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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

Illustration des Kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor). Die Bestimmungsmerkmalen sind graphisch darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Wiesenkopf (Sanguisorba)

"der Kleine Wiesenknopf ist das perfekte Kraut zum Aromatisieren von Saucen"

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

> wie bestimme / erkenne ich den Kleinen Wiesenknopf und wo kommt die Art vor?


Blattanordnung: Blätter in Grundrosette; während der Blüte und Fruchtzeit auch Stängel mit wechselständigen Stängelblättern


Blätter: gefiedert; ca. 11- bis 31-zählig; unterste Fiederpaare meist etwas versetzt an der Blattspindel angeordnet

  • Fiedern: sitzend bis gestielt; oval, 1 bis 2.5 cm lang; Rand grob und scharf nach vorne gesägt (pro Seite 3-9 Zähne, Endzahn meist kleiner); OS und US grau- bis blaugrün; US heller


Stängel: 20 bis 50cm hoch; rund bis gefurcht; aufrecht; meist unverzweigt; oft rötlich überlaufen


Blüten: in endständigen, kugeligen bis zylindrischen (0.8 bis 1.5cm langen) Blütenköpfen angeordnet; Einzelblüten ohne Kronblätter; 4 Kelchblätter (oft am Rand rötlich überlaufen); 2 rote Griffel mit pinselförmiger Narbe; 20-30 beige Staubblätter (die länger als der Kelch sind); am Grund der Blüte jeweils ein Tragblatt und 2 Vorblätter; blüht Mai bis August


Früchte: kleine 1-samige Nüsschen; bleibt am Fruchtstand in den sich verholzenden Kelchblättern eingeschlossen


Zeigerwerte: hell, mässig trocken (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffarm, neutral bis basisch


typische Standorte: Trockenwiesen; im Tiefland auch auf eher trockenen Fettwiesen

Fotos

Verwendung​

> Verwendung vom Kleinen Wiesenknopf in der Wildkräuterküche


wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Flavonoide, wenig Saponine


Giftigkeit: Der Kleine Wiesenknopf ist ungiftig / essbar.


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



  • Blütenköpfe (leicht aromatisch, aber auch astringierend > mehr dazu): essbare Dekoration


  • Nüsschen (fade bis leicht nussig, herb > mehr dazu): kleiner Snack vor Ort; kleine Beigabe im Salat,, Müesli, Joghurt, etc. –sind eher hart und lassen sich auch nicht wirklich weichkochen


kulinarische Verwendung des Kleinnen Wiesenknopf: Sauce und Gemüse

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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art



Der Kleine Wiesenknopf ist Windbestäuber und hat keine Kronblätter


Der Kleine Wiesenknopf gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Dies ist insofern speziell, als dass die Erscheinung der Blüten gar nicht zu den typischen Eigenschaften dieser Familie passt. So hat der Kleine Wiesenknopf nicht wie üblich 5 Kelchblätter, sondern nur deren vier. Kronblätter, die bei den Rosengewächsen meist schön und ausladend sind, fehlen beim Kleinen Wiesenknopf sogar ganz. Dies liegt daran, dass die Art den Pollen hauptsächlich über den Wind verbreitet und deshalb nicht um jeden Preis Bestäuber anlocken muss. Insektenbestäubung findet jedoch trotzdem manchmal statt.


Die Blüten des Kleinen Wiesenknopfes sind vorweiblich um Selbstbestäubung zu vermeiden


Die Blütenköpfe des Kleinen Wiesenknopfes blühen schrittweise von unten nach oben auf. Dabei reifen die weiblichen Blütenorgane vor den männlichen Blütenorganen (vorweiblich). Dabei ergibt sich innerhalb des Blütenkopfes meist eine Anordnung von Einzelblüten mit den roten Griffeln oben, sowie Einzelblüten mit den beigen Staubblättern unten. Durch diese räumliche Trennung wird Selbstbestäubung vermieden. Häufig findet man dazwischen aber auch noch einen Überlappungsbereich, wo bei den Einzelblüten dann sowohl noch Fruchtblätter, als auch bereits Staubblätter gleichzeitig reif sind. Damit ist bei den weiblichen Blütenorganen, die noch nicht fremdbestäubt wurden, auch noch Selbstbestäubung möglich (als eine Art Backup).


