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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Schneeball, Gemeiner- (Viburnum opulus)
Illustration des Gemeinen Schneeballs (Viburnum opulus) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. gegenständig, 3-lappig, Blattgrund steil, Trugdolde, weisse Blüten, rote Beeren.

Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), Gattung: Schneeball (Viburnum)

"Ein hierzulande häufiger Strauch, der eigentlich giftig ist. Die schönen roten Beeren können jedoch mit geeigneter Zubereitung als Konfitüre oder Likör genutzt werden, so wie es in Osteuropa auch sehr gebräuchlich ist."

 

Bestimmungsmerkmale

Fotos

Verwendung

Beschreibung

mögliche Verwechslungen

Bestimmungsmerkmale

Habitus: Strauch bis 4m Höhe


Blätter: gegenständig; 3-lappig; 6 bis 12 cm lang; Lappen nach vorne gerichtet und grob gezähnt; am Blattstiel zwei grosse Drüsen


Äste / Stamm: graubraun-glänzend; mit vielen erhobenen Lentizellen; junge Zweige (hell-)rotbraun und kantig


Blüten: in Trugdolden angeordnet; blüht Mai / Juni

  • Blütenstand: ca. 10 cm breit

  • Einzelblüten: 5 weisse Kronblätter; randliche Blüten stark vergrössert (1.5 bis 2.5cm Durchmesser) und steril


Früchte: leuchtend-rote, kugelige Beere; 0.8 bis 1cm lang; Samen flach und herzförmig


Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Waldrand, Hecken, Auenwälder

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Viburnin (darunter versteht man die enthaltene Mischung aus Iridoid-Glykosiden, Phenolischen Glyksoiden und Secoiridioid-Glykosiden), Oxalate; in den Früchten auch Flavonoide und Pektin


Giftigkeit*: Der Gemeine Schneeball gilt wegen dem enthaltenen Viburnin als giftig. Vor allem in der Rinde ist der Gehalt hoch. Der Gehalt in den Früchten nimmt mit der Reife ab. Nach der Bewertung des Bundesinsituts für Risikobewertung kann der Verzehr weniger roher Beeren bereits zu Verdauungsbeschwerden führen. Frost und Hitze reduzieren jedoch den Viburnin-Gehalt, so dass z.B. Konfitüre problemlos kulinarisch verwendet werden kann (wie es in Osteuropa Tradition ist).


mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten


  • reife Früchte (fruchtig, bitter > mehr dazu): Konfitüre (Mus und Sud verwenden), Sirup, Likör vor der Weiterverarbeitung die Früchte ein paar Tage im Tiefkühler lagern! Für die Konfitüre werden die Beeren nur 3-5min weichgekocht, da sie erstens einen hohen Wassergehalt haben und zweitens sonst zunehmend bittere Stoffe aus dem Samen herausgelöst werden. Es fällt nur sehr wenig Mus an. Für die Weiterverarbeitung zu Konfitüre werden der Sud und das Mus zusammen verwendet. Um den Bittergeschmack etwas abzumildern, kann der Schneeballbeeren-Sud, resp. das -Mus vor dem Zucker-Einkochen mit Apfelmus (z.B. im Verhältnis 1:1) kombiniert werden.


Verwendung in der Phytotherapie: Dem Viburnin wird aufgrund von Labor- und Tierstudien eine krampflösende Wirkung zugesprochen. Klinische Studien existieren jedoch nicht. Volksheilkundlich wurden Abkochungen der Rinde bei Menstruationskrämpfen verwendet. Dazu wurde die Rinde an jungen Zweigen / Äste abgezogen, in Streifen geschnitten und luftgetrocknet. Da keine standardisierte Monographie bei HMPC, EMA, usw. vorliegt, müsste man zur Dosierung auf alte Arzneibücher zurückgreifen, wovon aber an dieser Stelle ausdrücklich abgeraten wird. Zu beachten ist, dass Überdosierungen zu Vergiftungssymptomen führen können und mögliche Nebenwirkungen, u.a. bei Schwangerschaft nicht untersucht sind. zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben


Kulinarische Verwendung des Gemeinen Schneeballs (Viburnum opulus): Herstellung von Likör und Konfitüre aus den roten Beeren nach dem Frost. So verarbeitet sind die Schneeball-Beeren ungiftig.

