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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
Illustration des Scharbockskrautes (Ranunculus ficaria) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae), Gattung: Ranunculus

"Ein leicht schärfliches und aromatisches Würzkraut, welches früh im Jahr gesammelt wird. Die unterirdischen Knollen sind angebraten ein leckere nussige Beigabe."

 

Bestimmung

Blätter: direkt aus dem Boden (kein oberirdischer Stängel); lang gestielt, Blattstiel u-förmig; herz bis nierenförmig, 2 bis 4cm lang (teils <7cm); fleischig; Blattrand ganzrandig bis ganz leicht gebuchtet; OS glänzend, hellgrün bis grün, radiale und verästelte Seitennerven; US hellgrün


Stängel: unterirdisch, niederliegend; in den breiten Blattachseln mit Brutknospen; mit keulenförmigen, 1 bis 2 cm langen Sprossknollen


Blüten: radiärsymmetrisch; 8-11 Perigonblätter, diese gelb und lanzettlich; blüht März / April


Früchte: pro Fruchtblatt ein Nüsschen (des Typs "Achäne")


Zeigerwerte: schattig, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, neutral bis basisch


typische Standorte: Laubwälder, Auenwälder, Waldrand, unter Hecken/Sträuchern

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Ranunculin, Flavonoide, Gerbstoffe, wenig Saponine, Vitamin C


*Giftigkeit: Wegen dem enthaltenen Protoanemonin ist die Art giftig und ein Konsum kann zu Verdaungsbeschwerden führen! In den Blättern liegen bis zur Blütezeit nur geringe Konzentrationen vor, so dass diese dann (in kleinen Mengen) problemlos roh verzehrt werden können. Das Protoanemonin wird beim Trocknen und Kochen abgebaut und so kann das Scharbockskraut auch ab der Blütezeit verzehrt werden. Beim Kochen der Blätter und Knollen reichen dabei wenige Minuten Kochzeit. Trocknen ist bei den Knollen aus eigener Erfahrung nicht ausreichend. Das Protoanemonin kann daran erkannt werden, indem sich beim Biss ein bitter-scharfer Nachgeschmack entfaltet.


mögliche Kulinarische Verwendung*: zu den Grundrezepten


  • Blätter (würzig, scharf > mehr dazu): Beigabe im Salat, Gewürz (frisch verwenden), Kräuterbutter, Kräuterquark, Aufstriche – ab der Blütezeit nur noch getrocknet oder gekocht verwenden (> dann sind die Blätter jedoch fade !)


  • Brutknospen und Sprossknollen (nussig > mehr dazu): ab Spätherbst entweder angebraten, getrocknet und anschliessend gekocht oder nur gekocht (etwas fader als wenn vorher getrocknet) als Snack, Gemüse, Beigabe – ohne adäquate Zubereitung nicht verzehren (giftig)!


Anbraten der Sprossknollen vom Scharbockskraut

Beschreibung

Das Scharbockskraut in ein typischer Frühjahrs-Geophyt, der den Waldboden von Laubwäldern besiedelt. Ab Ende Frühling / Frühsommer zieht er sich komplett in den Untergrund zurück und lebt von seinen Energiereserven, die vor allen in den Sprossknollen gespeichert sind. Diese Reserven ermöglichen ihm dann bereits im Spätwinter / Anfang März (also relativ früh) wieder Blätter auszutreiben. Dabei nutzt er die Zeit, wo die Temperaturen bereits wärmer sind, aber die Laubbäume ihre Blätter noch nicht ausgetrieben haben (und höher wachsenden Kräutern noch nicht ausgetrieben sind), so dass noch genug Licht den Waldboden für die Photosynthese erreicht. In dieser Zeit werden durch intensive Photosynthese die Speicher der unterirdischen Sprossknollen wieder aufgefüllt und meist ab Ende März erscheinen dann bereits die Blüten, bzw. kurze Zeit später die Früchte. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben dann Ende Frühling bis Frühsommer wieder ab.


Die Blüten werden von Insekten bestäubt, welche den Pollen sammeln. Bleiben entsprechende Besuche aus (kalter Frühling) ist auch Selbstbestäubung möglich. Die Achänen haben ein kleines fetthaltiges Anhängsel («Elaiosom»), wodurch sie nach dem Runterfallen vom Stängel am Boden durch Ameisen in deren Nester geschleppt und damit sekundär verbreitet werden. Auch Transport durch Oberflächenwasser bei starkem Regen ist möglich. Die allermeisten Exemplare in Mitteleuropa haben einen dreifachen Chromosomensatz («triploid») und dadurch sind auch deren Blüten steril (wodurch die Blütenbildung zwar für die Katz ist, diese aber gleichzeitig auch keine grossen fitnessrelevanten Nachteile mit sich bringt). Die Verbreitung läuft hierzulande deshalb vorwiegend vegetativ über die Brutknospen, die sich an der verdickten Basis der Blattstiele befinden. Diese fallen Ende Frühjahr ab und treiben im nächsten Frühjahr aus. Damit bilden sich mit der Zeit dichte Bestände.


Der Giftstoff Protonemonin (der innerhalb der Familie der Hahnenfussgewächse weit verbreitet ist) liegt in der Pflanze als Glykosid (Rancunculin) vor. Dieses wird dann zu Protoanemonin umgewandelt, sobald eine Verletzung des Pflanzengewebes (z.B. durch Biss) stattfindet. Das Protoanemonin ist auch für den angenehm scharfen Geschmack der Blätter verantwortlich, liegt aber bis zur Blütezeit nur in geringer Konzentration vor. In höheren Konzentrationen, ab der Blütezeit, äussert sich das Protoanemonin schliesslich in einen unangenehm stechend-bitteren Nachgeschmack. Der Abbau beim Trocknen oder Kochen erfolgt dadurch, indem zwei Protoanemonin-Moleküle zum ungiftigen Anemonin reagieren.


Die Blätter weisen einen hohen Gehalt an Vitamin-C auf und wurden früher gegen die Vitamin C-Mangelerkrankung namens Skorbut verwendet. Man vermutet sogar, dass der deutsche Name vom Mittelhochdeutschen Wort «Scharboch» von «Skorbut» her kommt. Da die Sprossknollen und Brutknöllchen viel Stärke enthalten, sind diese ein idealer Survivalfood. Die Ernte lohnt sich jedoch erst ab einer später Phase der Vegetationszeit (so ab Ende Frühling), wenn die Speicher wieder gefüllt sind. Davor sind die Knollen sehr dünn, unergiebig und fade. Wer die Standorte des Scharbockskrautes in seiner Umgebung genau kennt, kann die Sprossknollen auch ausserhalb der Vegetationszeit ernten.

 

mögliche Verwechslungen

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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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