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Silbermantel / Alpen-Frauenmantel (Alchemilla alpina aggr.)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Frauenmantel (Alchemilla)
"Silbermantel-Arten findet man oft im Gebirge auf Felsen, Schutt oder Gebirgsrasen. Die Nutzung als Gerbstoff-Heilpflanze entspricht dem Gemeinen Frauenmantel."
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme ich den Silbermantel / Alpen-Frauenmantel und wo kommt er vor?
Blattanordnung: Grundrosette und wechselständige Stängelblätter
Blätter: rund, 3-6cm Durchmesser; handförmig-eingeschnitten mit 5-7 Fiedern; mittlere Fiedern bis ganz zum Grund, resp. die äusseren Fiedern nur bis fast zum Grund eingeschnitten
Fiedern: lanzettlich, ca. 1-3cm lang; vorne am Rand gesägt; OS meist dunkelgrün und glänzend; US dicht silbrig-seidig-glänzend behaart
Stängel: 10-30cm hoch; aufrecht; mit kleinen niederliegenden und sterilen Seitentrieben
Blüten: in endständigen dichten Blütenständen angeordnet, blüht Juni bis September
Einzelblüten: klein und unscheinbar; gelbgrün; ohne Kronblätter; 4-5 spitze Kelchblätter; inkl. Aussenkelch
Früchte: Nussfrüchte, die in den Kelch eingehüllt sind
Zeigerwerte: hell, mässig feucht, nährstoffarm, sauer
typische Standorte: In den Alpen über kristallinem Gestein (ist kalkmeidend!) ab ca. 800 m ü. M. bis auf 3000 m ü. M. auf Felsen, über Schutt und auf alpinen Rasen
Fotos

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Verwendung
> Silbermantel / Alpen-Frauenmantel in der Wildkräuterküche und als Heilpflanze verwenden
wichtige Inhaltsstoffe Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe
Giftigkeit: Der Silbermantel ist ungiftig / essbar.
Kulinarische Verwendung
Blätter (leicht aromatisch, herb, stark adstringiernd > mehr dazu): jung im Salat oder als Blattgemüse / Gemüsebeigabe; Tee
Silbermantel als Heilpflanze / Heilwirkung von Silbermantel / Verwendung in der evidenzbasierten Phytotherapie
zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Für einen Tee werden 2-4 TL des zerkleinerten Krautes (Blätter / Blüten) in einer Tasse heissem Wasser für 10 bis 15 min ausgezogen. Durch den hohen Gerbstoffgehalt eignen sich die Blätter / Blüten für typische Gerbstoff-Heilanwendungen.
Wunden (Blutstillung und Desinfektion): Dafür eignen sich Umschläge aus dem Teeauszug
Hautentzündungen / Neurodermitis (nasses Ekzem): Verwendet werden Umschläge aus dem Teeauszug. Die Umschläge werden ca. 3x am Tag für 1-2h aufgelegt und sind alle 10-20min zu erneuern (sobald sie warm und trocken sind). In der Zeit zwischen zwei Umschlägen werden feuchte Kompressen aufgelegt (resp. locker angebracht). Die Therapie darf jeweils nicht länger als 2-3 Wochen angewendet werden ist. Es ist auch eine Behandlung mittels Hand-, Fuss-, Sitz- oder Vollbäder möglich.
Entzündungen im Mund-Rachenraum: Mehrmals täglich den Teeauszug gurgeln.
Durchfall: Mehrere Tassen des Teeauszug über den Tag verteilt trinken.
Entzündung von Zähnen und Zahnfleisch: Blätter kauen
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Silbermantel als Bergpflanze
Der Name Silbermantel kommt von den silbrig scheinenden Blattunterseiten. Da die Art vom Lebensraum her kristallinen Untergrund («Silikatgestein») bevorzugt, wird sie auch "Silikat-Silbermantel" genannt. Typisch sind die handförmig und tief eingeschnittenen runden Blätter, die auf der Unterseite silbrig-seidig-glänzend behaart sind. Der seidige Glanz entsteht dabei durch die parallele Anordnung der dicht angeordneten Haare. Der Funktion dieser Behaarung ist bisher nicht geklärt. Es könnte sich um einen Schutz vor UV-Strahlung handeln. Gutation wie beim Gemeinen Frauenmantel, wird auch beim Silbermantel beschrieben.
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Fortpflanzung beim Silbermantel
Wie beim Gemeinen Frauenmantel entsteht auch beim Silbermantel der Embryo nur durch eine direkte Teilung der Eizelle, ohne Befruchtung durch eigenes oder fremdes Spermium, wodurch die aus den Samen gekeimten Nachkommen jeweils Klone der Mutterpflanze darstellen. Deshalb kommen auch, wie beim Gemeinen Frauenmantel, zahlreiche Kleinarten vor, die als Aggregat zusammengefasst werden. Auch Plodiestufen sind beim Silbermantel (wie beim Gemeinen Frauenmantel) weit verbreitet. Obwohl für die Fortpflanzung sinnlos, bilden die Blüten als evolutionären Überbleibsel etwas Nektar und Pollen und werden daher auch von Insekten besucht.
Komplexe Taxonomie bei den verschiedenen "Silbermantel"-Arten
Der Silbermantel kann mit diversen weiteren Artengruppen aus der Gattung Frauenmantel (Alchemilla) verwechselt werden, die im Namen jeweils das Wort "Silbermantel" enthalten. Diese Arten haben jeweils ebenfalls runde, handförmig-geschnittenen Blätter mit silbrig behaarter Unterseite und lanzettliche Teilblätter, die vorne gezähnt sind. Die Unterscheidung zwischen diesen "Silbermäntel" erfolgt dabei meist durch kleine Details, wie die Tiefe der Einschnitte, Länge der Blattzähne, der Blattfarbe, genaue Ausbildung der Blattbehaarung, der Stängellänge, dem Vorhandensein von sterilen Seitensprossen, usw. Alle diese "Silbermäntel" sind jedoch ungiftig und können identisch wie der Silikat-Silbermantel verwendet werden. In der Regel handelt es sich bei diesen entsprechenden Arten ausserdem ebenfalls um Bergpflanzen mit einem Lebensraum im Bereich von Fels, Schutt und Gebirgsrasen. Zu erwähnen sind die Arten aus der Gruppe «Alchemilla conjuncta superaggr.» (Kalk-Silbermantel-Superaggregat), die vor allem über kalkhaltigem Gestein vorkommen: Deren Stängel sind niederliegend (ganze Teppiche bildend) und deren mittleren Teilblätter sind nicht bis zum Grund eingeschnitten. Beim in den Voralpen oder auch den höheren Lagen vom Jura häufigen Kalk-Silbermantel «Alchemilla conjuncta aggr.» ist die Farbe der Blattoberseite eher graugrün.

Die kulinarische und heiltechnische Nutzung der diversen «Silbermäntel» als typische Gerbstoffpflanzen, entspricht im Wesentlichen dem Gemeinen Frauenmantel.
mögliche Verwechslungen
Mit anderen optisch fast identischen weiteren Silbermantel-Artengruppen, die jedoch alle ungiftig sind und identisch verwendet werden können.

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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