top of page

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Vogelmiere (Stellaria media)
Illustration der Vogelmiere (Stellaria media) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae), Gattung: Sternmieren (Stellaria)

"die Vogelmiere ist ein leckeres, mildes Kraut, welches das ganze Jahr über gesammelt werden kann"

 

Bestimmung

Blätter: gegenständig; breit-eiförmig, am Ende spitz, 0.5 bis 3 cm lang; ganzrandig; kahl, Seitennerven sehr schwach; untere Blätter gestielt (Stiel geflügelt); obere Blätter sitzend


Stängel: 5 bis 40 cm hoch; rund; mit einer Haarreihe; kriechend bis aufsteigend; beim Auseinanderreissen bleiben die Leitbündel zusammen («Hühnerdarm»)


Blüten: 5 weisse Kronblätter, die fast bis zum Grund eingeschnitten sind (sieht aus wie 10 Kronblätter); Kelchblätter länger als Krone; blüht das ganze Jahr durch

¨

Früchte: Kapselfrucht mit vielen Samen


gefährliche Verwechslungen: Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) < Unterscheidungsmerkmale weiter unten im Abschnitt ""mögliche Verwechslungen


Zeigerwerte: halbschattig, mässig feucht, nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Gärten, Äcker, Wegränder, Krautsäume, Ruderalflächen

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Saponine, Flavonoide


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten



Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Der Vogelmiere werden volksheilkundlich allerlei Heilwirkungen zugeschrieben. Wegen den enthaltenen Saponinen wird sie auf Social Media / in Kräuterbücher oft als schleimlösendes Mittel bei Husten erwähnt. Einen solchen Effekt haben Saponine jedoch nicht generell, sondern nur bestimmte Stoffe davon. Deshalb können Saponin-haltige Arten auch nicht pauschal als schleimlösend bezeichnet werden, auch wenn das in vielen Kräuterbüchern unreflektiert der Fall ist. Für die genauen Saponin-Molekülen die Vogelmiere gibt es weder klinische Daten, Tiermodelle oder in-vitro-Untersuchungen zum Effekt. Ausserdem ist der Saponin-Gehalt mit <1% generell gering. Die Stängel und Blätter enthalten Schleimstoffe, die durch die schützende Wirkung auf die Schleimhäute im Hals bei Trockenhusten lindernd wirken könnten, allerdings nur mit einem Anteil von ca. 1 bis 2% des Trockengewichtes, was deutlich geringer ist als bei typischen Schleimstoffdrogen (wie z.B. Wilde Malve). Die Vogelmiere wird volksheilkundlich auch als mildes, gut verträgliches Mittel bei Hautleiden wie Juckreiz, Ekzemen, usw. oder auch bei Insektenstichen angewendet, und zwar in Form von Breiumschlägen aus dem zerquetschten frischen Kraut. Es existiert für die Vogelmiere weder eine HMPC-, noch eine ESCOP-Monographie.

Beschreibung

Die Vogelmiere lässt es am ehestens mit den Worten «immer und überall» beschreiben. Ursprünglich in Eurasien und Nordafrika heimisch, hat sich die Art mittlerweile nahezu global ausbereitet. Sie profitiert dabei als Pionierpflanze von durch Menschen beeinflusste Habitate, wie Gärten, Äcker oder Ruderalflächen. Dabei besiedelt sie v.a. Standorte, die nährstoffreich sind und keine hohe Vegetationsdecke aufweisen. Die Samen keimen sobald die Bedingungen optimal sind und zwar egal um welche Jahreszeit, auch im Winter, fall sdie Temperaturen über 2 bis 5°C liegen. Danach erfolgt ein rasches und konstantes Wachstum und auch schon kurz nach der Keimung werden die ersten Blüten gebildet. Auch blühen kann die Art das ganze Jahr. Eine Blüte ist nur für 1 bis 2 Tage geöffnet und bereits ein paar Tage später sind die Samen reif. Die Bestäubung erfolgt, abhängig von der Verfügbarkeit von Insekten aus Bestäuber, entweder fremd (meist kleine Fliegen oder Käfer) oder selbst (bei schlechtem Wetter oder im Winter)


