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Weisser Gänsefuss (Chenopodium album)

Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), Gattung: Gänsefuss (Chenopodium)
"für die Bauern ein lästiges Ackerunkraut, für Liebhaber von Essbaren Wildpflanzen ein schmackhaftes aromatisch-säuerliches Wildgemüse"
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; rautenförmig (meist 1.5x so lang wie breit) bis (gegen oben am Stängel) länglich-oval; unregelmässig grob gezähnt oder gebuchtet (gegen oben am Stängel zunehmend ganzrandig); unregelmässig verzweigte Blattnerven; mehlig bestäubt und dadurch in der Farbe meist graugrün
Stängel: gefurcht; kahl; innen weissmarkig gefüllt; im Herbst oft rötlich gefärbt
Blüten: Einzelblüten unscheinbar und in weisslich-grünen, knäueligen Rispen aus den Blattachseln der oberen Stängelbereiche angeordnet; blüht Juli bis September
mögliche gefährliche Verwechslungen: Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium)
> mehr dazu (u.a. Unterscheidungsmerkmale) unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"
Zeigerwerte: hell, nährstoffreich, mässig trocken, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Äcker, Ruderalflächen, Unkrautfluren
Fotos


© Oleh Marchak - stock.adobe.com

zunehmend dünner und zunehmend ganzrandiger


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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Saponine, Oxalsäure
Giftigkeit: *wegen der enthaltenen Oxalsäure weder in extrem hohen Mengen, noch ständig täglich über längere Zeit verzehren. **Die Fruchtschalen sind wegen den enthaltenen Saponinen roh leicht giftig und deshalb empfiehlt es sich diese vorgängig zu wässern (um die Saponine herauszulösen)
mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten
Blätter (säuerlich, aromatisch, herb > mehr dazu): Salat, Beigabe im Salat, Wildgemüse (Wildspinat), Suppe
Früchte** (Fruchtschalen bitter und seifig > mehr dazu): Beigabe zu diversen Gerichten; Die Früchte müssen (wegen der etwas unbekömmlichen Saponine in der Fruchtschale) vorher mehrere Stunden im Wasser einweicht oder aufgekocht werden. Das Wasser wird anschliessend weggeschüttet.
Samen (nussig, aromatisch > mehr dazu): Beigabe zu diversen Gerichten (Salat, Müesli,….); Die unbedenklichen schwarzen Samen müssen aber erst von der grünen Fruchtschalte isoliert werden. Eine Möglichkeit dies zu bewerkstelligen wäre z.B. wie folgt (so wie ich es mache): Früchte zerreiben, so dass die Samen austreten. Anschliessend werden Samen und Fruchtreste im Wasser (wie Gold) „gewaschen“. Da die Samen schwerer sind als die Fruchtschalen, setzten sich diese am Boden des Tellers ab, wo die im Anschluss abgeschöpft werden können.

