das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae), Gattung: Alliaria
"Wo Knoblauch draufsteht, steht geschmacklich auch Knoblauch drin: So schmecken die Blätter tatsächlich nicht nur schärflich, sondern haben dabei auch ein Knoblaucharoma und das Ganze ohne Mundgeruch. Eine wahre Delikatesse sind die kresseartig schmeckenden Wurzeln und die senfig-scharfen Samen."
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme / erkenne ich die Knoblauchsrauke und wo kommt sie vor?
Lebenszyklus / Blattanordnung: Pflanze 2-jährig. Nach dem Austrieb im ersten Jahr wird erst mal nur eine Grundrosette (ohne Stängel und ohne Blüten) gebildet. Ab dem Frühling des 2. Jahres bilden sich dann der aufrechte Stängel mit wechselständigen Stängelblättern und endständigen Blütenständen.
Blätter: herz- bis nierenförmig, meist 5-12 cm lang; Blattrand grob gebuchtet bis gezähnt; Knoblauchgeruch beim Zerreiben
untere Blätter: eher nierenförmig, Blattrand grob gebuchtet, lang gestielt
obere Blätter: eher herzförmig, Blattrand grob (stumpf) gezähnt, kurz gestielt
Stängel: 20 bis 90 cm hoch; kantig; unten abstehend behaart
Blüten: in endständigen Trauben angeordnet; Einzelblüten mit 4 weissen, 4-6mm langen Kronblättern; blüht April bis Juni
Früchte: hellbraune (unreif grüne), schmale (gleich dick wie Stiel) Schote (gleich dick wie Stiel) mit ca. 6-8 Samen pro Fächer; Schoten zeigen leicht aufrecht; ab ca. Juli reif (öffnen sich bei Reife auf zwei Seiten)
Zeigerwerte: schattig, nährstoffreich bis überdüngt, feucht, neutral bis basisch
typische Standorte: Wegränder, Waldwegränder, Hecken, Schuttplätze (teils zusammen mit der Brennnessel)
Fotos


©Karin Jähne – stock.adobe.com

©M. Schuppich – stock.adobe.com

Verwendung
> die Knoblauchsrauke in der Wildkräuterküche verwenden
wichtige Inhaltsstoffe: Senfölglykoside (u.a. Sinigrin), Flavonoide, Saponine
Giftigkeit: Die Koblauchsrauke ist ungiftig / problemlos essbar.
Kulinarische Verwendung
Wichtig: Frisch verwenden - Trocknen und Erhitzen baut das Aroma rasch ab!
junge Blätter (würzig, scharf, herb > mehr dazu): Salatbeigabe, Gewürz, Kräuterbutter,, Kräuterquark, Aufstriche, Pesto, Kräuteressig
Blüten (scharf, herb > mehr dazu): essbare Dekoration, Gewürz
reife Samen (würzig, scharf > mehr dazu): Gewürz (scharfer Pfeffersatz; lässt sich ca. 1 Jahr lang lagern bevor der Geschmack stark abnimmt), verarbeitet zu Senf
Wurzel (würzig, leicht scharf > mehr dazu): vom Herbst des 1. Jahres bis zur Stängelbildung im Frühling des 2. Jahres roh als Gewürz/Salatbeigabe (später verholzt die Wurzel)

Knoblauchsrauke in der Phytotherapie
Die Knoblauchsrauke in der modernen Pflanzenheilkunde keine Bedeutung. Eine mögliche Anwendung im Rahmen von Blasenentzündungen ist wegen den enthaltenen Senfölglyksoiden (u.a. Sinigrin wie im Meerretich) nicht komplett abwegig, doch genauere Untersuchungen fehlen hierzu.
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Der Name kommt vom Knoblauchgeruch
Die Knoblauchsrauke macht ihrem Namen durch den charakteristischen Geruch, der sich beim Zerreiben oder Kauen der Blätter entfaltet, alle Ehre. Wie bei den meisten Arten aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), hat sie durch die enthaltenen Senföl-Glykoside ein scharfer Geschmack. Es entwickelt sich trotz des Knoblauchgeruchs im Gegensatz zum Knoblauch oder dem Bärlauch jedoch kein Mundgeruch. Denn der Knoblauchgeruch geht nicht wie beim Knoblauch vom Alliin, sondern aus, sondern von Knoblauchölen (bestimmte Senföle).
Lebenszyklus der Knoblauchsrauke als 2-jährige Art
Die Art ist zweijährig. Neue Pflanzen treiben jeweils im Frühling als Grundrosette aus. Ein Teil dieser Exemplare zieht sich im Herbst darauf wieder in die Wurzeln zurück und treibt dann im nächsten Frühjahr wiederum als Grundrosette aus. Ein anderer Teil überwintert jedoch als Grundrosette und kann so auch im Winter gesammelt werden. Ab ca. April des 2. Jahres wird dann der Stängel gebildet und die Art beginnt zu blühen.
Vielfältige kulinarische Verwendung diverser Pflanzenteile der Knoblauchsrauke
Bei den Stängelblättern sollten kulinarisch nur die jungen Blätter geerntet werden, denn ältere Blätter riechen eher streng. Generell sollten die Knoblauchsrauken-Pflanzenteile (mit Ausnahme der reifen Samen) möglichst roh und frisch verwendet werden, da sich die Geschmacksstoffe bei Erhitzung oder Trocknung rasch abbauen.
Die reifen Samen stellen wegen der Schärfe ein guter Pfefferersatz dar. Das sich die Frucht von selbst öffnet, können diese einfach von der Scheidewand abgestreift werden. Einzelne reife Samen in den geöffneten Schoten oder auch Grundrosetten sind noch bis in die Wintermonate hinein an den sonst abgestorbenen Pflanzen zu finden.
Ein besonderer Leckerbissen sind die Wurzeln, die einen Kresse-artigen Geschmack aufweisen. Geerntet werden diese vom Herbst des 1. Jahres bis zum Frühling des 2. Jahres (vor der Stängelbildung).
mögliche Verwechslungen
---------------------------------------------------------------------------------

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
< zur Startseite des erdflow-Phytikons
Grundlagen zum Sammeln - Botanische Grundlagen - Wildkräuterküche - Heilpflanzen / Phytotherapie - Mythologie - Pflanzenbeschreibungen
das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
teile diesen wertvollen Content:




