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Ruprechtskraut (Geranium robertianum)

Familie: Storchschnabelgewächse (Geraniaceae), Gattung: Storchschnabel (Geranium)
"die Blätter sind im Geschmack eher unangenehm, dafür sind aber die Blüten eine schöne essbare Dekoration"
Bestimmung
Blätter: gegenständig; eiförmig, 4 bis 8 cm lang; 3-4-fach fiederlanzettlich (1. Ordn. meist gefiedert), Abschnitte jeweils ca. 3-5-zählig, Endzipfel am Ende abgerundet; dicht behaart; beim Zerreiben unangenehmer Geruch
Stängel: 10 bis 50 cm hoch; reich verzweigt; behaart; an sonnigen Standorten rötlich gefärbt
Blüten: radiärsymmetrisch; blüht April bis Oktober
5 trapezförmige, rosa bis purpurne Kronblätter mit helleren und dunkleren Längsstreifen
5 Kelchblätter mit langer Stachelspitze (Granne)
10 Staubblätter mit orangebraunen bis gelben Staubbeuteln
5 verwachsene Fruchtblätter, die einen gemeinsamen oberständigen Fruchtknoten bilden und sich am Ende in einer 5-teiligen Narbe verzweigen
Früchte: schnabelförmige Kapselfrucht, pro Fruchtblatt je ein Samen
Zeigerwerte: nährstoffreich, schwach sauer bis neutral
Unterart subsp. robertianum: halbschattig, feucht
Unterart subsp. purpureum: hell, trocken
typische Standorte: Wegrand, Waldweg-Rand, Hecken, Ruderalflächen, Mauern
Fotos









Verwendung
wichtige Inhaltsstoffe: Ätherische Öle
Giftigkeit: Das Ruprechtskraut ist ungiftig und essbar. Allerdings sind die Blätter eher unangenehm im Geschmack.
mögliche Kulinarische Verwendung: zu den Grundrezepten
Blüten: essbare Dekoration
Sammelkalender


Beschreibung
Innerhalb der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) gibt es eine Vielzahl von Arten mit runder Blattform, die sich einander sehr ähnlichsehen. Dies trifft jedoch nicht auf das Ruprechtskraut zu, der häufigsten Storchschnabel-Art Europas. Dessen eiförmig-eingeschnittenen Blätter unterscheiden sich von den anderen Vertretern deutlich.
Das Ruprechtkraut besiedelt zahlreiche unterschiedliche Standorte und kommt sowohl an schattigen Stellen im Wald, wie auch an freien und damit sonnigen Standorten vor. Wichtig ist jedoch, dass die Standorte dauerhaft feucht und nährstoffreich sind und noch keine Konkurrenz durch höher wachsende Pflanzen vorhanden ist (z.B. durch vorangegangene Störung der Vegetation am Standort). Starker Frost im Winter (ohne isolierende Schneedecke) oder auch stark trockene Sommer führt meist zum Absterben. Im Wald reichen bereits kleine Lichtmengen, um überlebensfähig zu sein. Die Blätter zeigen einen ausgeprägten Heliotropismus, d.h. durch bewegliche Blattgelenke können sie sich exakt dem grössten Lichteinfall hin ausrichten. An sonnigen Standorten verfärben sich Stängel und Blätter im Verlaufe des Sommers meist auffällig rot, was mit der Einlagerung von Anthocyanen zu tun hat, welche die Pflanze vor dem UV-Licht und überschüssigem Sonnenlicht (welches nicht für die Photosynthese genutzt werden kann) schützt. Auch Kälte und Trockenheit kann zu Rotfärbung führen.
Die Pflanze ist meist überwinternd-einjährig. An schattigen Standorten treiben die Blätter bereits im Herbst / Winter aus (winterannuell) und überwintern anschliessend als Grundrosette bzw. Halbrosette. Bei mildem Wetter ist sogar in den Wintermonaten ein Wachstum möglich. Im zeitigen Frühjahr wird dann noch vor dem Laubaustrieb das viele Licht am Waldboden genutzt, um intensiv Photosynthese für das Wachstum zu betreiben. An sonnigen Standorten kann die Keimung das ganze Jahr über geschehen. Die Blütezeit beginnt ca. im April. Dabei werden bis in den Oktober hinein immer wieder frische Blüten gebildet, die jeweils nur sehr kurzlebig sind (ca. 1-2 Tage). In der Regel findet Selbstbefruchtung statt, während Fremdbefruchtung eher die Ausnahme ist. Die Blüten bilden jedoch trotzdem Nektar und werden von zahlreichen Insektenarten besucht. Bei den Kapselfrüchten wird bei der Reife durch Austrocknung eine Spannung im Gewebe aufgebaut. Dies führt dann zum Platzen der Frucht, wodurch die Samen mehrere Meter weit fortgeschleudert werden können. Im Spätherbst sterben dann die Pflanzen ab. Vegetative Ausbreitung findet nicht statt, doch dank den vielen Samen kann sich das Ruprechtskraut an seinen Standorten trotzdem rasch ausbreiten und dichte Bestände bilden.
Die Pflanze wird auch «Stinkender Storchschnabel» genannt, was mit dem Duft (der sich v.a. beim Zerreiben der Blätter entfaltet) zu tun hat, der von vielen Leuten als eher unangenehm empfunden wird. Der Geruch kommt von den Ätherischen Ölen, welche auf den Blättern an kleinen Drüsenhaaren ausgeschieden werden. Möglicherweise dient dieser unangenehme Geruch der Abschreckung von Fressfeinden, bzw. die entsprechenden Ätherischen Öle als direkte Abwehrstoffe gegen kleine Insekten, wie z.B. Blattläusen oder Mikroorganismen. Die Blätter sind wegen dem unangenehmen Duft für kulinarische Erlebnisse eher nicht zu empfehlen. Die Blüten eignen sich jedoch als essbare Dekoration, z.B. im Salat. Die Blätter sollen ausserdem, zerrieben und auf die Haut aufgetragen, Insekten fernhalten.
Die Art galt früher auch als Heilpflanze, welche gegen alles Mögliche eingesetzt wurde. Der Name des Krautes soll vom Heiligen Ruprecht stammen, einem früheren Bischof von Salzburg der die Art als Heilkraut propagiert haben soll. Es gibt jedoch auch andere mögliche Herleitungen für den Namen, wie z.B. das althochdeutsche Wort rotpreht für rot (da sich das Kraut in der Sonne auffällig rot verfärbt).
mögliche Verwechslungen
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zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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