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Zeichen der Wolkenbestimmung


Bei der Bestimmung der Wolkenart, bzw. -unterart sind die wichtigen Kriterien v.a. Höhe, Form, Ausdehnung, Helligkeit oder Muster/Anordnung. Die Höhe ist dabei meist nicht direkt erkennbar und muss indirekt bestimmt werden. Im Folgenden zeige ich die Zeichen auf, die man bei der Bestimmung der Wolken «abscannen» sollte (inkl. Stolpersteine).


>>> die Grundlagen der Wolkenklassifikation erfährst du hier <<<


Horizontale Ausdehnung der Einzelwolken:

  • haufenförmig: es tritt ein isolierter Wolkenbausch oder mehrere Wolkenbausche in einer Gruppe auf (möglicherweise auch zusammengewachsen).

  • schichtförmig: Die Wolke hat eine grosse horizontale Ausdehnung. Anhand des Farbmusters kann die Wolke nicht in kleine zusammengewachsene Einzelwolken unterteilt werden.

  • Spezialfall Cirren (schleierförmig): Die horizontale Ausdehnung ist gering und die Form der Einzelwolke erinnert an einen Schleier.

  • Spezialfall Stratocumulus: Die Unterteilung in haufen- oder schichtförmig ist nicht so eindeutig


Achtung: Falls Gruppen aus einzelnen oder zusammengewachsenen Wolkenhaufen in grösseren Wolkenfeldern vorkommen, handelt es sich nicht um Schichtwolken, sondern eine «-stratiformis» Art.


Foto eines Altocumulus stratiformis: Auch wenn die Wolke eine «Schicht» darstellt, handelt es sich um eine haufenförmige Wolke, da sich einzelne Elemente in Haufen, Einzelwolken, bzw. "Bausche" unterteilen lassen

Altocumulus stratiformis: Auch wenn die Wolke eine «Schicht» darstellt, handelt es sich um eine haufenförmige Wolke, da sich einzelne Elemente in Haufen, Einzelwolken, bzw. "Bausche" unterteilen lassen

(Quelle: ©karlo54 - stock.adobe.com)


Höhe der Wolke?: im Falle von hügeligem oder bergigem Gelände kann die Wolkenuntergrenze möglicherweise abgeschätzt werden. Ansonsten sind indirekte Rückschlüsse, wie «relative Grösse der Haufen», «horizontale Sichtweite», «Helligkeit», «Kontur», «Struktur» und das «Auftreten von optischen Phänomenen» nötig.


Relative Grösse der Haufen: Halte deine Hand ausgestreckt mit einer Neigung von ca. 30° in den Himmel. Nun betrachte Grösse der Wolkenhaufen relativ zu deiner Hand?

Horizontale Sichtweite: Hier geht es um die Sichtweite beim Blick gegen den Horizont im eher flachen Gelände. Diese kann über die Höhe der Schichtwolke Aufschluss geben

Helligkeit der Wolkenuntergrenze: Je höher die Wolke, desto weniger dicht ist sie, d.h. desto weniger Licht wird in der Wolke absorbiert. Mit zunehmender Höhe nimmt also die Helligkeit der Wolkenuntergrenze zu. Die Helligkeit ist auch abhängig von der vertikalen Mächtigkeit der Wolke. Mit der Dichte der Wolke hängt auch die Sichtbarkeit von Mond und Sonne ab:

  • keine Eigenschatten (Untergrenze weiss), evtl. Himmelsblau hinter der Wolke noch sichtbar: Wolke im hohen Stockwerk

  • mit Eigenschatten (Untergrenze hellgrau bis grau): Wolke im tiefen bis mittleren Stockwerk

  • Sonne wird vollständig verdeckt: Unterart «-opacus» oder Gattung Cumulus, Cumulonimbus oder Nimbostratus

  • Position der Sonne/Mond hinter der Wolke noch sichtbar: Unterart «-translucidus» oder Wolke des hohen Stockwerkes


Achtung: Wenn die Sonne nahe am Horizont ist, dann können andere Farbverhältnisse vorherrschen.


