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Gemeiner Hasel (Corylus avellana)

Illustration des Gemeinen Hasels (Corylus avellana) für die Bestimmung der Art. Die Bestimmungsmerkmale sind graphisch darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. wechselständig, rund bis oval, am Ende bespitzt, usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Birkengewächse (Betulaceae), Gattung: Hasel (Corylus)

"Ein häufiger Strauch am Waldrand und an Hecken. Die Blütenkätzchen, die jungen Blätter und natürlich die Haselnüsse sind kulinarisch nutzbar."

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

 > wie bestimme / erkenne ich den Gemeinen Hasel und wo kommt er vor?


Habitus: Strauch bis 5 m Höhe, selten Baum bis 10m


Blätter: wechselständig; Blattstiel dicht behaart; rund bis oval; bis 10cm lang; am Ende meist bespitzt; am Grund oft (kurz) herzförmig; leicht asymmetrisch; Blattrand doppelt-gesägt; behaart


Äste / Stamm: rotbraun bis graubraun; glänzend; glatt (erst im Alter mit Längsrissen); mit vielen beigen Lentizellen, die länglich und horizontal angeordnet sind; junge Äste graubraun bis grünlich-braun, matt und dicht behaart


Blüten: getrennt-geschlechtlich, einhäusig; blüht Februar bis April (lange vor dem Blattaustrieb)

  • männliche Blütenstände: hängende, gelbe Kätzchen; bis 10cm lang; in Gruppen à 2-4

  • weibliche Blütenstände: in den Knospenschuppen versteckt; nur die rosa Narben ragen hervor; pro Einzelblüte 2 zusammengewachsene Fruchtblätter mit je einer Samenanlage, wovon sich jeweils nur eine davon zum Samen entwickeln kann.


Früchte: braune, längliche Nussfrucht, mit flachem Grund und stumpfer Spitze; von einem grünem, zerschlitzen Fruchtbecher (Cupula) umgeben; ab ca. September / Oktober reif


Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, mässig feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), sauber bis neutral


typische Standorte: Waldrand, Hecken

Fotos

Verwendung​

> wilde Haselnüsse in der Küche verwenden


Giftigkeit: Der Hasel ist ungiftig / problemlos essbar. Pollenallergiker sollten sich jedoch von den Blüten fernhalten.


Kulinarische Verwendung

zu den Grundrezepten


  • Blätter (astringierend, nussig > mehr dazu): junge Blätter im Salat,, ältere Blätter als Streckmehl


  • männliche Kätzchen (herb, fade bis leicht nussig > mehr dazu): getrocknet und vermahlen als Streckmehl


  • Früchte (nussig > mehr dazu): rohe Nascherei, Beigabe zu Müesli, Salat, etc; Mehl als Zutat zu diversen Gerichten wie Kuchen oder Guezlis


Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Die Blätter können durch den hohen Gerbstoffgehalt für Gerbstoff-Heilanwendungen verwendet werden. Ein Teeauszug (mit einer längeren Ziehzeit von 10-15min, so dass die Gerbstoffe in Lösung gehen) kann bei Entzündungen im Mund-Rachenbereich mehrmals am Tag gegurgelt werden (wirkt lokal antimikrobiell und entzündungshemmend), resp. bei Durchfall mehrmals am Tag getrunken werden. Ein Umschlag des Teeauszug wirkt bei Wunden desinfizierend und blutstillend, resp. kann auch bei Hautentzündungen angewendet werden. Das Kauen der Blätter kann bei Entzündungen von Zähnen und Zahnfleisch helfen.

