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Schachtelhalm-Arten (Equisetum)

Familie: Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae), Gattung: Schachtelhalm (Equisetum)
(Foto ©agatchen - stock.adobe.com)
"Bei den Schachtelhalm-Arten handelt es sich um lebende Fossile, mit einem Aufbau und Lebenszyklus, der sich von den Blütenpflanzen unterscheidet. Die ungiftigen Arten unter ihnen sind auch kulinarisch und heiltechnisch verwendbar."
Bestimmung
Die Schachtelhalme umfassen weltweit 20 Arten. Davon sind in Mitteleuropa ca. 10 heimisch. Man kann Schachtelhalme als «lebende Fossile» bezeichnen, denn sie gehören wie die Echten Farne zu den früheren Gefässsporenpflanzen, die bereits im Devon, vor ca. 400 Mio Jahren, das Festland eroberten. Dies war lange bevor die heute dominanten Blütenpflanzen überhaupt existierten. Es entwickelte sich bei den Schachtelhalmen eine artenreiche Flora, die unter anderem auch Bäume umfasste. In den Steinkohlewälder des Karbons (vor ca. 350 Mio. Jahren) waren die Schachtelhalm-Bäume sogar sehr dominant. Heutzutage sind jedoch mittlerweile die allermeisten Gattungen und Arten ausgestorben. Das einzige Überbleibsel stellt die Gattung Equisetum dar.
Aufbau und Lebenszyklus der Schachtelhalme ist etwas gewöhnungsbedürftig, denn diese weichen deutlich von den uns bekannten Blütenpflanzen ab. So besteht der Spross vor allem aus der Sprossachse. Sowohl Haupt- als auch die Seitenachsen scheinen dabei teleskopartig ineinander verschachtelt zu sein (Name!). Die Seitenachsen verzweigen sich jeweils in einem Quirl an den Knotenpunkten. Ebenfalls an den Knotenpunkten in quirlständiger Anordnung finden sich «Zähne». Dabei handelt es sich um die Blätter. Diese betreiben jedoch keine Photosynthese. Die Sprossachse bildet im Untergrund Rhizome, mit denen sich die Pflanzen durch die Bildung von Ausläufern vegetativ vermehren können.
Blüten werden keine gebildet, denn dieser Mechanismus existierte damals vor 400 Mio. Jahren noch nicht. Eine generative Vermehrung findet jedoch trotzdem statt und zwar über die Bildung von «Sporen» (siehe untere Grafik). Bei «Sporen» handelt es sich um teilungsfähige Zellen mit einem einfachen (statt wie üblich doppelten) Chromosomensatz («haploid»). Sie werden durch Meiose in den Sporangien gebildet. Mehrere Sporangien bilden dabei zusammen eine zapfenförmige Struktur, auch «Sporenkolben» genannt. Letzterer befindet sich entweder am Ende des Hauptsprosses oder am Ende von separaten Nebensprossen. Die reifen Sporen werden von dort aus mit dem Wind fortgeblasen. Später entwickelt sich daraus durch Zellteilung ein kleiner haploider, mehrzelliger Organismus (Gametophyt, in diesem Fall auch «Prothallus» genannt). Diese Gametophyten bilden wiederum durch einfache Zellteilung (Mitose) die Spermien und Eizellen. Die Spermien werden schliesslich mit dem (Regen-)Wasser ausgewaschen und verbreitet. Gelangen sie so zu den Eizellen eines anderen «Prothallus», können Letztere befruchtet werden und es bildet sich eine neue Schachtelhalmpflanze.
Fotos

Quelle: bearbeitet (David Büsser I Nahaufnahme rechts oben) aus Joanna Boisse - https://atlas.roslin.pl/plant/6935, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=81812025