Beschreibung
Der Name dieser einjährigen Art kommt einerseits von der Form der Blätter (welche an die Füsse von Gänse erinnert), andererseits von deren weissen mehligen Bestäubung, die man v.a. bei jungen Blättern beobachten kann. Dabei handelt es sich um sogenannte Blasenhaare, die innerhalb der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) oft auftreten. Diese mikroskopisch kleinen Kügelchen lagern überschüssiges Salz ein und werden beim nächsten Regen vom Blatt weggewaschen. Die Pflanzen werden dadurch salztolerant und deshalb ist es auch kein Zufall, dass sich die Verbreitung der Fuchsschanzgewächse vor allem auf Wüsten, Halbwüsten, bzw. in Küstennähe konzentriert.
Aus den vielen kleinen unscheinbaren Blüten bilden sich eine Unmenge an Samen (pro Pflanze bis zu 1.5 Millionen Stück!), die sehr robust und langlebig sind. Dies macht den Weissen Gänsefuss zum perfekten «lästigen Unkraut». Auf nährstoffreichen Ruderalflächen, aber auch in Gärten breitet er sich so rasch aus und es ist danach sehr schwierig, ihn wieder wegzukriegen. Wer mal den kulinarischen Wert der Pflanze entdeckt hat, wird die Pflanze aber umso mehr schätzen. Denn aus den Blättern lässt sich schmackhafter Wildspinat zubereiten. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Pflanze schon in der Steinzeit vielfach genutzt wurde. Mit Beginn des Ackerbaus wurde er dann zum Kulturfolger auf Ackerflächen. Der Gemüsespinat (Spinacia oleracea) aus dem Supermarkt ist übrigens eng mit dem Weissen Gänsefuss verwandt.
Der Weisse Gänsefuss wird auch «Acker-Melde» oder «Weisse Melde» genannt. Er gehört trotzdem nicht zur Gattung der Melden (Atriplex), obwohl das Aussehen ähnlich ist. Die Verwandtschaft ist jedoch sehr nah und die Verwendung identisch. Auch die Arten innerhalb der Gattung Gänsefuss (Chenopodium) sehen sich oft sehr ähnlich. Einige von ihnen werden sogar zur Artengruppe Chenopodium album aggr. zusammengefasst, wobei der Weisse Gänsefuss (Chenopodium album) der mit Abstand häufigste Vertreter dieser Gruppe ist. Alle Arten innerhalb der Gattung sind ungiftig / essbar und grösstenteils identisch verwendbar. Die eher weniger schmackhaften Vertreter, wie z.B. der Stinkende Gänsefuss (Chenopodium vulvaria) erkennt man bereits am unangenehmen Geruch beim Zerreiben der Blätter. Die dafür verantwortlichen Giftstoffe sind jedoch in normalen Verzehrmengen unbedenklich.
Eine weitere Gänsefuss-Art (nicht zur oben genannten Artengruppe gehörend), die in den Anden vorkommt und vom Namen und der Nutzung her in der Bevölkerung sehr bekannt ist, heisst Quinoa (Chenopodium quinoa). Dessen Samen sind seit längerer Zeit auch in Europa sehr populär, resp. weit verbreitet im Supermarkt erhältlich.
mögliche Verwechslungen
Spreizende- / Gewöhnliche Melde (Atriplex patula) - essbar / ungiftig (wegen Oxalsäure jedoch Vorsicht), ähnliche Verwendung
Auch die Spreizende Melde ist ein Ackerunkraut und weisst zusätzlich eine hohe Salztoleranz auf.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
sehr ähnlich in der Erscheinung!
ähnliche Standorte (wobei diese eher leicht feucht und kalkhaltig sind)
Unterschiede (u.a.)
Blätter spiessförmig und generell länglicher, resp. etwas lockerer mehlig bestäubt
Blüten eingeschlechtlich; weibliche Blüten mit kleinen verwachsenen, rhomboiden Vorblättern, die später auch die Frucht umhüllen
gehört zur Gattung der Melden (Atriplex)

Gemeiner Stechapfel (Datura stramonium) - giftig!
Dieser Neophyt, der ursprünglich aus Mexiko stammt, kommt auf ähnlichen Standorten vor, teils sogar zusammen mit dem Weissen Gänsefuss. Die Form der Blätter und der Blattrand ist sehr ähnlich, doch die Blattlänge ist mit bis zu 20cm deutlich grösser (Weisser Gänsefuss nur ca. 2-6cm). Spätestens im Blütestadium ist dann die Unterscheidung zum Glück einfach, weil der Stechapfel mehrere cm breite, einzeln auftretende Blüten, bzw. später stachelige Früchte ausbildet.
Unterschiede (u.a.)
Blätter deutlich grösser (bis 20cm) und ohne mehlige Bestäubung, Zähne schärfer, unangenehmer Geruch
Stängel meist stark verzweigt
Blüten einzeln und mit weisser, mehrere cm breiter, trichterförmiger Krone
Frucht eiförmig und stachelig
gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae)

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