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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Zitterpappel / Espe (Populus tremula)
Illustration der Zitterpappel / Espe (Populus tremula). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet.

Familie: Weidengewächse (Salicaceae) Gattung: Weiden (Salix)

"Bereits bei geringen Luftbewegungen beginnen die Blätter zu zittern. Kulinarisch wird die Art kaum genutzt, sie hat jedoch durch das enthaltene Salicin als Weiden-Ersatz eine kleine Tradition als Heilpflanze."

 

Bestimmung

Habitus: Baum bis 20m Höhe, Krone weit ausladend


Blätter: wechselständig; rundlich (an Langtrieben herz- bis eiförmig!), 3 bis 8cm lang; grob und unregelmässig gebuchtet; jung seidig behaart; US blaugrün, lang gestielt, Blattstiel seitlich abgeflacht


Stamm: dunkelgraue, längsrissige Borke

  • junge Stämme: silbergrau, glatt, mit rautenförmigen Korkwarzen


Blüten: zweihäusig (nur entweder männliche oder weibliche Blüten pro Pflanze); kleine Einzelblüten jeweils in hängenden, 5 bis 10cm langen Kätzchen angeordnet; mit zottig behaarten Tragblättern (die während der Blütezeit abfallen); blüht März / April, Blüten erscheinen vor den Blättern

  • männliche Blütenstände: ca. 10 rotbraune Staubblätter pro Blüte

  • weibliche Blütenstände: grün, mit 2 rotbraunen Narben


Früchte: Kapselfrucht; kahl; mit sehr kleinen Samen, denen lange Flughaare angehängt sind; reif ab Mitte Mai


Zeigerwerte: hell, mässig feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), mässig nährstoffarm bis mässig nährstoffreich, schwach sauer bis neutral


typische Standorte: Pionierwälder (vom Tiefland bis zur Baumgrenze), Waldrand

Fotos

Verwendung

wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Salicin, Populin, Tremulacin, Tremuloidin, Flavonoide


*Giftigkeit: Die Pflanzenteile sind durch das enthaltene Salicin pharmakologisch wirksam! Der Verzehr hoher Mengen kann zu Verdauungsbeschwerden führen


mögliche Kulinarische Verwendung:* (zusätzlich Schutzstatus beachten!)

  • junge Blätter (stark bitter): als Beigabe im Salat, gekocht als Gemüsebeigabe


Verwendung in der Phytotherapie* zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben: Die Pappel-Arten enthalten (wie die Weiden-Arten) Salicin. Weiter enthält es auch Populin, Tremulacin und Tremuloidin, welche im Körper zu Salicylsäure umgewandelt werden. Ähnlich wie Weiden, wurden auch Pappeln traditionell zur Schmerz- und Fieberbehandlung angewendet. Wirkung und auch mögliche Nebenwirkungen von Pappeln wurden jedoch, im Gegensatz zu Weiden, aber bisher nur am Rande wissenschaftlich untersucht. So gibt es bisher auch weder von HMPC, noch von ESCOP bisher eine Monographie. Man geht ausserdem in Fachkreisen davon aus, dass die Wirkung von Pappelrinde schwächer ist als diejenige der Weidenrinde. Für eine Tasse Tee werden 1-2 TL feingeschnittener Rinde von jungen Zweigen in kaltem Wasser angesetzt und anschliessend für ca. 5 bis 10min in 150 bis 200ml Wasser ausgekocht. Gebräuchlich sind auch Anwendungen aus den Knospen der Pappeln. Diese haben geringere Salicingehalte, enthalten dafür aber zusätzlich auch noch Ätherische Öle, Harzsäuren und wertvolle Flavonoide. Für die Knospen wird in erster Linie die Schwarz-Pappel verwendet, da diese am meisten Harze und Flavonoide enthält. Gesammelt werden die Knospen im Februar / März.

Keine Einnahme bei Personen, die an Asthma, Magen-Darm-Geschwüren oder eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion! Keine Einnahme bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten! Keine Einnahme gleichzeitig mit Alkohol! Nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden! Anwendung bei Schwangerschaft nur in Rücksprache mit Arzt! Es könnte evtl. bei der Anwendung zu Magenbeschwerden oder Überempfindlichkeitsreaktionen auf der Haut kommen!


  • kleine trockene geschlossenene Wunden (Desinfektion, Linderung) und leichter Sonnenbrand / leichte Verbrennung (Linderung): Die in den Knospen enthaltenen Flavonoide wirken antimikrobiell und eignen sich somit zur Desinfektion von Wunden. Das enthaltene Salicin wirkt ausserdem entzündungshemmend, was zu einem subjektiven Kühlempfinden führt. Die Harze wiederum bilden einen Schutzfilm, der die Feuchtigkeit auf der Haut hält. Verwendet wurden Umschläge, resp. Badezusätze. Dazu werden 3 TL Knospen in 300ml Wasser aufgekocht und dann dem Vollbad zugesetzt, bzw. der Umschlag damit getränkt. Geläufig sind auch Pappelknospensalben (ca. 12g Knospen pro 50g Basisöl), wobei erwähnt werden muss, dass im Öl nur mit einer geringen Löslichkeit von Salicin gerechnet werden muss. Im Handel ist eine Tinktur namens «Phytodolor» erhältlich. Diese wird aus den Rinden und Blättern der Pappeln (und zusätzlich Goldrute und Eschenrinde) hergestellt.

    Salben nicht auf offenen, nässenden oder gar blutenden Wunden anwenden (Fettfilm schliesst dann Feuchtigkeit ein, was die Keimbildung fördert)! Nicht aus stark entzündeter Haut anwenden! Keine grossflächige Anwendung auf der Haut!

