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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Schilf (Phragmites australis)

Illustration des Drüsigen Springkrautes (Impatiens glandulifera). Graphisch sehr übersichtlich sind Bestimmungsmerkmalen darübergezeichnet. Das Bild ist gut für die Bestimmung der Art geeignet. Begriffe sind u.a. sehr hoher Wuchs bis 4m, Blätter länglich und ganzradig, Blattscheide mit Haarkranz (kein Blatthäutchen), usw.

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte

Familie: Süssgräser (Poaceae), Gattung: Schilf (Phragmites)

"Schilf dominiert oft die Ufervegetation stehender bis langsam fliessender Gewässer. Die Triebspitzen sind im Frühling ein wahrer Leckerbissen und aus den Rhizomen kann kalorienhaltiges Streckmehl hergestellt werden."

 

Bestimmungsmerkmale und Lebensraum

Blätter: wechselständig (2-zellig); linealisch, 30-50cm lang, 1-3cm breit, Blattgrund ausdünnend; steif, Blattrand mit sehr scharfer Kante; Blatt oft geknickt; graugrün; an der Oberseite an der Blattscheide lang bewimpert (Haarkranz)


Stängel: 1 bis 4m hoch; 1-2cm dick; hohl


Blüten: Ährchen in endständigen, bis zu 50cm langen, eiförmigen Rispen angeordnet; Rispe oben nickend; blüht August / September

  • Ährchen: 3-8-blütig, 1-1.5cm lang und etwas violett; Sprossachse der Ährchen lang behaart; untere Deckspelzen etwa doppelt so lang wie Hüllspelzen und mit langer, feiner Spitze;

Süssgräser allgemein: kleine, unscheinbare Blüten in einem Blütenstand («Ährchen») angeordnet


Früchte: Nussfrucht des Typs «Karyopse», ab ca. Dezember reif


Zeigerwerte: halbschattig, nass (Feuchtigkeit stark wechselnd), nährstoffreich, schwach sauer bis neutral, salztolerant


typische Standorte: Ufer mit sumpfigem Boden, Moore, nasse Wiesen

Fotos

Verwendung​

mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten


Giftigkeit: Schilf ist ungiftig / problemlos essbar.





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Sammelkalender​


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Spannendes über die Art

Schilf kommt (mit natürlichen Vorkommen) praktisch weltweit auf allen Kontinenten vor (ausser der Antarktis), mit Verbreitungsschwerpunkt in den gemässigten bis subtropischen Klimazonen bzw. den höheren tropischen Gebirgslagen. Auch in ariden Gebieten findet man die Art an Wasserläufen bzw. in Oasen. In Mitteleuropa findet sich Schilf bevorzugt vom Tiefland bis in die montane Höhenstufe (< 1’200 bis 1'500 m ü. M.), kann aber teils auch bis zur Baumgrenze hochsteigen.


Innerhalb der Art sind zahlreiche regionale Unterarten vorhanden, die sich in Grösse und Farbe unterscheiden. Durch menschliche Tätigkeiten der letzten Jahrhunderte wurden die Areale der entsprechenden Unterarten untereinander vermischt. So hat sich z.B. die europäische Unterart subsp. australis in Nordamerika (dem Terrain von subsp. americanus,) ausgebreitet und Letztere teils sogar an gewissen Standorten invasiv verdrängt. Es gibt auch Inseln (wie z.B. Neuseeland oder Hawaii), wo Schilf vorkommt, dieser aber als nicht-heimische Art eingeführt wurde.


Der Lebensraum von Schilf bewegt sich im Übergang von Wasser zu Land. So stellt Schilf v.a. eine Ufervegetation von Gewässern dar, die keine bis nur sehr geringe Strömung aufweisen. Schnell fliessende Gewässer verträgt Schilf nicht. Grössere Schilfbestände in der Ufervegetation («Schilf-Röhrichte») sind ein Zeiger von Überdüngung des Gewässers, denn v.a. dann ist Schilf gegenüber anderen Uferpflanzen sehr dominant. Das rasche seitliche Wachstum und die grosse Wuchshöhe stellen dabei anderen Arten wortwörtlich in den Schatten, so dass diese mit der Zeit aus dem Röhricht verdrängt werden. Schilf kann auch an nährstoffärmeren Standorten wachsen, ist dort aber nicht so dominant, bzw. hat dann auch geringere Wuchshöhen. Da die zahlreichen Halme im Überschwemmungsbereich den Wasserfluss abbremsen, fördert der Schilfbestand die Verlandung von Gewässer. Schilf findet man nicht nur an Ufern, sondern auch in Sümpfen und auf Feuchtwiesen.


