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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Rainkohl (Lapsana communis)
Illustration des Rainkohls (Lapsana communis) für die Bestimmung der Art. Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet.

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Lapsana

"Der Rainkohl ist ein traditionelles Wildgemüse, welches sich damals breit in den Dörfern und Wegrändern ausgebreitet hat. Allerdings sind Erntezeitpunkt und die richtige Zubereitung zu beachten, so dass das Ganze nicht zu bitter wird."

 

Bestimmung

Blattanordnung: beim Austrieb nur Grundrosette und ab der Stängelbildung (im Spätfrühling) auch wechselständige Stängelblätter


Blätter: eiförmig bis lanzettlich, 10 bis 20 cm lang; Blattrand grob (meist breit) gezähnt (obere Stängelblätter teils auch ganzrandig); kahl bis behaart, schuppiges Blattmuster,

  • untere Blätter: leierförmig, d.h. vom Blattgrund bis zur Blattmitte fiederschnittig (bis fast auf den Mittelnerv) und am Blattende eine grösserer Endabschnitt; Blattstiel u-förmig, herablaufend

  • obere Blätter: sitzend; keine oder nur geringe seitliche Einschnitte


Stängel: 20 bis 120 cm hoch; kantig; mit Milchsaft; im oberen Bereich reich verzweigt; kahl bis steifhaarig; gegen den Herbst hin rötlich verfärbend


Blüten: Blütenkörbe in reich verzweigter Rispe am Stängelende angeordnet; blüht Juni bis Oktober,


Früchte: gerippte Achäne (ca. 20 Rippen); ca. 3 bis 4 mm lang; ohne Pappus


gefährliche Verwechslungen: Gift-Lattich (Lactuca virosa) < Unterscheidungsmerkmale weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"


Zeigerwerte: halbschattig, mässig feucht, nährstoffreich, neutral bis basisch


typische Standorte:  Waldschläge, Waldlichtungen, Waldwegränder, Waldränder, Ruderalflächen, Äcker

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (v.a. Sesquiterpenlactone wie Lapsanolid A, Lapsanolid B, Costunolid,… ), Flavonoide, Schleimstoffe (v.a. in den jungen Blättern), Inulin (Wurzel)


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • junge Blätter (aromatisch, leicht nussig, herb > mehr dazu), bis ca. Mitte Frühling: Salat, wildes Blattgemüse (Wildspinat), Gemüsebeigabe, Suppe - ab Frühling werden die Blätter sehr bitter!


  • Stängel (sehr bitter > mehr dazu): Wildgemüse (vor der Verwendung grobe Längsfasern auszupfen und ca. 2h im lauwarmen Salzwasser entbittern)


  • Blüten (sehr bitter > mehr dazu): essbare Dekoration


  • Wurzel (mild bis bitter > mehr dazu): im Spätwinter oder zeitigem Frühjahr roh oder gekocht als Wildgemüse (später verholzen die Wurzeln)


  • Früchte (bitter > mehr dazu): in kleinen Mengen als Beigabe zu diversen Gerichten (z.B. im Salat)


kulinarische Verwendung vom Rainkohl (Lapsana communis) als Gemüse

Beschreibung

Der Rainkohl ist einjährig und treibt hauptsächlich im frühen Frühjahr aus. Vor allem in den tieferen, etwas wärmeren Lagen keimen viele Exemplare auch bereits im Herbst und überwintern dann als Grundrosette. Wenn der Winter besonders mild ausfällt, können auch dann viele neue Pflanzen keimen. Ab ca. April /Mai bildet sich dann der Stängel und die Rosettenblätter verwelken danach langsam. Die anschliessende Blütezeit reicht danach bis in den September hinein und dabei werden über mehrere Wochen bis Monate kontinuierlich neue Blütenkörbe gebildet, während in den darunterliegenden älteren Blütenkörben die Früchte heranwachsen. Ein Blütenkorb öffnet sich jeweils nur bei schönem Wetter und nur für einen Vormittag. Danach beginnt bereits die Fruchtbildung. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch kleine Insekten (Fliegen, Wildbienen, Käfer), die durch den gut zugänglichen Nektar angelockt werden. Wenn keine Fremdbestäubung stattgefunden hat, ist aber auch Selbstbestäubung möglich. Die Früchte haben (im Gegensatz zu vielen Korbblütlern) keinen Pappus, sondern fallen bei Reife einfach aus dem Blütenkorb und mit der Schwerkraft zu Boden. Durch Anhaftung an Tierhufen, Schuhe, Reifen kann auch eine Sekundärverbreitung stattfinden. Die Samen sind sehr langlebig und mehrere Jahre keimfähig. Als Pionierpflanze keimen die Samen, sobald am entsprechenden Standort eine Störung des Bodens, bzw. der Bestandsvegetation eintritt.