Die Pflanze wächst über mehrere Wochen bis Monate konstant in die Höhe, immer unter Bildung neuer Blätter und Blüten, ehe die Pflanze wieder abstirbt. Die Samen fallen bei Reife mit der Schwerkraft zu Boden, wodurch sich in der Folge zwar nur lokale, jedoch dichte Populationen ausbilden. Viele Samen werden jedoch vom Boden aus zusätzlich sekundär weiterverbreitet, z.B. durch Anhaftung an Pfoten, Hufen, Fell, Schuhe oder Reifen. Auch eine vegetative Ausbreitung über Bodenausläufer ist möglich. Sobald die Vogelmiere als kleinwüchsige Art an einem Standort von höheren Pflanzen überwachsen wird oder Trockenheit einsetzt, verschwindet sie von dort. Sobald dort jedoch eine Störung der Vegetation stattfindet, kann sie rasch wieder aus der Samenbank aus dem Boden schiessen (Samen sind über 50 Jahre lang keimfähig!). Man findet die Vogelmiere häufiger in der kalten Jahreszeit, da in dieser Zeit die Konkurrenz gegenüber höher wachsenden Arten geringer ist.

In den Gärten wird die Vogelmiere als lästiges, ausbreitungsfreudiges Unkraut angesehen, doch als essbare Wildpflanze hat sie einiges drauf. Sie ist im Biss nämlich angenehm saftig und im Geschmack ausgesprochen mild, ohne grosse Bitterkeit. Ausserdem steht uns die Vogelmiere ganzjährig zur Verfügung, d.h. auch im Winter.

 

mögliche Verwechslungen

Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) - giftig!


Der Acker-Gauchheil ist ebenfalls ein typisches einjähriges Ackerbegleitkraut, besiedelt jedoch bevorzugt an vollsonnigen und warmen Standorten, die nicht zu stark mit Nährstoffen angereichert sind. Die Giftigkeit beruht hauptsächlich auf die enthaltenen Triterpensaponine (v.a. Arvensosid) und phenolischen Verbidnungen (v.a. Anagallin). 


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, eiförmig, kahl und mit ähnlicher Grösse, schwache Blattnerven


Unterschiede (u.a.)

  • Stängel 4-kantig und kahl

  • Blätter immer sitzend

  • Kronblätter rot, rosa oder blau


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) gegenüber der unigiftigen / essbaren Vogelmiere (Stellaria media)


Gemeines Hornkraut (Cerastium fontanum) und Knäuel-Hornkraut (Anagallis arvensis) - ungiftig/essbar

Die Arten aus der Gattung Hornkraut erinnern im Aussehen stark an die Vogelmiere. Namensgebend für die Gattung sind die hornartig verlängerten Kapselfrüchte. Die Kapselfrüchte weisen am Ende Zähne auf (in der Anzahl doppelt so lang wie Griffel). Viele der Hornkraut-Arten sind Pionierpflanzen, bzw. einige von ihnen besiedeln Lebensräume im Hochgebirge weit über der Baumgrenze. Die dichte Behaarung dient dabei u.a. als Schutz vor der intensiven Sonnenstrahlung. Das Gemeine- und das Knäuel-Hornkraut sind auch essbar, resp. gemäss der «Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen» sind keine bedenklichen Inhaltsstoffe bekannt. Im Gegensatz zur Vogelmiere sind die Hornkräuter im Geschmack deutlich herber.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig und klein

  • Stängel oben dichasial verzweigt; kleiner Wuchs

  • Kronblätter stark ausgerandet und weiss

  • gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae)


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter behaart und immer sitzend

  • Stängel rundum behaart

  • Kronblätter maximal bis zur Mitte eingeschnitten

  • 5 Griffel (Vogelmiere nur 3)

  • hornartig verlängerte Kapselfrüchte, die am Ende gezähnt sind


Hornkraut: Unterscheidungsmerkmale zur Vogelmiere

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

folge mir auf Social-Media:

das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

teile diesen wertvollen Content:   

Fotos
Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
mögliche Verwechlungen
400PngdpiLogo.png

©2021 erdflow. Erstellt mit Wix.com

Outdoor.jpg
bottom of page