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Ahorn-Arten (Acer)

Familie: Seifenbaumgewächse (Sapindaceae), Gattung: Ahorn (Acer)
(Foto ©Dinadesign - stock.adobe.com)
"Baumarten, deren Blätter die typische gelappte Ahorn-Form aufweisen. Kulinarisch lohnen sich nicht nur Blüten und junge Blätter im Salat, sondern auch die als Gemüse gegarten Samen im Herbst"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: gegenständig; herzförmig; handförmig-gelappt (5-7 Lappen); äusserte Lappen meist sehr klein; US behaart
Feld-: Länge <10cm; Lappen ganzrandig (evtl. mit einem Zahn) und stumpf
Spitz-: Länge >10cm; Lappen spitz, lang gezähnt und am Ende zugespitzt; Buchten stumpf; Blattstiel mit Milchsaft
Berg-: Länge >10cm; Lappen unregelmässig gesägt bis gekerbt; Buchten spitz

Habitus:
Feld-: Strauch, selten kleiner Baum
Spitz-: Baum bis 30m Höhe
Berg-: Baum bis 30m Höhe
Äste / Stamm: graubraun
Feld-: längsrissig
Spitz-: längsrissig
Berg-: schuppig-abblätternd

Blüten: radiärsymmetrisch; 5 gelbgrüne Kron- und Kelchblätter; grosser grüner Diskus; ca. 8 Staubblätter; ein kleiner 2-narbiger Griffel
Feld-: in Rispe à 5-10 Blüten; dicht behaart, Blüten entweder nur männlich oder nur weiblich; blüht Mai
Spitz-: in aufrechter Trugdolde à 10-15 Blüten; blüht April (vor dem Blattaustrieb)
Berg-: In hängender Traube à 30-50 Blüten; blüht April / Mai (mit oder kurz nach dem Blattaustrieb)

Früchte: pro Blüte je zwei geflügelte Nussfrüchte («Samara»), Flügel halb-oval
Feld-: Früchte zueinander ca. 180° angeordnet
Spitz-: Früchte zueinander in stumpfem Winkel angeordnet
Berg-: Früchte zueinander in spitz bis stumpfen Winkel angeordnet

Zeigerwerte: mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich
· Feld-: halbschattig, frisch, schwach sauer bis neutral
· Spitz-: schattig, mässig feucht, neutral bis basisch
· Berg-: schattig, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), schwach sauer bis neutral
Feld-: Waldrand, Gebüsche, Hecken (fast nur in Tieflagen)
Spitz-: schuttige Berg- und Schluchtenwälder (bis ca. 1'500 m ü. M.), Laubmischwälder
Berg-: schuttige Berg- und Schluchtenwälder (bis fast zur Baumgrenze), Laubmischwälder
gefährliche Verwechslungen: Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus)
Fotos

Berg-Ahorn
Verwendung
Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (nussig, herb > mehr dazu): jung als Salat oder Blattgemüse; ältere Blätter auch getrocknet und vermahlen als Streckmehl
Blüten (leicht süsslich > mehr dazu): Salat, essbare Dekoration, Zutat für Kräutersalz
unreife bis reife Samen (sehr bitter, im Wasser gekocht aber mild > mehr dazu): Gemüse, (im Salzwasser kochen, um die Bitterkeit zu reduzieren)

