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Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Wiesenkopf (Sanguisorba)
"der Kleine Wiesenknopf ist das perfekte Kraut zum Aromatisieren von Saucen"
Bestimmung
Blattanordnung: Blätter in Grundrosette; während der Blüte und Fruchtzeit auch Stängel mit wechselständigen Stängelblättern
Blätter: gefiedert; ca. 11- bis 31-zählig; unterste Fiederpaare meist etwas versetzt an der Blattspindel angeordnet
Fiedern: sitzend bis gestielt; oval, 1 bis 2.5 cm lang; grob und scharf nach vorne gesägt (pro Seite 3-9 Zähne, Endzahn meist kleiner); OS und US grau- bis blaugrün; US heller
Stängel: 20 bis 50cm hoch; rund bis gefurcht; aufrecht; meist unverzweigt; oft rötlich überlaufen
Blüten: in endständigen, kugeligen bis zylindrischen (0.8 bis 1.5cm langen) Blütenköpfen angeordnet; Einzelblüten ohne Kronblätter; 4 Kelchblätter (oft am Rand rötlich überlaufen); 2 rote Griffel mit pinselförmiger Narbe; 20-30 beige Staubblätter (die länger als der Kelch sind); am Grund der Blüte jeweils ein Tragblatt und 2 Vorblätter; blüht Mai bis August
Früchte: kleine 1-samige Nüsschen; bleibt am Fruchtstand in den sich verholzenden Kelchblättern eingeschlossen
Zeigerwerte: hell, mässig trocken (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffarm, neutral bis basisch
typische Standorte: Trockenwiesen; im Tiefland auch auf eher trockenen Fettwiesen
Fotos



©Amalia Gruber – stock.adobe.com

©Valery Prokhozhy – stock.adobe.com
Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Flavonoide, wenig aponine
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch bis würzig, herb, leicht adstringierend > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Gemüsebeigabe, Suppe, Sauce
Blütenköpfe (leicht aromatisch, aber auch astringierend > mehr dazu): Tee, essbare Dekoration
Nüsschen (fade bis leicht nussig, herb > mehr dazu): kleiner Snack vor Ort; kleine Beigabe im Salat,, Müesli, Joghurt, etc. –sind eher hart und lassen sich auch nicht wirklich weichkochen

