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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Echte Heidelbeere (Vaccinium myrtillus)

Illustration der Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) für die Bestimmung der Art. Die Bestimmungsmerkmale sind graphisch darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Merkmale sind u.a. Stängel grün und geflügelt, Beere im Innern dunkel, usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae), Gattung: Heidelbeeren (Vaccinium)

"Das Sammeln von Heidelbeeren in den Alpen ist so etwas wie ein Volksport und zwar zurecht: Die Wildformen schmecken 1000x süsser und aromatischer als die faden Dinger aus dem Supermarkt!"

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

> wie bestimme / erkenne ich die Heidelbeere und wo kommt sie vor?


Habitus: Zwergstrauch bis ca. 50cm Höhe


Blätter: wechselständig; eiförmig, 1-3 cm lang; am Blattrand fein gezähnt; kahl


Äste / Stängel: stark verzweigt; grün; kantig und geflügelt (mit einem «H»-Querschnitt); kahl; ältere Bereiche verholzt und braun


Blüten: einzeln und nickend aus den Blattachseln; 5 rote Kronblätter, die zu einem «Lapion» verwachsen sind; Zipfel am Ende zurückgeschlagen; blüht April bis Juni


Früchte: dunkelblaue (hellblau bereifte), kugelige Beeren; 5 bis 8 mm Durchmesser; am Ende mit ringartiger Vertiefung; Fruchtfleisch und beim Zerdrücken austretender Fruchtsaft sind dunkel


Zeigerwerte: schattig, mässig feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffarm, stark sauer


typische Standorte: lichte Nadelwälder, Berg-Nadelwälder, Zwergstrauchheiden, Moorränder, Heiden

Fotos

Verwendung​

> Heidelbeere in der wilden Küche und als Heilpflanze verwenden


wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, in den Früchten zusätzlich Anthocyane


Giftigkeit: Die Heidelbeere ist ungiftig / problemlos essbar.


mögliche gefährliche Verwechslungen: Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) < mehr zur Rauschbeere und den Unterscheidungsmerkmalen siehe weiter unten bei ""mögliche Verwechslungen"


Kulinarische Verwendung

zu den Grundrezepten


  • Blätter: Tee; getrocknet und feingehackt als Streckmehl


  • Früchte: leckere Nascherei direkt vor Ort, Konfitüre (Früchte direkt und nicht das Mus verwenden > Beeren zerdrücken und ca. 5min mit etwas Wasser weichkochen > weiche Beeren mit Zucker > pro Kg Beeren ca. 500 bis 700g, und etwas Zitronensaft einkochen), Fruchtsaft, Sirup Tee (am besten aus den getrockneten Beeren), Smoothie, Likör, Beigabe in Müesli, Salat, Joghurts…, Beigabe in diversen Desserts (Kuchen, Torten, usw.)


Heidelbeere als Heilpflanze / Heilwirkungen der Heidelbeere / Verwendung in der evidenzbasierten Phytotherapie 

zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


Durch den hohen Gerbstoffgehalt (v.a. Catechingerbstoffe) eignen sich Blätter und Früchte der Heidelbeere für typische Gerbstoff-Heilanwendungen. Für einen Tee aus den Früchten werden 2 TL zerstossene und getrocknete Früchte in 150ml Wasser aufgekocht und anschliessend 10 bis 15 min ausgezogen.



  • Hautentzündungen / Neurodermitis (nasses Ekzem): Umschläge aus dem Heidelbeer-Teeauszug. Die Umschläge werden ca. 3x am Tag für 1-2h aufgelegt und sind dabei alle 10-20min zu erneuern (sobald sie warm und trocken sind). In der Zeit zwischen den Umschlägen werden feuchte Kompressen aufgelegt (resp. locker angebracht). Die Therapie darf jeweils nicht länger als 2-3 Wochen angewendet werden ist. Es ist auch eine Behandlung mittels Hand-, Fuss-, Sitz- oder Vollbäder möglich.


  • Entzündungen im Mund-Rachenraum: Mehrmals täglich einen Heidelbeer-Aufguss gurgeln. Für den Aufguss werden 2 bis 3 EL Früchte in 500ml Wasser aufgekocht und danach für 3min ausgekocht und schliesslich im Verhältnis 1:10 verdünnt.


  • Durchfall: Mehrere Tassen des Heidelbeer-Tees (bis 6x am Tag) über den Tag verteilt trinken.

