das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Walnussbaum (Juglans regia)

Familie: Walnussgewächse (Juglandaceae), Gattung: Walnuss (Juglans)
"Die Nüsse können nicht nur im Supermarkt gekauft, sondern auch draussen wild gesammelt werden. Auch aus den grünen, angenehm duftenden, unreifen Früchten lassen sich Rezepte hinzaubern."
Bestimmung
Habitus: Baum bis 25m Höhe
Blätter: wechselständig; gefiedert; mit 5-9 Teilblättern; bis 40cm lang; beim Zerreiben aromatischer Duft
Teilblätter: oval; ganzrandig; beim Austrieb rötlich-braun gefärbt: OS mit gelbgrünen Seitennerven; US in den Nervenwinkeln behaart
Stamm: hellgraue bis dunkelgraue, längsrissige Borke
junger Stamm: glatte Rinde
junge Äste: grün bis rötlichbraun; kahl; viele kleine helle Lentizellen; im Innern gefächertes Mark; eher dick
Blüten: getrennt-geschlechtlich, einhäusig
männliche Blütenstände: hängende Kätzchen; bis 10cm lang; erscheinen im April während oder kurz vor dem Blattaustrieb aus den Blattachseln des Vorjahres; Einzelblüten sehr klein und jeweils mit ca. 30-40 Staubblättern
weibliche Blüten: klein und unscheinbar; hellgelb; mit 2 verwachsenen Fruchtblättern, Narben erst grün, später rötlich; jeweils 2-5 Blüten zusammen angeordnet; erscheinen mit dem Blattaustrieb (blühen im Mai) am Ende der neuen Triebe
Früchte: braune Nussfrucht («Walnuss» / «Baumnuss») mit (3-) 4 Samen; Die Samen sind durch verholzte Scheidewände voneinander getrennt; Die Nussfrüchte sind jeweils von einem grünen, fleischigen Fruchtbecher (Cupula) umgeben. Dieser öffnet sich bei der Fruchtreife, so dass die Nüsse, auf den Boden fallen; ab ca. Ende September bis Oktober reif
Zeigerwerte: halbschattig, nährstoffreich, frisch, neutral bis basisch
typische Standorte: Auenwälder, Bach-/Flussufer, in CH meist jedoch kultiviert und von dort aus verwildernd.
Fotos







©Vadim – stock.adobe.com

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Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Gerbstoffe (in den Blättern bis 10%), Flavonoide, Juglon, Ätherische Öle
*Giftigkeit: Die Walnuss-Pflanzenteile enthalten das giftige Juglon. Eine Ausnahme stellen die reifen Früchte dar (Konzentration dort sehr gering bis nicht nachweisbar). Für eine akute Vergiftung sind die Konzentrationen bei einer Tasse Tee aus den Blättern oder ein paar Blättern im Salat jedoch deutlich zu gering. Der Fokus liegt deshalb bei negativen längerfristigen Effekten (wie z.B. Leberschäden, Störung der Darmflora) bei einem Dauerkonsum. Dieser Sachverhalt wurde bisher aber noch nicht genauer untersucht. Von einem regelmässigen Konsum oder grösseren Verzehrmengen wird daher bis auf Weiteres abgeraten! Die grünen unreifen Früchte enthalten nebst dem Juglon auch noch viel Gerbstoffe, was bei rohem Verzehr nicht nur sehr unangenehm ist, sondern auch zu Verdauungsbeschwerden führen kann. Beim Likör («Nocino») ist anzunehmen, dass das Juglon während der Mazeration bzw. der Reifung zu einem grossen Teil abgebaut wird, da Juglon in wässerigen Lösungen unstabil und reaktiv ist. Eine spanische Studie scheint diese These mit Messungen tatsächlich zu bestätigen. Auch bei den eingelegten Walnüssen ist ein Juglon-Abbau zu erwarten. Die tiefschwarze Farbe des Likörs oder auch die schwarze Farbe von eingelegten Walnüssen entsteht übrigens aus den Abbauprodukten des Juglons, indem dadurch Melanin-ähnliche Pigmente gebildet werden.
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blätter* (angenehm aromatisch duftend, herb > mehr dazu): junge Blätter in kleinem Mengen als Salatbeigabe; ältere Blätter auch als Tee (wegen den Gerbstoffen maximal 5 Minuten ziehen lassen)
unreife Früchte im Juni/Juli («Johannisfrüchte»)*: Likör («Nocino»), Eingelegte Walnüsse (Einstechen > mehrere Tage in Salzwasser einlegen und dabei das Wasser täglich wechseln, Nüsse werden dabei schwarz > abgiessen und an der Luft trocknen > zusammen mit Salz, Zucker und Gewürzen in kurz aufgekochtem Essig einlegen und mehrere Wochen bis Monate ziehen lassen)
Früchte (nussig > mehr dazu): roh oder geröstet als Snack, Beigabe zu diversen Gerichten wie z.B. Salat; Zutat für Pesto, Brot und Süsswaren,...