Foto einer Haufenwolken im hohen Stockwerk (Cirrocumuli). Diese sind weiss (ohne graue Stellen), haben also keine Eigenschatten, was sie von den etwas tieferen Altocumuli abgrenzen lässt Wolke Bestimmung Zeichen

die Haufenwolken im hohen Stockwerk (Cirrocumuli) sind weiss (ohne graue Stellen), haben also keine Eigenschatten, was sie von den etwas tieferen Altocumuli abgrenzen lässt

(Quelle: King of Hearts - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10903373)


Konturen: Je dichter die Wolke und je kleiner die Wolkentröpfchen, desto schärfer erscheinen dabei die Konturen, weil das Licht rascher zurückgestreut wird. Hohe Wolken sind weniger dicht und dort grenzt sich der «Wolkenkörper» nur undeutlich von der Umgebung ab. Aber auch tiefe Wolken können durch den Wind Wattebausch-artig auseinandergezupft (ausgefranst) werden. Niederschlag (virga oder praecipitatio) führt generell zum Verwischen von Konturen.

Altocumuli im mittleren Stockwerk sind bereits gut von der Umgebung abzugrenzen, hier im Foto noch etwas Wattbausch-artig auseinandergezupft und mit leichten Eigenschatten.

Altocumuli im mittleren Stockwerk sind bereits gut von der Umgebung abzugrenzen, hier im Foto noch etwas Wattbausch-artig auseinandergezupft und mit leichtem Eigenschatten.(Quelle: By Rollcloud - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112184402)


Foto einer Cirrus-Wolke: Der Wolkenkörper von Cirren grenzt sich nicht so klar von der Umgebung ab (und weist eine faserige Struktur auf)

der Wolkenkörper von Cirren grenzt sich nicht so klar von der Umgebung ab (und weist eine faserige Struktur auf)

(Quelle: CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=163218)


Struktur: Wie ist die Struktur der Wolke?

  • faserige Struktur mit parallelen, verflochtenen oder hakenförmigen Fäden: Cirrus (siehe Bild oben) oder Cirrostratus fibratus

  • strukturlos: schichtförmige Wolke der Art «-nebulosus»


optische Phänomene: treten um die Sonne oder den Mond Haloeffekte, Kränze oder irisierende Farben auf ? Achtung, nie direkt in die Sonne schauen, lieber mit dem Handy rasch ein Foto machen! Halos entstehen durch Brechung und/oder Reflexion an Eiskristallen, was bedingt, dass in der Wolke Eiskristalle vorkommen müssen. Kränze und irisierende Wolken bilden sich hingegen durch Beugung an Wassertröpfchen:

  • Halo: Wolke mit Eiskristalle > eher hohes Stockwerk

  • Kranz / irisierende Wolke: eher tiefes bis mittleres Stockwerk


Halophänomene sind typisch fürs hohe Stockwerk (v.a. Cirrostratus) Wolke Bestimmung Zeichen

Halophänomene sind typisch fürs hohe Stockwerk (v.a. Cirrostratus)

(Quelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=121107)


Kränze sind dann eher im mittleren bis tiefe Stockwerk zu finden Wolken Bestimmung Zeichen

Kränze sind dann eher im mittleren bis tiefen Stockwerk zu finden

(Quelle: Wiebke Salzmann - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8943864)


Ausbildung der Wolkenuntergrenze: Ist die Untergrenze scharf auf einer klaren Höhe (Kondensationsniveau) abgegrenzt oder eher uneben?

