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Altocumulus
Bei Altocumulus handelt sich um die Haufenwolken des mittleren Stockwerkes. Die Form der Haufen ist meist kugelig, rollig oder blättrig. Ihre Höhe beträgt 2 bis 7 km. Wenn nicht gerade hohe Berge in der Nähe sind, so ist man auf indirekte Hinweise bezüglich der Höhe angewiesen. So wird die Haufengrösse der Altocumuli auf 1 bis 5° definiert (zwischen der Breite von einem bis drei Finger mit 30° ausgestrecktem Arm). Dies macht sie zu den «gröberen Schäfchenwolken».
Die Anordnung der Haufen ist meist regelmässig. Die Farbe der Untergrenze ist weiss bis grau. Vor allem auf der sonnenabgewandten Seite zeigen sich die grauen Bereiche (Eigenschatten). Der Wolkenkörper grenzt sich deutlich vom Himmel ab, jedoch können starke Winde die Ränder etwas ausfransen. Die Wolke besteht vorwiegend aus Wassertröpfchen, die bei Temperaturen unter 0°C «unterkühlt» sind. Wenn Eiskristalle darin vorkommen, kann in Teilen der Wolke durch deren Verwehen eine leicht faserige Struktur (ähnlich Cirren) entstehen. Dann können auch Haloeffekte auftreten.
Ansonsten können die Altocumuli in der Erscheinung sehr variabel sein. So können die Haufen einzeln auftreten, doch erscheinen sie meist leicht zusammengewachsen in der Gruppe (stratiformis). Wenn die einzelnen Haufen vollständig zusammengewachsen sind, dann sind letztere immer noch durch Farbunterschiede erkennbar. Aus den Altocumuli kann es Niederschlag geben, der in der Luft wieder verdunstet (virga). Auch die Sonne kann manchmal noch durchscheinen (translucidus) oder ganz abgedunkelt werden (opacus). Ganz kuriose Formen gibt es z.B. bei Föhnwetter in Form von Altocumulus lenticularis.

Wolke + haufenförmig
(Quelle CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=121026)
Entstehung von Altocumulus
Altocumului können durch verschiedene Prozesse entstehen:
Hebung durch Turbulenz im mittleren Stockwerk
Fragmentierung von Altostratus
Auflösung oder Abspaltung von Altostratus, Nimbostratus, Cumulonimbus oder Stratoscumulus
Wachstum eines Cumulus bis auf mittlerer Höhe, welches dort aber durch eine Inversion begrenzt wird. Dadurch breiten sich die oberen Bereiche der Cumulus-Wolke seitlich aus. Daraus bilden sich die Altocumuli (in Koexistenz mit den eigentlichen Cumulus)
durch Wachstum aus Cirrocumulus in Richtung Boden
Altocumulus castellanus: Konvektion in Folge instabiler Luftschichtung (z.B. durch das Einströmen von kalter Luft im mittleren Stockwerk
Altocumulus lenticularis: durch Hebung in den Wellenbergen von Lee-Wellen nach dem Überströmen eines Gebirges
> mehr zu diesen Prozessen im Abschnitt "Wolken-Entstehung und -Auflösung"
Thermik, die durch die Erwärmung am Boden ausgelöst wird, ist in diesem Stockwerk (im Gegensatz zu Cumulus) kein Thema mehr. Wenn auf dieser Höhe Konvektion stattfindet, dann wird diese durch eine instabile Luftschichtung ausgelöst (Bildung von Altocumulus castellanus).
Arten von Altocumulus
Altocumulus stratiformis: Die Wolkenhaufen treten zusammen in einer ausgedehnten Schicht auf. Sie stellt die häufigste Art innerhalb der Altocumuli dar.