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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art



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Wilde Heidelbeeren sind eine ganz andere Nummer als die Supermarkt-Heidelbeeren


Egal ob bei einer Wanderung oder beim Urlaub in den Bergen resp. Skandinavien: Das Sammeln und Naschen von Heidelbeeren ist so etwas wie ein Volkssport. Diese wilden Heidelbeeren sind aromatisch und süss im Geschmack und nicht vergleichbar mit den faden Heidelbeeren aus dem Supermarkt, bei denen es sich um Züchtungen der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium angustifolium) handelt. Letztere können u.a. daran erkannt werden, dass nebst der deutlich niedrigeren Geschmacksqualität auch deren Fruchtfleisch nicht dunkel, sondern hell ausgebildet ist.


Der Grund, dass nicht die Echte Heidelbeere in den Supermärkten verkauft wird, liegt darin, dass sich die Amerikanische deutlich leichter in Plantagen kultivieren lässt, hohe Erträge liefert und mechanisch geerntet werden kann. Eine Kultivierung der Echten Heidelbeere wäre aufgrund der Abhängigkeit von Mykorrhiza-Pilzen, resp. der benötigten Handernte nicht wirtschaftlich, resp. Versuche in der Vergangenheit sind an der mangelnden Rentabilität gescheitert. Die Amerikanische Heidelbeere ist ausserdem dank der dicken Epidermis und einem Wachsfilm an der Oberfläche deutlich lagerfähiger.


Früchte der Echten Heidelbeere findet man aber trotzdem immer öfters in den Supermärkten als "Wildheidelbeeren". Dabei handelt es sich um Wildsammlungen aus dem Baltikum oder Osteuropa.


Lebensraum der Echten Heidelbeere


Die Echte Heidelbeere ist in Eurasien weit verbreitet, und zwar von Nordeuropa, den Mitteleuropäischen Mittel- bis Hochgebirgen über Sibirien, den Gebirgen Japans und Nordchinas bis Alaska / Yukon. Die Heidelbeere tritt typischerweise dort auf, wo der Boden feucht, sauer und nährstoffarm ist.


In der Schweiz ist sie häufig in den Alpen am Boden lichter Nadelwäldern zu finden, oft mit massenhaften Vorkommen. Der Nadelstreu der Nadelbäume und das in den Alpen kühle, oft auch nasse Klimasorgen, sorgen dabei für den benötigten sauren-nährstoffarmen Boden. In den naturnahen Berg-Nadelwäldern ist meist auch genug Restlicht am Bodenvorhanden, da die Bäume nicht wie in den Fichtenpflantagen des Tieflandes dicht an dicht stehen. In diesen dichten Monokulturen oder auch bei starker Konkurrenz mit Farnen, fehlt der Heidelbeere nämlich hingegen das Licht. Je besser die Lichtverhältnisse, desto mehr Blüten und Früchte werden gebildet und desto mehr Zucker ist enthalten.


Im Gebirge ist die Heidelbeere auch ein wichtiger Bestandteil von Zwergstrauchheiden über der Waldgrenze. Zwergstrauchheiden sind Lebensräume, die von niederwüchsigen Zwergsträuchern dominiert werden und kommen natürlicherweise über der Waldgrenze, resp. auch weit über der Krummholzzone, bis auf (je nach Lage) ca. 2'500 bis 2'800 m ü. M. vor. Zwergstrauchheiden sind aber auch unter der Waldgrenze Teil der Übergangsvegetation, die sich nach Ereignissen wie Lawinen, Bränden, usw. bildet, ehe später die Wiederbewaldung einsetzt. Man findet Zwergstrauchheiden aber auch künstlich an Orten, wo der Berg-Nadelwald durch Rodungen, Waldweide, etc. künstlich aufgelichtet wurde. Im Zuge der Alpwirtschaft wird die Heidelbeere zwar durch den hohen Gerbstoffgehalt (und dem niedrigen Energiegehalt) durch das Vieh nur selten verbissen, dafür können die Trieb rasch durch Viehtritt beschädigt und der Boden mit Nährstoffen angereichert werden (wodurch Gräser konkurrenzstärker werden). Intensive Beweidung führt damit zum Verwinden der Zwergstrauchheiden.



