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Cirrus


Die Cirren, welche vor allem aus Eiskristallen bestehen, sind durch ihre schleierförmige Erscheinung definiert, die nur im oberen Stockwerk vorkommt. Dabei handelt es weder um klare abgegrenzte Haufen, noch um Schichten. Weil in dieser Höhe durch den niedrigen Luftdruck auch der Wasserdampfgehalt sehr tief ist, erscheinen die Cirren in Folge hell und unklar. Die Konturen sind eher unscharf und die Struktur faserig bis seidig. Der Rand ist meist ausgefranst.



Wolken Gattung Cirrus: hohe Wolke und schleierförmig

Cirrus: hohe Wolke + schleierförmig

(Quelle: CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=225666)

Entstehung von Cirren


Cirren können durch verschiedene Prozesse entstehen:

  • Turbulenzvorgänge in grossen Höhen

  • grossräumige Aufgleitvorgänge bei Warmfronten / Warmfrontokklusionen

  • Verwehen von Eiskristallen aus Cirrocumulus oder den oberen Bereichen von Altocumulus, bzw. Cumulonimbus

  • Auflösung von Cirrostratus

  • Hebung in Folge instabiler Luftschichtung,

  • künstlich durch Kondensstreifen


> mehr zu diesen Prozessen im Abschnitt "Wolken-Entstehung und -Auflösung"


Arten bei Cirrus


Cirrus fibratus: die Struktur zeigt gerade bis gekrümmte Fasern, die in dieselbe Richtung zeigen (sieht ein bisschen aus wie gekämmte Haare). Die Enden der Fasern sind nicht hakenförmig (dann wär es Cirrus uncinus). Die Faserstruktur entsteht durch das Verblasen der Eiskristalle durch den Wind.


Cirrus fibratus mit geraden Fasern. die Struktur zeigt gerade bis gekrümmte Fasern, die in dieselbe Richtung zeigen (sieht ein bisschen aus wie gekämmte Haare). Die Enden der Fasern sind nicht hakenförmig (dann wär es Cirrus uncinus). Die Faserstruktur entsteht durch das Verblasen der Eiskristalle durch den Wind.

Cirrus fibratus mit geraden Fasern

(Quelle : Eryn Blaire — Travail personnel, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7703517)


Cirrus fibratus mit gekrümmten Fasern. die Struktur zeigt gerade bis gekrümmte Fasern, die in dieselbe Richtung zeigen (sieht ein bisschen aus wie gekämmte Haare). Die Enden der Fasern sind nicht hakenförmig (dann wär es Cirrus uncinus). Die Faserstruktur entsteht durch das Verblasen der Eiskristalle durch den Wind.

Cirrus fibratus mit gekrümmten Fasern

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=101260)


Cirrus uncinus: Die Fasern weisen eine hakenförmige Form auf. Die Haken sind Fallstreifen eines Eiskristall-Niederschlages. Mit der gegen unten ändernden Windstärke (meist langsamer werdend) oder Windrichtung wird der Fallstreifen verzerrt und erscheint so als hakiger Schweif, der aus einem Haufen entspringt. Der Niederschlag löst sich übrigens durch rasche Verdunstung schnell wieder auf.


Cirrus uncinus: Die Fasern weisen eine hakenförmige Form auf. Die Haken sind Fallstreifen eines Eiskristall-Niederschlages. Mit der gegen unten ändernden Windstärke (meist langsamer werdend) oder Windrichtung wird der Fallstreifen verzerrt und erscheint so als hakiger Schweif, der aus einem Haufen entspringt. Der Niederschlag löst sich übrigens durch rasche Verdunstung schnell wieder auf.

Cirrus uncinus: mit hakigem Schweif

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=121109)


Cirrus uncinus: Die Fasern weisen eine hakenförmige Form auf. Die Haken sind Fallstreifen eines Eiskristall-Niederschlages. Mit der gegen unten ändernden Windstärke (meist langsamer werdend) oder Windrichtung wird der Fallstreifen verzerrt und erscheint so als hakiger Schweif, der aus einem Haufen entspringt. Der Niederschlag löst sich übrigens durch rasche Verdunstung schnell wieder auf.

