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Gemeine Kratzdistel (Cirsium vulgare)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Kratzdisteln (Cirsium)
"Die Art mit mit seiner intensiven Bestachelung sehr wehrhaft. Kulinarisch lohnt sich v.a. der aromatische-fleischige Boden der Blütenköpfe - klein aber oho!"
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
Lebenszyklus / Blattanordnung: Pflanze 2-jährig. Nach dem Austrieb im ersten Jahr erscheint die Pflanze mit nur einer Grundrosette (ohne Stängel und ohne Blüte). Ab dem Frühling des 2. Jahres bilden sich dann aufrechte Stängel mit wechselständigen (-herablaufenden) Blättern
Blätter: lanzettlich; fiederlanzettlich, Zipfel dreidimensional spreizend, verschieden lang und am Ende mit kräftigem (meist > 5mm langem) Dorn; Abschnitte am Rand dornig gezähnt; OS dornhaarig, US weissfilzig
Grundblätter-: 10 bis 40 cm lang; mit geflügeltem Blattstiel
Stängelblätter: 5 bis 20 cm lang (nach oben zunehmend kleiner werdend); den Stängel umfassend; am Stängel herablaufend
Stängel: dornig geflügelt (herablaufende Blattstiele); spinnwebig behaart; bis 2m hoch,
Blüten: purpurne Röhrenblüten (ohne Zungenblüten) Blütenköpfen angeordnet; Blütenköpfe einzeln aus den oberen Bereichen des Stängels; Blütenkopf-Boden 3-5cm lang, eiförmig und mit stachelig auslaufenden Hüllblättern; +-/- duftlos; blüht Juli bis September
Früchte: Achäne (3 bis 4 mm lang) mit langem Pappus (2 bis 3 cm lang); aus den Pappushaaren treten wiederum kleine Härchen hervor («gefiederter Pappus», dieses Merkmal ist nur bei reifen Früchten und bei trockenem Wetter erkennbar)
Zeigerwerte: hell, mässig feucht (Feuchtigkeit mässig wechselnd), nährstoffreich, neutral bis basisch, salztolerant
typische Standorte: Ruderalflächen, Wegränder, helle Wald-Wegränder, Weiden
Fotos







....sind 3-dimensional orientiert


Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide, Phenolsäuren, Phytosterole, in den Wurzeln Inulin
Giftigkeit: Die Gewöhnliche Kratzdistel ist ungiftig / problemlos essbar.
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
junge Blätter (aromatisch, herb > mehr dazu) - dornige Ränder abschneiden!: Salat, Wildgemüse
ausgezupfte Röhrenblüten (fade > mehr dazu): Essbare Dekoration
Blütenkopf-Boden ("Blütenboden") (aromatisch > mehr dazu) - siehe Bild unten: kleiner roher Snack, Salatbeigabe, Wildgemüse
Wurzel (aromatisch, herb > mehr dazu): vom Herbst des 1. Jahres bis zur Stängelbildung im Frühling des 2. Jahres roh als Snack oder Beigabe, Wildgemüse (danach verholzt die Wurzel); Streckmehl oder Wurzelkaffee ist auch nach der Stängelbildung noch möglich.
Wurzeln im Rosettenstadium Wurzeln als Wildgemüse Blütenkopf-Boden
Sammelkalender


