). Eine gewisse Ähnlichkeit besteht höchstens zu den oberen Stängelblättern von gewissen Arten aus der Gattung Rebendolde (Oenanthe), deren Zipfel bei den Grundblättern jedoch ebenfalls deutlich breiter sind. Ausserdem handelt es sich bei den Rebendolden um Wasserpflanzen tiefer (warmer) Lagen.


Lebensraum von Bärwurz - kommt v.a. in kristallinen Mittelgebirgen vor


Bärwurz wächst nicht im Tiefland, sondern nur in erhöhten Lagen, ab ca. 700 m ü. M. in der Schweiz. Für Deutschland wird hingegen meist eine Mindest-Meereshöhe von ca. 400 bis 500 m ü. M. angegeben. Bärwurz kann bis zur Baumgrenze und teils auch darüber hinaus vorkommen. Die Art braucht sehr sauren und nährstoffarmen Boden und kommt deshalb v.a. in Gebieten mit einem kristallinen Gesteinsuntergrund vor.


In den kristallinen deutschen Mittelgebirgen, wie dem Schwarzwald, dem Bayrischen Wald oder dem Erzgebirge tritt sie dabei sehr häufig auf. In den Alpen fehlt die Art jedoch weitestgehend, bzw. ist nur in vereinzelten kleinräumig-lokalen Gebieten nachgewiesen. Ihr Status gilt in der Schweiz sogar als "verletzlich" (VU). Viele alpine Bestände sind dabei in den letzten Jahrzehnten weiter verschwunden. Der Bestand in den Alpen war aber auch bereits früher lückenhaft, d.h. es handelt sich nicht um eine typische Alpenpflanze.


Die Art gedeiht eher im ozeanisch geprägten Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit, kühlen Sommern und milden Wintern. Die Kristallingebiete der Alpen (wo es der Bärwurz vom Boden her passen würde) liegen dabei jedoch meist inneralpin, wo ein kontinentales (statt ein ozeanisches) Klima vorherrscht und/oder die Winter zu kalt sind. In den Voralpen wiederum, wo eher ein ozeanisches Klima vorherrscht, sind durch die Kalk-Dominanz die Bodenverhältnisse ungünstig.


In den kristallin geprägten Mittelgebirgen hingegen kommen sowohl das ozeanische Klima, wie auch die Bodenverhältnisse zusammen, so dass die Art vor allem dort weit verbreitet ist. Weiter wird auf Basis von genetischen Untersuchungen (siehe Huck et a 2012 - Ice-age isolation, postglacial hybridization and recent population bottlenecks shape the genetic structure of Meum athamanticum in Central Europe) diskutiert, dass die Bärwurz möglicherweise die letzte Eiszeit in Mitteleuropa in einzelnen Rückzugsräumen am Rande, bzw. Vorland dieser Mittelgebirge überdauert haben könnte und so nach der Eiszeit von dort aus die entsprechenden Hügelregionen rasch besiedelt werden konnten.


Die Bärwurz verträgt problemlos 1-2 Schnitte pro Jahr und kann so nach einer Mahd rasch wieder austreiben. Extensive Heuwirtschaft (wenige Schnitte pro Jahr, keine Düngung bzw. durch Ernte eher Nährstoffentzug) die früher (für das Winterfutter) auf gewissen Wiesen in den Mittelgebirgsregionen verbreitet war (und heute teils noch als Ökoflächen existieren), kommt dabei der Bärwurz entgegen. Auch auf extensiv genutzten Weiden kann sich die Bärwurz behaupten.


Traditionelle Nutzung von Bärwurz als Würze, für Schnaps und als Heilpflanze


Im Schwarzwald und dem Bayrischen Wald wird die Art auch traditionell für kulinarische Leckerbissen genutzt. So findet sich im Bayrischen Wald (wo die Pflanze unter Naturschutz steht) unter dem Namen «Bärwurz» ein entsprechender Schnaps aus den Wurzeln. Im Erzgebirge wurden die Bärwurzblätter auch für Suppen genutzt ("Köppernickel-Suppe").


Die Wurzeln waren pulverisiert, in Wein ausgezogen oder als Tinktur auch eine traditionelle Arzneidroge, v.a. im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen, Appetitlosigkeit, usw. Auch als Menstruations-, bzw. Geburts-fördernd wurde die Bärwurz in der früheren Volksheilkunde beschrieben. Auf Basis dieser Verwendung gibt es auch eine mögliche Erklärung für die Herkunft des Artnamens "Bärwurz" aus "Gebärwurz". Historisch wurde die Art früher teils auch "Mutterwurz" genannt, darf jedoch nicht mit der gleichnamigen Alpen-Mutterwurz (Ligusticum mutellina) verwechselt werden.

 

mögliche Verwechslungen

Augenwurz (Athamanta cretensis)

ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


>>> mehr zur Augenwurz bei der entsprechenden Pflanzenbeschreibung im erdflow-Phytikon <<<


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • fiederlinealische Blätter

  • Stängel am Grund mit Faserschopf

  • Blatt zerrieben sehr aromatisch

  • gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae), deshalb auch kleine weisse Einzelblüten in endständigen Doppeldolden angeordnet

  • Bergpflanze


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter, Stängel und Früchte dicht grau behaart

  • Hüllblättchen an Rand trockenhäutig

  • Frucht nur leichtgerippt in der Form eher «flaschenförmig» (wird ganz oben wieder etwas breiter)

  • Vorkommen nur auf kalkhaltigem Gestein auf Schutt / Felsen (nicht auf "normalen" Wiesen)



zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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