Cirrus uncinus: mit hakigem Schweif

(Quelle: Doggo19292 - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99664656)


Cirrus floccus: Cirren, die in einzelnen eher grossen Haufen auftreten. Die Haufen müssen grösser als 1° sein (grösser als der kleine Finger bei 30° ausgestreckter Hand). Sind die Haufen kleiner, dann handelt es sich um Cirrocumulus, bzw. bei massiger und dichter Erscheinung und grauer Farbe um Altocumulus.


Cirrus floccus: Cirren, die in einzelnen eher grossen Haufen auftreten. Die Haufen müssen grösser als 1° sein (grösser als der kleine Finger bei 30° ausgestreckter Hand). Sind die Haufen kleiner, dann handelt es sich um Cirrocumulus, bzw. bei massiger und dichter Erscheinung und grauer Farbe um Altocumulus.

Cirrus floccus

(Quelle: ©lemacprot - stock.adobe.com)


Cirrus spissatus: Cirren, die vergleichsweise dicht erscheinen. Dabei wird die Sonne stark verschleiert bis vollständig verdeckt. Bei sehr dichten Cirrus spissatus kann die Wolke sogar etwas grau erscheinen (wenn die faserige Struktur fehlt und die Farbe deutlich grau ist, dann sind es jedoch Altocumuli oder Altostrati).


Cirrus spissatus  Cirren, die vergleichsweise dicht erscheinen. Dabei wird die Sonne stark verschleiert bis vollständig verdeckt. Bei sehr dichten Cirrus spissatus kann die Wolke sogar etwas grau erscheinen (wenn die faserige Struktur fehlt und die Farbe deutlich grau ist, dann sind es jedoch Altocumuli oder Altostrati).

Cirrus spissatus

(Quelle: ©darknightsky - stock.adobe.com)


Cirrus castellanus: Cirren mit sehr kleinen turmförmigen Auswüchsen nach oben. Diese Form tritt sehr selten auf.


Cirrus castellanus: Cirren mit sehr kleinen turmförmigen Auswüchsen nach oben. Diese Form tritt sehr selten auf.

Cirrus castellanus

(Quelle: GerritR - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69470308)


Unterarten bei Cirrus


Inortus: die Fasern sind verflochten, bzw. ineinander verdreht


Cirrus fibratus inortus: Die Fasern scheinen ineinander verflochten

Cirrus fibratus inortus: Die Fasern scheinen ineinander verflochten

(Quelle: Glg — photo taken by Glg, CC BY-SA 2.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182627)


radiatus: Wolken in parallelen Bändern angeordnet


Cirrus spissatus radiatus: Wolken in parallelen Bändern angeordnet

Cirrus spissatus radiatus

(Quelle: not on your nelly — https://www.flickr.com/photos/notonyournelly/5606361383/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16274600)


vertebratus: Die Struktur erinnert an ein Fischskelett, d.h. Fasern stehen senkrecht aus einer dichteren Mittelrippe ab. Eine mögliche Erklärung für deren Entstehung ist Konvergenz: Die Luftströme treffen aus zwei Seiten aufeinander: Dabei entsteht Hebung, die bei günstigen Temperatur und Feuchtebedingungen zur Bildung von Eiskristallen führt. In der Mitte wo die Hebung am grössten ist, entsteht dabei der Rückgrat.


Cirrus fibratus vertebratus: Die Struktur erinnert an ein Fischskelett, d.h. Fasern stehen senkrecht aus einer dichteren Mittelrippe ab. Eine mögliche Erklärung für deren Entstehung ist Konvergenz: Die Luftströme treffen aus zwei Seiten aufeinander: Dabei entsteht Hebung, die bei günstigen Temperatur und Feuchtebedingungen zur Bildung von Eiskristallen führt. In der Mitte wo die Hebung am grössten ist, entsteht dabei der Rückgrat.

