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Schneeball, Gemeiner- (Viburnum opulus)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), Gattung: Schneeball (Viburnum)
"Ein hierzulande häufiger Strauch, der eigentlich giftig ist. Die schönen roten Beeren können jedoch bei geeigneter Zubereitung als Konfitüre oder Likör genutzt werden....so wie es in Osteuropa sehr gebräuchlich ist."
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme ich den Gemeinen Schneeball und wo kommt er vor?
Habitus: Strauch bis 4m Höhe
Blätter: gegenständig; 3-lappig; 6 bis 12 cm lang; Lappen nach vorne gerichtet und grob gezähnt; am Blattstiel zwei grosse Drüsen
Äste / Stamm: graubraun-glänzend; mit vielen erhobenen Lentizellen; junge Zweige (hell-)rotbraun und kantig
Blüten: in Trugdolden angeordnet; blüht Mai / Juni
Blütenstand: ca. 10 cm breit
Einzelblüten: 5 weisse Kronblätter; randliche Blüten stark vergrössert (1.5 bis 2.5cm Durchmesser) und steril
Früchte: leuchtend-rote, kugelige Beere; 0.8 bis 1cm lang; Samen flach und herzförmig
Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Waldrand, Hecken, Auenwälder
Fotos





(© Andreas– stock.adobe.com)

dieser Blütenstand erinnert an Schneebälle


Verwendung
> der Gemeine Schneeball in der Wildkräuterküche
wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Viburnin (darunter versteht man die enthaltene Mischung aus Iridoid-Glykosiden, Phenolischen Glyksoiden und Secoiridioid-Glykosiden), Oxalate; in den Früchten auch Flavonoide und Pektin
Giftigkeit*: Der Gemeine Schneeball gilt wegen dem enthaltenen Viburnin als giftig. Vor allem in der Rinde ist der Gehalt hoch. Der Gehalt in den Früchten nimmt mit der Reife ab. Nach der Bewertung des Bundesinsituts für Risikobewertung kann der Verzehr weniger roher Beeren bereits zu Verdauungsbeschwerden führen. Frost und Hitze reduzieren jedoch den Viburnin-Gehalt, so dass z.B. Konfitüre problemlos kulinarisch verwendet werden kann (wie es in Osteuropa seit Generationen auch Tradition ist).
Kulinarische Verwendung*
reife Früchte (fruchtig, bitter > mehr dazu): Konfitüre (Mus und Sud verwenden), Sirup, Likör Vor der Weiterverarbeitung muss man die Früchte ein paar Tage im Tiefkühler lagern! Für die Konfitüre werden die Beeren nur 3-5min weichgekocht, da sie erstens einen hohen Wassergehalt haben und zweitens sonst zunehmend bittere Stoffe aus dem Samen herausgelöst werden. Es fällt nur sehr wenig Mus an. Für die Weiterverarbeitung zu Konfitüre werden der Sud und das Mus zusammen verwendet. Um den Bittergeschmack etwas abzumildern, kann der Schneeballbeeren-Sud, resp. das -Mus vor dem Zucker-Einkochen mit Apfelmus (z.B. im Verhältnis 1:1) kombiniert werden.

Gemeiner Schneeball als Heilpflanze / Verwendung in der Phytotherapie
Dem Viburnin wird aufgrund von Labor- und Tierstudien eine krampflösende Wirkung zugesprochen. Klinische Studien existieren jedoch nicht. Volksheilkundlich wurden Abkochungen der Rinde bei Menstruationskrämpfen verwendet. Dazu wurde die Rinde an jungen Zweigen / Äste abgezogen, in Streifen geschnitten und luftgetrocknet. Da keine standardisierte Monographie bei HMPC, EMA, usw. vorliegt, müsste man zur Dosierung auf alte Arzneibücher zurückgreifen, wovon aber an dieser Stelle ausdrücklich abgeraten wird. Zu beachten ist, dass Überdosierungen zu Vergiftungssymptomen führen können und mögliche Nebenwirkungen, u.a. bei Schwangerschaft nicht untersucht sind. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Der Name der Art kommt von einer niederländischen Zuchtsorte
Die Art ist eigentlich giftig, doch die Beeren werden in Osteuropa kulinarisch genutzt
>>> weitere Essbare Bäume und Sträucher 🌳🌲
Schöne Blüten
Der Gewöhnliche Schneeball ist ein in Mitteleuropa heimischer Wildstrauch, der sich vor allem an feuchten Standorten wohlfühlt. Er wird mit seinen schönen Blütenständen und leuchtend-roten Früchten auch gerne als Zierstrauch angepflanzt. Bei den Blütenständen im Frühling sind besonders die vergrösserten Randblüten auffällig. Diese dienen dazu, Insekten (Wildbienen, Käfer, Schwebfliegen) als Bestäuber anzulocken. Sie sind zwar steril, enthalten aber trotzdem oft Nektar.
Die Früchte sind bei den Vögeln nicht so beliebt
Die Früchte sind zwar schon ab Frühherbst (teils Ende Sommer) reif, doch von den Vögeln gefressen werden sie erst im Winter, oft auch erst Ende Winter. Dies ist der Zeitpunkt, wo andere, energiereichere und schmackhaftere Nahrungsquellen (wie z.B. Hagebutten) grösstenteils aufgebraucht sind. Man findet am Strauch hängende Früchte auch oft noch weit in den Frühling hinein. Die Samen treiben erst im Sommer aus, ausgelöst durch die Wärme, indem sich erst nur die Wurzeln ausbreiten. Die oberirdischen Triebe treiben dann im Herbst darauf aus. Aufgrund der späten Keimung kann eine späte Samenverbreitung durchaus Sinn machen, da dadurch Ruhezeit und damit auch die Überlebenschance des Samens erhöht wird.