Verbreitung der Nüsschen


Die kleinen Nüsschen sind ca. ab Frühsommer reif und werden zu diesem Zeitpunkt durch die Kelchblätter umschlossen, die sich leicht verholzt haben. Der Kelch fällt anschliessend mit den Nüsschen darin als Ganzes mit der Schwerkraft zu Boden. Aufgrund der rauen Struktur des Kelches, erfolgt teils auch noch eine Tierverbreitung durch Anhaften ans Fell oder Hufen. Eine rasche vegetative Vermehrung über Klone durch lange Rhizome findet beim Kleinen Wiesenknopf nicht statt. Da aber der grösste Teil der Früchte in der unmittelbaren Umgebung verstreut wird, entstehen trotzdem mit der Zeit dichte Populationen. Dadurch ist der Kleine Wiesenknopf an seinen Standorten oft über Jahrzehnte standorttreu.


Lebensraum vom Kleinen Wiesenknopf


Die Art wächst bevorzugt auf trockenem Rasen mit kalkhaltigem Boden und kommt auch mit geringem Nährstoffgehalt gut klar. Oft findet man ihn innerhalb von Wiesen an (meist Süd-exponierten) Steilböschungen, wo der Boden durch den stärkeren Abfluss des Oberflächenwassers eher trocken ist. Die dortige Erosion schafft ausserdem Vegetationslücken in der Grasdecke und spült Nährstoffe aus. Während andere Kräuter oder Gräser an solchen Standorten durch Trockenheit mit der Zeit verschwinden, kommt der Kleine Wiesenknopf gut damit klar. In ungünstigen Perioden, wie kalten Winter oder eben auch die Sommertrockenheit, überdauert der Wiesenknopf im kurzen bodennahen Rhizom.


Die graue bis blaue Färbung der Blätter entsteht durch einen feinen kristallinen Wachsüberzug auf der Blattoberfläche, mit eingeschlossenen Lufteinschlüssen. Damit schützten diese sich (durch die Reflexion des Sonnenlichtes) vor UV-Licht und Überhitzung, resp. damit auch vor Austrocknung. In den Bergen wächst der Kleine Wiesenknopf an sonnigen Südhängen bis zur Baumgrenze. Er ist dabei auf flachgründige kalkhaltige Böden angewiesen. Auf den sauren Böden über Kristallingestein fehlt er. 


Jahreszyklus des Kleinen Wiesenknopf


Die Blätter verbleiben oft noch tief in den Spätherbst und sterben erst bei starkem Frost ab. Bei fehlendem Schnee und milden Wintern (was im Tiefland ja mittlerweile der Standard ist), bleiben die Grundblätter auch die ganze dunkle Jahreszeit über grün. Während milden Wetterlagen im Winter treiben dann sogar immer wieder frische Triebe aus. Der Hauptaustrieb folgt dann spätestens im Spätwinter bis Vorfrühling. Der Stängel mit den Blütenköpfen am Ende entwickelt sich ab Frühling und verwelkt gegen den Hochsommer, sobald der Früchte gereift und verbreitet wurden. In trockenen Sommern verwelken dann sogar teils auch die Grundblätter, mit Überdauerung im Rhizom, um dabei den Wasserverlust zu minimieren. Spätestens wenn dann im Herbst die ersten Niederschläge einsetzen, werden neue Triebe mit Grundrosettenblätter ausgetrieben.


Der Gurken-Geschmack der Blätter von von C9-Aledhyden


Kulinarisch gehören die Blätter vom Kleinen Wiesenknopf zu den aromatisch-würzigen Pflanzenarten. Der Geschmack erinnert dabei etwas an Gurke, wo dieser ebenfalls durch C9-Aldehyde als Duftstoffe entsteht. Diese Stoffe werden bei Verletzung des Pflanzengewebes (beim Kauen, Zerkleinerung mit dem Messer, usw.) gebildet und wirken so z.B. einem Eindringen von Bakterien oder Pilzen als antimikrobielle Abwehrstoffe. Zusätzlich sind diese Stoffe sehr flüchtig und locken bei einem Insektenbefall die Feinde der Pflanzenfresser an, resp. «warnen» die Nachbarpflanzen, die dann als Vorbereitung auf einen Befall bereits vorsorglich mit der erhöhten Produktion von Abwehrstoffen beginnen.


Kulinarische Verwendung und Tradition des Kleinen Wiesenknopfes


V.a. ältere Blätter enthalten Gerbstoffe. Das optimalste Aroma mit dem geringsten Gerbstoffgehalt findet man in den jungen Blättern, doch grundsätzlich können auch ältere Blätter verwendet werden. Denn auch dort machen die Gerbstoffe lediglich einen Anteil von ca. 2 bis 3% aus, was nur eine leichte adstringierende Note verursacht (die den Geschmack nicht so stark negativ beeinflusst).


