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Roter Holunder (Sambucus racemosa)

Familie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae), Gattung: Holunder (Sambucus)
"Auch der Rote Holunder kann kulinarisch genutzt werden - allerdings nur die reifen Früchte und auch nur dann wenn diese ausreichend lange erhitzt werden."
Bestimmung
Habitus: Strauch bis 2-4m Höhe
Blätter: gegenständig; 5-zählig gefiedert
Fiedern: oval, lanzettlich bis eilanzettlich, 5 bis 10 cm lang; am Ende zugespitzt; (eher fein) nach vorne gesägt; charakteristischer Holunder-Geruch beim Zerreiben; direkt beim Austrieb rötlich gefärbt
Äste / Stamm: graubraun; mit Korkwarzen (hellere oder dunklere Erhebungen); im Innern mit (braun-)rotem schaumstoffartigem Mark; ältere Äste mit Netzmuster
Blütenstand: Einzelblüten in nach oben gerichteten eiförmigen Rispen angeordnet;
Einzelblüten: klein und unscheinbar, radiärsymmetrisch; 5 gelblich-grüne ovale Kronblätter, die am Grund eine unscheinbare Kronröhre bilden; 5 beige Staubblätter; 3 verwachsene Fruchtblätter; blüht April / Mai (direkt mit dem Blattaustrieb)
Früchte: rote, kugelige, ca. 0.3-0.5 cm grosse Steinfrüchte; unreif grün; ab Frühsommer reif
mögliche gefährliche Verwechslungen: Zwergholunder / Attich (Sambucus ebulus) < mehr zu dieser Art in der Beschreibung vom "Schwarzen Holunder" unter «mögliche Verwechslungen»
Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich, mässig feucht, sauer
typische Standorte:Waldrand, Waldschläge, Schutthalden (v.a. in erhöhten Lagen von Jura / Alpen bis Baumgrenze)
Fotos







Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Blausäureglykoside (u.a. Sambunigrin), Ätherische Öle
Giftigkeit*: Alle Pflanzenteile haben hohe Gehalte an giftigen Blausäureglykosiden und von einem Konsum muss unbedingt abgesehen werden. Eine Ausnahme stellen die reifen Früchte dar, sofern diese ausreichend erhitzt werden (kein roher Verzehr!). Kochen baut dort die Blausäureglykoside ab, so dass ein Sirup oder eine Marmelade daraus bedenkenlos konsumiert werden kann. Dabei ist eine Mindestkochtemperatur von 80 bis 90°C und eine Mindestkochzeit von ca. 20 bis 30 Minuten notwendig. Wichtig ist auch, dass die giftige Kerne vollständig (im Sieb) aussortiert werden.
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Früchte* (fruchtig, süss, eigen > mehr dazu): Fruchtsaft, Sirup, Konfitüre (da kein Mus entsteht, nutzt man dazu sowohl den Sud (der beim Kochen entsteht), als auch den dickflüssigen Saft, der beim Passieren der weichgekochten Früchte entsteht)
Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Möglicherweise ähnliches Wirkspektrum wie beim Schwarzen Holunder, alllerdings gibts beim Roten Holunder weder moderne Untersuchungen, noch traditionelle volksheilkundliche Anwendungen.
Beschreibung
Während der Schwarze Holunder höhere Lagen meidet, ist dies umso mehr das Terrain des Roten Holunders. Diesen trifft man dort als typische Bergpflanze sehr häufig auf Waldschlägen, Schutthalden, Lawinenzügen, usw. an. Man findet ihn aber auch im Tiefland (v.a. im Wald bei Rodungsflächen), wenn auch nicht so häufig wie in den Bergen oder in den Hügelgebieten. Global gesehen ist die Art auf der Nordhemisphäre nicht nur in West-, Mittel bis Osteuropa, sondern auch (als Unterart subsp. pubens) Nordamerika (Kanada / Alaska, Pazifikregion, Rocky Mountains und Appalachen) verbreitet. In Sibirien und Ostasien werden die früher als Unterarten des Roten Holunders eingeordneten Gehölze mittlerweile als eigene Arten aufgeführt.
Die Art blüht bereits ab April und die eher kleinen Blüten werden vor allem von Fliegen und Käfern besucht, welche den Pollen sammeln und auch für die Bestäubung wichtig ist. Teilweise werden auch Wildbienen als Blütenbesucher angegeben. Auch Windbestäubung scheint beim Roten Holunder eine Rolle zu spielen.
Die schönen leuchtend roten Früchte sind bereits im Frühsommer reif. Diese sind wertvolle Nahrung für zahlreiche Vogelarten (u.a. auch für Rotkelchen). Die intakt bleibenden Samen werden dann mit dem Kot an anderer Stelle wieder ausgeschieden. So kann sich der Rote Holunder als Pioniergehölz auf neu im Wald enstandenen Freiflächen (z.B nach Rodung, Windwurf, usw.) ausbreiten. Die Blätter können sich rasch zersetzen, wodurch die Nährstoffe rasch wieder dem Boden zufügt werden.
Den ausgeprägten Volksglauben wie beim verwandten Schwarzen Holunder (Sambucus nigra) findet man beim Roten Holunder nicht. Der Rote Holunder war auch nie der Hausbaum, sondern vermutlich halt einfach nur ein Pioniergehölz aus der "Wildnis". Auch die klassichen Heilzuschreibungen fehlen beim Roten Holunder, bzw. wenn dann wurde er aufgrund der Giftigkeit vor allem aus Abführ- bzw. Brechmittel (gemäss der 4-Säfte-Lehre zur "Ausleitung") verwendet. Kulinarisch ist jedoch durchaus in gewissen Regionen (v.a. Alpenraum wie z.B. im Osttirol) eine traditionelle Nutzung dokumentiert. Auch für die indigenen Kulturen in der Pazifikregion ist eine kulinarische Nutzung der Früchte dokumentiert, die sogar den Stellenwert als lagerfähige Winternahrung hatten. Dazu wurden die Früchte gekocht / gegart, anschliessend zu Brei verarbeitet und schliesslich als flache "berry cakes" getrocknet.
Die Pflanzenteile des Roten Holunders haben höhere Konzentrationen an Blausäureglykosiden, so dass der Strauch generell als giftig gilt (inkl. den Blüten). Aus diesem Grund sollte man sich kulinarisch vom Roten Holunder mehrheitlich fernhalten. Eine Ausnahme stellen die reifen Früchte dar, sofern diese bei der Zubereitung entkernt und gekocht werden. Der Herstellung von Fruchtsaft, Sirup oder Marmelade steht dabei also nichts im Wege, wobei die Kochzeit mindestens 20-30 Minuten dauern soll, resp. bei der Marmelade die Kerne nicht mitverwendet werden dürfen (vorher im Passiersieb aussortieren). Teilweise liest man, dass sich beim Kochen an der Oberfläche des Kochwassers ein leichter Ölfilm bilden würde, der von den Kernen stammt und abgeschöpft werden soll (da unbekömmlich). Allerdings zeigt die eigene Erfahrung, dass dieser Ölfilm entweder nicht sichtbar ist oder so dünn ist, dass es unklar ist, wie das Abschöpfen den genau in der Praxis funktionieren soll. Probleme beim Verzehr gab es trotzdem fehlendem Abschöpfen des Ölfilms persönlich noch nie.
mögliche Verwechslungen

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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