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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
Illustration des Drüsigen Springkrautes (Impatiens glandulifera). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. gegenständig oder 3er-Quirl, eilanzettlich, am Blattgrund und Knotenpunkten mit gestillten Drüsen, Blüten rosa und mit Sporn, keulenförmige Kapselfrucht, usw.

Familie: Balsaminengewächse (Balsaminaceae), Gattung: Springkraut (Impatiens)

"ein invasiver Neophyt aus dem westlichen Himalaja - mit leckeren essbaren Samen, ansonsten jedoch leicht giftig"

 

Bestimmung

Blätter: gegenständig bis (meist oben am Stängel) 3er-Quirl; eilanzettlich-spitz, 10-25cm lang; scharf gesägt; kahl; Blattstiel und unterste Blattzähne mit gestielten Nektardrüsen; stark gebogene Seitennerven


Stängel: aufrecht, bis 2m hoch; erst oben verzweigt, an den Knotenpunkten mit gestielten Nektardrüsen; dick; hohl; kahl


Blüten: zygomorph; ca. 3-4cm lang; 5 verwachsene rosa Kronblätter: Oberes Kronblatt nach oben gewölbt, die zwei seitlichen Kronblätter klein und die zwei unteren Kronblätter bilden zusammen einen Halbkreis; 3 Kelchblätter, davon bildet eines einen gekrümmten, 2.5 bis 4 cm langen Sporn; Einzelblüten in endständigen Trauben angeordnet; blüht Juli bis September


Früchte: ca. 3 bis 5 cm lange, keulenförmige Kapselfrucht; öffnet sich bei Berührung sprungartig, womit die kugeligen, schwarzen (unreif weissen) Samen herausgeschleudert werden


Zeigerwerte: halbschattig, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, neutral bis basisch


typische Standorte: Auenwälder, Ufer, feuchte Wald- Wegränder

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Flavonoide, Calciumoxalat-Kristalle, Naphthochinone, in den Nektardrüsen Ätherische Öle


Giftigkeit*: Blätter und Stängel des Drüsigen Springkrautes sind leicht giftig und können stark abführend wirken, bzw. Brechreiz auslösen! Als Giftstoffe werden die enthaltenen Naphthochinone vermutet. Auch die Blüten enthalten Naphthochinone (Giftstoffgehalte vermutlich tiefer). Kochen könnte evtl. die Giftstoffgehalte reduzieren. Die Samen des Drüsigen Springkrautes sind ungiftig und essbar.


mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


  • *junge Blätter: in kleinen Mengen im Wasser gekocht als Gemüse (Kochwasser mehrmals auswechseln!)


  • *Blüten: in kleinen Mengen als essbare Dekoration, Gelée


  • Samen (unreif oder reif) (aromatisch, nussig > mehr dazu): roh als Nascherei vor Ort, geröstet oder roh als Beigabe (uz.B. im Müesli), Gewürz

Sammelkalender


Beschreibung

> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️


Das Drüsige Springkraut ist in Europa ein invasiver Neophyt. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt im westlichen Himalaja (vom nördlichen Pakistan, über das nordwestliche Indien bis nach Westnepal). Dort wächst es auf Höhen zwischen ca. 1'500 bis 4'300 m ü. M. und besiedelt v.a. Bach- und Flussufer, Bergwiesen, Waldrändern, bzw. in der Kulturlandschaft auch Strassengräben, Ackerränder, usw. Die Art hat mag generell feuchte Standorte und diese sind im Himalaja-Gebiet während der Monsunzeit im Sommer auch ausreichend vorhanden (also nicht nur an Ufern, sondern auch an Abflussrinnen auf Wiesen).


Das Drüsige Springkraut ist einjährig. Die Samen keimen im Frühjahr (bei günstiger Temperatur und Witterung) und dabei wächst der Stängel bis Mitte Sommer relativ rasch bis auf 2m Höhe, ehe dann die Blütezeit beginnt. Diese erstreckt sich bis in den Frühherbst hinein (bei optimalen Bedingungen auch bis in den Spätherbst). Die Blüten sind vormännlich und dabei werden konstant immer wieder neue frische Blüten gebildet, während an anderer Stelle des Individuums bereits Früchte heranreifen oder auch schon reife Früchte vorhanden sind. Die Blüten sind sehr nektarreich und der Nektar selbst ist der sehr Zucker-haltig. Da sich dieser jedoch tief im Sporn befindet, kommen nur langrüsselige Insekten daran. Bestäubenden Insekten sind daher v.a. Hummelarten (in Europa auch Honigbienen und Wespen).


Während der Fruchtreife (die sich wie erwähnt mit der Blütezeit überlagert) wird in den Kapselfrüchten der Wasserdruck der Perikarp-Zellen stetig erhöht. Sobald der Druck zu hoch wird, reisst das Perikarp explosionsartig auf und dabei werden die Samen bis zu mehrere Meter (<7m) weit herausgeschleudert (dieser Vorgang kann man bereits vor der Fruchtreife auslösen: Einfach die Früchte mit etwas Druck berühren und schon platzen sie auf > siehe Video unten; Achtung: dabei kitzelt es ein bisschen). Entlang von Fliessgewässern können die (im trockenen Zustand schwimmfähigen) Samen ausserdem über grosse Distanzen sekundär weiterverbreitet werden. Nach der Fruchtreife am Ende der Vegetationsperiode sterben die Exemplare ab und die Überwinterung erfolgt ausschliesslich als Samen. Die meisten Samen keimen dabei im Folgejahr, andere etwas später (bis ca. 3 Jahre keimfähig). Die Keimrate gilt dabei als ausgesprochen hoch.


