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Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus)
Illustration des Gewöhnlichen Traubenkirsche (Prunus padus). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Prunus

"Diese Strauchart blüht früh im Jahr und duftet dabei sehr angenehm und intensiv. Bei der kulinarischen Nutzung müssen die enthaltenen giftigen Blausäureglykoside mitberücksichtigt werden."

 

Bestimmung

Habitus: Strauch oder Baum bis 10m Höhe


Blätter: wechselständig; oval bis eiförmig, 6 bis 12 cm lang, am Ende zugespitzt; fein und regelmässig gesägt; kahl; vertiefte eher flache und gerade Seitennerven; US graugrün; Blattstiel meist mit 2 grünen Nektardrüsen (im Verlaufe des Jahres können diese sich auch rötlich verfärben)


Äste / Stamm: dunkelgrau; glatt; mit vielen hellen Korkwarzen; bei Verletzung Bittermandelgeruch


Blüten: in Trauben à ca. 10 Einzelblüten angeordnet; Stiel der Traube z.T. beblättert; Kronblätter weiss und ca. 1 bis 1.5 cm lang; angenehm duftend; blüht April bis Juni

Blüten der Arten aus der Familie Rosengewächse (Rosaceae) allgemein: radiärsymmetrisch, 5 Kron- und 5 Kelchblätter, viele Staub- und Fruchtblätter


Früchte: schwarze-glänzende (unreif rote), kugelige, erbsengrosse Steinfrucht; Durchmesser 7 bis 9 mm; mit grossem Steinkern; ab ca. Juli / August reif


Zeigerwerte: schattig, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Waldrand, Ufer, Auenwälder

Fotos

Verwendung

Giftigkeit*: Der Steinkern und die Rinde sind roh giftig (durch Blausäureglykoside); auch die Blätter und Blüten enthalten wenig Blausäureglykoside und sollten nur in kleinen Mengen konsumiert werden.


mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten


  • Blätter* (adstringierend > mehr dazu): junge Blätter in kleinen Mengen im Salat


  • Blüten* (angenehmer Duft nach Bittermandel > mehr dazu): Tee, essbare Dekoration


kulinarische Verwendung der Traubenkirsche

Beschreibung

Die Form der Blüte verrät es sofort, dass die Traubenkirsche wie die Schlehe, Kirschpflaume, usw. zur Gattung Prunus gehört. Die Einzelblüten sehen bei vielen Arten dieser Gattung nämlich fast identisch aus. Für die Traubenkirsche typisch ist die Anordnung der Blüten in hängenden Trauben. Ausserdem ist der Duft sehr angenehm. Das Ergrünen der Traubenkirsche erfolgt im Vergleich zu anderen Gehölzen eher früh. So treiben die Blätter meist bereits Anfang April (zusammen mit den Blüten) aus. So kann die Traubenkirsche an etwas schattigeren Standorten das volle Licht ausnutzen, bevor die übrigen Laubbäume austreiben und auch die Chance auf eine erfolgreiche Bestäubung durch Insekten ist in dieser (sonst noch eher kargen) Zeit (wo das übrige Nahrungsangebot noch knapp ist) höher. Die Kehrseite dabei ist jedoch die Spätfrostgefährdung, welche die Art jedoch in Kauf nimmt. Sie kompensiert das vielmehr durch viele Blüten, die über viele Tage gestaffelt aufblühen, so dass eine Frostnacht nicht alle Blüten zerstört. Auch wenn frische Triebe durch starken Forst absterben können, treiben dann einfach kurze Zeit (ca. 3 Wochen später) wieder Neue davon aus.


Die Traubenkirsche ist ein Pioniergehölz und kommt natürlicherweise vor allem in Auenwäldern vor, wo sie auch mit einer zeitweisen Überflutung klarkommt. Weiter ist sie auch in kühl-schattig-feuchten Schluchtwäldern eine Begleitart im Unterwuchs, und kann generell offenen Flächen nach Störungen, wie z.B. Rutschungen, Kahlschlag im Wald oder Windwurf rasch besiedeln. Die Traubenkirsche verträgt auch Schatten bis zu einem gewissen Grad, doch im geschlossenen Kronendach fehlt sie. Häufig zu finden ist sie auch an feuchten Waldrändern (v.a. dort wo der Waldrand Nord-exponiert ist). Die nektarreichen Blüten sind eine wertvolle Insektennahrung, resp. die Früchte sind bei Vögeln sehr beliebt. Über 70 Raupenarten nutzen die Traubenkirsche als Futterpflanze.


Aus den angenehm duftenden Blüten lässt sich schmackhafter Tee machen. Durch die Hitze wird dabei auch ein Teil der giftigen Blausäureglykoside abgebaut. Es wird aber trotzdem empfohlen, dass ein dauerhafter Konsum vermieden werden soll. Die Früchte sind fruchtig-süss im Geschmack und haben dabei eine leicht adstringierende Note. Wie bei der Schlehe, ist der Steinkern eher gross und somit nicht viel Fruchtfleisch vorhanden. Wegen den enthaltenen Blausäureglykosiden sollten keine grossen Mengen der Früchte verzehrt werden. Andererseits liest man dann aber (je nach Quelle), dass die Blausäureglykoside v.a. in den Kernen und nicht im Fruchtfleisch stecken. Von einem Verzehr der Kerne ist deshalb abzusehen. Trotzdem wird in Sibirien ein Mehl aus den ganzen Früchten (inkl. Kernen) als Gewürz mit Bittermandelaroma für den «Traubenkirschenkuchen» genutzt. Hierbei werden die Kerne jedoch erst vermahlen und dann das Mehl erhitzt, was vermutlich zu Abbau der Blausäureglykoside führt. Von einer analogen wie Nutzung wie «Mahaleb» aus den Samen der Feklsenkirsche, wird bei der Traubenkirsche wegen dem deutlich höheren Blausäuregehalt jedoch abgeraten.


Die Rinde junger Zweige wurde früher in der Volksheilkunde als Fieber- und Hustenmittel verwendet. Vermutlich wirkt die aufgenommene Blausäure beruhigend auf das Atemzentrum, doch es liegen dazu keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Auch sind die Risiken der Einnahme unklar. Die Einnahme von Traubenkirschenrinde wird heuzutage auch nur schon wegen dem Risiko für eine Vergiftung durch die enthaltenen Blausäureglyksoside nicht mehr empfohlen.

 

mögliche Verwechslungen

Herbst-/Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina) – ebenfalls teils giftig, ähnliche Verwendung


Die Herbst-Traubenkirsche ist ein Neophyt aus Nordamerika. Sie wurde bei uns ursprünglich auf nährstoffarmen-sauren Böden als Unterbau unter Waldkiefern forstwirtschaftlich angepflanzt. Da sie mit der Zeit an diesen Standorten invasiv geworden ist, ist ihr Anbau mittlerweile nicht mehr erlaubt und wird mittlerweile sogar aktiv bekämpft. Die Rinde wurde von den indigenen Völkern Nordamerikas ebenfalls als Hustenmittel genutzt.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blattform und Blüten


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter dunkelgrün, ledrig und glänzend, am Grund keilförmig, Marzipan-Duft beim Zerreiben

  • blüht etwas später (Mai/Juni)

  • Kelch auch noch an den reifen Früchten vorhanden (an deren Basis) – dies kommt innerhalb der Gattung Prunus nur bei dieser Art vor!


Herbst-Traubenkirsche

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
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