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Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)

Seite erstellt von David Büsser - Wildkräuterexperte
Familie: Ölbaumgewächse (Oleaceae), Gattung: Eschen (Fraxinus)
"Für die kulinarische Nutzung ist es nicht die beliebteste Art und ausserdem muss sie sich gerade mit einem Schädling herumschlagen. In ihren Samen steckt jedoch ein unerwartet würziger Kardamon-Geschmack"
Bestimmungsmerkmale und Lebensraum
> wie bestimme / erkenne ich die Esche und wo kommt sie vor?
Habitus: Baum bis 40m Höhe (im Jungstadium und bei regelmässigen Rückschnitt oft strauchförmiger Wuchs)
Blätter: gegenständig; gefiedert; 7- bis 15-zählig
Teilblätter: breit-lanzettlich bis eilanzettlich; Blattrand gesägt; sitzend bis kurz gestielt; US an der Mittelrippe behaart; ohne Herbstfärbung
Äste / Stamm: Stamm braungrau-netzrissig (junge Stämme: grau-glatt); junge Äste grünlich-grau und steil aufwärts gerichtet
Blüten: unscheinbare Einzelblüten in Büscheln angeordnet; weder Kronblätter noch Kelchblätter; Blüten können sowohl eingeschlechtlich, als auch zwittrig sein; Staubblätter zu Beginn purpurrot; blüht ab April (vor dem Blattaustrieb) bis Mai
Früchte: braune (unreif grüne), einsamige, geflügelte Nussfrucht; Flügel verkehrt-eilanzettlich, bis 5cm lang und leicht verdreht; Früchte dünn gestielt und in hängenden Büscheln angeordnet; ab ca. September / Oktober reif; verbleiben dann meist bis in den Winter hinein am Baum
Zeigerwerte: halbschattig, mässig nährstoffarm bis nährstoffreich, feucht (Feuchtigkeit stark wechselnd), neutral bis basisch
typische Standorte: Auenwälder (Hartholzaue), Bachufer, feucht-schuttige Berg- und Schluchtenwälder (zusammen mit Ahorn)
Fotos



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Verwendung
> Esche in der wilden Küche und als traditionelle Heilpflanze verwenden
Giftigkeit: Die Esche ist ungiftig / problemlos essbar.
Kulinarische Verwendung
Blätter (herb): junge Blätter im Salat
unreife (weiche-grüne) Früchte: im Wasser gekocht als Gemüsebeigabe (bitter! Kochwasser mehrmals austauschen!); in Essig eingelegt als Falsche Kapern
Samen (Kardamom-ähnlicher Geschmack): geröstet und vermahlen als Gewürz