Der Rainkohl war früher bei der (ärmeren) Landbevölkerung ein beliebtes Wildgemüse. Sowohl auf den Äckern, aber auch an Wegrändern in und um die Dörfer hat er sich gerne als „Unkraut“ ausgebreitet. Die Blätter wurden jeweils im Frühling vor der Stängelbildung gesammelt und dann entweder roh im Salat oder kurz angedünstet verwendet. Da wie erwähnt, auch viele Exemplare (im Herbst keimend) überwintern, kann der Rainkohl auch im Winter gesammelt werden. Sind die Blätter anfangs im Geschmack nur gering bitter und zart, so werden sie im Verlaufe des Frühlings zunehmend faserig und auch sehr bitter. Sie können dann aber noch (bis zu einem gewissen Grad) im Salzwasserbad entbittert werden. Auch die reich verzweigte Wurzel von überwinternden Grundrosetten kann vom Spätwinter bis ins zeitige Frühjahr roh oder als Gemüse verwendet werden (später verholzt sie). Wegen dem Milchsaft, der beim Abbrechen der Stängel austritt, wurde der Rainkohl früher auch «Milchkraut» oder «Milchblume» genannt. Man dachte aufgrund der Signatur, dass das Kraut bei stillenden Frauen die Milchsekretion fördern würde. Der Milchsaft wurde heiltechnisch auch auf Wunden oder kleinen Hautunreinheiten aufgetragen.

 

mögliche Verwechslungen

Gift-Lattich (Lactuca virosa) - giftig!


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blüte sehr ähnlich, Blütenkörbe in Rispe

  • jung eine Grundrosette bildend


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter graugrün, Mittelnerv unten borstig behaart und oft rötlich; Blattrand bestachelt, ganzrandig bis leicht buchtig

  • unangenehmer Geruch


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmal des giftigen Gift-Lattich gegenüber dem essbaren / ungiftigen Rainkohl.


Mauerlattich (Mycelis muralis) – ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung


Auch der Mauerlattich ist nur einjährig, kommt aber vor allem an den schattigen, aber nährstoffreichen Stellen im Wald vor. Die Exemplare keimen im Frühling vor dem Austrieb der Laubblätter. Dies um diese Zeit mit viel Licht am Waldboden auszunutzen. Der Mauerlattich kann aber auch an Mauern zwischen Ritzen auftreten. Dies aber nur, sofern der Standort genug schattig und feucht ist, bzw. die Ritzen mit ausreichend Humus gefüllt sind. Die jungen Blätter sind meist mild, können aber an den etwas lichteren und trockeneren Stellen und auch mit zunehmenden Alter sehr bitter werden.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter sehr ähnlich erscheinend

  • Blütenkörbe sehr ähnlich


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter bis zu fast zu Spitze fiederschnittig, Abschnitte leicht rückwärts gerichtet

  • an der Blattspitze ein etwas grösserer Endabschnitt mit 3- bis 5-eckiger Form

  • meist nur 5 Zungenblüten pro Blütenkorb

  • Achäne mit kurzem Schnabel und Pappus


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmal vom Mauerlattich gegenüber dem Rainkohl.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
Beschreibung
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