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Einjähriges Berufkraut (Erigeron annuus)

Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Berufkraut (Erigeron)
"Ein invasiver Neophyt, der eher von der bitteren Sorte ist. Die schönen und im Geschmack schärflichen Blütenkörbe sind jedoch ein kulinarischer Geheimtipp."
Bestimmung
Blätter: Grundrosette und wechselständige Stängelblätter; hellgrün
Blätter der Grundrosette / untere Stängelblätter: rundlich bis verkehrt-eiförmig (bis lanzettlich), ca. 8 bis 15cm lang, am Grund in einen geflügelten Stiel verschmälernd; Blätter gegen oben am Stängel zunehmend dünner werdend; grob (teils auch stumpf-) gesägt; stark behaart
obere Stängelblätter: sitzend bis kurz gestielt; lanzettlich bis linealisch (nach oben am Stängel dünner werdend), 3 bis 10 cm lang; spitz gesägt (bis weit oben am Stängel fast ganzrandig); leicht behaart
Stängel: 30 bis 100 cm hoch; oben stark verzweigt; borstig behaart
Blüten: viele Blütenkörbe in endständiger, aufrechter Trugdolde; Durchmesser der Blütenkörbe ca. 1 bis 2 cm; mit feinen (<0.5mm breiten), weissen Zungenblüten; in der Mitte gelbe Röhrenblüten; blüht Juni bis Oktober
Früchte: Achäne (ca. 1mm lang) mit Pappus (Pappuslänge ca. 2mm)
Zeigerwerte: hell, frisch (Feuchtigkeit mässig wechselnd); nährstoffreich, schwach sauer bis neutral
typische Standorte: Ruderalflächen, ruderale Wegränder, Ufer, Ackerrand, Wiesen, Weiden
Fotos




zunehmend dünner und ganzradiger

dünn und fast ganzrandig


mit feinen weissen Zungenblüten
Verwendung
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Giftigkeit: Das Einjährige Berufkraut ist ungiftig / problemlos essbar.
junge Blätter (sehr bitter > mehr dazu): Salat, wildes Blattgemüse (Wildspinat), Gemüsebeigabe (bei Bedarf vor der Verwendung ca. 2h im lauwarmen Salzwasser entbittern)
Blüten (schärflich > mehr dazu): scharfer Snack vor Ort, frisches Gewürz im Salat, essbare Dekoration
Sammelkalender


