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Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Melissen (Melissa)
"ein mediterranes Kraut und eine Heilpflanze, welche sich immer mehr in der freien Natur Mitteleuropas ausbreitet"
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme / erkenne ich die Zitronenmelisse und wo kommt die Art vor ?
Blätter: kreuzgegenständig; eiförmig (untere Blätter am Grund oft leicht herzförmig); 2 bis 8cm lang; oft am Grund in den kurzen Blattstiel verschmälernd; Blattrand grob gesägt; schuppiges Blattmuster; starker Zitronengeruch
Stängel: 30 bis 90 cm hoch; 4-kantig, kurz behaart, verzweigt
Blüten: 3 bis 6 Einzelblüten zusammen aus den Achseln der Blätter in Halb-Schneinquirlen, diese einheitswendig; Krone weiss und ca. 1cm lang, Kronröhre aufwärts gebogen; Oberlippe flach; Kelch glockenförmig und mit grannig verlängerten Lappen (3 oben, 2 unten); blüht Juni bis August
Früchte: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind
Zeigerwerte: halbschattig, mässig feucht, nährstoffreich, neutral bis basisch
typische Standorte: Wegränder, Mauern, Unkrautfluren, Waldwegränder, Ruderalflächen
Fotos

©majaan – stock.adobe.com



Verwendung
> Zitronenmelisse in der Wildkräuterküche und als Heilpflanze verwenden
Inhaltsstoffe: Ätherische Öle (u.a. Citral, Citronellal,…), Gerbstoffe (u.a. Rosmarinsäure), Phenolsäure, Schleimstoffe
Giftigkeit: Die Zitronenmelisse ist ungiftig / essbar.
Kulinarische Verwendung
Blätter (intensiv zitronig würzig > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz, Kräutersalz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Tee

Zitronenmelisse als Heilpflanze / Heilwirkungen der Zitronemmelisse / Verwendung in der evidenzbasierten Phytotherapie
zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Herpes: Die postulierte Wirkung gegen Herpes basiert auf die enthaltenen Ätherischen Öle und der Rosmarinsäure, welche einen antiviralen Effekt gegen Herpes-Viren aufweisen. Eine bestimmte Creme Namens Lomaherpan©, auf Basis eines Trockenextraktes mit wässrigem Auszug von Zitronenmelisse-Blätter, ist im Handel erhältlich und wird dabei als Lippenpflegecreme (d.h. nicht offiziell als "Herpes-Behandlungcreme") vermarktet. Mit diesem Produkt wurden auch klinische Studien zur Behandlung gegen Herpes durchgeführt, allerdings mit geringer methodischer Qualität. Weiter sind Angaben über die genaue Herstellung dieses Produktes limitiert. Von Seiten HMPC gibt es für die Behandlung gegen Herpes keine Anerkennung (auch nicht als «traditional use»). Zumindest zeigen aber Laborstudien antivirale Wirkungen wodurch die postulierte Wirkung nicht komplett unplausibel erscheint.
Da der Wirkkomplex sowohl Wasser- als auch fettlösliche Substanzen umfasst, wird als Basis für selbst hergestellte Cremes am besten eine Kombination von Tinktur (5:1, Ethanol 70%, Anteil in der Creme ca. 10%), sowie einem Tee- und Ölauszug verwendet.
Stress: Die Anwendung mit Zitronenmelisse zu Linderung leichter stressbedingter Symptome und Unterstützung des Schlafes wird von HMPC als «traditional use» anerkannt. Es sind zwar in diesem Zusammenhang klinische Studien an Menschen durchgeführt worden, doch diese erfüllen gemäss HMPC die erforderliche Qualität und Standardisierung nicht für ein «well established use». Tier- und Laborstudien machen die Anwendung jedoch zumindest plausibel. So zeigen Citral und Citronellal in Tierstudien beruhigende und angstlösende Effekte, in dem diese die GABA-A-Rezeptoren im zentralen Nervensystem aktivieren. Die Einnahme im Hausapotheken-Bereich erfolgt in Form von Tee (2 bis 2 TL klein geschnittenes Kraut in 150ml heissem Wasser für 5 bis 10min ausziehen, Anwendung 2 bis 3x täglich) oder Tinktur (1:5, Ethanol 45%, Anwendung 3x am Tag, mit 2 bis 6 ml täglich). Anwendung maximal 2 Wochen.
Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen: HMPC anerkennt auch die traditionelle Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden (Krämpfe, Blähungen, usw.), denn die Ätherischen Öle haben auch einen krampflösenden und blähungslindernden Effekt. Die Anwendung erfolgt analog wie bei den stressbedingten Beschwerden.
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Die Zitronenmelisse stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und fand ab dem frühen Mittelalter, mit der Ausbreitung der Klosterheilunde, ihren Weg in die Gärten Mitteleuropas, wo sie seither als Arznei- und Gewürzkraut angebaut wird.
Die Zitronenmelisse profitiert in Mitteleuropa vom Klimawandel
Die Ätherischen Öle Citral und Citronellal sorgen für den Zitronenduft
Lebensstrategie der Zitronenmelisse
Die Zitronenmelisse ist mehrjährig und die oberirdischen Triebe sterben jeweils im Herbst ab. Während die Art in milden Wintern in einer Grundrosette überwintert, zieht sich in strengen Wintern ins Rhizom unter der Bodenoberfläche zurück und treibt erst im Frühling wieder aus. Starker Frost zerstört die Rhizome. Die Zitronenmelisse benötigt eine lange Vegetationsdauer und so erfolgt die Blütezeit und die Samenreife auch erst spät im Jahr.
Die Zitronenmelisse profitiert in Mitteleuropa vom Klimawandel
Da die warme Jahreszeit für die Bildung von Samen in Mitteleuropa bisher zu kurz war (und besonders strenge Winter die Rhizome zerstören), ist die Zitronenmelisse in der Vergangenheit nur gelegentlich von den Gärten in die freie Natur verwildert. Mit den zunehmend milden Wintern der letzten Jahrzehnte breitet sie sich jedoch mittlerweile im Tiefland, v.a. in wärmebegünstigten Lagen, immer mehr aus. So fehlen strenge Frostphasen zunehmend und auch die Länge der Vegetationsperiode reicht immer öfters, dass sich auch ausreichend Samen bilden können. Die Zitronenmelisse kann sich auch mit den kriechenden Rhizomen vegetativ ausbreiten und so rasch dichte Bestände bilden.
Die Ätherischen Öle Citral und Citronellal sorgen für den Zitronenduft
Bei den Ätherischen Ölen machen v.a. Citral und Citronellal den Hauptbestandteil aus (diese Stoffe findet man zwar auch in der Zitrone, doch dort macht Limonen den Hauptbestandteil aus). Die Zitronenmelisse bildet diese Stoffe zur Abwehr gegen Fressfeinde und Befall durch Bakterien oder Pilzen. Gleichzeitig werden dabei aber auch bestäubende Insekten (v.a. Honigbienen und Hummeln) angelockt.
mögliche Verwechslungen
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zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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