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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Echtes Leimkraut (Silene vulgaris)
Illustration des Echten Leimkrautes (Silene vulgaris). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. Blätter gegenständig, kahl, blaugrün, ganzrandig, lanzettlich, eilanzettlich bis verkehrt-eilanzettlich; Blüten mit grün oder rot geadertem, aufgeblasenem Kelch

Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae), Gattung: Leimkräuter (Silene)

"Die Art hat kulinarisch v.a. im mediterranen Raum eine Tradition, indem die Triebspitzen als Salat oder Gemüse genutzt werden. Durch den hohen Saponin-Gehalt eine gute Survival-Seife."

 

Bestimmung

Synonyme: Klatschnelke, Gewöhnliches Leimkraut, Taubenkropf-Leimkraut,….


Blätter: gegenständig; sitzend; (ei- bis verkehrt-ei-) lanzettlich, ca. 5 bis 12cm lang (gegen oben am Stängel graduell kleiner werdend), am Ende spitz; ganzrandig; blaugrün, sehr schwache Seitennerven; meist kahl (z.T. am Rand bewimpert)


Stängel:10 bis 50cm hoch; erst oben verzweigt; meist kahl; unterhalb der Blattansätze teils mit leicht mit klebrigem Ring


Blüten: blüht Juni bis September

  • Einzelblüten: Blüten aufrecht bis leicht nickend; Kronblätter weiss (z.T. auch etwas rosa), tief ausgerandet; Kelchblätter grünlich bis rötlich und mit ca. 20 dunkleren Adern, zusammengewachsen einen aufgeblasenen Kelch bildend

  • Blütenstand: an den Stängelenden lockere, dichasial verzweigte Blütenstände à ca.10 bis 30 Einzelblüten; oft zeigen alle Blüten in dieselbe Richtung


Früchte: ca. 1cm lange, kugelige Kapselfrucht, die sich bei Reife mit 6 Zähnen öffnet (nur bei Trockenheit offen, bei feuchter Luft jeweils geschlossen)


Zeigerwerte: hell, leicht feucht, nährstoffarm, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Wiesen (u.a. auch Fettwiesen!), Weiden, Ruderalflächen (bis zur Waldgrenze und darüber hinaus)

 

Fotos

Verwendung

Inhaltsstoffe: Saponine (v.a. in den Wurzeln hoher Gehalt), wenig Schleimstoffe


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • junge Blätter bis ca. Mai / Triebspitzen (erbsenartig-aromatisch, herb, seifig > mehr dazu): Salat, Kräuterbutter, Wildgemüse


  • Blüten (erbsenartig): essbare Dekoration (neutraler Geschmack)


  • Samen (nussig bis her fade): nussige Beigabe z.B. im Salat

Beschreibung

Der Name der Gattung «Leimkraut» kommt davon, dass der Stängel gewisser Arten abschnittsweise klebrig sein kann, was in schwacher Form auch bei gewissen Exemplaren des Echten Leimkrautes (unterhalb der Knotenpunkte, d.h. Blattansätze) der Fall ist. Dabei handelt es sich um eine Barriere für darauf hochkriechende Insekten (Fressfeinde).


Ein Synonym für die Pflanze ist auch «Klatsch-Nelke». Dies kommt vom aufgeblasenen Kelch der Blüten. Bei diesem kann erst die obere Öffnung mit den Fingern zugedrückt und danach wie ein Luftballon gegen die andere Hand geklatscht, bzw. so mit einem schönen Knallgeräusch zum Platzen gebracht werden. Die Blüten verströmen v.a. am Abend einen intensiven Duft, um Nachtfalter als Bestäuber anzulocken. Bestäubt wird die Blüte aber auch tagsüber durch Bienen und Schmetterlingen. Generell gelangen wegen der engen und langen Kronröhre nur langrüsselige Insekten an den Nektar. Auch Hummeln bedienen sich dem Nektar der Blüten, doch im Gegensatz zu anderen Insekten beissen diese ein Loch durch den Kelch hindurch (ohne Bestäubung). Die Blütezeit erstreckt sich vom Juni den ganzen Sommer durch bis in den Frühherbst.


Bei der Fruchtreife bleibt der aufgeblasene Kelch erhalten bzw. wird zunehmend blass, papierartig und spröde. Darin reift eine Kapselfrucht heran, die jeweils ca. 100 kleine Samen enthält. Bei Reife öffnet sich diese oben in sechs auseinanderspreizenden Zähnen. Die Samen werden dann entlang dieser Öffnung mit dem Wind herausgeschüttelt bzw. durch vorbeistreifende Tiefe herausgeschleudert. Die meisten Samen können sich so nur direkt um die Mutterpflanze herum ausbreiten, es sei denn, sie werden durch Bodenverfrachtung oder Schuhe / Reifen / Tierpfoten sekundär weiterverfrachtet.


Geographisch reicht das Verbreitungsgebiet über praktisch ganz Europa (inkl. Skandinavien), Nordafrika, den Nahen Osten bis Zentralasien und Sibirien. In Mitteleuropa findet man die Art vom Tiefland bis hoch ins Gebirge bis teils auch über der Baumgrenze. Sie wächst dabei sowohl auf eher nährstoffarmen, trockenen Wiesen, als auch Ruderalflächen, bzw. auch dem (ruderal-artigen) halbschattigen Terrain und teils auch (trockenen, sonnigen, evtl. lückigen) Fettwiesen ist sie nicht komplett abgeneigt. Sie kann sowohl über Kalk- als auch kristallinen Untergrund gut gedeihen. Gerade in leicht erhöhten Lagen (wo die Wiesen oft extensiver genutzt bzw. weniger nährstoffreich sind) an Südhängen kann die Art sehr weit verbreitet sein.