Beschreibung

Der Gewöhnliche Schneeball ist ein in Mitteleuropa heimischer Wildstrauch, der sich vor allem an feuchten Standorten wohlfühlt. Er wird mit seinen schönen Blütenständen und leuchtend-roten Früchten auch gerne als Zierstrauch angepflanzt. Bei den Blütenständen im Frühling sind besonders die vergrösserten Randblüten auffällig. Diese dienen dazu, Insekten (Wildbienen, Käfer, Schwebfliegen) als Bestäuber anzulocken. Sie sind zwar steril, enthalten aber trotzdem oft Nektar. Die Früchte sind zwar schon ab Frühherbst (teils Ende Sommer) reif, doch von den Vögeln gefressen werden sie erst im Winter, oft auch erst Ende Winter. Dies ist der Zeitpunkt, wo andere, energiereichere und schmackhafteren Nahrungsquellen (wie z.B. Hagebutten) grösstenteils aufgebraucht sind. Man findet auch oft im Frühling noch Früchte am Strauch hängen. Die Samen treiben erst im Sommer aus, ausgelöst durch die Wärme, indem sich erst nur die Wurzeln ausbreiten. Die oberirdischen Triebe treiben dann im Herbst darauf aus. Aufgrund der späten Keimung kann eine späte Samenverbreitung durchaus Sinn machen, da dadurch Ruhezeit und damit auch die Überlebenschancen des Samens erhöht wird.


Schneeball-Beeren im März
Schneeball-Beeren im März

Der Strauch treibt nach Schnitten rasch und kräftig wieder aus. Der Name Schneeball dürfte von der als Zierstrauch genutzten Zuchtsorte Roseum herkommen. Diese stammt aus den Niederlanden, besteht nur aus den grossen sterilen Blüten und der Blütenstand hat dabei eine rundliche Form, die zusammen mit der weissen Farbe an einen Schneeball erinnert.


Die Pflanze gilt bei uns in Mitteleuropa als giftig. Rohe Beeren sind auch sehr bitter, so dass man nicht direkt auf die Idee kommt davon grössere Mengen roh zu verzehren. In Osteuropa, vor allem Polen, Ukraine und Russland werden die Beeren (unter dem Namen калина - Kalina bekannt) jedoch trotzdem kulinarisch geschätzt. Denn mit Frost und Erhitzen (beim Kochen) wird der Gehalt am giftigen Viburnin und auch die damit einhergehende Bitterkeit stark reduziert. So kann eine Marmelade oder ein Sirup daraus problemlos verzehrt werden, resp. entsprechende Produkte sind im Osten auch im Supermarkt erhältlich. Eine leichte Bitterkeit (v.a. im Nachgeschmack) bleibt jedoch trotzdem erhalten und ist als Kontrast zur Zuckersüsse auch durchaus erwünscht. Beim Likör aus den Beeren tritt der übelriechende Geschmack roher Beeren nach 1-2 Wochen in den Hintergrund und es macht sich ab dann stattdessen ein angenehmes Erdbeer-ähnliches Aroma breit. Gesammelt werden die Beeren, sobald sie schön leuchtend rot sind, d.h. ab September, teils auch bereits im August. Sie werden vor der Weiterverarbeitung für ein paar Tage im Tiefkühler gelagert, um den Frost zu simulieren. Überreife Beeren im Winter werden wegen dem übelriechenden Geschmack nicht mehr gesammelt.


herzförmige Samen im innern der Schneeball-Beeren
herzförmige Samen im innern der Schneeball-Beeren

In Osteuropa geht die Bedeutung des Gemeinen Schneeballs weit über das Kulinarische hinaus. Die schöne leuchtend-rote Farbe der Früchte und auch der herzförmigen Samen, verleihen ihm dort eine wichtige kulturelle Bedeutung für Liebe und weibliche Schönheit, aber (wegen dem bitteren Geschmack) auch Schmerz, Trauer und Melancholie. In der Ukraine ist die Art sogar Nationalsymbol, resp. gilt als «Herz der Nation» und wird auch in diversen Volksliedern besungen. Die russische Invasion hat dem Ganzen nochmal neuen Auftrieb verliehen. Das Volkslied «Oj, u lusi tscherwona kalyna» (Oh, roter Schneeball auf der Wiese) wurde dabei zur Hymne des Widerstands und ist auch in vielen traditionellen und modernen Versionen auf Youtube zu finden. Die Art, die sich nach Schnitten rasch wieder regeneriert, kann als Symbol einer Nation verstanden werden, die sich nicht so schnell vom mächtigen Feind von aussen unterkriegen lässt.


typische Ukrainische Stickerei mit Schneeball-Beeren drauf (©Alex Shevchenko - stock.adobe.com)
typische Ukrainische Stickerei mit Schneeball-Beeren drauf Alex Shevchenko - stock.adobe.com)

 

mögliche Verwechslungen

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