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Verwendung
Schachtelhalme bauen in ihrem Stützgewebe nicht wie üblich Lignin, sondern Kieselsäure (ca. 10%) ein. Dabei werden ausgewachsene Exemplare so hart, dass sie als Bürsten oder zum Schleifen von Messerklingen genutzt werden können. Weil Schachtelhalbe deshalb früher zur Reinigung von Zinngeschirr verwendet wurden, existiert auch das Synonym «Zinnkraut». Die meiste Kieselsäure ist fest ans Pflanzengewebe gebunden, doch ca. 10% davon liegt auch in wasserlöslicher Form vor. Weiter enthalten Schachtelhalme auch Flavonoide und Kaffeesäurederivate.
Nun zum Kulinarischen: Von den hier behandelten Arten sind der Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) und der Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile) giftig. Eine genaue Bestimmung ist deshalb unerlässlich! Auch der Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia) gilt als «giftverdächtig» und sollte wenn, dann nur gekocht (mit mehrfachem Auswechseln des Kochwassers) und nur in geringen Mengen konsumiert werden. Über eine allfällige Giftigkeit oder Unbedenklichkeit des Wald-Schachtelhalms (Equisetum sylvaticum) fehlen leider entsprechende Informationen. Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) und Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) können jedoch sorglos verzehrt werden. Dabei können ganz junge Sprossachsen im Frühjahr roh (z.B. im Salat) oder als Gemüse verwendet werden. Am besten werden sie dazu fein gehackt. Sie sind jedoch rasch zu hart, können aber noch gut für einen Tee genutzt werden. Die Sporenkolben können roh oder gekocht verzehrt werden, sind allerdings im Geschmack eher bitter.
Der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) wirkt leicht harntreibend (vermutlich aufgrund der enthaltenen Flavonoide und Kaffeesäurederivate). Ein Tee (aus den getrockneten Sprossachsen) kann deshalb zur Behandlung von Harnwegserkrankungen wie z.B. Blasenentzündungen eingesetzt werden. HMPC anerkennt dabei die Anwendung zur Erhöhung der Urinmenge im Rahmen einer unterstützenden Durchspülungstherapie bei leichten Harnwegsbeschwerden als «traditional use» an. Für den Teeauszug werden 1 bis 4 g (1 bis 4 TL) des getrockneten und zerkleinerten Krautes in 150l Wasser für 5 bis 15 Minuten ausgekocht. Die Anwendung erfolgt 3 bis 4x täglich.
Weiter können Umschläge davon auch zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt werden. So anerkennt HMPC die Anwendung zur unterstützenden Behandlung von oberflächlichen Wunden als «traditional use». Für den Umschlag werden 10g (10 TL) des getrockneten und zerkleinerten Krautes in 1l Wasser für 5 bis 15 Minuten ausgekocht. Die Anwendung erfolgt mehrmals am Tag.
Die zahlreichen weiteren gesundheitlichen Zuschreibungen in der Volksmedizin sind mit Vorsicht zu geniessen. Es gibt bisher keine klaren Hinweise, dass die Aufnahme von zusätzlichem Silizium auch tatsächlich einen gesundheitsfördernden Effekt (z.B. auf die Knochen) hat (mehr zur Kieselsäure und Effekt auf die Gesundheit hier).

Beschreibung
Bei der Bestimmung der Schachtelhalm-Arten ist vor allem der Blick auf die Anzahl und Länge der Zähne, die Anzahl Rippen im Stängel, der Stängelquerschnitt, sowie die Form und Lage des Sporenkolbens wichtig. Die Bestimmungsmerkmale der bei uns häufigsten Schachtelhalm-Arten sind im Folgenden aufgelistet:
Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) – ungiftig / essbar
pro Knoten ca. 8 bis 10 Zähne, diese kürzer als die 1. Abschnitte (Internodien) der Seitenachsen
Hauptachse 3-5 mm dick, mit ca. 6-20 Rippen, Zentralhöhle macht im Querschnitt ca. 20-30% aus, viele kleine Seitenhöhlen
Seitenachsen meist 4-kantig (z.T. auch 3- oder 5-kantig), selbst unverzweigt
Sporenkolben bräunlich, aus separatem Spross («fertiler Spross») ohne Seitenachsen, treibt im März vor dem «sterilen Spross» aus und «blüht» bis Mai
Vorkommen auf wechselfeuchten Ruderalflächen, Wegränder, Ufer

Winter-Schachtelhalm (Equisetum hyemale) – ungiftig / essbar
pro Knoten ca. 15-25 Zähne
Hauptachse dunkelgrün, überwinternd, ohne Seitenäste, Zentralhöhle macht im Querschnitt bis 80% aus
endständiger, kurzer (ca. 1cm langer) Sporenkolben, «blüht» Mai bis Juli
Vorkommen in Auenwäldern oder vernässten Stellen von lichten Wäldern
tritt in Herden auf

Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre) – giftig!
pro Knoten ca. 5 bis 8 schwarze Zähne, diese länger als die 1. Abschnitte (Internodien) der Seitenachsen, an der Verzweigung der Seitenachsen ein dunkler Ring
Hauptachse dünn (1-3.5 mm dick), mit nur wenigen, jedoch tiefen Rippen, Zentralhöhle macht im Querschnitt ca. 10-30% aus, Seitenhöhlen etwa gleich gross
Seitenachsen meist 5 bis 6-kantig, selbst unverzweigt
endständiger, kleiner (2-3cm langer) Sporenkolben, «blüht» Juni bis September
Vorkommen auf nassen Wiesen, Gräben und Flachmooren
tritt sowohl einzeln, als auch in Herden auf

