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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Kornelkirsche (Cornus mas)
Illustration der Kornelkirsche (Cornus mas). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet

Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae), Gattung: Hartriegel (Cornus)

"Die Früchte sind im Frühherbst super aromatisch und super süss...allerdings muss bei der Ernte der exakt richtige Zeitpunkt erwischt werden: Bis kurz vor der Reife sind die Früchte unangenehm adstringierend, bzw. kurz danach verfaulen sie bereits am Boden."

 

Bestimmung

Synonyme (u.a.): Tierlibaum (Schweiz), Dirndl (Österreich), Gelber Hartriegel, Herlitze,...


Habitus: Strauch bis ca. 5m Höhe


Blätter: gegenständig; oval-zugespitzt, bis 8cm lang; ganzrandig; kurz gestielt; kahl (z.T. US behaart); Blattmuster aus wenigen (meist 4-5) Seitennerven, die ca. 45° abzweigen und dann steil umbiegen; meist schöne Herbstfärbung


Äste / Stamm: gelb- bis grünlichbraune, schuppig abblätternde Borke; junge Triebe grünlich und behaart


Blüten: 

  • Blütenstand: Einzelblüten an den älteren Zweigen in kleinen Dolden à ca. 10 bis 25 Einzelblüten angeordnet; an der Verzweigung zu den Blüten der Dolde sind 4 gelbgrüne Hüllblätter vorhanden

  • Einzelblüten: 4 gelbe lanzettliche Kronblätter; 4 Staubblätter; in der Mitte gelber Diskus und 2 zusammengewachsene Fruchtblätter; schwacher Honigduft; blüht Februar bis April (vor dem Blattaustrieb).


Früchte: dunkelrote, ellipsoide Steinfrüchte; ca. 2cm lang; im Innern mit einem Steinkern; bei Reife (ca. August/September) fallen sie von selbst zu Boden.


mögliche gefährliche Verwechslungen: Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) < mehr über die Unterscheidungsmerkmale weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"


Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, frisch, neutral bis basisch


typische Standorte:  Gebüsche, Hecken, Waldrand

Fotos

Verwendung

mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


kulinarische Verwendung der Kornelkirsche: In Salzlake und danach in Öl eingelegt als "Falsche Oliven".

Beschreibung

Die Kornelkirsche ist ein Strauch, der in der freien Natur Mitteleuropas nicht so oft vorkommt. Ihr eigentliches natürliches Areal liegt um östlichen Mittelmeerbereich, resp. dem Balkan. Daher ist sie auch wärmeliebend und meidet kältere, resp. höher gelegene Standorte. Sie wird bei uns als Heckenpflanze angepflanzt, wozu sie sich durch ihre Schnittfestigkeit auch sehr gut eignet. Zusätzlich sind ihre Wurzeln sehr dicht und befestigen so den Boden. Ausserdem scheint sie gegen Schädlingsbefall wenig anfällig zu sein und bei der Rinde tritt Wildverbiss nur selten auf. Die Kornelkirsche gilt auch als ökologisch wertvolle Pflanze. Im zeitigen, meist noch kargen Frühling ist sie mit ihren Blüten eine wichtige Nahrungspflanze diverser Insekten und im Herbst sind die Früchte bei diversen Vogelarten beliebt. Aus dem besonders harten und zähen Holz wurden früher Speere oder Lanzen gefertigt.

Anders als es der Name suggeriert, ist die Kornelkirsche nicht mit den üblichen «Kirschen» (aus der Gattung Prunus) verwandt. Sie gehört stattdessen zur kleinen Familie der Hartriegelgewächse (Cornaceae), dessen einzige in Europa vorkommende Gattung die Hartriegel (Cornus) sind. Für Arten der Gattung Cornus ist es typisch, dass bei den Blättern, wenn diese quer zerrissen werden, die Hauptnerven durch dünne Faserstränge verbunden bleiben.


Kulinarisch nutzt man bei der Kornelkirsche vor allem ihre süssen Früchte. Diese werden zwar als «Wildobst» immer beliebter, doch in den Supermarktregalen oder auf Märkten findet man sie praktisch nie. Anders sieht es auf dem Balkan oder in der Türkei aus, wo die Kornelkirschen schon fast ein Alltagslebensmittel ist. Die Früchte sind dann reif, wenn ihre Farbe auffallend dunkelrot wird und die Verbindung zum Stiel nur noch lose ist, d.h. wenn sie kurz vor dem Runterfallen sind (was zwischen August und Oktober der Fall ist). Dann sind sie sehr lecker und besonders süss. Vorher ist ihre Farbe hellrot (noch früher grün) und der Geschmack säuerlich und adstringierend. Für den richtigen Sammelzeitpunkt prüft man also die Stärke des Stiels und die Farbe der Früchte. Es wird auch oft empfohlen einfach ein Tuch unter den Strauch zu legen und diesen kräftig zu schütteln. Denn damit fallen nur die reifen Früchte ins Tuch.


