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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)
Illustration des Japanischen Staudenknöterichs (Reynoutria japonica). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. wechselständig, herzförmig und bespitzt, jedoch am Grund gestutzt, Stängel dick und rötlich gefleckt, usw.

Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae), Gattung: Staudenknöterich (Reynoutria)

"ein invasiver Neophyt, der sich hervorragend als säuerliches Wildgemüse eignet - hat in Japan sogar eine beliebte kulinarische Tradition"

 

Bestimmung

Blätter: wechselständig; eiförmig, 5-20cm lang, am Grund gestutzt, am Ende bespitzt; ganzrandig; ledrig; US an den Nerven behaart


Stängel: rund, dick, bis 4m hoch; hohl; kahl; oft dunkelrot gefleckt; verzweigt; jung aufrecht; später schräg bis überhängend


Blüten: in langen Ähren angeordnet; Einzelblüten unscheinbar, mit 4-5 weissen Perigonblättern; blüht Juli bis September


Früchte: geflügelte (3-kantige), glänzende Nussfrucht, die in die Perigonblätter eingehüllt ist


Zeigerwerte: halbschattig, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Ruderalflächen, Ufer, Krautsäume, Waldrand, Waldweg-Rand

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Resveratrol (v.a. in Rhizomen), Oxalsäure, Gerbstoffe, Flavonoide


*Giftigkeit: Grundsätzlich ist der Japanische Staudenknöterich ungiftig / essbar. Wegen der enthaltenen Oxalsäure sollte der Japanische Staudenknöterich jedoch weder in extrem hohen Mengen, noch ständig täglich über längere Zeit verzehrt werden.


mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten


  • junge Blätter (säuerlich): Beigabe im Salat, Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche, Wildgemüse, Gemüsebeigabe, Suppe, Pesto, Sauce


  • junge Stängelabschnitte / Triebspitzen (säuerlich): Wildgemüse (im Wasser gekocht oder mit etwas Öl / Sajasauce anbraten - Vorher grobe Längsfasern auszupfen, bzw. die äussere verfaserte Schicht rausschälen. Alte Stängelabschnitte sind für eine Verwendung zu stark verfasert (Fasern nicht mehr auszupf -oder wegschälbar)


  • Früchte (nussig): als Snack vor Ort oder nussige Beigabe für diverse Gerichte



Sammelkalender


Beschreibung

> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️


Ursprünglich stammt die Art aus Ostasien (Japan, Taiwan, Teile Chinas, Korea, südliche Pazifikküste Russlands). Dort wächst sie hauptsächlich als Pionierpflanze an Wegrändern, offenen Berghängen oder auch an Vulkanhängen nach Störungen (z.B. an den Hängen des Fuji nach dem grossen Ausbruch 1707). Dank den geflügelten Samen, die sich gut über den Wind verbreiten, können immer wieder neue Pionierstandorte besiedelt werden. Die Pflanzen sind entweder rein weiblich (mit ausschliesslich weiblichen Blüten) oder zwittrig. Die Blüten bilden leicht zugänglichen Nektar und werden von diversen Insektenarten als Bestäuber besucht. Selbstbefruchtung ist nicht möglich.


An den etablierten Standorten können die Pflanzen durch vegetative Vermehrung rasch grossflächige Stauden bilden und zwar durch seitliche Ausbreitung der unterirdischen Rhizome. Diese befinden sich in bis zu 70 Zentimetern Tiefe und bewurzeln sich jeweils an den Knotenpunkten (Wurzeln bis 2m tief). An diesen Knotenpunkte können dann auch neue aufrechte Sprosse austreiben. Abschnittsweise sind die Rhizome auch als Speicherorgane knollig verdickt. Dank diesen Speicherstoffen kann die Pflanze im Frühling sehr rasch in die Höhe wachsen (3-4 Wochen innert weniger Wochen), bzw. rasch dichte Bestände bilden. Sobald im Herbst der erste Frost kommt, sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab und die Pflanze überwintert dann mit den Rhizomen im Untergrund (Geophyt). Werden Rhizom-Fragmente verschleppt (Erdrutsche, Ufererosion oder menschliche Tätigkeiten), dann können sich diese wiederbewurzeln (sofern sie einen Knotenpunkt mit Knospen in sich tragen), womit auch eine vegetative Ausbreitung über etwas grössere Distanzen erfolgen kann (bereits kleinste Rhizom-Fragmente reichen aus). In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet wird der Japanische Staudenknöterich an seinen Standorten nach wenigen Jahrzehnten durch die natürliche Sukzession von anderen Arten verdrängt.


Im 19. Jahrhundert wurde die Art in Europa als Gartenpflanze eingeführt. Man sah darin nicht nur eine Zierpflanze, sondern auch eine robuste Art, die sich auch gut als Bienenweide eignet. Von den Gärten aus verwilderte die Art dann in die freie Natur. Dies geschah v.a. durch Verschleppung von Rhizomstücken in Gartenabfällen. In Europa ist der Japanische Staudenknöterich sehr invasiv und stellt durch das rasche Wachstum der dichten und hohen Sprosse andere Kräuter und Gräser wortwörtlich in den Schatten bzw. nimmt deren Lichtgrundlage weg. Gerade weil dadurch eben heimische Arten verdrängt werden, hat die Art den Status als invasiver Neophyt. Da die Standorte durch das herbstliche Absterben der oberirdischen Triebe über den Winter vegetationslos sind (Gräser können unter dem Japanischen Staudenknöterich im Sommer nicht gedeihen), besteht dann insbesondere an Hanglagen / Ufer die Gefahr von Bodenerosion. Die Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs gilt als aufwändig und langwierig, da die Rhizome (u.a. durch die Speicherstoffe) sehr regenerationsfähig sind.