Cirrus fibratus vertebratus

(Quelle: Laurent Julien - Opera propria, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4545832)


duplicatus: zwei Cirrus-Schichten übereinander


Sonderformen bei Cirrus


mamma: nur bei Cirrus spissatus


Cirrus spissatus mamma (aus Abspaltung eines Cumulonimbus-Ambosses)

Cirrus spissatus mamma (aus Abspaltung eines Cumulonimbus-Ambosses)

(Quelle: Daniele.Brundu, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons)


fluctus:


Cirrus spissatus fluctus

Cirrus spissatus fluctus

(Quelle: ©azazello - stock.adobe.com)


Mögliche Verwechslungen bei Cirren:



Deutung von Cirren


Cirren können im Grunde alles und doch nichts bedeuten. Vom Meteorologen und Autor zahlreicher Wetterbücher Hans Häckel stammt der Spruch, den man sich hierzu gut merken kann:"Bei Frauen in Cirren kann man sich irren".


Für die Deutung von Cirren ist deshalb auch der Kontext (v.a. der zeitliche) wichtig:


  • Wenn sich die Cirren langsam (innerhalb von Stunden) von Westen her zu Cirrus spissatus > Cirrostratus > Altostratus verdichten (Aufzugbewölkung), dann deutet dies auf das Anrücken einer Warmfront oder Warmfrontokklusion hin. Mit dem Auftreten der ersten Cirren beginnt der Frontregen meist einen halben bis ganzen Tag später. Achtung: Gegen den Horizont erscheinen Wolken generell dichter, obwohl sie das in Wahrheit nicht sind!

Cirrus spissatus fluctus

Cirrus uncinus mit Verdichtung zu Cirrostratus

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=75089)


  • manchmal können Cirren auch kurzfristige Vorboten einer Kaltfront sein. In diesem Fall können gleichzeitig auch noch Altocumuli oder Stratocumuli auftreten. Dabei folgt die Kaltfront, also der Übergang zu den Cumulonimbi mit dem Starkregen (evtl. Gewitter) zeitlich relativ rasch.


  • wenn die Cirren nach Gewitter (evtl. am nächsten Morgen) auftreten, dann könnte es sich die um Amboss-Reste der Gewitterwolken handeln. Solche Cirren sind meist von der Art spissatus und lösen sich auch in der Regel mit der Zeit auf. Das Gewitter muss dabei nicht in unmittelbarer Umgebung stattgefunden haben, denn die so entstandenen Cirren können auch über grosse Entfernungen weggeweht werden. Auch während eines Gewitters können sich bereits Cirren «abspalten».

ein aus dem Amboss einer Cumulonimbus abgespaltener Cirrus spissatus “cumulonimbogenitus”

ein aus dem Amboss einer Cumulonimbus abgespaltener Cirrus spissatus “cumulonimbogenitus”

(Quelle: Rollcloud - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112630352)


  • bleibt die Erscheinung der Cirren in etwa gleich (ohne Verdichtung), dann dürfte auch das Wetter schön verbleiben (stabiles Hochdruckwetter)


  • Kondensstreifen der Flugzeuge bilden sich durch die rasch abkühlende wasserdampfreiche Luft der Abgase. Die darin ebenfalls enthaltenen Russteilchen fördern als Keime die Kristallbildung. Wenn sie sich rasch auflösen, dürften dort oben trockene, stabile Verhältnisse herrschen. Existieren die Kondensstreifen länger als 10 Minuten, dann handelt es sich auch um Cirren, genauer gesagt um «Cirrus Homogenitus». Letztere machen einen zunehmend verwehten Eindruck und sind Zeichen eines eher hohen Wasserdampfgehaltes, bzw. einer wenig stabilen Luftschichtung. Länger existierende Kondensstreifen können auch so stark verweht werden, dass sie die Form typischer Cirren annehmen, in dem Fall nennt man sie «Cirrus homomutatus».

ein sich rasch auflösender Kondensstreifen zeigt trockene und stabile Luft in der Höhe an

ein sich rasch auflösender Kondensstreifen zeigt trockene und stabile Luft in der Höhe an

(Quelle: Eric T Gunther - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18761660)


länger verbleibende (zunehmend verwehte) Kondensstreifen zeige eher feuchte und wenige stabile Verhältnisse in der Höhe (Cirrus homogenitus)

länger verbleibende (zunehmend verwehte) Kondensstreifen zeige eher feuchte und wenige stabile Verhältnisse in der Höhe (Cirrus homogenitus)

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=400002)

  • Cirrus castellanus weisen auf eine instabile Luftschichtung in der Höhe hin


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