Im 19. Jahrhundert wurde die Art mit seinen schönen rosa Blüten als Zier- und Gartenpflanze nach Europa eingeführt. Durch die hohe Nektarmenge wurde sie ausserdem von den europäischen Imkern als Bienenweide sehr geschätzt. Von seinen kultivierten Standorten breitete sich die Art dann rasch in die freie Natur aus. In Mitteleuropa liegt der Schwerpunkt der Verbreitung entlang von Uferzonen, in Auenwäldern und an feuchten, halbschattigen Waldstellen. Die Dominanz des Drüsigen Springkrautes ergibt sich aus dem raschen Wachstum (stellt andere heimische Arten in den Schatten) und der effizienten Samenverbreitung durch den Schleudermechanismus, bzw. die Schwimmausbreitung. Die Wurzeln sondern ausserdem Stoffe in den Boden ab, welche die Keimung heimischer Arten hemmen können. Weiter gibt es Hinweise, dass die Art bestehende Mykorrhiza-Gemeinschaften schädigen kann. Je nach Standort und Lebensraum scheinen aber die negativen Effekte unterschiedlich stark zu sein. Begrenzt wird die Ausbreitung des Drüsigen Springkrautes durch klimatische Bedingungen. So ist die Art in Mitteleuropa auf die warmen Tieflagen begrenzt (im Himalaja wächst bis auf über 4'000 m ü. M., weil dort im Sommer die gleichen Temperaturzonen sehr viel höher liegen).


Da die Art einjährig ist und weder vegetative Vermehrung, noch seitliche Ausbreitung der Wurzeln stattfindet, läuft die Bekämpfung der Art (gegenüber anderen invasiven Neophyten) vergleichsweise einfach ab. Dabei werden während 2-3 Jahren jeweils im Spätfrühling / Frühsommer (vor der Blütenzeit) alle Sprosse des Standortes, inkl. den (sehr oberflächlich und schwach ausgebildeten) Wurzeln ausgerissen und dann abtransportiert. Bei grossen Beständen wird auch ein mehrmaliges Mähen des Standortes während der Vegetationsperiode empfohlen.


In Nordpakistan / Kaschmir werden die Samen traditionell als Wildnahrung (v.a. roher Snack) genutzt. Auch die Blätter und jungen Triebe gelten dort angeblich als Kochgemüse. Auch in der dortigen lokalen traditionellen Heilkunde hat das Drüsige Springkraut seine Verwendung. Die Samen haben sich mittlerweile auch in Mitteleuropa als leckerer Wildsnack, bzw. teils auch als Survivalnahrung etabliert. Kein Wunder, denn diese sind nicht nur lecker und kalorienhaltig, sondern auch (an den Standorten wo sich die Art ausgebreitet hat) massenweise verfügbar. Durch den Schleudermechanismus ist das Sammeln der Samen sehr einfach: Einen Sack über den Fruchtstand stülpen, danach kräftig schütteln und schon regnet es die herausgeschleuderten Samen direkt aus den Fruchtkapseln heraus. Das Gute dabei: Invasive Neophyten, wie das Drüsige Springkraut, können ohne schlechtes Gewissen in grosse Mengen abgeerntet werden :-) Teilweise ist es auch einfach nur lustig die reifen Kapselfrüchte durch Berührung platzen zu lassen (Hinweis: Damit wird die Ausbreitung der Samen nicht gefördert, da die Kapseln ja eh früher oder später platzen würden!)


> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️



 

mögliche Verwechslungen

Balfour-Springkraut (Impatiens balfourii), gewisse Pflanzenteile giftig! - ähnliche Verwendung wie beim Drüsigen Springkraut

 

Auch das Balfour-Springkraut stammt aus dem westlichen Himalaja (jedoch eher in den dortigen tieferen Regionen) und wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze in Europa eingeführt. Das Vorkommen in der Schweiz beschränkt sich derzeit vorwiegend auf die wärmebegünstigten Gebiete von Südtessin, Rohnetal und die Genferseeregion. Die Art braucht eher sonnige Standorte und kann lokal ebenfalls sehr dichte Bestände bilden. Die Lebensräume sind vielfältig und reichen von Ruderalflächen, über Uferzonen, Auenwälder, Weg- und Strassenrändern, bis zu Waldrändern und Waldweg-Rändern. Das invasive Potential vom Balfour-Springkraut wird derzeit noch beobachtet. Daher gilt die Art in der Schweiz bisher nur als «potentiell invasiver» Neophyt.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter scharf gesägt

  • rosa Farbe der Blüten, Blütenform sehr ähnlich

  • Form, Farbe und Öffnungsmechanismus der Früchte

  • gehört zur Gattung Springkräuter (Impatiens)


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter wechselständig, eiförmig, nur bis 10cm lang

  • Blattstiel ohne Drüsen

  • nur bis 1m hoch

  • obere Kronblätter weiss


Unterschiede / Unterscheidungsmerkmale vom Balfour-Springkraut zum Drüsigen Springkraut



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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