Über Kalkgestein (wo sich nicht saure, sondern basische Böden ausbilden) wächst die Heidelbeere nur an Standorten, wo der Kalkanteil bereits vollständig aus dem Boden herausgelöst wurde oder sich über dem kalkhaltigen Oberboden eine dichte Rohhumus-Schicht bildet. Dies ist vor allem in kühlen-niederschlagsreichen Gebieten (wie z.B. Voralpen) in Muldenlagen oder unter Nadelbäumen der Fall. Teils findet man Heidelbeeren auch im Mittelland oder Jura über Untergrund aus kalkarmem Sandstein oder Nagelfluh, resp. im Randbereich von Mooren. Ein weiterer Lebensraum, v.a. in Norddeutschland sind auch Heidelandschaften (wie z.B. die Lüneburger Heide).


Durch den Lebensraum in nährstoffarmen Boden, braucht die Heidelbeere die Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen zwingend, resp. ohne ist sie nicht überlebensfähig. Die Pilze können nämlich durch eine Art «äussere Verdauung» auch Nährstoffe erschliessen, die noch in den organischen Molekülen des Humus (z.B. Eiweissen) gebunden sind. Der Pilz stellt dann diese so erschlossenen Nährstoffe den Wurzeln der Heidelbeere zur Verfügung und kriegt im Austausch dafür Zucker.


Bestäubung der Blüten


Die Blüten bilden am Blütengrund Nektar. Der Pollen kann aus den Staubbeuteln durch geeignete Vibration herausgeschleudert werden, die durch den Besuch von Hummeln entstehen. Durch die nickende Haltung der Blüten erfolgt der Besuch der Hummeln von unten her, was sicherstellt, dass die Tiere eine "Pollen-Dusche" bekommen, d.h. der Pollen sich auf Brust und Bauch der Tiere ablagern kann. Dort wird der Pollen bei der nächsten Blüte an der leicht hervortretenden Narbe abgestreift. Die nickende Haltung der Blüten ist ausserdem auch ein Schutz vor Auswaschung der Pollen durch Regen oder Tau.


Ausbreitung der Früchte


Die Verbreitung der Samen erfolgt hauptsächlich durch den Verzehr der Beeren durch Vögel, welche den Samen im Anschluss an anderer Stelle unverdaut mit dem Kot wieder ausscheiden. Heidelbeeren sind auch eine wichtige Nahrungsquelle für Fuchs, Dachs oder Bären, wo die Samen in der Regel (je nach Tierart) nach dem Ausscheiden ebenfalls keimfähig bleiben. Die Beeren sind ca. ab Juli/August reif und werden dann im Herbst von den Tieren abgefressen. Teils können auch einzelne Beeren unter der Schneedecke überwintern, die dann im nächsten Frühjahr abgeerntet werden.


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mögliche Verwechslungen

Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) – teilweise «giftig!»


Die Rauschbeere ist ebenfalls ein Zwergstrauch, der mit blauen Beeren bestückt ist. Die Art kommt sehr oft zusammen mit der Heidelbeere vor, resp. man findet dann meist beide Arten ineinander verwachsen. Nicht zuletzt ist deshalb bei nichtahnenden Heidelbeer-Sammlern von einer grossen Dunkelziffer in der Verwechslung auszugehen. Die Rauschbeeren können gewissen Berichten zufolge nach beim Verzehr teils „rauschartige Zustände“ hervorrufen, wie z.B. Schwindel, Übelkeit, Benommenheit, usw. Gleichzeitig ist die Giftigkeit der Rauschbeere aber auch umstritten, denn man findet bei chemischen Analysen darin keine Giftstoffe.


Weiter werden die Beeren in Skandinavien, Sibirien oder auch von den Ureinwohnern Nordamerikas und Grönlands sogar traditionell kulinarisch genutzt und dabei auch roh verzehrt. Man vermutet eher, dass Vergiftungen von toxischen Stoffwechselprodukten aus Pilzen (genauer gesagt der Art „Monilinia megalospora“), die sich auf faulenden Früchten ausbreiten, hervorgerufen werden. Deshalb ist es wichtig bei einem allfälligen Verzehr von Rauschbeeren keine fauligen oder überreife Beeren essen, resp. diese nicht zu lange zu lagern!


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • ähnliche Erscheinung, insbesondere Farbe der Beeren

  • ähnliche Standorte, oft zusammen (nebeneinander oder ineinander verwachsen) auftretend


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter blaugrün, ganzrandig, verkehrt-eiförmig und mit runzeligem Muster

  • Stängel rund und braun

  • Blüten glockenförmig; Krone weiss (bis rosa)

  • Beeren leicht länglich, Vertiefung am Ende sternförmig; Fruchtfleisch hell


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der teilweise giftigen Rauschbeere gegenüber der ungiftigen / essbaren Heidelbeere. Merkmale übersichtlich graphisch dargestellt.

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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