Altocumulus stratiformis
(Quelle. CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=121026)

Altocumulus stratiformis mit grau gefärbten Bereichen (Eigenschatten)
(Quelle 阿爾特斯 - Opera propria, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10591722)
Altocumulus castellanus: aus einer gemeinsamen Wolkenbasis wachsen Türmchen in die Höhe. Sie entstehen durch Konvektion infolge instabile Luftschichtung (z.B. durch Einsickern von kalter Luft in mittlerer Höhe

Altocumulus castellanus
(Quelle: Daniele.Brundu - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42018614)
Altocumulus floccus: Die Unterseite der Wolken weisst eine zerrissene Form auf. Häufig sind auch Virga-Fallstreifen zu erkennen. Sie entstehen z.B. aus Altocumulus castellanus nach dem Auflösen der Wolkenbasis oder beim Zerfallen von Altocumulus stratiformis undulatus.

Altocumulus floccus: ein Streifen Altocumulus castellanus ist ebenfalls noch zu erkennen, womit hier die Entstehung geklärt ist.
(Quelle: Image taken by me, Nichalp on 9-Mar-06 - Image taken by me, Nichalp on 9-Mar-06, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=620331)
Altocumulus lenticularis: linsenförmig, evt. geschichtet als «Moazagotl»

Altocumulus lenticularis
(Quelle: ©ueuaphoto - stock.adobe.com)

geschichtete Altocumulus lenticularis duplicatus («Moazagotl»-Wolke)
(Quelle: ©Harry Green - stock.adobe.com)
Altocumulus volutus: eine langgezogene Altocumulus-Rolle («Roll-Cloud» des mittleren Stockwerkes), sehr selten
Unterarten von Altocumulus
translucidus: Position von Sonne/Mond hinter der Wolke gut sichtbar

Altocumulus stratiformis translucidus (perlucidus)
(Quelle: 阿爾特斯 - Opera propria, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10591722)

Altocumulus stratiformis translucidus in der Nacht mit einem Mondkranz
(Quelle: DjMunCheeChee - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45253485)
perlucidus: mit Lücken zwischen den Haufen

Altocumulus stratiformis perlucidus mit mehrheitlich getrennten Haufen
(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=221847)

Altocumulus stratiformis perlucidus mit zusammengewachsenen Haufen
(Quelle: The Great Cloudwatcher - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18120201)
opacus: Sonne / Mond werden hinter der Wolke komplett verdeckt

Altocumulus stratiformis opacus
(Quelle : CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=100376)
duplicatus: zwei oder mehrere Wolkenschichten übereinander

Altocumulus stratiformis (translucidus perlucidus) duplicatus
(Quelle: GerritR - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=94139549)
radiatus: parallele Bänder

Altocumulus stratiformis (perlucidus) radiatus
(Quelle : ko:User:알밤한대 — Travail personnel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4294476)
undulatus: wellenförmiges Muster

Altocumulus stratiformis (perlucidus) undulatus
(Quelle: ©makrossphoto- stock.adobe.com)
lacunosus: mit Löchern, die ein wabenförmiges Muster erzeugen

Altocumulus stratiformis (opcaus) lacunosus
(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=100330)
Sonderformen von Altocumulus
virga: Fallstreifen aus Niederschlag, welcher den Boden nicht erreicht

Altocumulus floccus virga
(Quelle: ©fotokate - stock.adobe.com)
mamma: beutelförmige Ausstülpungen nach unten
cavum: mit Loch in der Wolkenschicht

Altocumulus stratiformis (perlucidus) cavum
(Quelle: Pfranson - Taken by Paul Franson in Warr Acres, Oklahoma with a Casio EZ-Z1050Previously published: https://www.flickr.com/photos/pfranson365/4238892215/, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=27741283)

Altocumulus stratiformis fluctus
(Quelle: By GerritR - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=66223701)