Spannendes über die Art
Die Gemeine Kratzdistel hat ein weites Verbreitungsgebiet, welches sich über fast ganz Europa, Nordafrika, den Nahen Osten bis Zentralasien erstreckt. Als Neophyt ist die Art ausserdem auch in Nord- bis Südamerika, Ostasien und Australien verbreitet.
Es handelt sich um eine Pionierpflanze, die v.a. freie Flächen, Vegetationslücken, bzw. Flächen mit gestörter Bodenbedeckung / Rohböden (Ruderalflächen) besiedelt. Die Art kommt auch auf Weiden vor (v.a. dort wo durch Trittschäden im Gras Vegetationslücken vorhanden sind), wo sie dank den Stacheln einen Konkurrenz-Vorteil geniesst. Das heisst, sie wird von den meisten Weidetieren (mit Ausnahme Ziegen) als Frasspflanze gemieden. Generell handelt es sich bei den Stacheln an Blätter, Stängel und Hüllblätter um einen Frassschutz gegenüber mittleren bis grösseren Fressfeinden.
Die Gemeine Kratzdistel ist zweijährig. Die Keimung erfolgt im Frühling, teils auch Herbst (nach den ersten Herbstniederschlägen). Dabei wird erst nur eine (teils auslandende) Grundrosette gebildet, die anschliessend sehr oft überwintern. Ab Frühling des 2. Jahres erfolgt dann die Stängelbildung, Ab Mitte Sommer beginnt dann die Blütezeit. Die Bestäubung der pupurnen Röhrenblüten erfolgt durch Insekten, welche den Pollen sammeln. Nektar wird nicht gebildet (daher duften die Blüten im Gegensatz zu anderen Kratzdistel-Arten auch nicht). Die kleinen Nüsschen haben einen grossen Pappus, welcher Windtransport ermöglicht. Nach der Fruchtreife sterben die Exemplare ab.
Der Boden des Blütenkopfes kann als Artischocken-artiges Gemüse genutzt werden. Genutzt wird der etwas fleischig ausgebildete Teil des Blütenbodens, der als Unterlage der Röhrenblüten dient. Allerdings handelt es sich um einen verhältnismässig kleinen Pflanzenteil, doch dieser ist dafür umso so aromatischer im Geschmack. Auch bei der Artischocke (ebenfalls ein Korbblütler) wird (nebst den fleischig ausgebildeten Hüllblättern) dieser Blütenkopf-Boden («Artischockenherz») genutzt (welcher durch Züchtung besonders gross und ergiebig ist).
In Schottland gelten besonders stachelige Distelarten (wie eben die Gemeine Kratzdistel) als Nationalsymbol. Die Stacheln stehen dabei für Wehrhaftigkeit («wer angreift wird selbst verletzt»). Distel-Symbole findet man dabei in Wappen, auf Trikots von Rugby- und Fussball-Nationalmannschaft und in vielen Logos lokaler Unternehmen.
mögliche Verwechslungen
Acker-Kratzdistel (Cirsium vulgare) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung (jedoch ohne Nutzung der Wurzeln als Wildgemüse, dafür mit angenehm duftenden Blüten, die sich für Tee, Sirup eignen)
>>> mehr zum Acker.Kratzdistel bei der entsprechenden Pflanzenbeschreibung im erdflow-Phytikon <<<
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter wechselständig, lanzettlich; Blattrand dornig-gezähnt
purpurne Röhrenblüten in Blütenköpfen; Blütemkopf-Boden eiförmig und stachelig
gehört zur Gattung Kratzdistel (Cirsium)
Unterschiede (u.a.)
Blattrand weniger tief einegschnitten; Zipfel nicht 3-dimensional; Blätter +/- kahl
Stängel nicht dornig-geflügelt, bzw. kahl
Blütenköpfe viel kleiner (Boden 1-2cm lang); Blüten intensiv duftend; Blütenköpfe in endständigen Rispen; Hüllblätter nur schwach stechend
Pflanze ausdauernd
Sumpf Kratzdistel (Cirsium palustre) - ungiftig / essbar, ähnliche Verwendung
Gemeinsamkeiten (u.a.)
Blätter wechselständig, lanzettlich; tief eingeschnitten; Blattrand dornig-gezähnt; Blattunterseite weissfilzig
Stängel dornig-geflügelt
purpurne Röhrenblüten in Blütenköpfen; Blütemkopf-Boden eiförmig
Pflanze zweijährig; bildet im 1. Jahr nur eine Grundrosette
gehört zur Gattung Kratzdistel (Cirsium)
Unterschiede (u.a.)
Zipfel der Blattränder nicht 3-dimensional (sondern +/- in einer Ebene) angeordnet
Pflanze generell schlanker ausgebildet
Blütenköpfe viel kleiner (Boden 1-1.5cm lang); Blüten intensiv duftend; Blütenköpfe in engen, knäueligen Rispen angeordnet; Hüllblätter nur schwach stechend
Vorkommen eher im halbschattigen Bereich an nassen/sumpfigen Standorten (Graben neben Waldwegen, Moore, Sumpfwiesen)


zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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