Wie erwähnt kann sich Schilf rasch seitlich verbreiten und dies durch horizontales Wachstum der unterirdischen Rhizome. An Ufern befindet das horizontale Rhizom-Geflecht meist unter Wasser, d.h. im Schlamm oder an der Torfschicht am Grund des Gewässers. Aus den Rhizomen können dann immer wieder neue aufrechte Triebe («Halme») austreiben. In den wärmeren Gebieten der Welt können diese Halme bis zu 2 Jahren alt werden, während sie in den gemässigten Regionen (wie Mitteleuropa) jeweils im Herbst absterben (bzw. danach noch lange als tote braune Halme stehen bleiben). Neue Halme werden dann jeweils im Frühling (nach der Überwinterung als Rhizom im Boden) gebildet, die im Mai bis mehrere Zentimeter pro Tag in die Höhe wachsen können. Am Ende werden Höhen von bis zu 4 Metern erreicht. Während der Vegetationsperiode werden Kohlenhydrate zur Vorratsspeicherung in die Rhizome eingelagert, die es der Pflanze ermöglicht, im nächsten Frühling wieder rasch neue Halme zu bilden.


Die Bestäubung der Blüten läuft, wie für Süssgräser typisch, durch Windverbreitung der Pollen. Die Blütezeit beginnt erst im August also vergleichsweise spät. Da ein Schilf-Vorkommen (durch die seitliche Ausbreitung durch die Rhizome) oft aus einem einzigen Klon besteht, ist eine erfolgreiche Befruchtung aber nicht immer garantiert (Selbstbefruchtung ist bei Schilf selten). Die kleinen Früchte werden über kurze Strecken mit dem Wind transportiert. An Gewässern kann dann Wasser die Früchte auch über grössere Distanzen weitertransportieren.


Dass Schilf auch kulinarisch verwendet werden kann, ist den wenigsten Leuten bewusst. Im Frühling (Ende April / Mai) lohnt sich die Nutzung der Triebspitzen. Diese sind zwar etwas bitter, aber auch sehr aromatisch (und teils leicht süsslich). Hierzu wird der jeweils oberste Halm herausgezogen. Genutzt werden davon jeweils der untersten Abschnitte der Halme, da diese nur dort weich und damit kaubar sind. Diese Halmabschnitte können dann roh gesnackt oder als Gemüse verwendet werden (Kochen reduziert die Bitterkeit). Die Triebspitzen sind dabei auch mehr als nur leckeres Grünzeug, sondern auch eine Survivalnahrung, denn im weissen Mark dieser jungen Halme ist (wie in den Rhizomen) auch Stärke und Zucker eingelagert.


Als Survival-Nahrung immer wieder ins Spiel gebracht werden auch die Rhizome vom Schilf. Dies ist auch nicht abwegig, da dort reichlich Kohlenhydrate als Speicherstoffe eingelagert sind und ein ganzes Rhizom-Geflecht dabei sehr ergiebig sein kann. Wer jedoch denkt, dass man die einfach ernten und anschliessend als leckeres Gemüse (wie z.B. Kartoffeln) zubereiten kann, muss ich leider enttäuschen: Die Rhizome sind faserig-verholzt (teils auch sehr stark!). Zwar kann man sie im Wasser etwas weich kochen, doch schlussendlich bleibt am Ende doch nur ein «Auskauen» übrigbleibt, um an die Kalorien zu kommen. Eine andere Möglichkeit (mit mehr Aufwand) wäre das Feinmahlen zu einem Streckmehl, resp. das Auskochen zu einem Sud (wie viel Stärke dabei ins Kochwasser gelangt ist dabei aber fraglich).

 

mögliche Verwechslungen

Diverse Schilf-ähnliche Uferpflanzen, wie z.B. das Roh-Glanzgras oder Reitgras-Arten.


Rohr-Glanzgras (Phalaris arundinacea)


Gemeinsamkeiten (u.a.)

  • mit schilfartigem Aussehen (jedoch etwas kleiner)

  • Blätter blaugrün und mit offener Blattscheide

  • oft grössere Bestände bildend

  • Vorkommen ebenfalls auf nährstoffreichen Ufern, Mooren und feuchten Wiesen;

  • gehört ebenfalls zur Familie der Süssgräser (Poaceae)


Unterschiede (u.a.)

  • Blatt nur 10-30cm lang; Blatt oft weiss gekielt; Am Blattgrund (da wo beim Schilf der Haarkranz ist) mit einem 0.5-1cm langen und fein behaarten Blatthäutchen; jüngstes Blatt des Stängels oft eingerollt (zur hart für rohen Verzehr)

  • Pflanze nur 1-2m (resp. teils bis 3m) hoch

  • Rispen nur 10-20cm lang, seitliche Verzweigungen während der Blütezeit abstehend und danach anliegend, Ährchen knäulig gehäuft, blüht bereits Juni/Juli

  • eher im Bereich von fliessendem Wasser und auf Boden mit stark wechselnder Feuchtigkeit.

 



zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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