Werden Kornelkirschen ins Öl eingelegt, dann werden explizit die unreifen Früchte verwendet, d.h. es werden noch harte, rötlich (bis gelbliche) Exemplare (meist im August) gesammelt. Die Früchte werden erst ca. 10 Tage in eine ca. 30%igen Salzlösung eingelegt. Dies einerseits zu Konservierungszecken, andererseits auch für einen besseren Geschmack. Anschliessend werden sie abgegossen, getrocknet und in die Aufbewahrungsgläser gelegt (bedarfsweise mit Zwischenschichten aus getrockneten Kräutern), wo sie mit Olivenöl übergossen werden, so dass alle Früchte vollständig bedeckt sind. Etwa 2 bis 3 Wochen später sind sie dann bereit für den Verzehr. Diese Zubereitung ist insbesondere in der Türkei sehr beliebt, wobei in den dortigen Rezepten nur eine 5 bis 8%ige Salzlösung verwendet wird, so dass eine Fermentation durch Milchsäurebakterien stattfindet. Der Fermentationsprozess dauert dann mindestens einen Monat, eher sie ins Öl eingelegt werden.

 

mögliche Verwechslungen

Roter Hartriegel (Cornus sanguinea) - grösstenteils giftig!


Anders als die Kornelkirsche, ist der Rote Hartriegel, mit nahezu gleich aussehenden Blättern eine der häufigsten Straucharten in Mitteleuropa. Als wärmeliebender Strauch nimmt sein Vorkommen mit der Höhe rasch ab. Seine schwarzen Früchte sind bei über 30 Vogelarten sehr beliebt, was bei der Ausbreitung der Samen sehr förderlich ist. Einmal etabliert, kann der Rote Hartriegel durch vegetative Vermehrung mittels Wurzelausläufer rasch grössere Bestände bilden. Die Art wurde auch menschlich stark gefördert, indem sie wegen der Standorttoleranz, Pflegeleichtigkeit und Widerstandsfähigkeit gezielt für Hecken angepflanzt wurde. Das dichte, verzweigte Wurzelnetz hilft ausserdem Böschungen vor Erosion zu stabilisieren. In neuerer Zeit spielen bei Neupflanzungen auch ökologische Gründe eine Rolle, denn der Rote Hartriegel ist wichtige Futterpflanze für viele Vögel- und Insektenarten. Die Art blüht in der Regel im Frühsommer und wenn die Bedingungen gut sind, erfolgt meist noch eine zweite, etwas schwächere Zweitblüte im Spätsommer / Frühherbst. Die Früchte sind ab Spätsommer reif und sind dann im Herbst eine wichtige, energiereiche Nahrung für die Zugvögel vor der Abreise. Die Früchte findet man aber auch noch den ganzen Winter durch und sind so auch eine wertvolle Nahrung für hiesige Standvögel. Die jungen Zweige färben sich zum Winter hin auffällig rot (deshalb auch der Name). Dies geschieht durch Einlagerung von Anthocyanen (als Sonnenschutz). Im nächsten Frühjahr werden die Zweige dann aber wieder grünlich.


Die Art gilt als giftig und wird deshalb nicht kulinarisch genutzt. Allerdings werden die Früchte je nach Quelle eher als «unbekömmlich» statt «giftig» beschrieben und sollten dabei gekocht gut zu vertragen sein. Selbstversuche zeigen allerdings, dass ein Fruchtsaft geschmacklich nicht nur sehr bitter und unangenehm ist, sondern auch dezidiert als widerlich-abscheulich beschrieben werden kann!


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, Blattform, Blattmuster

  • Aussehen der Borke

  • ähnliche Standorte

  • gehört auch zur Gattung Hartriegel (Cornus)


Unterschiede (u.a.)

  • junge Zweige im Herbst/Winter rot

  • Blüten in Trugdolde am Triebende mit ca. 20-100 Blüten; blüht Mai bis Juni nach dem Blattaustrieb, z.T. Zweitblüte im August; Kronblätter weiss, Diskus beige

  • Früchte: schwarz (weiss punktiert); kugelig; Durchmesser ca. 6 -8 mm; grosser Kern; abscheulich-widerlicher Geschmack


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des giftigen Roten Hartriegels (Cornus sanguineum) gegenüber der Kornelkrische (Cornus mas). Merkmale graphisch übrsichtlich dargestellt.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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