Beschreibung
Der Kleine Wiesenknopf gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Dies ist insofern speziell, als dass die Erscheinung der Blüten gar nicht zu den typischen Eigenschaften dieser Familie passt. So hat der Kleine Wiesenknopf nicht wie üblich 5 Kelchblätter, sondern nur deren vier. Kronblätter, die bei den Rosengewächsen meist schön und ausladend sind, fehlen sogar ganz. Dies liegt daran, dass der Kleine Wiesenknopf seinen Pollen hauptsächlich über den Wind verbreitet und deshalb nicht um jeden Preis Bestäuber anlocken muss. Insektenbestäubung findet jedoch trotzdem manchmal statt. Die Blütenköpfe des Kleinen Wiesenknopfes blühen schrittweise von unten nach oben auf. Dabei reifen die weiblichen Blütenorgane vor den männlichen Blütenorganen (vorweiblich). Dabei ergibt sich innerhalb des Blütenkopfes meist eine Anordnung von Einzelblüten mit den roten Griffeln oben, sowie Einzelblüten mit den beigen Staubblättern unten. Durch diese räumliche Trennung wird Selbstbestäubung vermieden. Häufig finden man dazwischen aber auch noch einen Überlappungsbereich, wo bei den Einzelblüten dann sowohl die Fruchtblätter, als auch die Staubblätter gleichzeitig reif sind. Damit ist bei den weiblichen Blütenorganen, die noch nicht fremdbestäubt wurden, auch noch Selbstbestäubung möglich (als eine Art Backup).
Die kleinen Nüsschen sind ca. ab Frühsommer reif und werden zu diesem Zeitpunkt durch die Kelchblätter umschlossen, die sich leicht verholzt haben. Der Kelch fällt anschliessend mit den Nüsschen darin als Ganzes mit der Schwerkraft zu Boden. Aufgrund der rauen Struktur des Kelches, erfolgt teils auch noch eine Tierverbreitung durch Anhaften ans Fell oder Hufen. Eine rasche Vegetative Vermehrung über Klone durch lange Rhizome findet beim Kleinen Wiesenknopf nicht satt. Da aber der grösste Teil der Früchte in der unmittelbaren Umgebung verstreut wird, entstehen trotzdem mit der Zeit dichte Populationen. Dadurch ist der Kleine Wiesenknopf an seinen Standorten oft über Jahrzehnte standorttreu. Dabei wächst er bevorzugt auf trockenem Rasen mit kalkhaltigem Boden und kommt auch mit geringem Nährstoffgehalt gut klar. Oft findet man ihn innerhalb von Wiesen an (meist Südexponierten) Steilböschungen, wo der Boden durch den stärkeren Abfluss des Oberflächenwassers eher trocken ist. Die Erosion schafft ausserdem für die Besiedelung Vegetationslücken und spült Nährstoffe aus. Während andere Kräuter oder Gräser an solchen Standorten durch lange Trockenphasen mit der Zeit verschwinden, kommt der Kleine Wiesenknopf gut damit klar. In ungünstigen Perioden, wie kalte Winter oder eben auch die Sommertrockenheit, überdauert der Wiesenknopf im kurzen bodennahen Rhizom. Die graue bis blaue Färbung der Blätter entsteht durch einen feinen kristallinen Wachsüberzug auf der Blattoberfläche, mit eingeschlossenen Lufteinschlüssen. Damit schützten diese sich (durch die Reflexion des Sonnenlichtes) vor UV-Licht und Überhitzung, resp. damit auch vor Austrocknung. In den Bergen wächst der Kleine Wiesenknopf an sonnigen Südhängen bis zur Baumgrenze. Er ist dabei auf flachgründige kalkhaltige Böden angewiesen. Auf den sauren Böden über Kristallingestein fehlt er.
Die Blätter verbleiben oft noch tief in den Spätherbst und sterben erst bei starkem Frost ab. Bei fehlendem Schnee und milden Wintern (was im Tiefland ja mittlerweile der Standard ist), bleiben die Grundblätter auch die ganze dunkle Jahreszeit über grün und es treiben dann während den milden Wetterlagen auch immer wieder frische Triebe aus. Der Hauptaustrieb folgt dann auch spätestens im Spätwinter bis Vorfrühling. Der Stängel mit den Blütenköpfen am Ende entwickelt sich dann im Frühling und verwelkt gegen den Hochsommer, sobald der Früchte gereift und verbreitet wurden. In trockenen Sommern verwelken dann sogar teils auch die Grundblätter, mit Überdauerung im Rhizom, um dabei den Wasserverlust zu minimieren. Spätestens wenn dann im Herbst die ersten Niederschläge einsetzen, werden neue Triebe mit Grundrosettenblätter ausgetrieben.
Kulinarisch gehören die Blätter vom Kleinen Wiesenknopf zu den aromatisch-würzigen Pflanzenarten. Der Geschmack erinnert dabei etwas an Gurke, der wie bei der Letzterer ebenfalls durch C9-Aldehyde als Duftstoffe entsteht. Diese Stoffe werden bei Verletzung des Pflanzengewebes (beim Kauen, Zerkleinerung mit dem Messer, usw.) gebildet und wirken so z.B. einem Eindringen von Bakterien oder Pilzen als antimikrobielle Abwehrstoffe. Zusätzlich sind diese Stoffe sehr flüchtig und locken bei einem Insektenbefall die Feinde der Pflanzenfresser an, resp. «warnen» die Nachbarpflanzen, die dann als Vorbereitung auf einen Befall bereits vorsorglich mit der erhöhten Produktion von Abwehrstoffen beginnen.