Beschreibung

Der Name «Zitter»-Pappel kommt daher, dass die Blätter sich bereits bei einem leichten Lüftchen zu bewegen beginnen. Dazu sorgt der abgeflachte und lange Blattstiel, der dem Wind durch die grosse Angriffsfläche einen hohen Luftwiderstand entgegensetzt. Der Sinn dieser ständigen Bewegungen liegt darin, die Verdunstungsrate zu erhöhen, so dass der Nährstofffluss von den Wurzeln in die Blätter und Zweige sichergestellt wird. Es handelt sich um einen Pionierbaum, der sich vor allem nach grossflächigen Störungen des Waldes (Waldbrand, Windwurf, Kahlschlag, etc.) rasch ausbreiten kann und dann oft mit der Hänge-Birke (Betula pendula) und der Sal-Weide (Salix caprea) vergesellschaftet ist. Die Zitter-Pappel ist die am schnellsten wachsende Baumart Mitteleuropas (bis 1 Meter Höhenzuwachs pro Jahr). Pappeln sind wichtige Futterpflanzen für die Raupen zahlreicher Schmetterlingsarten.


Die Gattung der Pappeln (Populus) gehört wie die Gattung der Weiden (Salix) zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae). Beide Gattungen haben deshalb gewisse Ähnlichkeiten, wie z.B. das schnelle Wachstum, sowie das weiche und leichte Holz. Gemeinsam haben beide Gattungen (Pappel und Weiden) ausserdem, dass sie zweihäusig sind, d.h. es treten auf einem Baum entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten auf. Die Einzelblüten sind bei den Pappeln in hängenden Kätzchen angeordnet. Es fehlen sowohl Kron-, als auch Kelchblätter. Als Pionierpflanzen bilden sie sehr viele kleine Samen (Anzahl Samen pro Baum im 2-stelligen Millionenbereich), die mit langen Haaren versetzt sind und so mit dem Wind mehrere Kilometer weit verbreitet werden können. Die Pappel-Arten bilden im Gegensatz zu den Weiden aber eher flache Wurzeln aus und sind deshalb bei Sturm besonders Windwurf-gefährdet. Durch Wurzelausläufer kann sich die Zitter-Pappel auch vegetativ vermehren, indem neben dem Mutterbaum Klone gebildet werden.


Durch das rasche Wachstum sind die Pappeln als Nutzbäume trotz der geringen Festigkeit sehr beliebt. So wird das Holz gerne in der Papierproduktion, als Einstreu in Ställen Holzwolle, für Streichhölzer oder billiges Sperrholz verwendet. Im Ausseneinsatz ist das Holz (nach erfolgter Trocknung) witterungsbeständig und eignet sich so auch zur Herstellung von Dachschindeln. Das Holz hat einen geringen Brennwert, bzw. verbrennt rasch. Ausserdem wird sehr wenig Asche gebildet, was bei Öfen die Reinigung erleichtert.

 

mögliche Verwechslungen

Silber-Pappel (Populus alba) – ähnliche Verwendung


Die Silber-Pappel wächst vor allem an Gewässerufern und Auenwälder, wird aber auch in Parks angepflanzt.


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • Blätter unregelmässig grob gebuchtet

  • Rinde jung weissgrau, glatt, mit Korkwarzen, 

  • im Alter mit dunkelgrauer, längsrissiger Borke

  • zweihäusig, Blüten in 5-10cm langen Kätzchen, blüht März/April, Blüten erscheinen vor den Blättern


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter an Kurztrieben rundlich bis eiförmig, 4-7cm lang

  • Blätter an Langtrieben Ahorn-ähnlich, 10-12cm lang, Blattstiel behaart

  • Blatt-US dicht weiss- bis graufilzig behaart

  • junge Zweige weissfilzig behaart

  • Narben der weiblichen Blüten gelbgrün


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Silber-Pappel gegenüber der Zitterpappel


Schwarz-Pappel (Populus nigra) – ähnliche Verwendung


Die Schwarz-Pappel wächst vor allem an Gewässerufern und Auenwälder, wird aber auch in Parks angepflanzt. Die Knospen haben einen hohen Harzanteil und duften angenehm aromatisch, weshalb man daraus typischerweise Pappelsalben herstellt. Das Harz ist auch sehr beliebt bei den Bienen, welche dieses sammeln, um daraus Propolis herzustellen.


Die Unterart namens Pyramiden-Pappel (Populus nigra subsp. pyramidalis) hat eine schlanke Krone und erscheint dadurch säulenartig. Sie entstand vermutlich durch eine Mutation im 18. Jahrhundert in Italien. Da sie ausschliesslich männlich ist, kann sie sich nur vegetativ (über Stecklinge) vermehren. Da sie elegant wirkt, schnell wächst, pflegeleicht und Schadstoff-tolerant ist, ist deren Nutzung als Windschutzbaum und für Alleen sehr beliebt. Alle diese Exemplare sind genetisch identisch und stammen von dem einzigen männlichen Baum ab, bei dem die Mutation stattgefunden hat. 


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • zweihäusig, Blüten in 5-10cm langen Kätzchen, blüht März/April, Blüten erscheinen vor den Blättern


Unterschiede (u.a.)

  • Blätter dreieckig bis eiförmig bis 3-eckig, zugespitzt und fein gezähnt (ähnlich wie Hänge-Birke), kahl

  • Stamm graubraun bis schwärzlich, mit auffälligen Wulsten; junge Zweige kahl

  • nur zwei Narben pro Einzelblüten und diese gelb, bis zu 30 Staubblätter pro Einzelblüte, Tragblätter der Einzelblüten kahl


Verwechslung / Unterscheidungsmerkmale der Schwarz-Pappel gegenüber der Zitterpappel

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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Verwendung Kulinarik und Phytotherapie
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