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Echte Goldrute (Solidago virgaurea)

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Goldrute (Solidago)
"Die Art bildet wunderschöne goldige Blütenkörbe. Es handelt sich eher um eine Heilpflanze als eine Kulinarik-Pflanze. Man sollte jedoch die würzigen Blätter geschmacklich nicht unterschätzen."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; gestielt; oval bis lanzettlich, 3 bis 10 cm lang; in den geflügelten Stiel ausdünnend; fast ganzrandig bis unregelmässig grob und scharf gezähnt; US mit deutlichem dunklen Nervennetz
Gewöhnliche Goldrute (subsp. virgaurea): Blattspreite oval (mit dem Stiel 3-4x so lang wie breit);
Alpen-Goldrute (subsp. minuta): lanzettlich (mit dem Stiel 4-6x so lang wie breit)
Stängel: 6 bis 120 cm hoch; erst am Blütenstand verzweigt; kurz behaart bis fast kahl
Gewöhnliche Goldrute (subsp. virgaurea): 20 bis 120cm hoch
Alpen-Goldrute (subsp. minuta): 6 bis 40cm hoch
Blüten: schräg-aufwärts gerichtete, gestielte becherförmige Blütenkörbe in endständiger, beblätterter, Rispe angeordnet; Blütenkörbe mit gelben Zungen- und Röhrenblüten
Gewöhnliche Goldrute (subsp. virgaurea): 50 bis 100 Blütenkörbe pro Exemplar; Blütenkorb 1 bis 1.5cm dick; blüht August bis Oktober
Alpen-Goldrute (subsp. minuta): 10 bis 20 Blütenkörbe pro Exemplar, Blütenkorb 1.5 bis 2cm dick; blüht Juli / August
Zeigerwerte: mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich
Gewöhnliche Goldrute (subsp. virgaurea): schattig, frisch, schwach sauer bis neutral
Alpen-Goldrute (subsp. minuta): halbschattig, mässig feucht, sauer
Gewöhnliche Goldrute (subsp. virgaurea): lichte Wälder, Waldweg-Ränder, Gebüsche (v.a. Jura, Mittelland-Hügel und Alpen, bis Waldgrenze)
Alpen-Goldrute (subsp. minuta): in den Alpen auf Zwergstrauchheiden, steinigen Wiesen und Weiden (von ca. 1'500 bis 3’000 m ü. M.)
Fotos

Grundrosette

Blatt

Blütenstand

Blattoberseite

Blattunterseite

Blütenkörbe

Pflanzen kleiner

Blätter länglicher
Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide (v.a. Quercetin, Kämpferol, Rutin, Isorhamnetin), Kaffeesäurederivate, Saponine, Ätherische Öle
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
junge Blätter (aromatisch > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Kräuterbutter,, Kräuterquark, Aufstriche, Wildgemüse (Wildspinat), Pesto, Suppe, Smoothie
Blüten (schwach duftend > mehr dazu): essbare Dekoration
Verwendung in der Phytotherapie: zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Blasenentzündungen oder Reizblase: Die Inhaltsstoffe der Echten Goldrute wirken in Tier- und Labormodellen harntreibend, entzündungshemmend und krampflösend. Auch eine leichte antimikrobielle Wirkung wurde nachgewiesen, bei der jedoch von keiner klinische Relevanz ausgegangen wird. Belastbare klinische Studien an Menschen fehlen. Weil die Wirkung jedoch plausibel ist, anerkennt HMPC die Anwendung zur unterstützenden Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege als «traditional use». Die Anwendung erfolgt in Form von Tee (1 TL des zerkleinerten Krautes mit 150ml kochendem Wasser übergiessen und 15min ausziehen lassen, Anwendung 2 bis 3x täglich) oder alkoholischen Flüssig- bzw. Trockenextrakten.
Bei anhaltenden Symptomen, Fieber, starken Schmerzen ist eine ärztliche Abklärung nötig! Nicht anwenden bei Herz- und Niereninsuffizienz!
Vorbeugung von Nieren- oder Blasensteinen: Da mit der Echten Goldrute die Harnmenge erhöht wird, anerkennt HMPC auch die Anwendung zur Prophylaxe bei Personen mit Neigung zu Nieren- und Blasensteinen. Die Anwendung erfolgt analog wie bei Blasenentzündungen.
Bei Schmerzen oder Komplikationen im Zuge von Nieren- oder Blasensteinen, ist ein Arzt auszusuchen! Nicht anwenden bei Herz- oder Niereninsuffizienz!
Beschreibung
Die Echte Goldrute gehört im Gegensatz zur Kanadischen- und der Spätblühenden Goldrute zur heimischen Flora Mitteleuropas. Die Blütenkörbe sehen ähnlich aus wie bei den nordamerikanischen Arten, sind jedoch deutlich grösser und duften nicht so stark (Sirup deshalb keine gute Option). Ihre Blätter haben jedoch einen deutlich stärkeren, würzigen und etwas schärflich-reizenden Geschmack, welcher vermutlich von den enthaltenen Saponinen her kommt.
Viel bekannter als die kulinarische Verwendung, ist das medizinische Einsatzgebiet bei Problemen der ableitenden Harnwege. Bereits die Kelten und Germanen nutzen die Art zur Wundheilung und auch bei Dioskurides wird es als wundheilendes, aber auch harntreibendes Mittel beschrieben. Als Wundheilkraut wurde es auch im Mittelalter in Form von Umschlägen und Waschungen genutzt.
Bei uns kommt die Echte Goldrute in zwei Unterarten daher (europaweit gibt es noch zahlreiche Unterarten mehr). Während man in den tieferen Lagen bis Hügelgebiete vor allem die etwas höhere Gewöhnliche Goldrute (subsp virgaurea) vorfindet (Schwerpunkt im Jura und westlichen Mitteland, in den Alpen lückenhaft), ist es in den höheren Gebieten den Alpen die Alpen-Goldrute (subsp. minuta) mit dünneren Blättern. Im Gegensatz zu den Nordamerikanischen Arten erfolgt bei die Echte Goldrute keine aggressive grossflächige Ausbreitung durch Rhizome.
mögliche Verwechslungen
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