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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Gemeine Berberitze (Berberis vulgaris)
Illustration der Gemeinen Berberitze (Berberis vulgaris) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. Blätter wechselständig in Büscheln (Kurztrieben) angeordnet; kurz gestielt; verkehrt-eiförmig; 2-6cm lang; spitz gezähnt;

Familie: Berberitzengewächse (Berberidaceae), Gattung: Berberitzen (Berberis)

"Ein giftiger Wildstrauch. Die Beeren sind jedoch ungiftig und eignen sich durch ihren süss-sauren Geschmack ideal für leckere wilde Konfitüren"

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Habitus: Strauch bis 3m Höhe


Blätter: wechselständig in Büscheln (Kurztrieben) angeordnet; kurz gestielt; verkehrt-eiförmig; 2-6cm lang; spitz gezähnt; kahl; schöne Herbstfärbung


Äste / Stamm: gelbbraun bis grau; Äste mit (meist) 3-teiligen Dornen, aus deren Achseln die Laubblatt-Büschel (Kurztriebe) entspringen


Blüten:  in hängenden Trauben à bis zu 30 Einzelblüten angeordnet; Krone halbkugelig; 6 gelbe Kronblätter; 6 gelb-grüne Kelchblätter; blüht Mai / Juni


Früchte: (matt-)rote, ca. 1cm lange, länglich-ovaloide Beeren; am Ende mit dunklem Narbenrest; ab ca. August reif


mögliche gefährliche Verwechslungen: Thunberg-Berberitze (Berberis thunbergii)


Zeigerwerte:  halbschattig, nährstoffarm, mässig trocken, neutral bis basisch


typische Standorte: Waldrand, Hecken, Felsen

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: div. Alkaloide, wie z.B. Berberin oder Berbamin; Früchte mit hohem Vitamin-C-Gehalt


*Giftigkeit: Die Pflanze ist giftig, ausgenommen davon sind die Früchte !


mögliche Kulinarische Verwendung*zu den Grundrezepten



Kulinarische Verwendung (Konfitüre) der Beeren von der Gemeinen Berberitze (Berberis vulgaris)

Verwendung in der Phytotherapie: Die Gemeine Berberitze hat in der traditionellen Volksheilkunde ein breites Anwendungsgebiet. So wurden früher Abkochungen der Wurzelrinde bei Durchfall oder auch Leber- und Gallebeschwerden verwendet. Weiter galten die Früchte volksheilkundlich als fiebersenkend. Das isolierte Berberin wurde auch in diversen klinischen Studien (meist aus China, Indien oder Iran) zur Therapie bei Typ-2-Diabetes untersucht und soll dabei u.a. Verbesserungen der Blutzuckerwerte, Blutfettwerte, usw. zeigen. In einen «umbrella review» (eine Übersichtsarbeiten über Meta-Analysen) über die Heilwirkungen im Zusammenhang mit der Berberitze aus dem Jahr 2023 (Zhongyu et al 2023), wird jedoch den bisherigen Meta-Analysen eine eher geringe methodologische Qualität attestiert und darauf es wird darauf hingewiesen, dass die Resultate mit qualitativ hochwertigen klinischen Studien bestätigt werden müssten. In Europa sind Berberin-Nahrungsergänzungsmittel (teilweise in Reinform, manchmal auch in Form von Berberitzen-Wurzelrindenextrakten) erhältlich. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben

Beschreibung

Die Gemeine Berberitze gehört innerhalb der essbaren Bäume und Sträuchern zwar eher zur B- oder C-Prominenz, darf aber keinesfalls unterschätzt werden. Dass die Art hierzulande nicht bekannter ist, dürfte u.a. damit zusammenhängen, dass sie in der Natur nicht so oft vorkommt wie Hagebutten, Schlehen, Weissdorn und co. In grossen Teilen des Mittellandes fehlt sie sogar und auch in den Gebieten, wo sie vorkommt, findet man meist nur einzelne Exemplare.


Vielerorts (v.a. in Getreideanbaugebieten) wurde die Art ab dem 18. Jahrhundert bekämpft, da sie als Zwischenwirt des Getreideschwarzrosts dient. Dieser ist ein berüchtigter Pilz, der zahlreiche Gräser, wie z.B. Weizen, Roggen oder Hafer befällt (dort an den an orangen Pusteln an der Blattunterseite erkennbar) und deshalb in der Landwirtschaft gefürchtet ist. Regelrechte Berberitzen-Vernichtungsaktionen wurden dabei in ganz Europa und auch in Nordamerika (wo die Art nicht heimisch war, aber eingeführt wurde) durchgeführt. Da sich der Getreideschwarzrost immer wieder durch Mutationen an resistente Getreidezüchtungen angepasst hat, ist es bis heute nicht gelungen ihn auszurotten.


Die Gemeine Berberitze wird heuzutage zunehmend wieder für Hecken angepflanzt und ausserdem gibt es auch in der Schweiz gewisse Gebiete, wo man die Art massenhaft vorfindet: Dies z.B. an trockenen, südexponierten Hanglagen im Wallis oder auch dem Unterengadin.