  • scharf: Entstehung der Wolke eher durch Thermik oder grossräumige Hebung

  • uneben: Entstehung der Wolke eher durch Turbulenz oder die Wolke wurde durch den Wind zerrissen


Foto einer Cumulus-Bewölkung: Die Untergrenze der Cumuli ist in der Regel scharf begrenzt (mit einem klaren Kondensationsniveau) Wolken Bestimmung Wolkenuntergrenze

die Untergrenze der Cumuli ist in der Regel scharf begrenzt (mit einem klaren Kondensationsniveau)

(Quelle: PiccoloNamek at the English-language Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=398945)


Ausbildung der Wolkenobergrenze (falls sichtbar):


Vertikale Ausdehnung: Wie mächtig ist die Wolke in ihrer vertikalen Ausdehnung, bzw. wie ist das Verhältnis zwischen Breite und Höhe der Haufen?


verschiedene Wolkenschichten: Diese kann dadurch erkannt werden, dass zwei verschiedene Strukturen gleichzeitig vorliegen und eine davon (untere) die andere (die obere) überlappt. Nach Sonnenuntergang beginnt ausserdem erst die untere und dann später die obere Schicht zu leuchten.


Anordnung: Wie sind die Wolkenhaufen oder -schichten angeordnet?

Mit den eigenen Beobachtungen und Definitionen kannst du nun die Wolkengattungen bzw. Wolkenart bestimmen. Auf der Homepage des Internationalen Wolkenatlas gibt es (nur auf Englisch) einen Bestimmungsschlüssel für die Wolkengattung. Dort wird übrigens auch auf die Bedeutung von Referenzbilder hingewiesen: Schaue dir so oft es geht Wolkenbilder an, die mit der entsprechenden Art, bzw. sonstigen Eigenschaften referenziert sind! Damit kriegst du ein Gefühl für die verschiedenen Formen und Farben. Bibliotheken mit Referenzbilder gibt es zu genüge, sowohl frei verfügbar, als auch in Buchform. Dabei kann u.a. empfehlen:

  • Internationaler Wolkenatlas (Englisch) https://cloudatlas.wmo.int/en/descriptions-of-clouds.html. Hier gibt es (von hochoffizieller Seite) zu jeder Wolkenart, Unterart und Sonderform gute Referenzfotos (inkl. Beschreibung)

  • http://www.wolken-online.de, Bilder ebenfalls mit kleiner Beschreibung

  • https://www.wolkenatlas.de, der Karlsruher Wolkenatlas: Sehr viele schöne Bilder und sogar Animationen, jedoch ohne Erklärungen.

  • Buch: Wolken und andere Phänomene am Himmel von Hans Häckel: Dieses Buch besteht nach einer kurzen Einführung aus zahlreichen Wolkenbildern mit dazugehörigen Erklärungen.


Nebst der Bestimmung der Wolkenart, bzw. möglicher Unterarten und Begleiterscheinungen, lohnt sich für die Analyse der Wettersituation auch der Blick auf folgende Parameter:


  • Bedeckung: wie stark wird der Himmel von Wolken abgedeckt? Achtung: Die Bedeckung scheint immer gegen den Horizont grösser zu werden. Dies liegt aber meist daran, dass dort Wolkenlücken weniger sichtbar sind. In der Nacht gibt die Sichtbarkeit von Sternen ein Gefühl für die Wolkenbedeckung.


  • Windrichtung: Die Zugrichtung der Wolke zeigt dir die horizontale Windrichtung in der entsprechenden Höhe und gibt ein Gefühl für die dortige Windgeschwindigkeit. Die Ausrichtung der Bänder bei der Unterart «-radiatus» weisen jeweils parallel zur Windrichtung. Achtung: lenticularis-Wolken ("Föhnwolken») bleiben trotz starkem Wind stationär.


  • Zeitliche Änderung: Wie ändern sich die Wolken? Werden sie mächtiger, lösen sie sich auf? bleiben sie konstant? Bilden sie sich kontant um? Werden die mit dem Wind herangewehten Wolken generell dichter oder lockerer?


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