Die Blätter enthalten vor allem in den älteren Blättern auch noch Gerbstoffe. Das optimalste Aroma mit dem geringsten Gerbstoffgehalt findet man in den jungen Blättern, doch grundsätzlich können auch ältere Blätter verwendet werden. Denn auch dort machen die Gerbstoffe nur einen Anteil von ca. 2 bis 3% aus, was nur eine leichte adstringierende Note verursacht, die den Geschmack nicht so stark negativ beeinflusst. Wie bereits erwähnt, handelt es sich, zumindest im Tiefland, um ein in der Regel ganzjährig zu erntendes Kraut, welches uns auch mitten im Winter mit frischen Trieben beglückt. Nebst Zutat für schmackhaften Kräuterbutter oder als Salatgewürz, eignet sich Kleine Wiesenkraut auch perfekt für die Aromatisierung von Saucen. Er ist dabei Bestandteil der sieben Kräuter, die für die traditionelle «Frankfurter Grünen Sauce» verwendet werden. Diese Sauce wird kalt aus Sauerrahm, Joghurt, Senf und etwas Pflanzenöl/Essig angerührt und dann 1 bis 2h im Kühlschrank ziehen gelassen. Sie ist ein typisches Frühlingsgericht in Hessen und wird in der Regel mit Kartoffeln und Eiern serviert. Der Kleine Wiesenknopf eignen sich auch für warme Saucen, wird aber wegen der Flüchtigkeit des Aromas erst in den letzten 1 bis 2 min des Kochvorganges oder sogar am Ende eingerührt.
Andere Namen für den Kleinen Wiesenkopf sind «Pimpernell» oder «Pimpinelle». Und hier beginnt die Verwirrung, denn denselben Namen hat auch die ähnlich aussende Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga), die mit dem Kleinen Wiesenknopf jedoch nicht verwandt ist und zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört.
mögliche Verwechslungen
Grosser Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) - essbar / ungiftig
Der Grosse Wiesenknopf hat nicht nur eine grössere Erscheinung, mit längeren Blättern und einer höheren Wuchsform, sondern unterscheidet sich auch deutlich in seinen Lebensraum. So er nämlich eine ausgeprägte Sumpfpflanze, die auf Feuchtwiesen, an Ufer, in feuchten Gräben und auch Flachmooren wächst. Früher im Mittelland weit verbreitet, ist sein Vorkommen mittlerweile durch Europhierung und Drainagierung von Wiesen rückläufig. In den Bergen, auf extensiv genutzten Wiesen findet man ihn meist deutlich häufiger an (v.a. im Engadin), wo er bis zur Waldgrenze und teils auch darüber hinaus vorkommt. Er ist die Haupt-Raupenfutterpflanze für zwei Schmetterlingsarten, dem Grossen-Wiesenknopf-Ameisenbläuling und dem Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Die Blüten sind nicht nur windbestäubend, sondern produzieren zur Insektenbestäubung auch reichlich zuckerreichen Nektar. Die Blütenzeit erfolgt dabei von Juni bis September, also relativ spät im Jahr.
Der Gerbstoffgehalt in den Blättern ist beim Grossen Wiesenknopf deutlich höher, was Letztere unangenehm adstringierend macht und ausserdem fehlt das intensive Gurkenaroma. Kulinarisch wird der Grosse Wiesenknopf deshalb kaum genutzt, hat jedoch eine traditionell wichtige Bedeutung als Heilpflanze (deshalb auch der lateinische Name «officinalis»). Er wird für typische Gerbstoff-Heilanwendungen verwendet. Genutzt wird dabei v.a. das Rhizom. Für den Tee werden 1 bis 2 TL in zerkleinerter Form mit 150ml Wasser aufgekocht, kurz ausgekocht und dann 10 bis 15min ausgezogen. Dass der Grosse Wiesenknopf als Heilpflanze entdeckt wurde, hat u.a. auch mit den roten Blütenköpfen zu tun, das für die frühen Kräutergelehrten, gemäss der Siganturenlehre, ein göttlicher Hinweis für die Verwendung als Wundkraut war.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter unpaarig gefiedert
Blüten in endständige Blütenköpfen angeordnet
Unterschiede (u.a.)
Fiedern eilanzettlich und länger (2 bis 6 cm); leicht herzförmiger Grund; lang gestielt (0.5 bis 1cm)
Blütenköpfe meist zylindrisch und bis zu 3 cm lang; Kelchblätter braunrot
Einzelblüten mit nur 4 Staubblättern und diese wie die Kelchblätter rötlich
Stängel meist höher (bis 1.5 m)

Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga) - essbar / ungiftig, ähnliche Verwendung
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Grundrosette und wechselständige Stängelblätter; Blätter gefiedert; Fiedern gesägt
Unterschiede (u.a.)
Fiedern sitzend; steiler Blattgrund; US behaart; letzte 3 Fiedern meist zusammengewachsen
Blattrand unregelmässig gesägt bis gelappt; obere Blätter zunehmend fiederlanzettlich
gehört zur Familie der Doldenblütler und hat deshalb weisse Einzelblüten, die in Doppeldolden angeordnet sind


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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