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Zurückgekrümmter Fuchsschwanz (Amaranthus retroflexus)

Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), Gattung: Amarant (Amaranthus)
"Ein typischer Ackerunkraut und ein wilder Bruder vom aus dem Supermarkt bekannten Pseudogetreide Amarant. Man kann aus den Stängel und den Blätter ein mildes Wildgemüse machen und auch die Samen sind eine knackige Beigabe in diversen Gerichten."
Bestimmungsmerkmale
Blätter: wechselständig; lang gestielt (Blattstiel behaart); ca. 5cm lang; rautenförmig bis eiförmig; am Blattende eine kleine aufgesetzte Spitze; Blattrand ganzrandig, bzw. leicht wellig; OS grasgrün, blassgrün oder blaugrün; Seitennerven parallel; US graugrün und an den Nerven behaart
Stängel: 10 bis 100 cm hoch; leicht gefurcht; kurz behaart; oft rötlich überlaufen
Blüten: klein und unscheinbar; in endständigen, hellgrünen, dichten Ähren angeordnet
Einzelblüten: mit 5 grünen, stachelspitzigen Perigonblättern und ca. 5 längeren, hellgrünen und ebenfalls stachelspitzigen Vorblättern (womit sich der Blütenstand rau anfühlt); immer eingeschlechtlich; blüht Juli bis September
Früchte: einsamige Kaspelfrucht, die seitlich von den 5 Perigonblättern umhüllt wird und sich bei Reife oben mit einem tellerförmigen Deckel öffnet
Zeigerwerte: hell, nährstoffreich, frisch (Feuchtigkeit wechselnd), schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Ruderalflächen, Äcker, Wegränder
Fotos




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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: wenig Gerbstoffe und Oxalsäure
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (aromatisch, mild bis herb > mehr dazu): Salat, Salatbeigabe, Wildgemüse (Wildspinat), Suppe
Stängel (aromatisch, mild bis herb > mehr dazu): Wildgemüse, Beigabe im Salat - äussere harte Schichten jeweils vorgängig wegschälen
Samen (nussig > mehr dazu): Beigabe im Salat oder Wildgemüse; angeröstet oder zu einem Brei gekocht als kalorienreiche Nahrung; gepufft als Popcorn

Beschreibung
Der Zurückgekrümmte Fuchsschwanz ist hierzulande der am weitesten verbreitete Vertreter der Gattung Amarant (Amarathus). Wie die meisten anderen Arten der Gattung, stammt auch der Zurückgebogene Fuchsschwanz ursprünglich vom amerikanischen Kontinent und stellt in Europa ein Neophyt dar. Eine bekannte weitere Fuchsschwanz-Art ist der in Südamerika oder Asien als Nahrungspflanze kultivierte Rispen-Fuchsschwanz (Amaranthus caudatus), dessen Samen in unseren Supermärkten als Pseudogetreide «Amarant» erhältlich sind.
Auf den gedüngten Äckern handelt es sich um ein besonders resistentes Unkraut, dem mittlerweile auch Herbizide teilweise nur noch wenig anhaben können. Allerdings ist die Herbizid-Resistenz abhängig vom Wirkstoff und der Region. So ist in Europa bisher noch keine Glyphosat-Resistenz nachgewiesen worden. Als einjährige Pionierpflanze kann ein einziges Exemplar bis weit über 100'000 Samen produzieren und diese bleiben dann auch noch Jahrzehnte lang keimfähig. Der Stängel ist übrigens nicht zurückgekrümmt, auch wenn dies der Name vermuten lässt.
Die Verwendung ist ähnlich wie bei den Gänsefüssen (Chenopodium) oder Melden (Atriplex), d.h. es lässt sich daraus hervorragender Wildspinat zubereiten. Sehr schmackhaft sind auch die (aussen geschälten) Stängel! Die eiweissreichen Samen sind ein hervorragender Getreideersatz. Um an die Samen zu gelangen, werden erst die Fruchtstände geerntet und dann (über einer breiten Arbeitsfläche) mit der Hand zerrieben. Danach müssen die Samen von den spitzen Vorblättern, denn Perigonblättern und den Furchtschalenresten getrennt werden. Dies geht am einfachsten mit einem Sieb.
Von anderen bekannten Gattungen innerhalb der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae), wie z.B. den Gänsefüssen (Chenopodium), Melden (Atriplex) oder Blitum (z.B. Guter Heinrich), grenzen sich die Amarante durch die parallel angeordneten Seitennerven auf den Blättern ab (bei den genannten anderen Arten sind diese unregelmässig verzweigt).
mögliche Verwechslungen
Bläulicher-/Aufsteigender Amarant (Amaranthus blitum), essbar / ungiftig, ähnliche Verwendung
Gemeinsamkeiten (u.a.)
knäuelige Blütenstände, Einzelblüten mit stachelspitzigen Vorblättern
gehört zur Gattung Amarant (Amarathus)
ähnliche Standorte
Unterschiede (u.a.)
Stängel kahl und z.T. niederliegend
Blätter dunkel-blaugrün, oft mit helleren Flecken, Ende gestutzt bis leicht ausgerandet
Vorblätter kürzer als Blüte, nur 2-3 Perigonblätter
Frucht öffnet sich bei Reife nicht (Nussfrucht)

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