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Gemeiner Hohlzahn (Galeopsis tetrahit)

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Hohlzahn (Galeopsis)
"Eine Pionierpflanze, die man v.a. nach Kahlschlägen im Wald teils massenhaft vorfindet. Die Blätter sind bis in den Herbst genug weich für den Salat und die Samen sind sehr aromatisch."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: kreuzgegenständig; eiförmig-zugespitzt, 5-10cm lang; grob stumpf gesägt; kahl bis leicht behaart; gebogene Seitennerven enden in den Buchten
Stängel: 20 cm bis 1 m hoch; 4-kantig; borstig behaart; verzweigt; unter den Knoten verdickt (bei jungen Exemplaren noch wenig ausgeprägt)
Blüten: in den oberen Stängelabschnitten in halbkugeligen Scheinquirlen angeordnet; Kronblätter weiss, rötlich bis violett; Oberlippe aufrecht und helmförmig; Unterlippe mit quadratischer Form, gefleckt und am Grund mit zwei zahnförmigen (hohlen) Ausstülpungen; Kelchblätter in langen Stacheln ausdünnend (Grannen); blüht Juni bis Oktober
Früchte: 4-teilige Klausenfrucht (4 Nüsschen, die unreif zusammengewachsen sind und sich danach voneinander lösen), die in der Kelchröhre eingebettet sind
Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich bis überdüngt, mässig feucht, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Waldschläge, Waldlichtungen, Waldwegränder, Waldränder, Schuttplätze, Äcker
Fotos

an den Knoten ist der Stängel verdickt



© float– stock.adobe.com
Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Saponine, Gerbstoffe, Iridoide, Kieselsäure,
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (mild > mehr dazu): Salat (die Blätter bleiben bis in den Herbst weich) Wildgemüse
Blüten: essbare Dekoration
Früchte (würzig, nussig > mehr dazu): Gewürz, Beigabe zu diversen Gerichte wie z.B. Müesli
Beschreibung
Der Gemeine Hohlzahn ist eine einjährige Art, bzw. eine typische Pionierpflanze, die sich nicht nur als Ackerunkraut breit macht, sondern oft auch nach Kahlschlägen im Wald auftritt. Da die Art eine grosse Anzahl an Samen produziert, bildet sie oft ausgedehnte Bestände, die jedoch nur für eine kurze Zeit dominieren. Denn auf längere Sicht wird der Hohlzahn an seinen Standorten mit der Zeit von anderen konkurrenzstärkeren Arten verdrängt.
Der Name der Pflanze kommt von den hohlen, zahnförmigen Ausstülpungen an der Basis der Unterlippe. Diese lenken als Hindernisse die Köpfe der bestäubenden Bienen oder Hummeln an den richtigen Ort, so dass die Pollen effizient auf deren Rücken abgestreift werden können. Die langen Grannen der Kelchblätter führen dazu, dass der Stängel beim Vorbeistreifen kurz am Tierfell mitgestreift wird und danach wieder zurückspickt, wodurch die Samen herausgeschleudert werden. Die Nüsschen werden auch von Weidenmeise und Sumpfmeise gesammelt, welche damit Vorräte anlegen. Im Boden können die Samen mehrere Jahrzehnte lang keimfähig bleiben und dann aber sofort auskeimen, sobald am Standort durch eine Störung der Vegetation (z.B. erneuter Kahlschlag) plötzlich wieder mehr Licht auf den Boden fällt.
Als Essbare Wildpflanze hat der Hohlzahn zwar nicht so einen intensiven Geschmack, dafür sind seine milden Blätter bis in den Herbst hinein weich und roh geniessbar. Dasselbe gilt auch für die Blüten (vorher aus dem stacheligen Kelch herauszupfen), die ebenfalls bis zum Spätherbst zu finden. sind. Sehr aromatisch sind die kleinen Früchte, wobei das Sammeln einiges an Aufwand benötigt.
mögliche Verwechslungen
Mit anderen Hohlzahn-Arten, die aber alle essbar / ungiftig sind und analog verwendet werden können.
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