Wie bereits erwähnt, handelt es sich, zumindest im Tiefland, um ein in der Regel ganzjährig zu erntendes Kraut, welches uns auch mitten im Winter mit frischen grünen Trieben beglückt. Nebst der Verwendung als Zutat für einen schmackhaften Kräuterbutter oder als Salatgewürz, eignet sich Kleine Wiesenkraut auch perfekt für die Aromatisierung von Saucen. Er ist dabei Bestandteil der sieben Kräuter, die für die traditionelle «Frankfurter Grünen Sauce» verwendet werden. Diese Sauce wird kalt aus Sauerrahm, Joghurt, Senf und etwas Pflanzenöl/Essig angerührt und dann 1 bis 2h im Kühlschrank ziehen gelassen. Sie ist ein typisches Frühlingsgericht in Hessen und wird in der Regel mit Kartoffeln und Eiern serviert. Der Kleine Wiesenknopf eignet sich aber auch für warme Saucen, wird aber wegen der Flüchtigkeit des Aromas erst in den letzten 1 bis 2 min des Kochvorganges oder sogar ganz am Ende eingerührt.


Nicht zu Verwechseln mit Pimpinella


Andere Namen für den Kleinen Wiesenkopf sind «Pimpernell» oder «Pimpinelle». Und hier beginnt die Verwirrung, denn denselben Namen hat auch die ähnlich aussehende Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), die mit dem Kleinen Wiesenknopf jedoch nicht verwandt ist und zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört.

 

mögliche Verwechslungen

Grosser Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) - essbar / ungiftig


Der Grosse Wiesenknopf hat nicht nur eine grössere Erscheinung, mit längeren Blättern und einer höheren Wuchsform, sondern unterscheidet sich vom Kleinen Wiesenknopf auch deutlich in seinen Lebensraum. So ist er nämlich eine ausgeprägte Sumpfpflanze, die auf Feuchtwiesen, an Ufern, in feuchten Gräben und in Flachmooren wächst. Früher im Mittelland weit verbreitet, ist sein Vorkommen mittlerweile durch Europhierung und Drainagierung von Wiesen rückläufig. In den Bergen, auf extensiv genutzten Wiesen, trifft man ihn meist deutlich häufiger an (v.a. im Engadin), wo er bis zur Waldgrenze und teils auch darüber hinaus vorkommt. Er ist die Haupt-Raupenfutterpflanze für zwei Schmetterlingsarten: Dem Grossen-Wiesenknopf-Ameisenbläuling und dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Die Blüten sind nicht nur windbestäubend, sondern produzieren zur Insektenbestäubung auch reichlich zuckerreichen Nektar. Die Blütenzeit erfolgt dabei von Juni bis September, also relativ spät im Jahr.


Der Gerbstoffgehalt in den Blättern ist beim Grossen Wiesenknopf deutlich höher, was Letztere unangenehm adstringierend macht und ausserdem fehlt das intensive Gurkenaroma. Kulinarisch wird der Grosse Wiesenknopf deshalb kaum genutzt, hat jedoch eine traditionell wichtige Bedeutung als Heilpflanze (deshalb auch der lateinische Name «officinalis»). Er wird für typische Gerbstoff-Heilanwendungen verwendet. Genutzt wird dabei v.a. das Rhizom. Für den Tee werden 1 bis 2 TL in zerkleinerter Form mit 150ml Wasser aufgekocht, kurz ausgekocht und dann 10 bis 15min ausgezogen. Dass der Grosse Wiesenknopf als Heilpflanze entdeckt wurde, hat u.a. auch mit den roten Blütenköpfen zu tun, welche für die frühen Kräutergelehrten, gemäss der Siganturenlehre, ein göttlicher Hinweis für die Verwendung als Wundkraut war.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter unpaarig gefiedert

  • Blüten in endständige Blütenköpfen angeordnet


Unterschiede (u.a.)

  • Fiedern eilanzettlich und länger (2 bis 6 cm); leicht herzförmiger Grund; lang gestielt (0.5 bis 1cm)

  • Blütenköpfe meist zylindrisch und bis zu 3 cm lang; Kelchblätter braunrot

  • Einzelblüten mit nur 4 Staubblättern und diese wie die Kelchblätter rötlich

  • Stängel meist höher (bis 1.5 m)


Bestimmungsmerkmale des Grossen Wiesenknopfs


Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga) - essbar / ungiftig, ähnliche Verwendung


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Grundrosette und wechselständige Stängelblätter; Blätter gefiedert; Fiedern gesägt


Unterschiede  (u.a.)

  • Fiedern sitzend; steiler Blattgrund; US behaart; letzte 3 Fiedern meist zusammengewachsen

  • Blattrand unregelmässig gesägt bis gelappt; obere Blätter zunehmend fiederlanzettlich

  • gehört zur Familie der Doldenblütler und hat deshalb weisse Einzelblüten, die in Doppeldolden angeordnet sind



zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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