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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art



>>> weitere Essbare Bäume und Sträucher 🌳🌲


Haselnüsse aus dem Supermarkt stammen von einer anderen Hasel-Art


Haselnüsse findet man nicht nur im Supermarkt, sie wachsen auch draussen in der freien Natur. Dies allerdings mit einem kleinen Unterschied: Bei den Haselnüssen aus dem Supermarkt handelt es sich meist nicht um die Früchte des Gemeinen Hasels, sondern den Früchten des etwas weniger Kälte-empfindlicheren Lamberts-Hasels (Corylus maxima), der ursprünglich aus dem Balkan stammt. Die zwei Arten sind jedoch sehr nahe miteinander verwandt und die Früchte werden bei beiden Arten einfach nur «Haselnüsse» genannt.


Lebensraum des Gemeines Hasel


Als Strauchart ist der Hasel an Waldrändern und in Hecken sehr weit verbreitet und ist dort auch sehr häufig anzutreffen. Er kommt mit allen möglichen Boden- und Lichtverhältnissen klar (ausser schattige Verhältnisse) und kann dabei sogar bis zur Baumgrenze hoch auftreten. Er wächst sehr schnell und kann nach Verbiss oder dem Zurückschneiden sehr rasch wieder neue austreiben.


Früher Blühzeitpunkt


Der Gemeine Hasel blüht bereits sehr früh im Jahr, meist mitten im Winter ab Januar / Februar. Die gelben Kätzchen verstreuen mit Hilfe des Windes eine grosse Menge an Pollen, was in dieser Zeit (vor dem Blattaustrieb der übrigen Laubbäume) besonders effektiv ist. Da die Art auf Windverbreitung setzt, wird kein Nektar gebildet. Trotzdem werden die Blüten auch von Bienen und Hummeln besucht, um dort den Pollen sammeln, welcher in dieser Jahreszeit eine der wenigen Nahrungsquellen ist. Der Pollen ist proteinreich und dabei nicht nur eine gute Insektennahrung, sondern auch gut geeignet als Streckmehl. Gewisse dieser Eiweisse lösen aber leider bei vielen Menschen Allergien aus und diese Leute sollten sich von den Pollen auch kulinarisch fernhalten. Die reifen männlichen Blüten vertragen problemlos leichter Frost, können aber ab ca. -5°C geschädigt werden. Die weiblichen Blüten zeigen hingegen eine grössere Frosttoleranz.


Ausbreitung der Haselnüsse


Die Nüsse sind ab ca. Ende August reif (mit brauner Farbe), lösen sich dann vom Baum und fallen mit der Schwerkraft auf den Boden (teils mit, teils aber auch ohne den zerschlitzten Fruchtbecher). Ähnlich wie bei Eicheln und Bucheckern, erfolgt auch bei den Haselnüssen im Anschluss eine Verbreitung durch Vorratsspeicherung. Dies indem Eichhörnchen oder Mäuse die Nüsse wegtransportieren und sie dann als Nahrungsvorrat in Verstecken lagern. Wird das Versteck vergessen oder stirbt das Tier in der Zwischenzeit, kann die Haselnuss dann daraus keimen.


Während dieser Mechanismus bei Eichen oder Rotbuchen nur untergeordnet ist, zeigen Untersuchungen beim Hasel, dass über 90% der Nüsse von den Tieren innerhalb von 1 bis 2 Wochen eingesammelt werden. Von diesen werden dann wiederum 5 bis 10% von den Tieren im Verlaufe der Lagerung vergessen. Für den Hasel ist die hohe Verbreitungsrate besonders wichtig, denn im Gegensatz zu Buchen oder Eichen ist er als Pioniergehölz darauf angewiesen, immer wieder neue Standorte zu besiedeln.


