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Echte Mehlbeere (Sorbus aria)

Familie: Rosengewächse (Rosaceae), Gattung: Sorbus
"gehört im Herbst nicht zu den prominenten Wildfrüchten, sollte aber kulinarisch dennoch nicht unterschätzt werden"
Bestimmung
Habitus: Baum bis 15m Höhe; auf Felsvorsprüngen auch strauchartig
Stängel: wechselständig; oval, 8 bis 15 cm lang; doppelt-gesägt; alle Zähne etwa gleich gross; US dicht weissfilzig behaart
Äste / Stamm: schwarzgraue, glatte Borke mit weissen Flecken (Flechtenbewuchs); erst im hohen Alter längsrissig
Blüten: Einzelblüten in Trugdolden angeordnet; 5 weisse Kronblätter; 5 dreieckige Kelchblätter, die weissfilzig behaart sind; blüht Mai
Früchte: orange bis rote Apfelfrucht; kugelig bis eiförmig; Durchmesser bis 1cm; Endokarp ledrig; ab ca. August reif
mögliche gefährliche Verwechslungen: Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) < Unterscheidungsmerkmale weiter unten im Abschnitt "mögliche Verwechslungen"
Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffarm, mässig trocken (Feuchtigkeit wechselnd), schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Felsen, lichte Wälder (v.a. im Jura und den Alpen bis zur Baumgrenze)
Fotos



© simona – stock.adobe.com



Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: in den Früchten Gerbstoffe, Carotinoide und Sorbit
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter (herb > mehr dazu): jung als Beigabe im Salat
Blüten (?): essbare Dekoration
Früchte (mehlig, leicht süsslich > mehr dazu): rohe Nascherei vor Ort, Mus, Konfitüre, Chutney, Streckmehl, Fruchtschnitze – Früchte für einen milderen Geschmack entweder eine Nacht in der Tiefkühltruhe lagern oder nach dem ersten Frost pflücken

Beschreibung
Die Echte Mehlbeere war der Baum des Jahres 2024. Dies ist eine Auszeichnung, die jährlich von der Silvius Wodarz Stiftung vergeben wird. Begründet wurde dies u.a. anderem, weil die Mehlbeere als Zukunftsbaum gilt, welche in Zeiten des Klimawandels mit Dürrephasen umgehen kann. Dies ist kein Wunder, denn man findet die Echte Mehlbeere in ihrem natürlichen Habitat vor allem auf trockenen Felsvorsprüngen im Jura und den Alpen. Die weissfilzige Behaarung der Blattunterseite hilft dabei die Verdunstung und damit den Wasserverlust zu reduzieren. Wegen ihrer Dürreresistenz und weil sie auch mit verdichteten Böden klarkommt, wird die Echte Mehlbeere immer beliebter für Bepflanzungen in der Stadt. Allerdings ist die Art empfindlich gegen Streusalz, so dass sie für eine Begrünung direkt neben einer Strasse, die im Winter sehr oft gesalzen wird, nicht geeignet ist (jedoch durchaus eine Reihe dahinter)
Das «Mehl» im Namen deutet nicht nur auf die mehlige Beschaffenheit der Früchte hin, sondern hat auch damit zu tun, dass die Früchte traditionell zur Herstellung von Streckmehl verwendet wurden. In der Mythologie hat die Art keine besondere Bedeutung, sondern galt vielmehr als Brotbaum in Notzeiten, resp. als «Brotfrucht der Armen». Zwar blüht die Art jedes Jahr und bildet auch theoretisch jedes Jahr Früchte aus, allerdings wird beobachtet, dass die Menge von Jahr zu Jahr stark schwankt. Die Früchte enthalten Zuckerarten (v.a. Fructose), aber auch Gerbstoffe. Ausserdem haben sie einen hohen Pektin-Gehalt, was auch der Grund für die mehlige Konsistenz sein dürfte. Durch die enthaltene Apfel- und Zitronensäure sind sie auch leicht säuerlich. Ein Teil der Energie liegt nicht nur in Form von Zucker, sondern auch als Stärke und Sorbit vor. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der in unserem Körper verstoffwechselt werden kann (ca. 11 KJ/g) und auch leicht süsslich schmeckt. Der Geschmack der Mehlbeeren wird vor dem ersten Frost wegen den enthaltenen Gerbstoffen und der mehligen Konsistenz nur als gering süss bis teils sogar fade wahrgenommen (trotz des Zuckergehaltes). Mit den ersten Frösten im Spätherbst fühlen sich die Früchte dann deutlich süsser an, resp. das Fruchtfleisch ist dann weniger mehlig und die Gerbstoffe treten geschmacklich in den Hintergrund. Ein Stück weit erreicht man diesen Effekt auch, indem man die Mehlbeeren ein paar Tage im Tiefkühlfach lagert.
Ein Geheimtipp bei den Mehlbeeren sind Fruchtschnitzen, die aus dem getrockneten Mus hergestellt werden. Dies, indem das Mus zu einer dünnen Schicht auf dem Backpapier verstrichen und dabei im Backofen bei 40 °C Umluft (mit leicht geöffnetem Spalt) oder im Dörrex getrocknet wird. Waren die Früchte davor noch fast etwas fade, macht sich bei den Fruchtschnitzen nun eine deutlich süsse und angenehm fruchtige Geschmacksnote breit.
mögliche Verwechslungen
Berg-/ Vogesen- Mehlbeere (Sorbus mougeotii) - ungiftig/essbar, ähnliche kulinarische Verwendung
Die Berg-Mehlbeere fehlt in der Regel im Tiefland und ist innerhalb der Schweiz insbesondere im Jura weit verbreitet. Sie wächst dort aber auf ähnlichen Standorten wie die Echte Mehlbeere und wird teilweise auch einfach nur als eine Unterart von Letzterer aufgefasst.
Gemeinsamkeiten (u.a.)
gehört auch zur Gattung Sorbus (wechselständig, US behaart, Blüten in Trugdolden, Apfelfrüchte,…)
ähnliche Standorte
Unterschiede (u.a.)
Blattrand in der Mitte bis ca. 1/4 gelappt
US eher weissgrau
Kelchblätter verkahlen mit der Zeit

Wolliger Schneeball (Viburnum lantana) - giftig!
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter oval und mit weissfilziger Unterseite
Blüten in weisser Trugdolde
Unterschiede (u.a.)
Blätter gegenständig und fein gesägt; OS runzelig
Zweige braun und dicht behaart
Früchte eiförmig
Strauch bis höchstens 5m Höhe; gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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