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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Preiselbeere (Vaccinium vitis-ideae)
Illustration der Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet.

Familie: Heidekrautgewächse (Ericaceae), Gattung: Heidelbeeren (Vaccinium)

"Eine weitere essbare Beere, die im Gebirge weit verbreitet ist. Roh eher fade, nutzt man die Art traditionell eher verarbeitet als Konfitüre."

 

Bestimmung

Habitus: Zwergstrauch von ca. 5 bis 30cm Höhe


Blätter: wechselständig; oval, 1-3cm lang; ganzrandig bis leicht gezähnt; Blattrand verdickt und nach unten gebogen; OS ledrig, glänzend, schwache Blattnerven; US hellgrün und mit dunklen Punkten; immergrün


Blüten: in kleinen hängenden Trauben angeordnet; Einzelblüten nickend; 4-5 weisse bis rote Kronblätter zu einer Glocke verwachsen und am Ende als freie Zipfel auslaufend; blüht Mai/Juni


Früchte: leuchtend rote, kugelige Beere; 5-8mm breit; am Ende mit Kelch-Resten


Zeigerwerte: hell, frisch (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffarm, stark sauer


typische Standorte: lichte Bergwälder mit stark saurem Boden, Zwergstrauchheiden, Moorränder

 

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe, in den Blättern auch Arbutin


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • Blätter: Tee (nur zeitlich limitiert für Heilzwecke verwenden!)


  • Früchte (roh sauer-fade > mehr dazu): Nascherei direkt vor Ort, Konfitüre (Früchte direkt verwenden, kein Gelierzucker nötig, resp. normaler Zucker ist ausreichend; siehe Text), Fruchtsaft, Sirup, Tee (am besten mit getrockneten Beeren), Smoothie, Likör, Beigabe in Müesli, Salat, Joghurts…, Beigabe in diversen Desserts (Kuchen, Torten, usw.)


Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


  • Infekte der ableitenden Harnwege: In den Blättern ist wie bei denjenigen der Echten Bärentraube auch Arbutin enthalten, jedoch mit etwas geringerem Gehalt. Gleichzeitig ist aber auch der Gerbstoffgehalt geringer, was den Tee verträglicher macht. Zur Therapie gegen Blasenentzündungen eignen sich Teeaufgüsse aus den Blättern, die mehrmals pro Tag eingenommen werden.

    Kein Ersatz, wenn zur Behandlung Antibiotika nötig wäre (kann begleitend jedoch die Wirkung der Antibiotika erhöhen! Nicht zu oft anwenden (maximal 5x pro Jahr), da der Abbaustoff des Arbutin mit einer möglichen krebserregenden Wirkung im Verdacht steht! Bei einer Selbstmedikation ist spätestens nach einer Woche ein ärztlicher Rat einzuholen! Die Therapie ist nicht für Schwangere und Stillende geeignet!

Beschreibung

Die Preiselbeere ist auf der Nordhemisphäre oberhalb von ca. 40° nördlicher Breite zirkumpolar verbreitet, von Nordspanien über Mitteleuropa, Skandinavien, Russland, Sibirien, Nordjapan bis Kanada / USA und Grönland. In der Schweiz findet man sie jedoch nur in den erhöhten Lagen von Jura, Mittelladhügel und Alpen. Ähnlich wie die Heidelbeere ist der Preiselbeer-Strauch ein Bestandteil des Unterwuchses von Berg-Nadelwäldern und Zwergstrauchheiden. Dabei ist er jedoch deutlich lichtbedürftiger und ist stärker auf sauren Boden angewiesen als z.B. die Heidelbeere. Eine dichte Beschattung durch ein geschlossenes Kronendach meidet die Preiselbeere ebenso wie kalkhaltiger Boden. Über Kalkstein kommt sie deshalb nur vor, wenn dort der Boden vollständig entkalkt ist oder sich über dem Oberboden eine mächtige Rohhumus-Schicht akkumuliert hat. Letzteres wird durch ein kühles und niederschlagsreiches Klima und eine Bewaldung mit Nadelbäumen begünstigt, weshalb man die Preiselbeere auch in den von Kalk geprägten Voralpen und den höheren Lagen des Jura vorfindet. Wie die Heidelbeere, ist auch die Preiselbeere zwingend auf eine Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen angewiesen.


Die Beeren sind im rohen Zustand eher sauer und fade, weshalb der rohe Verzehr nicht so gebräuchlich ist und auch in den Alpenregionen und Skandinavien keine Tradition hat. Dank den konservierenden Inhaltsstoffen (Gerbstoffe, Fruchtsäure oder auch die stark antimikrobielle Benzoesäure) sind Preiselbeeren aber gut haltbar und wegen dem hohen Pektingehalt als gut gelierfähig. In Skandinavien ist Preiselbeermarmelade ein beliebtes Rezept, wobei hierfür nicht das Mus, sondern direkt die ca. 2-3min vorgekochten Beeren mit Zucker (pro Kg Beeren ca. 300 bis 500g Zucker) und etwas Wasser (pro Kg Beeren ca. 100ml) und bedarfsweise auch etwas Zimt oder ein Schuss Rotwein eingekocht werden. Beim Erhitzen reduziert sich der Säuregehalt etwas, es werden angenehme Aromastoffe gebildet und das Pektin wird aus den Zellen gelöst (welches anschliessend mit dem Zucker gelieren kann). Die Preiselbeermarmelade wird nicht nur aufs Brot geschmiert, sondern wird auch als Beilage zu Fleisch, Omeletten oder Käse, resp. Beigabe im Joghurt, Glacé, etc. verwendet. Sie ist besonders lange haltbar (ungeöffnet und kühl gelagert ca. 6 bis 12 Monate).


Die Preiselbeeren können auch getrocknet werden und dann z.B. als Joghurt- oder Müeslibeigabe verwendet werden. Allerdings verlangsamt der natürliche Wachsfilm an der Oberfläche die Trocknung stark. Die Beeren werden deshalb entweder vorher aufgeschnitten oder kurz in 30min kochendes Wasser getaucht, im kalten Wasser abgeschreckt und dann sofort im Backofen (Umluft 40° Umluft mit leicht geöffnetem Spalt oder Dörrex) getrocknet.


Die Preiselbeere sollte nicht mit der Kranbeere (engl. Cranberry, lat. Vaccinium macrocarpon) verwechselt werden, die in den Läden wegen dem ähnlichen Aussehen oft irreführend als «Kulturpreiselbeere» bezeichnet wird.

 

mögliche Verwechslungen

Echte Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) essbar / ungiftig


>>> mehr zur Echten Bärentraube (insbesondere Heilanwendungen) in der entsprechenden Pflanzenbeschreibung <<<


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter immergrün, ledrig, glänzend, oval, ganzrandig, ähnliche Grösse

  • Kleinstrauch

  • Blütenkrone mit ähnlicher Form

  • rote, kugelige Frucht mit ähnlicher Grösse

  • ähnliche Standorte


Unterschiede (u.a.)

  • Blattrand nicht umgebogen; US nicht punktiert, dafür deutlich netznervig

  • Strauch wächst teppichartig

  • Blütenkrone eher krugförmig

  • Frucht am Ende ohne Kelchreste (sind an der Basis der Frucht) und etwas breiter erscheinend

  • gehört zur Gattung der Bärentrauben (Arctostaphylos)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale von der Echten Bärentraube gegenüber der Preiselbeere.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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mögliche Verwechlungen
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