Verwendung in der Phytotherapie zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben:
Hautentzündungen: Bei nassen Ekzemen können Umschläge, resp. Bäder mit Auszügen aus Walnussblättern angewendet werden. HMPC anerkennt die Anwendung für die Linderung von kleinen entzündlichen Zuständen der Haut als «traditional use». Für einen Umschlag werden 4 bis 6g (4 bis 6 TL) der getrockneten und zerkleinerten Blätter als Dekokt im Wasser ausgezogen, mit Anwendung 2 bis 4x täglich.
Keine Anwendung auf grossflächig verletzter Haut !
Erhöhte Schweissproduktion: HMPC anerkennt die Anwendung mit Walnussblätter bei übermässiger Schweissabsonderung an Händen und Füssen als «traditional use». Die Anwendung erfolgt äusserlich mittels Umschlag an den betroffenen Stellen. Dazu werden 4 bis 6g (4 bis 6 TL) der getrockneten und zerkleinerten Blätter als Dekokt im Wasser ausgezogen, mit Anwendung 2x für je 30 Minuten täglich.
Keine Anwendung bei Kinder unter 18 Jahren und auf grossflächig verletzter Haut !
Gedächtnisleistung / Demenz ?: Die gefurchten Samen der Walnüsse erinnern äusserlich etwas an das menschliche Gehirn. In der Volksheilkunde werden Walnüsse deshalb (gemäss der Signaturenlehre) gegen Kopfschmerzen oder zur Stärkung des Gedächtnisses empfohlen. Walnüsse haben einen hohen Anteil an α-Linolensäure (eine für uns Menschen essenzielle dreifach-ungesättigte Fettsäure). Daraus werden vom Körper wiederum Stoffe gebildet, die für die Gehirnstrukturen und -funktion essenziell sind und möglicherweise kann deshalb eine erhöhte Zufuhr von α-Linolensäure auf das Gehirn unterstützend wirken…zumindest in der Theorie. In der Praxis zeigen klinische Studien nämlich bisher kein eindeutiges Bild. Die aufwändigste randomisierte, kontrollierte Studie (WAHA-Studie von Aleix Sala-Vila et al. 2020) an 708 älteren, jedoch gesunden Erwachsenen mit einer täglichen Dosis von 30 bis 60g Walnüssen, zeigte innerhalb der Beobachtungsdauer von 2 Jahren keinen Unterschied zwischen der Interventions- und der Kontrollgruppe. Zur Prävention gegen Demenz gibt es keine klinischen Studien, sondern höchstens Korrelationsstudien. Dies zeigen zwar einen positiven Zusammenhang, dies jedoch nur für Nüsse allgemein. Ausserdem muss dabei berücksichtigt werden, dass dies eben nur Korrelationen und nicht unbedingt auch Kausalitäten sind. Dass zukünftige klinische Studien an Risikopersonen und an Demenz erkrankten Personen einst interessante Ergebnisse hervorbringen könnten, ist jedoch nicht auszuschliessen.
Beschreibung
Während der Walnussbaum (auch «Echter Walnuss» oder «Nussbaum» genannt) heute in Mitteleuropa ein wichtiger Teil menschlicher Kulturlandschaften ist, war das nicht immer so. Denn das natürliche Verbreitungsgebiet des Walnussbaums erstreckte sich ursprünglich vom östlichen Mittelmeerraum bis nach Mittelasien. Natürlicherweise würde er dort v.a. feuchte Schluchtwälder besiedeln. So finden sich beispielsweise im sonst eher kargen Tianshan-Gebirge Kirgisiens typische «Walnusswälder». Die Römer brachten den Walnussbaum dann schliesslich nach Mitteleuropa, wo er zu Nahrungszwecken kultiviert wurde.
Noch heute findet man davon in der offenen Kulturlandschaft teilweise imposante freistehende Baumgestalten. Beliebt war und ist der Walnussbaum auch bei Bauernhöfen als Hofbaum. Der Walnussbaum verwildert hier auch in die freie Natur, wodurch man ihn v.a. in den Auwäldern und an Waldrändern antrifft. Im geschlossenen Wald kann er sich als ausgesprochen lichtliebende Art hingegen kaum behaupten. Die Blätter treiben sehr früh im Jahr aus, meist schon Anfang April, was den Walnussbaum ausgesprochen Spätfrost-gefährdet macht. Spätfröste, die zu dieser Zeit noch oft auftreten, führen zu Schäden an jungen Trieben und Blüten. Der Blattabfall erfolgt bereits Ende August / Anfang September, wodurch die Vegetationszeit trotz des frühen Blattaustriebes mit nur ca. 5 Monaten vergleichsweise kurz ist. Diese kurze Zeit nutzt er mit einem intensiven und schnellen Wachstum aber voll aus.