Fast alle Europäischen Populationen bestehen aus Klonen von zwei weiblichen Ausgangexemplaren (und damit sind hier auch praktisch alle Exemplare weiblich). Blütenbesuch findet in Europa v.a. durch Honigbienen und Schwebfliegen statt, die vom reichlichen Nektar der Blüten angezogen werden. Eine Bestäubung der Blüten findet (wegen den in Europa fehlenden zwittrigen Exemplaren) hauptsächlich mit den Pollen des Sachalin-Knöterichs oder des Bastard-Knöterichs (siehe unten bei «mögliche Verwechslungen») statt und dabei werden auch keimfähige Samen gebildet. Eine Vermehrung über die Samen (als Hybridform «Bastard-Knöterich») findet aber trotzdem kaum statt, da die Jungpflanzen sehr frostempfindlich sind. Die Vegetative Vermehrung über die Rhizome, bzw. deren Verschleppung mit Erdverschiebungen oder durch Ufererosion entlang von Gewässern ist in Europa der Hauptausbreiteweg. Man geht aber davon aus, dass mit dem Klimawandel die Samenverbreitung auch in Mitteleuropa zukünftig noch zum Thema werden wird.


Kulinarisch hat der Japanische Staudenknöterich mit seinem säuerlichen Geschmack einiges drauf. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in Ostasien war und ist die Art immer noch ein beliebtes Wildgemüse («Itadori»). In Japan werden v.a. die jungen Triebe im Frühling genutzt, die (vorgängig geschält) in Öl mit Sojasauce angebraten werden. Teils werden die Pflanzenteile vorgängig gewässert, um den Gehalt an Oxalsäure (und damit die Säureintensität) zu reduzieren. Hier in Europa hat der Status als invasiver Neophyt einen entscheidenden Vorteil: Wir können die Pflanze für kulinarische Zwecke ohne schlechtes Gewissen in Unmengen sammeln. Dabei ist jedoch zu beachten, dass gewisse Bestände (v.a. auf Wiesen) zur Bekämpfung mit Herbiziden behandelt sein können.


In Japan wurde die Art auch zu Heilzwecken genutzt, v.a. die Rhizome (u.a. als Abführmittel) oder auch die zerdrückten Blätter als Wundkraut. Auch für China und Korea ist eine Nutzung der Rhizome in der traditionellen Heilkunde dokumentiert. Da der Japanische Staudenknöterich hohe Gehalte am sekundären Pflanzenstoff Resveratrol aufweist, ist er in neuster Zeit als «Resveratrol-Rohstoffquelle» interessant geworden. So werden Knöterich-Wurzelextrakte oder daraus isoliertes Resveratrol als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Auf Basis von Labor- und Tierversuchen wurde das Resveratrol v.a. in den frühen 2000er Jahren mit diversen positiven Wirkungen auf die Gesundheit (Krebsvorbeugung, Reduzierung Bluthochdruck, Behandlung von Diabetes, Longevity, usw.) assoziiert. Diverse in der Zwischenzeit durchgeführte Humanstudien zeigten hierzu jedoch keine überzeugenden Evidenzen.


> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️

 

mögliche Verwechslungen

Sachalin-Staudenknöterich (Reynoutria sachalinensis) – essbar / ungiftig, ähnliche Verwendung


Die Art ist eng mit dem Japanischen Staudenknöterich verwandt. Auch der Sachalin-Knöterich stammt aus Ostasien, hat jedoch einen etwas nördlicheren Verbreitungsschwerpunkt (Sachalin-Insel, Kurilen-Inselgruppe, nördlichen Teil Japan) und ist auf ein generell feuchtes Klima mit kühlen Sommern und schneereichen Wintern angewiesen. Im ursprünglichen Verbreitungsgebiet besiedelt die Art Auenwälder, nährstoffreiche Ufer, aber auch Waldränder und Waldlichtungen. Wie der Japanische Staudenknöterich bildet auch der Sachalin-Knöterich, dank der seitlichen Ausbreitung der unterirdischen Rhizome, dichte und grosse Bestände. Die Standorte stellen dabei häufig Hochstaudenfluren dar, wo der Sachalin-Knöterich mit anderen hochwachsenden krautigen Arten vergesellschaftet ist.


Der Sachalin-Knöterich gelangt im 19. Jahrhundert in die botanischen Gärten Europas, bzw. wurde als Zierpflanze in Gärten genutzt. Anders als beim Japanischen Staudenknöterich, wurde die Art mehrfach, bzw. durch viele verschiedene Individuen nach Europa eingeführt und daher existieren hier sowohl männliche, wie auch weibliche Exemplare. Auch der Sachalin-Staudenknöterich gilt hierzulande als invasiv und damit problematisch.

Da (wie erwähnt) die weiblichen Blüten des Japanischen Staudenknöterich durch den Pollen des Sachalin-Knöterichs befruchtet werden können, haben sich auch Hybride ausgebildet und die dabei entstandenen Mischformen werden «Bastard Staudenknöterich» (Reynoutria x bohemica) genannt. Die Hybriden haben intermediäre Merkmale und entstanden in Europa vermutlich in den botanischen Gärten (in denen sowohl Japanischer-, wie auch Sachalin-Knöterich kultiviert wurden).


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter wechselständig, herzförmig


Unterschiede (u.a.)

  • herzförmige Blätter am Grund nicht gestutzt, grösser (25-45cm), weich (rasch verwelkend), US auch zwischen den Nerven behaart

  • Stängel grün (nicht gefleckt)


Unterschiede / Unterscheidungsmerkmale  des Sachalin-Staudenknöterich zum Japanischen Staudenknöterich


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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