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Bärwurz (Meum athamanticum)

Familie: Doldenblütler (Apiaceae), Gattung: Meum
"Der absolute super-würzige Geheimtipp, egal ob als Gewürz, Suppe, usw. Leider wächst die Art in den Alpen kaum, dafür umso mehr massenweise in kristallinen Mittelgebirge wie dem Schwarzwald oder dem Bayrischen Wald."
Bestimmung
Blattanordnung: Austrieb im Frühling als Grundrosette; ab der Stängelbildung im Spätfrühling auch mit 1-2 wechselständigen Stängelblättern
Blätter: lang gestielt; eilanzettlich, 15-30 cm lang; mehrfach fiederlinealisch (Zipfel «haardünn»); Endzipfel ca. 2 bis 6mm lang und scheinbar quirlig angeordnet (Endzipfel zweigen fast aus demselben Punkt ab); OS dunkelgrün; starker Fenchel-ähnlicher Geruch
Stängel: 20-60cm hoch; kantig, kahl; am Grund mit einem Faserschopf (Reste der verwelkten Blattscheiden aus den Grundblättern)
Blüten: in endständigen, 5-15 strahligen Doppeldolden angeordnet; z.T. mit bis zu 6 Hüllblättern; viele schmal-lanzettliche Hüllblättchen; Kronblätter weiss bis gelblich-weiss; blüht Mai bis August
Früchte: länglich-eiförmig; ca. 7mm lang; kantig-gerippt; Fruchtstiele verschieden lang
Zeigerwerte: hell, frisch, nährstoffarm, stark sauer
typische Standorte: Magerwiesen, magere Weiden (in erhöhten Lagen über kalkarmen Gesteinsuntergrund)
gefährliche Verwechslungen: evtl. mit giftigen fiederlanzettlichen Doldenblütlern, wie dem Gefleckten Schierling oder der Hundspetersilie (dessen Zipfel jedoch deutlich breiter sind); mit gewissen Arten aus der Gattung Rebendolde (Oenanthe), die ebenfalls fiederlinealische Stängelblätter haben und hochgiftig sind (Abschnitte der Grundblätter sind jedoch breiter und ausserdem handelt es sich um "Wasser/-Uferpflanzen in tiefen-wärmeren Lagen")
Fotos




besteht aus abgestorbenen Grundblättern




Verwendung
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (v.a. Beta-Ocimen, p-Cymen, Gamma-terpinen, Delta-3-Caren, in den Wurzeln und Früchten Z-Ligustilid, usw.)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (würzig, mild > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Suppe, Pesto, Sauce, Kräuterlikör
Blüten (würzig, mild > mehr dazu): essbare Dekoration, Gewürz
Früchte (würzig, mild > mehr dazu): Gewürz
Wurzel (aromatisch bis würzig > mehr dazu): getrocknet und vermahlen als Gewürzmehl, Likör
Beschreibung
Bei der Bärwurz handelt sich um eine äusserst würzig-aromatische Pflanze. Der Geruch hat seine ganze eigene Note und erinnert am ehesten an Fenchel. Allerdings findet man bei der Zusammensetzung des Ätherischen Öls nicht die für Fenchel typischen Komponenten (wie trans-Anethol oder Fenchon), sondern eine Mischung aus Beta-Ocimen, Gamma-Terpinen, usw, was vermutlich im Gesamtmuster einen ähnlichen Geruchseindruck auslöst. Das Gute ist ausserdem: Der angenehme Geruch verschwindet nicht sofort wenn die Pflanze mehrere Tage getrocknet wird, d.h. geschmacklich lässt sich das Ganze gut konservieren.
Bei der Bestimmung typisch sind die haarfeinen Zipfel, die eine Breite von deutlich unter 0.5mm (meist 0.2mm) aufweisen. Die Blätter lassen sich deshalb problemlos von den entsprechend bekannten hochgiftigen Doldenblütlern mit fiederlanzettlichen Blättern (wie z.B. der Hundspetersilie) unterscheiden, dessen Fiedern deutlich breiter sind (mind. mehrere mm). Eine gewisse Ähnlichkeit besteht höchstens zu den oberen Stängelblättern von gewissen Arten aus der Gattung Rebendolde (Oenanthe), deren Zipfel bei den Grundblättern jedoch ebenfalls deutlich breiter sind. Ausserdem handelt es sich bei den Rebendolden um Wasserpflanzen tiefer (warmer) Lagen.
Die Bärwurz wächst nicht im Tiefland, sondern nur in höheren Lagen ab ca. 700 m ü. M. in der Schweiz, bzw. für Deutschland wird meist eine Mindest-Meereshöhe von ca. 400 bis 500 m ü. M. angegeben. Sie kann bis zur Baumgrenze und teils auch darüber hinaus vorkommen. Die Art braucht sehr sauren und nährstoffarmen Boden und kommt deshalb v.a. in Gebieten mit einem kristallinen Gesteinsuntergrund vor.
In den kristallinen deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, dem Bayrischen Wald oder dem Erzgebirge tritt sie dabei sehr häufig auf. In den Alpen fehlt die Art jedoch weitestgehend, bzw. ist nur in vereinzelten kleinräumig-lokalen Gebieten nachgewiesen. Ihr Status gilt in der Schweiz sogar als "verletzlich" (VU). Viele alpine Bestände sind dabei in den letzten Jahrzehnten weiter verschwunden. Der Bestand in den Alpen war aber auch bereits früher lückenhaft, d.h. es handelt sich nicht um eine typische Alpenpflanze. Die Art gedeiht eher im ozeanisch geprägten Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit, kühlen Sommern und milden Wintern. Die Kristallingebiete der Alpen (wo es der Bärwurz vom Boden her passen würde) liegen dabei jedoch meist inneralpin, wo ein kontinentales (statt ein ozeanisches) Klima vorherrscht. In den Voralpen wiederum, wo ein eher ozeanische Klima vorherrscht, sind durch die Kalk-Dominanz die Bodenverhältnisse ungünstig.
In den kristallin geprägten Mittelgebirgen hingegen kommen sowohl das ozeanische Klima wie auch die Bodenverhältnisse zusammen, so dass die Art vor allem dort weit verbreitet ist. Weiter wird auf Basis von genetischen Untersuchungen (Huck et a 2012) diskutiert, dass die Bärwurz möglicherweise die letzte Eiszeit in Mitteleuropa in einzelnen Rückzugsräumen am Rande, bzw. Vorland dieser Mittelgebirge überdauert haben könnte und so nach der Eiszeit von dort aus die entsprechenden Hügelregionen rasch besiedelt werden konnten.
Im Schwarzwald und dem Bayrischen Wald wird die Art auch traditionell für kulinarische Leckerbissen genutzt. So findet sich im Bayrischen Wald (wo die Pflanze unter Naturschutz steht) unter dem Namen «Bärwurz» ein entsprechender Schnaps aus den Wurzeln. Im Erzgebirge wurden die Bärwurzblätter auch für Suppen genutzt ("Köppernickel-Suppe"). Die Wurzeln waren pulverisiert, in Wein ausgezogen oder als Tinktur auch eine traditionelle Arzneidroge, v.a. im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden wie Bauchkrämpfe, Blähungen, Appetitlosigkeit, usw. Auch als Menstruations-, bzw. Geburts-fördernd wurde die Bärwurz in der früheren Volksheilkunde beschrieben. Auf Basis dieser Verwendung gibt es auch eine mögliche Erklärung für die Herkunft des Artnamens "Bärwurz" aus "Gebärwurz". Historisch wurde die Art früher teils auch "Mutterwurz" genannt, darf jedoch nicht mit der gleichnamigen Alpen-Mutterwurz (Ligusticum mutellina) verwechselt werden.
Die Bärwurz verträgt problemlos 1-2 Schnitte pro Jahr und kann so nach einer Mahd rasch wieder austreiben. Extensive Heuwirtschaft (wenige Schnitte pro Jahr, keine Düngung bzw. durch Ernte eher Nährstoffentzug) die früher (für das Winterfutter) auf gewissen Wiesen in den Mittelgebirgsregionen verbreitet war (und heute teils noch als Ökoflächen existieren), kommt dabei der Bärwurz entgegen. Auch auf extensiv genutzten Weiden kann sich die Bärwurz behaupten.
mögliche Verwechslungen
Augenwurz (Athamanta cretensis) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
>>> mehr zur Augenwurz bei der entsprechenden Pflanzenbeschreibung im erdflow-Phytikon <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
fiederlinealische Blätter
Stängel am Grund mit Faserschopf
Blatt zerrieben sehr aromatisch
gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae), deshalb auch kleine weisse Einzelblüten in endständigen Doppeldolden angeordnet
Bergpflanze
Unterschiede (u.a.)
Blätter, Stängel und Früchte dicht grau behaart
Hüllblättchen an Rand trockenhäutig
Frucht nur leichtgerippt in der Form eher «flaschenförmig» (wird ganz oben wieder etwas breiter)
Vorkommen nur auf kalkhaltigem Gestein auf Schutt / Felsen (nicht auf "normalen" Wiesen)

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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