erdflow-Wolkenatlas, der Online-Atlas für praxisorientierte Wetterkunde
< zur Startseite des erdflow-Wolkenatlas
Stratocumulus
Stratocumulus ist die am häufigsten auftretende Wolkengattung in Mitteleuropa (gemäss Wikipedia). Im Namen dieser Wolke, die im untersten Stockwerk angesiedelt ist, sind die zwei Begriffe «Stratus» und «Cumulus» vereint. Dabei handelt es sich primär um haufenförmige Wolken. Die einzelnen Elemente («Einzelwolken») treten zusammen in einer Schicht auf, wo sie ganz oder teilweise zusammengewachsen sind, wobei auch grössere Lücken auftreten können. Die Form der Haufen ist kugelig oder rollig, mit meist undeutlicher Wolkenuntergrenze, manchmal aber klarer Obergrenze (durch Inversion begrenzt). Der Wolkenrand ist eher unscharf und öfters ausgefranst. Die Wolkenschicht ist meist (jedoch nicht immer) vertikal geringmächtig.
Ein Stratocumulus-Verband sieht ähnlich aus wie bei Altocumulus stratiformis. Dabei sind jedoch die Einzelwolken deutlich grösser ausgebildet, d.h. grösser als 5° (> 3 Fingerbreite bei 30° ausgestrecktem Arm). Wegen der Lage im unteren Stockwerk können Stratocumuli ausserdem bereits Hügel oder Voralpengipfel einhüllen.
Die Wolke besteht ausschliesslich aus feinen Wassertröpfchen, die im Winter auch unterkühlt sein können. Selten treten bei tiefen Temperaturen auch Eiskristalle auf. Aus Stratocumulus ist selten auch Niederschlag möglich. Wenn dies der Fall ist, handelt es sich jedoch um Nieselregen.

Stratocumulus: tiefe Wolke + etwas zwischen haufen- und schichtförmig
(Quelle: ©JMB - stock.adobe.com)
Entstehung von Stratocumulus
Stratocumulus-Wolken können durch unterschiedliche Prozesse entstehen:
Turbulenzvorgänge im unteren Stockwerk: Dabei bilden sich zahlreiche Wirbel in der Luft, welche die Luftpakete immer wieder über das Kondensationsniveau heben, aber auch wieder absinken lassen. In den Haufen findet Hebung und in den Bereichen dazwischen ein Absinken statt. Stabile Luftschichtung (meist eine Inversion) begrenzt dabei oft die mögliche Hebung.
Thermik die von einer Grenzschicht begrenzt wird: Durch die Erwärmung des Bodens durch Sonneneinstrahlung wachsen erst einzelne Cumuluswolken in die Höhe. Wenn in der Konvektion eine Luftschicht erreicht wird, wo kein weiterer Aufstieg mehr möglich ist (sehr schwache Abnahme der Temperatur mit der Höhe oder sogar Inversion), dann breiten sich die Wolken seitlich aus. Die seitlichen Ausläufer bilden dabei die Stratocumuli und zwar in Koexistenz mit den eigentlichen Cumuli.
Abtrennung oder Auseinanderbrechen von Cumulus-Wolken bei starker Windscherung (unterschiedliche Windgeschwindigkeiten mit der Höhe)
nächtliche Abkühlung der Obergrenze einer Dunstschicht. Die dabei verursachte Labilisierung führt zu Vertikalbewegungen unter Bildung von Stratocumuli
als Pannus-Begleitwolken unter Altostratus, Nimbostratus oder Cumulonimbus mit Niederschlag
Auflösung oder Abspaltung von Altostratus, Nimbostratus oder Cumulonimbus
Wachstum von Altocumuluswolken nach unten
Umwandlung von Stratus
Startocumulus lenticularis: nach dem Überströmen eines Gebirges durch Lee-Wellen
> mehr zu diesen Prozessen im Abschnitt "Wolken-Entstehung und -Auflösung"
Arten von Stratocumulus
Stratoumulus stratiformis: Die Wolkenhaufen treten zusammen in einer ausgedehnten Schicht auf. Sie stellt die häufigste Art innerhalb der Stratocumuli dar.

Stratocumulus stratiformis
(Quelle: ©far700 - stock.adobe.com)
Stratocumulus castellanus: aus einer gemeinsamen Wolkenbasis wachsen durch Konvektion Türme in die Höhe. Bei starkem Wachstum entstehen aus den Türmen Cumulus congestus («Cumulus stratocumulogenitus»). Daraus können sich bei labiler Luftschichtung auch mächtige Cumulonimbus («Cumulonimbus stratocumulogenitus») bilden.

Stratocumulus castellanus: Die Türme sind meist nur von der Seite aus sichtbar
(Quelle: By Logi Aer - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=96113381)
Stratocumulus floccus: Die Wolken treten einzeln auf, oft mit zerfetzter Unterseite. Bei sehr tiefen Temperaturen können dabei auch faserige virga beobachtet werden. Da diese oft aus der Auflösung von Stratocumulus castellanus entstehen, ist auch diese Wolkenart häufig mit einer instabilen Atmosphäre verknüpft.

Stratocumulus floccus: Die Haufen sind getrennt und weisen eine zerrissene Unterseite auf.
(Quelle: GerritR - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=91215752)
Stratocumulus lenticularis: linsenförmig

Stratocumulus lenticularis
(Quelle: GerritR - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=90770707)
Stratocumulus volutus: eine langgezogene Stratoscumulus-Rolle, die sich oft entlang ihrer Horizontalachse zu drehen scheint.