Kulinarische Verwendung von Haselnüssen


Haselnüsse sind einsamig. Der Samen besteht zu einem grossen Teil aus dem Speichergewebe, bei dem es sich strukturell um umgewandelte Keimblätter handelt. Und genau diese zwei «Speicherblätter» (der «Nusskern») sind der nutzbare Bestandteil der Haselnuss. Sie enthalten hauptsächlich (d.h. zu 60%) Fette (v.a. ungesättigte Fettsäuren), und auch Eiweiss und Kohlenhydrate. Der hohe Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, macht die fettigen Bestandteile leicht schmelzbar und sorgt damit für das angenehme cremig-butterige Geschmackserlebnis beim Verzehr der Nüsse, sei es direkt roh oder auch in Guezlis. Um die Haselnüsse haltbar zu machen, sollten sie direkt nach dem Sammeln im Backofen getrocknet werden (ca. 40°C, Umluft, 2 bis 3h, mit leicht geöffnetem Spalt) denn sonst schimmeln sie rasch. Die Trocknung ist dann ausreichend, sobald man beim Schütteln den Kern hört. Getrocknet sind die Haselnüsse dann sehr gut lagerfähig. Die Lagerung muss allerdings an einem dunklen-trockenen Ort erfolgen, denn sonst werden die Fette ranzig. Die harte Fruchtschale der Haselnüsse ist zwar für die Lagerfähigkeit ein Segen, gleichzeitig bedeutet das aber, dass diese mit einem Nussknacker aufgebrochen werden muss, um an den Kern zu gelangen.


Was beim Sammeln wilder Haselnüsse zu beachten ist


Gesammelt werden die reifen Haselnüsse im Herbst am Boden oder auch direkt am Strauch, sofern sich die Nuss bei Berührung rasch ohne Kraftaufwand aus dem Fruchtbecher löst. Die Früchte werden oft (teils weit über die Hälfte der Nüsse) vom Haselnussbohrer, einer Rüsselkäfer-Art, befallen. Die weiblichen Tiere bohren die unreifen Nüsse an und legen dort ein oder mehrere Eier ab. Die geschlüpften Laven können sich dann mehrere Wochen lang in der Nuss vom Speichergewebe ernähren, ehe sie sich aus der Schale herausfressen (kleines Loch erkennbar). Befallene Haselnüsse müssen deshalb vorgängig aussortiert werden. Jene Nüsse fallen meist bereits im Juli oder Anfang August auf den Boden, sind oft leichter und klingen beim Schütteln hohl. Bedarfsweise kann man nach dem Sammeln die Nüsse ins Wasser legen und dann schwimmen die Larvenhaltigen Exemplare (mit Hohlraum) oben auf, während die intakten Haselnüsse zu Boden sinken.


Obwohl der Gemeine Hasel so stark verbreitet ist, hat das Sammeln von wilden Haselnüssen so seine Herausforderungen. Denn die Nüsse werden wie erwähnt von den Tieren rasch gesammelt, so dass es für uns Menschen meist bereits zu spät ist. Etwas grösser ist dabei die Chance abseits vom Wald, in Gärten oder bei Einzelsträuchern, denn dort ist die Konkurrenz mit den Tieren deutlich kleiner. Für Standorte am Waldrand ist man als Sammler gezwungen diesen im Frühherbst regelmässig, d.h. alle paar Tage, zu kontrollieren (v.a. nach Stürmen oder windigen Tagen). Zu beachten ist allerdings auch, dass auch die Intensität der Fruchtbildung von Jahr zu Jahr schwankt. Während in Mastjahren besonders viele Früchte gebildet werden, folgen darauf mehrere Jahre mit nur wenig Früchten. Der Abstand zwischen Mastjahren beträgt dabei ca. 2 bis 5 Jahre. Weiter können starke Fröste, die Ende Winter auf milde Phasen folgen, zu regelrechten Fruchtausfällen führen.


Vor 9'000 Jahren dominierte der Hasel die Landschaft Mitteleuropas


Vor ca. 9'000 Jahren (im «Boreal»), d.h. kurz nach der letzten Eiszeit, hat sich der Hasel sehr rasch und sehr stark ausgebreitet und dominierte für eine längere Zeit die Landschaft Mitteleuropas. Ihm half dabei die Tatsache, dass zu dieser Zeit die grossen Laubbäume noch nicht komplett aus ihrem Eiszeit-Refugium zurückgewandert sind. Während dieser Zeit dürften die Haselnüsse bei den damaligen Menschen eine sehr wichtige Nahrungsquelle gewesen sein. Dies nicht nur weil sie hochkalorisch sind, sondern auch weil sie sich gut lagern lassen.


