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Mariendistel (Sylibum marianum)


Familie: Korbblütler (Asteraceae), Gattung: Mariendisteln (Sylibum)


Lebenszyklus / Blattanordnung: Austrieb in Grundrosette, später Stängelbildung mit wechselständigen Stängelblättern


Blätter: lanzettlich, 20 bis 50cm lang; tief kammförmig eingeschnitten; Abschnitte 3-eckig, gewellt und stachelig gezähnt; OS glänzend und mit weissen Flecken; Stängelblätter mit herzförmigem Grund umfassend


Stängel: 60 bis 150 cm hoch; gefurcht; im oberen Bereich filzig behaart


Blüten: in endständigen Blütenkörben von 4 bis 6 cm Durchmesser angeordnet; violette Röhrenblüten, keine Zungenblüten; am Grund mit rinnigen Hüllblättern, die am Ende in einem kräftigen Stacheln enden; blüht Juli bis September


Früchte: 6 bis 7mm lange Achäne; mit 1 bis 1.5 cm langen Pappusborsten


typische Standorte:  trockenwarme Unkrautfluren / Ruderalflächen


Die Heimat der Mariendistel liegt im Mittelmeerraum, wo sie eine typische Ruderalpflanze ist, die vor allem auf Schutt, ruderalen Wegrändern, Kiesplätzen vorkommt. Dabei benötigt sie nicht nur sonnige Standorte, sondern auch nährstoffreichen Boden, wodurch man sie vor allem in Siedlungsnähe, aber auch neben Ställen oder auf Viehpfaden vorfindet. Aber auch Ackerränder und Weinberge gehören zu ihrem Habitat. In Mitteleuropa wird sie seit dem Mittelalter (v.a. als Heilpflanze) kultiviert und verwildert dabei in den eher warmen Regionen gelegentlich aus den Gärten. Es handelt sich um eine einjährige Pflanze, die im Spätherbst als überwinternde Grundrosette austreibt. Ab ca. April wird dann der Stängel mit den Blütenkörben am Ende gebildet und nach dem Samenreife Ende Sommer stirbt die Pflanze ab. Die weissen Flecken entstehen durch Lufträume auf der Blattoberfläche, die das Sonnenlicht reflektieren. Damit wird das Blatt vor Überhitzung und damit auch Wasserverlust geschützt. Eine Theorie für den Nutzen der weissen Flecken ist auch, dass damit die Blätter krank aussehen, was wiederum Fressfeinde abschreckt. Bei den Griechen und Römern war die Pflanze ein Heilmittel bei Galle- und Leberbeschwerden und hatte dabei aber keine symbolische Bedeutung. Erst die Christen sahen in den weissen Flecken schliesslich verschüttete Tropfen von der Muttermilch der Jungfrau Maria. Die kulinarische Nutzung der Pflanze ist ähnlich wie bei Kratzdisteln, d.h. junge Blätter können (mit Stacheln vorher entfernt) als Gemüse, Tee oder für eine Suppe genutzt werden. Auch können die Wurzeln vom Spätwinter bis Frühling als Wildgemüse genutzt werden. Die violetten Röhrenblüten sind eine essbare Dekoration.


Die Mariendistel wird in der modernen Phytotherapie (zum Disclaimer über Heilpflanzen-Angaben) im Zusammenhang mit Lebererkrankungen genutzt. Verwendet werden die reifen Früchte. Als Wirkstoff dient ein komplexes Stoffgemisch, welches als «Silymarin» bezeichnet wird. Es besteht u.a. die Stoffe Silibinin, Isosilibinin, Silicristin und Silidianin und ist im getrockneten Kraut in einer Konzentration von ca. 3% vorhanden. Silymarin stärkt die Zellmembran der Leberzellen. Infolgedessen werden die Zellen besser vor dem Eindringen der Giftstoffe in die Zellen geschützt und damit reduziert Silymarin die schädliche Wirkung von Lebergiften. Ausserdem fängt Silymarin freie Radikale ab. Weiter wird durch Silymarin auch die Regeneration der Leberzellen unterstützt, indem es die Proteinsynthese in den Leberzellen ankurbelt. Daraus kann für die Mariendistel eine Therapie bei Leberschäden (Leberzirrhose) und zur unterstützenden Behandlung von bei chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen (z.B. Hepatitis-Infektionen) abgeleitet werden. Verwendet werden hochdosierte Fertigpräparate aus Trockenextrakten (mit Aceton als Auszugsmittel), die auf einen bestimmten Gehalt an Silymarin standardisiert sind. Die Tagesdosis an Silymarin beträgt dabei 200-400mg.


Manchmal wird auch eine Einnahme mittels Teeauszug erwähnt, wonach 1-2 TL der Früchte erst zerstossen und danach in 150ml kochend-heissen Wasser für 10-15min ausgezogen werden (mit Anwendung erfolgt 3-4x täglich). Das Problem dabei ist jedoch, dass Silymarin praktisch nicht wasserlöslich ist und eine solche Anwendung deshalb im Grunde sinnlos ist. Der Nutzen von Mariendistel bei Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Erkrankungen, resp. alkoholischer Hepatitis ist umstritten, so hat das Cochrane review aus dem Jahr 2007 als Metastudien keine signifikanten Effekte auf Gesamtmortalität, Komplikationen der Lebererkrankung oder Leberhistologie nachweisen können. Auch sind Studien, wonach Mariendistelpräparate die Fettwerte in der Leber (in geringem Masse) verbessern würden, umstritten. Unumstritten ist jedoch die Anwendung mit des Wirkstoffes Silibinin (der stärkste Einzelwirkstoff im Silymarin-Mix) bei Vergiftungen mit dem Knollenblätterpilz, wo dieser direkt als Infusion dem Körper verabreicht wird (in diesem Fall keine Selbstmedikation, sondern ärztliche Behandlung!). Die Wirkung ist gut untersucht und völlig unumstritten. Je früher mit der Therapie nach Einnahme des Pilzes begonnen wird, desto höher liegt dabei die Überlebenschance.


Prävention von Lebererkrankungen durch Mariendistel bei gesunden Menschen? Die Idee einer präventiven Behandlung durch die Schutzwirkung von Silymarin auf die Leberzellen durch Giftstoffe ist nicht grundsätzlich abwegig. Doch ob eine regelmässige Einnahme von Mariendistel-Präparaten ohne entsprechende Vorerkrankungen zur Prävention von Lebererkrankungen tatsächlich angezeigt ist, ist umstritten. Die Leber ist ein sehr zähes und regenrationsfähiges Organ, welches bei einem nicht allzu ungesunden Lebensstiel ihre Funktion zuverlässig bis ans Lebensende erfüllen kann. Die Mariendistel kann keine Leberinfektion und (wenn überhaupt) auch nicht in entscheidendem Masse eine Fettleber verhindern. Ob deshalb eine regelmässige Einnahme von Mariendistelpräparaten verhältnismässig ist, ist deshalb fraglich. Vielmehr ist ein einigermassen gesunder Lebensstiel, u.a. mit der Vermeidung von Übergewicht hier für die Prävention zielführender. Zu rasch unterliegen Menschen der Gedanken (resp. der Versuchung), dass Gesundheitsprävention mit einer magischen Pille erfolgen könnte. Im Falle von missbräuchlichem Alkohol- und Drogenkonsum könnte die Mariendistel möglicherweise die Auswirkungen durch auf die Leber abmindern. Doch dazu braucht es eigentlich keiner Diskussion, dass hier zur Prävention von Leberschäden primär ein entsprechender Entzug erfolgen muss.




zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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