Gemeine Berberitze mit reifen Früchten im Herbst an einer Hanglage oberhalb von Zermatt (Wallis). Im Hintergrund das Matterhorn und ein paar goldige Lärchen.
Gemeine Berberitze mit reifen Früchten im Wallis

Die Gemeine Berberitze hat ein breites Verbreitungsgebiet, dass sich von Europa, Nordafrika bis in den Nahen Osten (bis Iran) und die Kaukasus-Region erstreckt. Während die Art in Mitteleuropa bei der breiten Bevölkerung kaum bekannt ist, sieht das im südöstlichen Bereich seines Verbreitungsgebietes, namentlich dem Nahen Osten, völlig anders aus. Dort werden die Früchte sehr geschätzt und sind ein wichtiger Bestandteil der alltäglichen Küche. Vor allem im Iran wird eine kernlose Züchtung der Gemeinen Berberitze landwirtschaftlich kultiviert. Verwendet werden deren Früchte vor allem in getrockneter Form für Reisgerichte und selbstverständlich ist auch die leckere Marmelade daraus sehr beliebt. Die Früchte sind sehr sauer (Synonym «Sauerdorn»). und roh etwas gewöhnungsbedürftig. Ausserdem ist der bittere Samen im Innern verhältnismässig gross. So richtig auftrumpfen kann die Berberitze jedoch in der Marmelade, wo sich seine süss-saure Geschmacksnote (zusammen mit dem dazugegebenen Zucker) optimal entfalten kann.


Zum Schutz vor grösseren Fressfeinden sind die Äste der Gemeinen Berberitze mit Dornen bestückt. Bei diesen Dornen handelt es sich um umgewandelte Blätter, die so programmiert sind, dass beim Austrieb keine normale Blattform entsteht, sondern diese eine länglich-spitze Form bekommen und durch Ligineinlagerung verholzen. In den Achseln dieser Dornen zweigen meist Kurztriebe ab, aus denen dann die Blätter entspringen. Das Holz ist innen gelb und gilt als sehr hart. Da die halbkugeligen Blüten nach unten hängen, ist deren Inneres gut gegen Regen geschützt. Die Gemeine Berberitze ist wegen den enthaltenen Alkaloiden eigentlich eine giftige Strauchart. Das Haupt-Alkaloid stellt dabei das Berberin dar. Die höchsten Konzentrationen findet man in den Wurzeln, resp. der Wurzelrinde, mit 1.5 bis 1.8% der Trockensubstanz. Das Berberin ist dabei auch ein Farbstoff und so wurde die Rinde früher zum Gelb-Färben (z.B. von Kleidern) verwendet. Der Berberingehalt in den Blättern ist deutlich geringer und in den Blüten sogar sehr gering. Teilweise liest man Angaben wonach die Blätter und Blüten in kleinen Mengen verzehrt werden könnten. In den Früchten ist praktisch kein Berberin messbar, so dass diese bedenkenlos gegessen werden können.


Innerhalb der Gattung der Berberitzen ist die Gemeine Berberitze die einzige in Mitteleuropa heimische Art. Jedoch findet man zahlreiche weitere Arten aus der Gattung der Berberitzen kultiviert in Gärten und Parks, wie z.B. die Thunberg-Berberitze (Berberis thunbergii) oder die Julianas Berberitze (Berberis julianae).

 

mögliche Verwechslungen

Thunberg-Berberitze (Berberis thunbergii)giftig


Die Thunberg-Berberitze ist in Japan und Ostasien heimisch. In Mitteleuropa ist sie als Gartenheckenpflanze wegen seiner Pflegeleichtigkeit und Robustheit, Frost- und Dürrehärte sehr beliebt. Die Blätter haben dabei eine schöne orange-gelbe Herbstfärbung. Die Art ist zwar im Winter kahl, doch deren schöne roten Beeren bleiben in der Regel bis in den nächsten Frühling am Strauch, resp. man findet meist sogar noch einzelne verbliebene Beeren bis in den Herbst darauf. Für die Vögel sind die Beeren der Thunberg-Berberitze nicht die bevorzugte Nahrung, resp. werden erst ab Ende Winter gefressen, wenn andere Nahrungsquellen knapp werden. Eine Verwilderung aus den Gärten in die freie Natur kommt bei dieser Art bisher nur selten vor. Für den Getreideschwarzrost ist die Thunberg-Berberitze kein Zwischenwirt. Weil die natürlichen Fressfeinde bisher nicht aus Ostasien eingewandert sind, findet man bei der Thunberg-Berberitze generell nur selten einen Schädlingsbefall.


Für Menschen gelten die Beeren der Thunberg-Berberitze als giftig. resp. vom Verzehr wird in den meisten Quellen abgeraten. Genauere Angaben über deren Giftigkeit habe ich bisher leider nicht gefunden. Wenn überhaupt, dann sollten diese (auf eigene Gefahr) nur in kleinen Mengen verzehrt werden, resp. es ist davon auszugehen, dass diese deutlich bitterer sein dürften als die Beeren der Echten Berberitze.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter verkehrt-eiförmig, in Büscheln angeordnet

  • Langtriebe mit Dornen

  • gelbe, halbkugelig-hängende Blüten

  • rote, ovaloide Beeren


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter nur 3cm lang und ganzrandig

  • Dornen meist nur 1-teilig

  • Blüten nur à 2-4 aus den Blattwinkeln

  • Beeren etwas dicker


Unterschiede / Verwechslungsmerkmale der giftigen Thunberg-Berberitze (Berberis thunbergii) gegenüber der Gemeinen Berberitze (Berberis vulgaris)

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
mögliche Verwechlungen

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