Beschreibung
Die Ahornbäume gehören zu den hierzulande prägenden Laubbäumen. Sie können gut an den typischen handförmig gelappten («ahornförmigen») Blätter erkannt werden. Diese können auch gerne mal über 10cm lang werden und haben im Herbst sehr intensive Herbstfarben. Innerhalb der Gattung der Ahorn (Acer) sind in Mitteleuropa Feld-Ahorn, Spitz-Ahorn und Berg-Ahorn die am häufigsten auftretenden Arten. Die Gattung der Ahorne wiederum gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse, die eigentlich vor allem in den Tropen ihren Verbreitungsschwerpunkt hat.
Die Blüten sind typischerweise gelbgrün und radiärsymmetrisch. Die auffällige Diskusscheibe in der Mitte jeder Blüte produziert reichlich Nektar, um Insekten als Bestäuber (v.a. Hummeln, Bienen und Fliegen) anzulocken. Eine Pollenverbreitung mit dem Wind ist aber bei den Ahorn-Arten trotzdem auch möglich. In den Blüten befinden sich pro Fruchtblatt je zwei Samenanlagen, von denen jeweils nur eine davon befruchtet wird. Aus den zwei Fruchtblättern entwickeln sich so zwei zusammengewachsene Flügelnüsse, die sich dann während bei Reife voneinander lösen (Spaltfrüchte). Diese geflügelten Nussfrüchte können als Schraubflieger («kleine Helikopter») mit dem Wind verbreitet werden. Die drei Ahornarten können u.a. auch an der Anordnung (Winkel) der beiden Teilfrüchte unterschieden werden (Feld-Ahorn ca. 180°, Spitz-Ahorn ca. 90-180°, Berg-Ahorn ca. 90°). Das Holz der genannten Ahornarten ist generell von guter Qualität, d.h. hart, dicht und gut bearbeitbar (ideal für den Werkzeug- und Möbelbau), allerdings für den Ausseneinsatz nur wenig witterungsbeständig. Der Brennwert ist allgemein hoch.
Feld-Ahorn: Wächst vor allem strauchartig und gegenüber den anderen zwei Arten sind die Blätter deutlich kleiner (< 10cm). Der Feld-Ahorn bevorzugt bei uns in Mitteleuropa eher die tieferen und warmen Lagen. Im mediterranen Raum tritt er jedoch bevorzugt in höheren Lagen auf. Er ist beim Zuschnitt sehr regenerationsfähig und wurde deshalb im Mittelalter gerne in der Niederwaldwirtschaft genutzt. Zusätzlich wurde das Laub gerne für die Fütterung der Nutztiere («Schneitelwirtschaft») verwendet. Das Holz vom Feld-Ahorn hat keine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung. Die Art wird vielmehr in der Landschaftspflege genutzt und gerne in Parks, Gärten und Hecken angepflanzt.
Spitz-Ahorn: Ist eher eine Tiefland-Art. Sie ist anhand des Blattrandes mit spitzen und langen Zähnen erkennbar. Ein Unterschied zum Berg-Ahorn ist ausserdem, dass die Blüten bereits vor dem Laubaustrieb Anfang April erscheinen und dann der Baum auffallend hellgrün erscheint. In dieser Zeit ist die Chance auf einen Bestäubungserfolg durch die geringere Konkurrenz grösser, gleichzeitig macht dies die Blüten aber auch Spätfrost-gefährdet. Dieses Risiko wird jedoch durch das schrittweise Aufblühen der Blüten über einen Zeitraum von 1 bis 2 Wochen reduziert und ausserdem kommen die Blüten mit ein paar wenigen Graden auch noch gut klar. Es kommt oft vor, dass Blüten durch Frühjahrsstürme am Baum abbrechen und fortgeweht werden, so dass man diese anschliessend bequem am Boden sammeln kann. Bei Verletzungen der Laubblätter und jungen Ästen wird ein Milchsaft abgesondert. Forstwirtschaftlich ist die Bedeutung vom Spitz-Ahorn (durch die im Vergleich zum Bergahorn etwas geringere Holzqualität) eher gering. Die Art ist eher ein Stadt- und Parkbaum und kann gut mit Luftverschmutzung und verdichtetem Boden umgehen.
Berg-Ahorn: Bei den Blättern des Bergahorns ist die spitze Form der Buchten charakteristisch. Der Name sagt es bereits, dass sich der Berg-Ahorn vor allem in höheren Lagen (bis fast zur Baumgrenze) wohl fühlt. Sein natürliches Terrain sind feucht-schuttige Hänge und Schluchten. Unter den Ahornarten ist es die wichtigste forstlich genutzte Art und gilt als eines der wertvollsten Edellaubhölzer (=einheimische Laubbäume mit besonders hochwertigem, dekorativem Holz und einem hohen wirtschaftlichen Wert). Bei der kulinarischen Verwertung ist der Berg-Ahorn deutlich bitterer als Feld- und Spitz-Ahorn.
Der Ahornsirup aus dem Supermarkt wird übrigens aus dem Amerikanischen Zucker-Ahorn (Acer saccharum) gewonnen (dessen Blatt ist auf dem Wappen von Kanada abgebildet). Dazu wird im Stamm ein Loch bis zum Phloem (Leitungssystem des Baumes, dass dem Transport vom Zucker dient) gebohrt, wo dann unter Druck der zuckerhaltige Saft austritt. Dieser wird dann über ein ins Loch gestecktes Rohr in ein geeignetes Gefäss abgeleitet. Indem dieser Saft im Anschluss eingedickt wird, entsteht schliesslich der Ahornsirup. Ahornsirup kann auch aus unseren heimischen Ahorn-Arten gewonnen werden, doch diese sind hierzu weniger ergiebig (und Bedürfen dem Einverständnis des Waldbesitzers).
mögliche Verwechslungen
Gemeiner Schneeball (Viburnum opulus) - giftig!
Die reifen Früchte können entsprechend zubereitet auch kulinarisch genutzt werden.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter sehen sehr ähnlich aus (gegenständig, handförmig gelappt)
Unterschiede
Blattgrund steil, nur 3-lappig; nach vorne gezähnt; US wollig behaart; am Blattgrund zwei Nektardrüsen
Rinde glänzend und mit vielen erhobenen Lentizellen («Korkwarzen»); nur Strauch bis 4m Höhe
Blüte weiss, in Trugdolde, randlich vergrössert
Frucht eine ca. 1cm grosse, kugelige rote Beere
gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxceae)

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