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Echte Nelkenwurz (Geum urbanum)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Nelkenwurz (Geum)
"Ein Kraut, welches man ganzjährig und häufig antrifft und wegen den stark zusammenziehenden Blätter kulinarisch eher gemieden wird. Ein wahres Juwel sind hingegen die Wurzelfasern, die ein angenehmes Nelkenaroma entfalten."
Bestimmung
Blattanordnung: Grundrosette und über die warmen Monate auch ein aufrechter Stängel mit wechselständigen Stängelblättern
Blätter: gefiedert (bis tief fiederförmig eingeschnitten); Fiedern / Abschnitte oval bis (breit-) eiförmig und unregelmässig gesägt; Endfiedern/-abschnitte grösser als die Seitenfiedern
Grundblätter: >3-zählig; Fiedern gegen den Blattgrund generell kleiner werdend; zwischen zwei grösseren Fiederpaaren oft ein kleines Fiederpaar; lang gestielt; wintergrün; bis 20cm lang
Stängelblätter: 3-zählig, mit rundlichen Nebenblättern (sieht so aus wie 5-zählig)
Stängel: 25 bis 90 cm hoch; aufrecht; kantig; kahl bis behaart; verzweigt
Blüten: endständige Einzelblüten; Durchmesser 1 bis 2 cm; Kronblätter gelb und rund; Kelchblätter 3-eckig; mit Aussenkelch; Staubblätter gelb; in der Mitte 60-80 Fruchtblätter; blüht Mai bis August
Früchte: in einem kugeligen, klettigen Fruchtstand angeordnet, der jeweils aus einer Blüte entsteht; Aus jedem Fruchtblatt der Blüte bildet sich jeweils ein behaartes Nüsschen, resp. aus deren Griffel die Widerhaken; Kelchblätter im Fruchtstadium zurückgeschlagen.
Zeigerwerte: schattig, nährstoffreich, feucht, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Waldwegrand, Waldrand, unter Gebüschen / Hecken, Krautsäume, zwischen Pflastersteinen / Ritzen oder Risse im Beton
Fotos




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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (im Rhizom bis 18%, in den Blättern Gehalt jedoch geringer!); in den Wurzelfasern auch das Eugenol (Ätherisches Öl mit Nelkenduft)
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
ganz junge Blätter (bitter und adstringierend > mehr dazu): Salat- oder Gemüsebeigabe in kleinen Mengen
Blüten (bitter und adstringierend > mehr dazu): essbare Dekoration
Wurzelfasern (würzig > mehr dazu): gesäubert und feingeschnitten / vermahlen als Gewürz (Nelkenaroma); ist auch für das Aromatisieren von Bier, Wein oder Likör bekannt; nur die Wurzelfasern und nicht das (stark adstringierende) Rhizom verwenden! Je stärker die Wurzel in der Struktur zerstört wird (durch Schneiden, Zerquetschen, usw.), desto mehr Aroma wird freigesetzt.

Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Die Blätter und das Rhizom können durch den hohen Gerbstoffgehalt für Gerbstoff-Heilanwendungen verwendet werden. Für die Anwendung mit dem Rhizom werden 4 bis 4g (ca. 2 gehäufte TL) in getrockneter und zerkleinerter Form für 10 bis 15min in kochend-heissem Wasser ausgezogen. Dieser Auszug kann bei Entzündungen im Mund-Rachenbereich mehrmals am Tag gegurgelt werden (wirkt lokal antimikrobiell und entzündungshemmend), resp. bei Durchfall mehrmals am Tag getrunken werden. Ein Umschlag des Auszuges wirkt bei Wunden desinfizierend und blutstillend, resp. kann auch bei Hautentzündungen angewendet werden. Eine Wirkung haben auch die feinen Wurzelfasern. Diese enthalten das Ätherische Öl namens Eugenol, welches nicht nur antibakteriell, sondern auch schmerzstillend wirkt. Bei Zahnschmerzen kann daran herumgekaut werden (jedoch nur zur Symptombekämpfung!).
Beschreibung
Die Echte Nelkenwurz ist eine Pflanze, welche ganzjährig zur Verfügung steht. Ihre Grundblätter findet man auch über den Winter. Der Gerbstoffgehalt der Blätter ist generell sehr hoch, was zum unagenehm bitteren Geschmack mit adstringierender Wirkung (pelziges Gefühl auf der Zunge) führt. Hat man jedoch gerade Halsschmerzen oder Verdauungsprobleme, dann eignen sich die entsprechenden Pflanzenteile aber hervorragend für Gerbstoff-Heilanwendungen. Am ebenfalls Gerbstoff-reichen Rhizom setzen die Wurzelfasern an, die Nelken duften und so der Art ihren Namen gegeben haben. Mit der in der Küche verwendeten Gewürznelke (Syzygium aromaticum) ist die Nelkenwurz jedoch nicht verwandt. Beide teilen aber den Inhaltsstoff «Eugenol», also dasjenige Ätherisches Öl, welches für das typische Nelkenaroma sorgt. Es wird erst bei der Verletzung der Pflanzenstruktur enzymatisch aus dem Glykosid Gein gebildet.
In der Klostermedizin war die Art eine wichtige Heilpflanze und hat deshalb auch den Zweitnamen «Benediktinerkraut». Der violette Fleck, der sich beim Aufschneiden im Innern des Rhizoms bildet, erinnert im Querschnitt teils etwas an ein Kreuz. Dies haben die Menschen im Mittelalter als göttliches Zeichen gedeutet, indem sie darin das Symbol von Jesus Christus gesehen haben. Man sprach dem Tragen des Rhizoms als Amulett auch eine Schutzwirkung gegen Dämonen, Krankheiten oder den Teufel zu. Der Fleck entsteht durch Oxidation der Gerbstoffe, wenn diese nach dem Aufschneiden mit dem Sauerstoff in Kontakt kommen.
Der Art-Name urbanum kommt daher, dass die Art meist in Siedlungsnähe auftritt, wo oft der Nährstoffgehalt eher hoch ist. An schattigen, nährstoffreichen Krautsäumen kann die Art sogar sehr dominant sein. Die Bestäubung erfolgt über Insekten, wobei die Blüten keinen Nektar bilden. Zur Verbreitung der Nüsschen werden Widerhaken gebildet, die sich am Fell von vorbeistreifenden Tieren anhaften können.
mögliche Verwechslungen
Bach Nelkenwurz (Geum rivale) – essbar / ungiftig, ähnliche Verwendung
Die Bach-Nelkenwurz findet man zwar auch im Flachland, tritt aber in den Voralpen und im Jura deutlich häufiger auf. Wie es der Name bereits suggeriert, findet man die Art v.a. an feuchten Standorten, wie Feuchtwiesen, Bachufern, Quellfluren oder in Auenwäldern. Der Nelkenduft der Wurzelfasern ist deutlich schwächer ausgeprägt. Um Bestäuber anzulocken, produzieren die Blüten auch Nektar. Wo Echte- und Bachnelkenwurz zusammen auftreten, kann es teils zu einer Hybridisierung beider Arten («Geum x intermedium») kommen.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blattform sehr ähnlich
Unterschiede (u.a.)
Blüten glockenförmig und bis zur Befruchtung nickend (danach zum Fruchtstadium hin aufrichtend)
Kronblätter hellgelb (gegen den Rand rötlich); purpurbraunen Kelchblätter (die etwas gleich lang sind wie die Kronblätter)


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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