Esche als traditionelle Heilpflanze / mögliche Heilwirkungen bei der Esche
zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben
Ab dem späten Mittelalter wurden Abkochungen der Rinde als fiebersenkendes Mittel gegen Malaria eingesetzt. Die Chinarinde war damals teuer und die Gemeine Esche galt daher als das «Wechselfiebermittel der Armen». Das enthaltene Esculin zeigt in Tierversuchen fiebersenkende Effekte, doch wie immer kann dieses Ergebnis kann nicht 1:1 auf den Menschen übertragen werden, resp. es existieren keine klinischen Studien dazu. Den Blättern wird ausserdem eine antirheumatische Wirkung nachgesagt. Die Art enthält durchaus Inhaltstoffe, die entzündungshemmend wirken (wie z.B. Aucubin und die Cumarine Fraxin, Esculin oder Fraxetin), doch auch hierzu gibt es keine klinischen Studien.
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Spannendes über die Art
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Natürlicher Lebensraum der Esche
Die Gemeine Esche wächst natürlicherweise sowohl in Auenwäldern als Teil der Hartholzaue, als auch an feucht-schuttigen Hanglagen und in Schluchtwäldern. Man findet sie bis zu einer Meereshöhe von ca. 1'200 m ü. M. Die Früchte haben leicht verdrehte Flügel, die es ihnen erlauben, mit dem Wind ca. 60 Meter (teilweise auch über 100 Meter) weit fortgetragen zu werden. Nach dem Austrieb wächst sie an Standorten mit viel Licht sehr rasch. Damit hat die Gemeine Esche einerseits Eigenschaften einer Pionierpflanze, andererseits ist sie in ihrem Jungstadium aber auch sehr schattentolerant.
Ökologische Bedeutung der Esche
Die Gemeine Esche stellt ein wichtiger Nahrungsbaum und auch Lebensraum für über 60 verschiedene Insektenarten dar. Einige davon sind sogar so stark spezialisiert, dass sie sich ausschliesslich von der Esche ernähren. Die Früchte werden teils auch von Vögeln oder Nagetieren gefressen, wobei dann die Samen während der Verdauung meist zerstört werden.
Traditionelle Nutzung der Eschenblätter als Viehfutter
Das Eschenlaub wurde früher als Viehfutter genutzt. Daran erinnert noch der lateinische Namen Fraxinus, der von «frangere» (deutsch: brechen) kommt. So wurden regelmässig die jungen Zweige abgebrochen, getrocknet und dann im Winter dem Vieh verfüttert. Wegen seiner Fähigkeit zum starken Stockausschlag wurde die Art auch gerne in Niederwäldern zur Brennholzgewinnung genutzt.
Nutzung von Eschen-Holz
Durch den hohen Brennwert und der geringen Funkenbildung ist das Eschenholz generell auch ein beliebtes Brennholz. Es ist auch hart, schwer, hat eine hohe Elastizität und eine ebenso hohe Festigkeit. Deshalb ist es bei der Herstellung von Werkzeugstielen oder Sportgeräten (Speere, Bögen, Turngeräte, usw.) sehr beliebt. Es ist in der Farbe hell und hat eine schöne Maserung. Teilweise wird es auch im Innenausbau für Möbel oder Parkette verwendet. Traditionell wurde es auch im Wagenbau verwendet. Da das Eschenholz draussen nur eine geringe Witterungsbeständigkeit hat, ist es allerdings für den Ausseneinsatz ungeeignet.
Eschensterben wegen Hymenoscyphus fraxineus
Hierzulande ist die Eschenpopulation derzeit durch die Krankheit namens «Eschensterben» bedroht. Verantwortlich dafür ist der Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus. Dieser ist in Korea und Japan heimisch. Die dortigen Eschenarten sind an diesen Schädling angepasst. Die «Gemeinen Esche» hat hingegen keine Resistenz, so dass er hier ein leichtes Spiel hat (seit dieser nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde). Der erste Fall in der Schweiz trat im Jahre 2015 in Basel auf. Mittlerweile hat sich der Pilz im ganzen Land ausgebreitet.
Ein Befall kann z.B. durch ein massenhaftes Absterben der Triebe erkannt werden. Starke Schäden durch den Pilz führen wiederum zur generellen Schwächung des Baumes, was ihn anfälliger macht für den Befall weiterer Schädlinge (Hallimasch, Eschenbastkäfer, etc.). Dies vermindert nicht nur die Holzqualität, sondern kann auch zum Absterben des Baumes führen. Die Bekämpfung des Eschensterbens geschieht v.a. durch die Förderung von Bäumen, die gar nicht oder nur wenig befallen sind. Denn bei denen ist möglicherweise eine gewisse natürliche Resistenz vorhanden. So könnte mit der Zeit eine Eschen-Population herangezüchtet werden, die zumindest teilweise gegen den Schädling immunisiert ist.
Die Esche ist auch kulinarisch nutzbar
Die Nutzung der vermahlenen reifen Samen als Gewürz ist eher wenig bekannt. Der Geschmack, der etwas an Kardamom oder Muskat erinnert, kommt von den dort enthaltenen Ätherische Ölen. Die Samen dienten früher in gewissen Regionen als Ersatz für exotische Gewürze, die damals teuer waren. Durch das Rösten des Pulvers wird nicht nur die Bitterkeit reduziert, sondern auch angeblich der Geschmack intensiviert. Man kann das geröstete Samenpulver für Backwaren (Lebkuchen, Brot, usw.) oder Kuchen verwenden, bzw. auch einfach nur über das Müesli oder den Salat streuen.
Mythologische Bedeutung der Esche bei den Germanen
Mythologisch hatte die Gemeine Esche vor allem bei den Germanen eine wichtige Bedeutung. So wird in den alten nordischen Texten «Yggdrasil», ein wichtiger Baum in der germanischen Mythologie, meist als Esche bezeichnet. «Yggrasil» gilt als gigantischer, immergrüner Baum, der das Zentrum der Welt darstellt und mit seinen Wurzeln und Ästen das gesamte Universum (d.h. die neun Welten der germanischen Mythologie) verbindet und zusammenhält (Hinweis: Manche Forscher argumentieren, dass Yggdrasil eigentlich eine Eibe war). Nach der nordischen Mythologie wurde ausserdem der erste Mann («Ask») aus einer Esche erschaffen (die erste Frau aus einer Ulme), was der Esche auch eine bei den Germanen eine besondere Bedeutung bezüglich Schöpfung und Ursprung der Menschheit verleiht.
Youtube-Video über die Esche
mögliche Verwechslungen

zum Autor vom Phytikon: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Dabei gebe ich mein Wissen auch in Kursen weiter. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus.
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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