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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina)
Illustration des Gänse-Fingerkraut (Potentilla anserina). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. Blätter 1fach gefiedert, 11-41-zählig, Fiedern oval-stumpf (1-3 cm lang) und tief gesägt, Blätter aus Grundrosette; Blüten gelb, lang gestielt und aus Knoten hervortretend, usw.

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Fingerkraut (Potentilla)

"Das Kraut ist typisch für periodisch nasse und verdichtete Böden. Es ist heiltechnisch v.a. für Gerbstoff-Anwendungen geeignet. Möglicherweise hat es auch eine krampflösende Wirkung."

 

Bestimmung

Blattanordnung: Blätter in Grundrosetten angeordnet, die aus der kriechenden Sprossachse hervortreten


Blätter: 1-fach gefiedert, 11-41-zählig, bis 20cm lang; Teilblätter nach unten kleiner werdend; zwischen den Teilblättern jeweils kleine «Zwischen-Teilblätter»

  • Teilblätter / Fiedern: oval-stumpf, 1-3 cm lang; tief gesägt; OS grün (z.T. auch silbrig); US silberseidig behaart; Seitennerven verlaufen jeweils durch die Zähne


Stängel: kriechend; 15-50cm lang; jeweils an den Knotenpunkten wurzelnd


Blüten: Kronblätter goldgelb; Blütendurchmesser 2-3cm; Blüten jeweils einzeln am Ende eines aufrechten, ca. 10 cm langen Blütenstiels; blüht Mai bis September

Rosengewächse allg.: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter


Früchte: einsamige Nüsschen


Zeigerwerte: hell, mässig feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral, salztolerant


typische Standorte: Wegränder die befahren / begangen (bzw. verdichtet) und wechselfeucht sind, Gräben, Weiden, Ränder von Strassen mit Salzeintrag, Küstengebiete

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Flavonoide, Cumarine (u.a. Umbelliferon und Scopoletin), in den Wurzeln auch Schleimstoffe


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Es liegt weder eine Bearbeitung von HMPC, noch von ESCOP vor. Wegen dem hohen Gerbstoffgehalt eignet sich das Kraut für typische Gerbstoff-Heilanwendungen. Ältere Laboruntersuche (in-vitro) mit hochdosierten Extrakten zeigen eine krampflösende Wirkung (ohen dass die konkreten Wirkstoffe bekannt sind), die jedoch nicht 1:1 auf Tee-Anwendungen in-vivo übertragen werden können. Für einen Tee werden 3 TL des zerkleinerten Krautes in 150ml für 10min im kochend-heissen Wasser ausgezogen.


  • Krampfartige Regelschmerzen: Kommision E hat das Kraut damals diese Anwendung anerkannt. Abgeleitet werden könnte eine mögliche Wirkung durch die krampflösenden Eigenschaften, welche in den früheren Laborstudien beobachtet wurden. Ein klinischer Nachweis für die Anwendung liegt nicht vor. Verwendet wird der Teeauszug (mehrere Tassen über den Tag verteilt einnehmen).



Beschreibung

Das Gänse-Fingerkaut ist durch den niederliegenden Wuchs trittfest und salztolerant und kommt so vor allen an Standorten vor, die durch Tritt oder auch Salz-Eintrag geprägt sind und wo sich keine höher wachsende Pflanzen angesiedelt haben. Weiter muss der Standort wechselfeucht und nährstoffreich sein. So findet man das Kraut typischerweise begangenen / befahreren Stellen von Wegrändern, bzw. Rändern von gesalzenen Strassen oder auch auf Weiden, in Gräben oder auch an Küsten (z.B. Strandwälle). Gestörte freie Flächen kann das Kraut durch den kriechenden Wuchs der Sprossachsen, die sich dabei ständig an den Knoten wiederbewurzeln, rasch für sich einnehmen. Die ursprüngliche Heimat ist Nord- und Mitteleuropa. Durch menschliche Verschleppung kommt die Pflanze jedoch mittlerweile weltweit vor.


Die silbrig-glänzende Blattunterseite ist eine Art Reflektor für UV- bzw. Sonnenlicht und Wärme, bzw. reduziert auch den Wasserverlust (ist va in den Trockenphasen der wechselfeuchten Stellen wichtig). Bei Hitze und Trockenheit rollen sich die Blätter etwas nach oben ein, so dass die silbrige Unterseite exponierter ist. Dadurch kann mehr Sonnenstrahlung reflektiert werden und durch die damit geringeren Aufheizung der Wasserverlust weiter reduziert werden.


Die Kronblätter weisen am Grund Bereiche auf, die farblich wie Pollen aussen (Saftmale), um Bestäuber anzulocken. Für uns sind diese Bereiche, im Gegensatz zu vielen Insekten, jedoch nicht erkennbar, da sich das Ganze im UV-Bereich abspielt. Der Nektar ist auch der Blüte leicht zugänglich. Die Bestäubung erfolgt v.a. durch kleine Wildbienen und Schwebfliegen. Selbstbefruchtung ist beim Gänse-Fingerkraut nicht möglich. Vegetative Ausbreitung ist jedoch effizient über das horizontale Wachstum der kriechenden Stängeln möglich.


Das Gänse-Fingerkraut hat eine traditionelle Anwendung für typische Gerbstoff-Heilanwendungen (Blutstillung, Durchfall, usw.), aber auch für krampfartige Regelschmerzen. Die Anwendungen werden erst ab dem Spätmittelalter in den Kräuterbücher beschrieben. Eine Anwendung bereits bei den Germanen ist nicht schriftlich dokumentiert.


In einigen Regionen Europas hat die kulinarische Nutzung der Wurzeln Tradition. Alle mitteleuropäischen Fingerkraut-Arten sind übrigens ungiftig / essbar.

 

mögliche Verwechslungen

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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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