In den Organen des Baums ist ungiftiges Hydrojuglon-Glucosid gespeichert, welches bei einer Verletzung zum giftigen Juglon umgewandelt wird. Damit schützt sich der Walnussbaum vor Fressfeinden. Wenn die Blätter im Herbst abfallen und sich zersetzen, dann wird dort ebenfalls aktives Juglon freigesetzt, welches so in den Boden gelangt. Da Juglon nicht nur antibakteriell, sondern auch auf anderen Pflanzen keim- und wachstumshemmend wirkt, führt dies dazu, der Boden unterhalb der Kronen von Walnussbäumen meist eher karg ist. Über diesen Mechanismus hält sich der Walnussbaum potenzielle Konkurrenz in seinem Umfeld fern. Dieses Abwehrverhalten wird auch «Allelopathie» genannt. Auch die grünen Fruchtschalen setzen am Boden während der Zersetzung Juglon frei und die Wurzeln geben das Juglon sogar direkt in den Boden ab. Aus der Beobachtung dieser wachstumshemmenden Wirkung auf die Umgebung schlossen die Menschen früher auf dämonische, unheilvolle, resp. negative Kräfte (sie kannten den biologischen-chemischen Mechanismus dahinter noch nicht). Es hiess, falls man unter einem Walnussbaum schläft, dass man dadurch krank wird, resp. von Dämonen heimgesucht wird. Der angenehme Duft, der sich beim Zerreiben der Blätter oder auch den grünen Schalen breit macht, stammt von den enthaltenen Ätherischen Ölen. Diese flüchtigen Stoffe halten auch nachweislich zahlreiche Insekten, wie Fliegen oder Mücken, fern. Angeblich wurde der Walnussbaum gerade aus diesem Grund bei Bauernhöfen gerne neben die Ställe gepflanzt.
Das eher harte und sehr dauerhafte Holz wird insbesondere wegen dem schönen Muster der Jahresringe (v.a. in den unteren Stammbereichen) im Holzbau sehr geschätzt. Es gilt als besonders edlen, aber auch teuren Baustoff für Möbel und Interieur. Der Walnussbaum wird in der Forstwirtschaft aber nur sehr selten angebaut, resp. das benötigte Holz wird meist importiert. Dies hat mehrere Gründe: Die Art ist empfindlich gegen Spätfröste und ausserdem verträgt sie zum Wachstum nur wenig Schatten, wodurch der Arbeitsaufwand und der Platzbedarf im Forst sehr hoch ist. Derzeit laufen aber forstwirtschaftliche Versuche mit «wilden» Walnuss-Exemplaren aus dem Himalaja, die möglicherweise resistenter sind (die Exemplare Mitteleuropas wurden vor allem auf einen guten Fruchtertrag und nicht auf Konkurrenzstärke selektiert). Auch Kreuzungen mit der verwandten Schwarznuss (Juglans nigra), die weniger Spätfrost-gefährdet sind und geradere Stämme bilden, werden derzeit ausprobiert.
Die unreifen Früchte im Juni, die u.a. für die Likörherstellung verwendet werden, nennt man «Johannisfrüchte», da sie traditionell um den Johannistag (24. Juni) gesammelt werden. Der grösste Teil der dort enthaltenen angenehm duftenden Ätherischen Ölen konzentriert sich auf die Schale. Sobald der Kern im Innern zu hart wird (nicht mehr mit Nadel durchstechbar) oder sich auf der Schale dunkle Flecken bilden (Befall durch Bakterium, Pilz oder Fliegen) ist es für das Sammeln zu spät.
Die reifen Früchte («Walnüsse») sind ein beliebtes Nahrungsmittel, weshalb der Walnussbaum in Vorder- bis Mittelasien, auf dem Balkan, aber auch in Kalifornien landwirtschaftlich angebaut wird. Kommerziell geerntet werden sie, indem mittels Maschinen an den Bäumen geschüttelt wird. Damit lösen sich die Nüsse aus dem bereits aufgesprungenen Fruchtbecher und fallen so zu Boden, wo sie anschliessend aufgesammelt werden. Sammelzeit ist bei uns von September bis Oktober. Die Früchte sollten nach dem Runterfallen möglichst rasch vom Boden aufgesammelt werden, da sie bei feuchtem Boden rasch zu schimmeln oder faulen beginnen. Für die Lagerung müssen die Walnüsse getrocknet werden.
mögliche Verwechslungen
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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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