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das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen

Pfefferminze (Mentha x piperita)

 

Familie: Lippenblütler (Lamiaceae), Gattung: Minzen (Mentha)


Blätter: kreuzgegenständig; gestielt bis teils fast sitzend breit-eiförmig bis eilanzettlich, 2 bis 8 cm lang, am Grund teils leicht herzförmig; gezähnt; fast kahl;


Stängel: 20 bis 100 cm hoch; 4-kantig; aufrecht; nur wenig verzweigt; mit sehr vielen unterirdischen Rhizomen aus denen die aufrechten Stängel entspringen


Blüten: Einzelblüten in dichten endständigen Ähren angeordnet; Krone rosa bis lila, resp. oft blass und selten auch fast weiss; blüht Juli bis Oktober


typische Standorte: Gräben, Bachufer, Ruderalflächen


Die Pfefferminze ist eine Kreuzung aus der Wasserminze (Mentha aquatica) und der Ährigen Minze (Mentha spicata). Sie entstand durch Zufall im Jahr 1696 in England, genauer gesagt im Kräuteranbaugebiet von Mitcham, einem Stadtteil von London. Dort wuchsen die beiden Arten nebeneinander auf der Feuchtwiese. Der Botaniker John Ray entdeckte die Kreuzung und stellte fest, dass diese einen besonders intensiven und angenehmen Minzeduft aufwies. Wie für Hybride typisch, ist auch die Pefferminze steril. Sie bildet zwar auch teils Samen, doch diese sind nicht keimfähig. Um die wertvolle Kreuzung zu kultivieren, begann man deshalb diesen vegetativ zu vermehren. Denn die Pfefferminze bildet am Boden kriechende Rhizome, aus denen die aufrechten Stängel entspringen und werden diese getrennt, entstehen identische Klone. So werden auch heute noch zur Kultivierung jeweils Rhizomstücke ausgestochen und neu gesetzt. Alle heutigen Pfefferminzen sind Klone der ursprünglichen Kreuzung, wobei mittlerweile durch zufällige Mutationen verschiedene Sorten entstanden sind. Aus den Anbaugebieten oder den Gärten kann die Pfefferminze auch in die freie Natur verwildern, indem Rhizomabschnitte über Erdbewegungen, Gartenabfälle oder an Schuhen oder Reifen verschleppt werden. Am wohlsten fühlt sich die Pfefferminze an feuchten, nährstoffreichen Stellen, wo sie sich teilweise auch langfristig gegen andere Arten durchsetzen kann.


Die Pfefferminze ist nicht nur ein tolles Kraut für die Küche, sondern auch eine Heilpflanze (zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben) mit vielfältigem Anwendungsgebiet. Hauptwirkstoff ist jeweils das Gemisch aus Ätherische Ölen, von denen Menthol die Hauptkomponente darstellt. Dieses aktiviert lokal die Kühlrezeptoren, was auf Haut oder auch auf den Schleimhäuten in Mund, Hals oder der Nase als kühlend und leicht schmerzlindernd wahrgenommen wird. Es wirkt aber auch krampflösend, blähungsmindernd, antimikrobiell und fördert den Gallenfluss. Es dämpft im Darm auch gewisse Schmerzsignale, so dass sich ein gestresster Darm subjektiv ruhiger anfühlt.


Aus all diesen Wirkungen ergeben sich u.a. folgende Anwendungsgebiete:


  • Allgemeine Verdauungsbeschwerden / Bauchkrämpfe / Blähungen: Die HMPC anerkennt die Anwendung mit dem durch Wasserdampfdestillation gewonnenen Ätherischen Öls (Pfefferminzöl) bei kleineren Krämpfen im Magen-Darmtrakt, bei Blähungen und Bauchschmerzen als «well established use». Die Einnahme des Pfeferminzöls (0.2 bis 0.4 ml pro Dosis) erfolgt durch mageresistente Tabletten oder Kapsel, da dieses sonst zu Magenreizungen führen würde. Die Tagesdosis beträgt dabei 0.6 bis 1.2ml, mit einer Einnahme 2 bis 3 mal täglich, jeweils ca. 30 Minuten vor den Mahlzeiten. Bei Kindern unter 11 Jahren ist die Dosis geringer und bei Kindern unter 8 Jahren darf keine Anwendung mit dem Pefferminzöl erfolgen. HMPC erwähnt die Einnahme von Tee nicht, da erstens die Wirkung viel schwächer ist und auch keine klinischen Studien dazu vorliegen. Das bedeutet aber nicht, da dieses ebenfalls als mildes Mittelchen bei den entsprechenden Beschwerden verwendet werden kann. 


  • Spannungskopfschmerzen: Die Wirksamkeit bei einer äusserlichen Behandlung bei Spannungskopfschmerzen wurde in klinischen Studien wissenschaftlich bestätigt und entspricht ca. der Wirkung von 1g Paracetamol. Die Anwendung wird auch von HMPC als «well established use» anerkannt. Verwendet wird eine wässrige Lösung mit einem Gehalt des Ätherischen Öls («Pfefferminzöl») von 10% (die Konzentration hat sich in den Untersuchungen am wirksamsten erwiesen). Es werden ca. 100g der Lösung grossflächig auf Stirn und Schläfen aufgetragen und dabei nach 15min und nach 30min nochmals wiederholt. Die Ätherischen Öle werden über die Haut aufgenommen und als Wirkmechanismen werden verschiedene Effekte diskutiert. So hemmen die Inhaltsstoffe die Aktivität gewisser Botenstoffe, die beim Spannungskopfschmerz eine Rolle spielen, können aber auch direkt zu einer Muskelentspannung führen und sogar eine direkte lokal schmerzlindernde Wirkung wird diskutiert. Im Gegensatz zu Schmerzmitteln hat die Behandlung zahlreiche Vorteile, nämlich dass die Wirkung rasch eintritt (bereits nach 15min sind Unterschiede zur Placebo-Kontrollgruppe sichtbar) und dass durch die Umgehung des Magen-Darmtraktes keine systemischen Nebenwirkungen auftreten. Die äusserliche Anwendung bei leichten Spannungskopfschmerzen wird auch von ESCOP anerkannt.

    keine Anwendung bei Personen unter 18 Jahren!



zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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