Stratocumulus volutus
(Quelle: ©HollyHarry - stock.adobe.com)
Unterarten von Stratocumulus
translucidus: Position von Sonne/Mond hinter der Wolke gut sichtbar

Stratocumulus stratiformis translucidus (perlucidus)
(Quelle: Falcon747 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50664506)
perlucidus: mit Lücken zwischen den Haufen

Stratocumulus stratiformis perlucidus
(Quelle: ©funtay - stock.adobe.com)
opacus: Sonne / Mond werden hinter der Wolke komplett verdeckt. Meist sind die Einzelwolken zu einer durchgehenden Schicht ohne Lücken zusammengewachsen. Die Einzelwolken lassen sich durch Helligkeitsunterschiede erkennen, die durch Höhenunterschiede der Wolkenobergrenze entstehen.

Stratocumulus stratiformis opacus:
Im Gegensatz zum Stratus sind in der Struktur einzelne Ballen und Walzen erkennbar
(Quelle: Famartin - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=98948700)
duplicatus: zwei oder mehrere Wolkenschichten übereinander
radiatus: parallele Bänder

Stratocumulus stratiformis radiatus (perlucidus): Quer zu den Bändern ist auch eine leichte undulatus-Struktur erkennbar
(Quelle: ©Kevin - stock.adobe.com)
undulatus: wellenförmiges Muster

Stratocumulus stratiformis undulatus (perlucidus)
(Quelle: ©Katherine Rock - stock.adobe.com)
lacunosus: mit Löchern, die ein wabenförmiges Muster erzeugen
Sonderformen von Stratocumulus
virga: Fallstreifen welcher den Boden nicht erreicht (nur bei tiefen Temperaturen)

Stratocumulus stratiformis perlucidus opacus virga
(Quelle: Nicholas Hartmann - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52080759)
praecipitatio: Niederschlag erreicht den Erdboden, wenn dann meist Nieselregen
mamma: beutelförmige Ausstülpungen nach unten
cavum: mit Loch in der Wolkenschicht

Stratocumulus fluctus
(Quelle: June Grønseth - International Cloud Atlas, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57573401)

Stratocumulus stratiformis opacus asperitas
(Quelle: ©photoopus - stock.adobe.com)
mögliche Verwechslungen bei Stratocumulus
Wolken mit starkem Kontrast, Wolkenoberseite turm- bis domförmig, klare Wolkenuntergrenze, meist starke Quellungen: Cumulus
Wattebausch-artig ausgefranst, jedoch klare Wolkenuntergrenze und Oberseite oft domförmig, Haufen der Windrichtung entlang angeordnet: Cumulus fractus
Haufen <5° (kleiner als 3 Fingerbreiten bei 30° ausgestreckter Hand): evtl. Altocumulus
durchgehende Schicht, die strukturlos erscheint (keine durch Helligkeitsunterschiede sichtbare Ballen, Walzen oder Rollen): Stratus, Altostratus oder Nimbostratus
deutlicher Regen: Altostratus, Nimbostratus oder Cumulonimbus
zerfetzte Wolkenschicht, Fetzen sind rundum eckig und ausgefranst: Stratus fractus
Deutung von Stratocumulus
ohne Beteiligung von Cumulus an der Wolkenbildung, zeigt eine Stratocumulus-Bewölkung ungeordnete Turbulenz an. Auf der Höhe der Wolken dürfte sich eine feuchte Luftschicht befinden, wo durch ungeordnete turbulente Hebung Luftpakete über das Kondensationniveau gehoben werden.
wenn sie sich eine Stratocumulus-Bewölkung aus den oberen Bereichen von Cumuli ausbreitet, dann verhindert eine stabile Schicht (meist Inversion) eine weitere konvektive Hebung. Dabei vermindert sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich am selben Tag noch Gewitter entwickeln. Doch aufgepasst: die Inversion kann auch später durchbrochen werden, so dass die Cumuli weiterwachsen können. Deshalb: Trotzdem achtsam und vorsichtig bleiben!
Wenn sich nach dem Durchzug einer Warmfront (Ende von langanhaltendem Langregen mit dichter Nimbostratus-Bewölkung) die Bewölkung auflockert (Warmsektor) treten u.a. Stratocumuli auf. Dabei ist je nach Wettersituation mit dem Eintreffen einer Kaltfront nach ein paar Stunden bis ein paar Tage zu rechnen.
wenn im Warmsektor Stratocumuli aufkommen, der Luftdruck stark fällt und sich gegen Westen eine mächtige Wolkenfront nähert, befindest du dich kurz vor dem Durchzug einer Kaltfront
Stratocumulus castellanus: Aus den Türmen kann sich eine Cumulus congestus mit Schauern und sogar eine Cumulonimbus mit Starkregen und Gewitter bilden.
Stratocumulus lenticularis: analog Altocumulus lenticularis
Wolken Grundlagen
Wolken-Bildung und -Auflösung - Grundlagen der Wolkenklassifikation - Zeichen der Wolken-Bestimmung
Wolkengattungen:
Cirrus - Cirrocumulus - Cirrostratus - Altocumulus - Altostratus - Nimbostratus - Stratus - Stratocumulus - Cumulus - Cumulonimbus / Gewitterphänomene
gattungsübergreifende Wolken-Arten
stratiformis - nebulosus - fibratus - lenticularis - castellanus - floccus - fractus
gattungsübergreifende Wolken-Unterarten
translucidus - perlucidus - opacus - radiatus - undulatus - lacunosus - duplicatus
gattungsübergreifende Wolken-Sonderformen
virga - praecipato - cavum - mamma - fluctus - asperitas
gattungsübergreifende Begleitwolken