Junge Blätter und ganz junge Stängel bzw. Triebspitzen eignen ich im Salat, bzw. angedünstet als Gemüsebeigabe. Traditionelle kulinarische Nutzungen (u.a. der jungen Triebspitzen) sind v.a. für mediterrane Länder (Spanien, Italien, Griechenland, usw.) dokumentiert. Frühere volksheilkundliche Anwendungen scheinen hingegen nicht weit verbreitet zu sein. Wie für die Arten aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) typisch, haben die Pflanzenteile einen hohen Saponingehalt. Der ist bei jungen Pflanzen jedoch sehr gering und steigt im Verlaufe der Vegetationsperiode immer mehr an. V.a. bei älteren Blättern wird empfohlen nur kleine Mengen zu verzehren, ansonsten könnte das Ganze für das Verdauungssystem etwas unbekömmlich wirken. Die höchsten Saponin-Gehalte findet man in den Wurzeln. Daraus kann deshalb auch eine Seifenlauge ausgekocht werden. Aber auch die Blätter eignen sich hervorragend als biologischer Outdoor-Schwamm, indem eine grössere Menge des Krautes mit den Händen so stark zerrieben wird, bis der seifig-blubbernde Pflanzensaft austritt (braucht etwas Geduld).


Nebst hier beschriebenen Unterart «subsp. vulgaris», findet man in den Alpen teils auch die Unterart «Alpen-Klatschnelke (subsp. glareosa)», die in den Alpen Standorte mit Kalkschutt und Bachgeröll besiedelt, im Wuchs eher niederliegend bis aufsteigend ist und bei der die Blätter kleiner (nur 1-3 cm lang), bzw. am Rand teils ganz leicht knorpelig ausgebildet sind. Weiter sind dort meist nur 1-7 Blüten pro Blütenstand vorhanden und die Einzelblüten haben eine deutlich ausgeprägte Nebenkrone.

 

mögliche Verwechslungen

Nickendes Leimkraut (Silene nutans subsp. nutans)ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Beim Nickenden Leimkraut sind die Blüten nickend und der Kelch ist nicht aufgeblasen. Weiter ist der obere Bereich des Stängel deutlich und stark klebrig ausgebildet (aufgrund klebriger Drüsenhaare). In tiefen Lagen überwintert die Art oft als Grundrosette mit spatelförmigen Blättern. Es handelt sich ebenfalls um eine Pflanze trockener und v.a. nährstoffarmer Standorte (Trockenwiesen, Ruderalflächen), ist aber gegenüber dem Echten Leimkraut eher auf halbschattige Standorte spezialisiert und gerade in lichten Eichen- oder Föhrenwäldern (oft mit felsigem Untergrund) im Jura findet man die Art oft. Man findet das Nickende Leimkraut aber auch in (mit Erde gefüllten) Felsspalten von Felspartien. Die Art kommt von der Höhenlage her vom Tiefland bis zur Baumgrenze und teils auch darüber hinaus vor und auch vom Untergrund kommt sie sowohl Kalk-, als auch Kristallinuntergrund gut zurecht.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, sitzend, ganzrandig, ca. 5-12cm lang

  • Kronblätter 15-25mm lang, weiss und tief ausgerandet, Kelchröhre mit rötlichen Adern

  • Kapselfrucht, die sich mit 6 Zähnen öffnend


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter weichhaarig, dünner, im jungen Stadium (bzw. teils auch zur Überwinterung) eine Grundrosette aus spatelförmigen Blättern bildend

  • Stängel oben drüsig-klebrig

  • Blüten nickend, mit Nebenkrone, Kelch nicht aufgeblasen, oft etwas kürzer (7-15mm) lang und behaart, blüht Juni/Juli


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale des Nickenden Leimkrautes gegenüber dem Echten Leimkraut. Die Merkmale sind graphisch übersichtlich dargestellt.


Kuckucks-Lichtnelke (Silene flos-cuculi)  – ungiftig/essbar, ähnliche Verwendung


Die Kuckucks-Lichtnelke ist im Gegensatz zum Echten Leimkraut keine Trocken- sondern eine Sumpfpflanze. Sie wächst v.a. auf feuchten Wiesen und in Mooren und ist eher auf tiefe Lagen beschränkt (vz. auch bis zur Baumgrenze hochsteigend). Charakteristisch sind die wunderschönen rosa Blüten.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter gegenständig, sitzend, ganzrandig, ca. 5-12cm lang, kahl, bläulich-grün

  • Kronblätter 1.5 bis 2.5cm lang und tief ausgerandet


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter dünner, untere Blätter spatelförmig, z.T. am Grund etwas bewimpert; US mit hervortretendem Mittelnerv

  • Stängel unter den Blattansätzen rötlich und rückwärts behaart

  • Kronblätter rosa und durch die Ausrandung 4-teilig; Krone mit ca. 3-4cm Durchmesser und mit kleiner Nebenkrone; Kelch nicht aufgeblasen, meist rötlich und kürzer (6-9mm lang); blüht Mai bis August

  • Kapselfrucht, die sich nur mit 5 (statt 6) Zähnen öffnend


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Kuckucks-Lichtnelke gegenüber dem Echten Leimkraut. Die Merkmale sind graphisch übersichtlich dargestellt.


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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