Beschreibung
> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️
Bekannt ist das das Einjährige Berufkraut v.a. als invasiver Neophyt. Das bedeutet, dass die Art erst nach der Entdeckung Amerika 1492 nach Europa gelangt ist. Der Zusatz «invasiv» bedeutet dabei, dass die Art bei uns heimische Arten auf aggressive Art und Weise verdrängen kann. Die Art stammt ursprünglich aus dem östlichen Nordamerika und besiedelt dort Grasland oder auch offene Vegetationsstellen (z.B. Waldlücken). Gewisse Berufkraut-Arten wurden von den indigenen Stämmen auch zu Heilzwecken verwendet.
Ab dem 18. Jahrhundert begann man die Art als Zierpflanze in Europa einzuführen. Aus den Gärten verwilderte die Art und besiedelte für eine lange Zeit v.a. Ruderalflächen. Seit mehreren Jahrzehnten begann es sich aber auch auf (Mager-)Wiesen und Weiden auszubreiten und v.a. dort verdrängt es eben auch heimische Arten. Ihre hierzulande starke Konkurrenzkraft liegt u.a. daran, dass ihre natürlichen Schädlinge hier in Europa fehlen und dass sie Stoffe in die Umgebung absondert, welche das Wachstum und die Keimung der Pflanzen in der Umgebung hemmen. Weiter kann eine einzige Pflanze mehrere 10'000e Samen bilden, die sich effizient mit dem Wind verbreiten können. Das Ausreissen der (nur schwach ausgebildeten) Wurzeln jeweils vor der Blütenbildung über mehrere Jahre gilt als gute Bekämpfungsmassnahme. Generell ist die Einstufung in Mitteleuropa unterschiedlich: in der Schweiz invasiv gilt es z.B. in Deutschland nur als «potentiell invasiv» weil die negativen Auswirkungen noch nicht abschliessend geklärt seien. Bisher beschränkt sich das Vorkommen auf die Tieflagen, d.h. es steigt maximal (und auch das nur selten) auf die montane Stufe (bis auf ca. 1'000 m ü. M.).
Zuletzt sorgte in der Schweiz im Jahr 2025 eine Studie der Zürcher Hochschule Angewandte Wissenschaften (ZHAW) für Aufsehen (Genucchi et al 2025), wonach das Kraut auf Basis von Feldversuchen für die Biodiversität keinen negativen Einfluss haben soll. Dabei wurden um Zürich an 10 Standorten von jeweils 4 Flächen à 1m2 die Anzahl Arten, Diversitätsparameter, mittlere ökologische Zeigerwerte, usw. erfasst. Die 4 Flächen am Standort hatten jeweils einen unterschiedlichen Deckungskraut vom Einjährigen Berufkraut, jedoch ungefähr die gleichen Bedingungen und einen ähnlichen Vegetationstyp. Dabei zeigte sich, dass der Deckungsgrad vom Einjährigen Berufskraut keinen gemittelten statistischen signifikanter Zusammenhang zu den entsprechenden Diversitäts-Parametern zeigte (mit Ausnahme des «Shannon-Index», wo ein leicht positiver Einfluss erkennbar ist).
Info Flora wiederum hat wiederum in einer Stellungnahme bemängelt, dass durch das limitierende Studiendesign die Resultate dieser Studie nicht als Beweis angeführt werden, dass die Art keine negativen Auswirkungen auf die Biodiversität habe. Kritisiert wird u.a. die kleine Stichprobengrösse und auch die Wahl der Standorte (u.a. geographisch stark begrenzt, bzw. an 7/10 Standorte wurden zuvor Bekämpfungsmassnahmen durchgeführt). Weiter wird kritisiert, dass die untersuchten Flächen generell einen niedrigen Deckungsgrad vom Einjährigen Berufkraut aufweisen und dass diverse vulnerable Lebensraumtypen gar nicht berücksichtigt wurden. Weiter müssten für eine gute Aussagekraft auch vorher/nachher Versuche (gezielte Entfernung, Einführung der Art am Standort) durchgeführt werden.
Die Art treibt jeweils als Grundrosette aus, die anschliessend überwintert, ehe dann im nächsten Frühling die Stängel-, bzw. im Sommer die Blütenbildung erfolgt. Je nach Bedingungen, kann die Art nach dem Austrieb aber auch noch im selben Jahr den Stängel und Blüten bilden. Ein Exemplar kann ab Sommer über mehrere Monate lang blühen, u.a. indem immer wieder neue Blütenkörbe gebildet werden. Die Blütezeit erstreckt sich dabei bis in den Oktober, bzw. bei geeigneten Bedingungen (milder Witterung) auch bis in den Winter hinein. Schnitte führen meist zu einem Wiederaustrieb der Blütentriebe (es sei denn die Schnitte erfolgen wiederholt in sehr kurzen Abständen). Die Samen entstehen hauptsächlich direkt aus der Eizelle, d.h. es ist keine Befruchtung notwendig (Apomixis). Nicht zuletzt dadurch können die Pflanzen problemlos und effizient Unmengen an Samen bilden. Sexuelle Vermehrung findet aber trotzdem selten statt. Nach der Fruchtreife sterben die Pflanzen ab. Die Samen sind bis zu mehreren Jahren im Boden keimfähig.
> weitere essbare invasive Neophyten (Überblick) 🌿⛴️
mögliche Verwechslungen
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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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