Altocumulus stratiformis (opacus) asperitas
(Quelle: Famartin - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=57056599)
mögliche Verwechslungen bei Altocumulus
kleine Haufen <1° und weiss: Cirrocumulus
Haufen >5°: Stratocumulus oder Cumulus, evt. Cirrus floccus
durchgehende Schicht, die strukturlos erscheint (keine durch Helligkeitsunterschiede sichtbare Ballen, Walzen, Rollen): Altostratus, bei tiefer Wolkenuntergrenze Nimbostratus
Niederschlag bis Boden: Nimbostratus, bei Nieselregen evtl. Altostratus oder Stratocumulus
Struktur durchgehend faserig, Form eher schleierförmig (statt Ballen, Walzen oder Rollen): Cirrus
Deutung von Altocumulus
Wenn sie auf Cirrostratus folgen und dann zusammen mit grauer Altostratus-Bewölkung auftreten, bzw. eine zunehmende Verdichtung zu beobachten ist, dann handelt es sich um die Aufzug-Bewölkung einer herannahenden Warmfront oder Warmfrontokklusion. Mit dem Auftreten von Altocumulus ist in Kürze bis wenigen Stunden mit Regen zu rechnen (in den Bergen früher).
Wenn nach dem Durchzug einer Warmfront der Landregen aufhört und sich die Bewölkung auflockert (Warmsektor) treten u.a. Altocumuli auf. Dabei ist je nach Wettersituation mit dem Eintreffen einer Kaltfront in ein paar Stunden bis ein paar Tage zu rechnen.
wenn innerhalb des Warmsektors plötzlich Altocumuli auftreten und gleichzeitig der Luftdruck stark fällt, dann befindest du dich kurz vor dem Durchzug einer Kaltfront (meist mit Starkregen)
Altocumulus-Wolken breiten sich aus den oberen Bereichen von Cumulus congestus aus: eine stabile Luftschicht begrenzt das weitere Cumulus-Wachstum. Die weitere Entwicklung der Cumulus zu Cumulonimbus (Gewitterwolken) wird (vorerst) unterbunden.
Altocumulus castellanus: die Luftschichtung ist im mittleren Stockwerk instabil. Es ist deshalb am Nachmittag ist mit Gewitter zu rechnen. Achtung: meist lösen sich diese Wolken am Vormittag schon wieder auf (meist nur kurz nach Sonnenaufgang zu beobachten!). Die gleiche Prognose gilt auch für Altocumulus floccus, sofern diese durch Auflösung von Altocumulus castellanus entstanden sind.
Altocumulus lenticularis zeigen Lee-Wellen nach Überqueren eines Gebirges und deuten auf trockene Föhnlagen hin. Bei Südföhnlagen auf der Alpennordseite nähert sich ein Tiefdruckgebiet aus Westen an. Die Fronten mit den Regenwolken werden dabei noch eine Zeit lang verdrängt. Meist dreht nach Stunden oder Tagen die Windrichtung nach Südwesten / Westen womit der Föhn gestoppt wird und den Regenwolken nichts mehr im Wege steht. Auf der Alpensüdseite stellt sich eine Nordföhnlage ein, wenn ein Tiefdruckgebiet bereits über Mitteleuropa in Richtung Osteuropa abgezogen ist. Dann ist zwar auf der Alpennordseite mit Stauniederschlägen zu rechnen, doch meist folgt anschliessend ein Zwischenhoch oder ein stabiles Hochdruckgebiet.
Wolken Grundlagen
Wolken-Bildung und -Auflösung - Grundlagen der Wolkenklassifikation - Zeichen der Wolken-Bestimmung
Wolkengattungen:
Cirrus - Cirrocumulus - Cirrostratus - Altocumulus - Altostratus - Nimbostratus - Stratus - Stratocumulus - Cumulus - Cumulonimbus / Gewitterphänomene
gattungsübergreifende Wolken-Arten
stratiformis - nebulosus - fibratus - lenticularis - castellanus - floccus - fractus
gattungsübergreifende Wolken-Unterarten
translucidus - perlucidus - opacus - radiatus - undulatus - lacunosus - duplicatus
gattungsübergreifende Wolken-Sonderformen
virga - praecipato - cavum - mamma - fluctus - asperitas
gattungsübergreifende Begleitwolken