Der Name der Art kommt von einer niederländischen Zuchtsorte
Der Strauch treibt nach Schnitten rasch und kräftig wieder aus. Der Name Schneeball dürfte von der als Zierstrauch genutzten Zuchtsorte Roseum herkommen. Diese stammt aus den Niederlanden, besteht nur aus den grossen sterilen Blüten und der Blütenstand hat dabei eine rundliche Form, die zusammen mit der weissen Farbe an einen Schneeball erinnert.
Die Art ist eigentlich giftig, doch die Beeren werden in Osteuropa kulinarisch genutzt
Die Pflanze gilt bei uns in Mitteleuropa als giftig. Rohe Beeren sind auch sehr bitter, so dass man nicht direkt auf die Idee kommt davon grössere Mengen roh zu verzehren. In Osteuropa, vor allem Polen, Ukraine und Russland, werden die Beeren (unter dem Namen калина - Kalina bekannt) jedoch trotzdem kulinarisch geschätzt. Denn mit Frost und Erhitzen (beim Kochen) wird der Gehalt am giftigen Viburnin und auch die damit einhergehende Bitterkeit stark reduziert. So kann eine Marmelade oder ein Sirup daraus problemlos verzehrt werden, resp. entsprechende Produkte sind in Osteuropa auch im Supermarkt erhältlich. Eine leichte Bitterkeit (v.a. im Nachgeschmack) bleibt jedoch trotzdem erhalten und ist als Kontrast zur Zuckersüsse auch durchaus erwünscht. Beim Likör aus den Beeren tritt der übelriechende Geschmack roher Beeren nach 1-2 Wochen in den Hintergrund und es macht sich ab dann stattdessen ein angenehmes Erdbeer-ähnliches Aroma breit.
Gesammelt werden die Beeren, sobald sie schön leuchtend rot sind, d.h. ab September, teils auch bereits im August. Sie werden vor der Weiterverarbeitung für ein paar Tage im Tiefkühler gelagert, um den Frost zu simulieren. Überreife Beeren im Winter werden wegen dem übelriechenden Geschmack nicht mehr gesammelt.
Mythologie des Gemeinen Schneeballs in Osteuropa
in der Ukraine sogar Nationalsymbol
In Osteuropa geht die Bedeutung des Gemeinen Schneeballs weit über das Kulinarische hinaus. Die schöne leuchtend-rote Farbe der Früchte und auch die herzförmigen Samen, verleihen ihm dort eine wichtige kulturelle Bedeutung als Symbol für Liebe und weibliche Schönheit, aber (wegen dem bitteren Geschmack) auch Schmerz, Trauer und Melancholie.

In der Ukraine ist die Art sogar Nationalsymbol, resp. gilt als «Herz der Nation» und wird auch in diversen Volksliedern besungen. Die russische Invasion hat dem Ganzen nochmal neuen Auftrieb verliehen. Das Volkslied «Oj, u lusi tscherwona kalyna» (Oh, roter Schneeball auf der Wiese) wurde dabei zur Hymne des Widerstands und ist auch in vielen traditionellen und modernen Versionen auf Youtube zu finden. Die Art, die sich nach Schnitten rasch wieder regeneriert, kann als Symbol einer Nation verstanden werden, die sich nicht so schnell vom mächtigen Feind von aussen unterkriegen lässt.

mögliche Verwechslungen

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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