Als dann vor ca. 7'000 Jahren die Eichen, Linden und Ulmen die Landschaft besiedelten, war dies das Ende Haseldominanz. Wie archäologische Funde zeigen, wurden Haselnüsse aber weiter genutzt. Damals fand in Europa nämlich gerade der Übergang von der Sesshaftigkeit zum Ackerbau statt und die dabei entstandenen menschlichen Rodungsflächen boten dem Hasel neuen Lebensraum. Das Holz des Hasels ist weich, elastisch und nur wenig witterungsbeständig, resp. lässt sich gut bearbeiten. Früher wurden die Äste / Zweige zum Flechten von Körben oder auch für Bögen verwendet.


Mythologie vom Gemeinen Hasel


In der keltischen Mythologie spielte der Hasel eine zentrale Rolle als Baum der Weisheit, aber auch der Fruchtbarkeit. Wer Haselnüsse ass, erhielt Weisheit, Inspiration und magische Fähigkeiten. Haselzweige wurden als Wünschelruten verwendet, um versteckte Wasserquellen und verborgene Schätze zu finden. Der Hasel war in den keltischen Jahreskreisfesten eine wichtige Pflanze für Orakel und Schutzmagie. Unter anderem warf man Haselnüsse ins Feuer, um aus ihrem Verhalten die Zukunft zu lesen.


Besonders bekannt in der irischen Mythologie ist die Legende der neun Haselbäume der Weisheit, die über einem heiligen Brunnen der Weisheit wuchsen. Die Haselnüsse dieser Bäume fielen ins Wasser und wurden dabei selbst mit Weisheit aufgeladen. Ein Weisheitslachs frass diese Nüsse, und wer wiederum diesen Lachs verzehrte, erhielt unendliche Weisheit. Genau so soll dann der keltische Held Fionn mac Cumhaill zu seiner Weisheit gekommen sein: Als er den Fisch zubereitete, tropfte dessen Fett auf seinen Finger. Als er dort das Fett ableckte, wurde er allwissend.


Bei den Germanen wiederum hatte der Hasel vor allem eine Bedeutung als Schutzbaum. Haselruten wurden deshalb an den Türen aufgehängt um böse Geister oder Blitze fernzuhalten.


Youtube-Video zur Bestimmung des Gemeinen Hasels



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mögliche Verwechslungen

Berg Ulme (Ulmus glabra) - ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Durch die Ulmenkrankheit seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das grosse Vorkommen der Berg-Ulme stark zurückgedrängt. Diese wird durch Schlauchpilze verursacht, welche über den Ulmensplintkäfer übertragen werden. Die Pilze wurden aus Asien eingeschleppt. Die dort heimischen Ulmenarten habe eine gewisse Resistenz, während die Ulmen bei uns den Schädlingen schutzlos ausgeliefert sind. Die Mortalitätsrate ist mit über 90% sehr hoch, wodurch viele Altbäume mittlerweile abgestorben sind.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter sehr ähnlich (oval bis breit-eiförmig, bespitzt, doppelt gezähnt)


Unterschiede (u.a.)

  • Baum, bis 30cm hoch; mit graubraun-längsrissiger Borke

  • Blätter stark asymmetrisch (eine Blatthälfte ist jeweils grösser)

  • Blüten zwittrig, in knäueligen Blütenständen

  • Frucht klein (1-2mm), geflügelt und bereits im Frühsommer reif

  • gehört zur Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae)


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Berg-Ulme gegenüber des Gemeinen Hasels. Merkmale graphisch übersichtlich dargestellt.

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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