top of page

erdflow-Wolkenatlas, der Online-Atlas für praxisorientierte Wetterkunde

< zur Startseite des erdflow-Wolkenatlas


Beurteilung der Temperaturfaktoren


Das standortabhängiges unterschiedliches Temperaturverhalten kann man z.B. bei folgenden Phänomenen beobachten:

  • unterschiedliche Bildung von Tau/Reif je nach Nacht oder Fläche

  • nächtlicher Nebel bildet sich nur auf gewissen Flächen (z.B. Moore)

  • die Schneedecke schmilzt an einigen Stellen schneller oder langsamer

  • an einem Standort fühlt sich die Temperatur der Luft etwas heisser/kälter an


Achte möglichst auf solche Zeichen, wenn du draussen unterwegs bist und gleiche sie mit dem Wetter (Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Bewölkung, Wind,..) und lokalen Begebenheiten (Untergrund, Hangneigung, Vegetationsbedeckung,..) ab. Natürlich wirst du nie alles eindeutig erklären können, doch es ist definitiv eine Beschäftigung mit der Natur, die sehr viel Spass macht.


Das Wissen, dass du dir dabei erarbeiten kannst, geht jedoch übers reine Naturbeobachten hinaus, denn es erlaubt dir auch bei Outdoor-Unternehmungen bessere Entscheidungen zu treffen. Dies vor allem, wenn es darum geht, einen Schlafplatz zu finden und einzurichten, bei dem der Wärmeverlust minimal ist. Falls du natürlich einen superwarmen Schlafsack dabei hast, dann ist das alles weniger relevant, bzw. damit kannst du dich auch an exponierten, kalten Stellen sehr wohl fühlen. Falls das nicht der Fall ist, habe ich im Folgenden ein paar Punkte zusammengetragen. Dabei ist zu beachten, dass je nach Situation der eine oder andere Faktor wichtig oder unwichtig sein kann:


  • Standorte mit eher geringen nächtlichen Lufttemperaturen aufsuchen: Moore und (v.a. feuchte) Wiesen, sowie Ruderalflächen sind eher zu meiden, während unbewachsener Boden oder Waldboden zu bevorzugen ist. Auch Standorte, die am Tag generell viel Strahlung abbekommen (z.B. Südhänge) sind zu bevorzugen. Übrigens: Je schwächer die Sonneneinstrahlung am Tag vorher war und je stärker der Wind weht, desto weniger zeichnen sich Unterschiede zwischen den verschiedenen Bodenbeschaffenheiten ab!


  • Wärmeverlust an den Boden minimieren: Wenn wir draussen übernachten, dann haben wir (mit Ausnahme der Hängematte) direkten Bodenkontakt. Da der Boden kälter als unsere Körpertemperatur wird, verlieren wir dadurch ständig Wärme, zumal die Daunen des Schlafsackes durch unser Körpergewicht auf der Unterseite praktisch keine Isolation bieten. Genau aus diesem Grund ist eine gute Isomatte genauso wichtig wie die Isolationsleistung des Schlafsackes, denn dadurch reduziert sich der Wärmefluss in den Boden. Doch auch mit der Wahl des Untergrundes kann viel erreicht werden: Je kälter der Boden und je besser die Wärmeleitfähigkeit des Bodens, desto grösser ist der Wärmefluss. So sind generell Standorte mit feuchtem/nassem Boden oder Felsuntergrund zu meiden!


  • Abstrahlung minimieren: Die ständige langwellige Abstrahlung unseres Körpers stellt, nebst der Wärmeleitung in die Luft oder Boden, eine weitere Quelle für einen Wärmeverlust dar. Andererseits reduziert sich aber auch der Strahlungsverlust, wenn Objekte in der Umgebung in deine Richtung strahlen. Um die Strahlungsbilanz möglich minimal zu halten, muss deshalb ein Standort mit möglichst guten Strahlungsquellen aufgesucht werden. Das können Felsen oder auch Baumkronen sein. Eine gute Strahlungsquelle stellt übrigens auch der Stoff des Zeltes oder eine Plane dar!


  • Windschutz: Ist nicht nur wichtig wegen dem Windchill-Effekt, sondern auch weil damit die Wärmeleitung vom Schlafsack in die Luft erhöht wird.


  • Kälteseen meiden: Mulden bilden einen guten Windschutz und generell einen geringeren Strahlungsverlust. Sie können deshalb bei windigen Verhältnisse einen Vorteil bieten. In windstillen und klaren Nächten sind sie wegen der Bildung von Kälteseen jedoch zu meiden. Bei Mulden oder Gräben können sich übrigens bei aufkommendem Regen plötzlich Bäche oder Pfützen bilden!


Energiebilanz am Boden, Lufttemperatur, Outdoor;  Biwak im Kaltluftsee

Ein Beispiel wie man es nicht machen sollte: Mein Schlafplatz lag in der kalten-klaren und windstillen Oktobernacht auf ca. 2'500 m ü. M. in einer Geländemulde. Es war bitterkalt!


Das Wissen aus der Energiebilanz erlaubt dir ausserdem ein paar Vorhersagen über die kommende Wetterentwicklung treffen zu können:


  • trockene Luft: Herrschte es am Tag zuvor eine gute Fernsicht und war dabei der Himmel besonders blau, dann ist dies ein Anzeichen von geringer Luftfeuchtigkeit. Da dadurch die atmosphärische Gegenstrahlung reduziert ist, ist in der kommenden Nacht generell mit einer starken Abkühlung zu rechnen. In der Nacht kann trockene Luft übrigens auch daran erkannt werden, dass der Sternenhimmel besonders ausgeprägt ist.


  • feuchte Luft: Eher schlechte Fernsicht, starkes Schwitzen, besonders intensive Gerüche und (im Sommer) viele Fliegen am Abend, deuten auf eine hohe Luftfeuchtigkeit hin, die tendenziell mit geringeren nächtlichen Abkühlung verbunden ist.


  • wolkenloser Himmel: Bei fehlender Bewölkung ist die Erwärmung während des Tages besonders stark, doch ebenso ist es auch die nächtliche Abkühlung. In der Nacht kann fehlende Bewölkung am freien Blick in den Sternenhimmel erkannt werden.


  • nächtliche Bewölkung: Führt zu einer langwelligen Gegenstrahlung von den Wolkenunterseiten, wodurch der Wärmeverlust des Bodens reduziert wird. Die Folge ist eine geringere nächtliche Abkühlung.


  • Wind: Wind führt zu einer eher geringeren nächtlichen Abkühlung, weil die bodennahe Kaltluft mit der etwas wärmeren Luft darüber vermischt wird. Dabei wird ebenso die Bildung von Kaltluftseen in Senken/Mulden verhindert.


  • Prognose der Tiefpunkttemperatur: Wie bereits erwähnt, entspricht die zu erwartende Tiefsttemperatur in etwa dem Taupunkt des Vortages. Dies gilt jedoch nur für klare, windstille Nächte. Doch wie bestimmt man den Taupunkt des Vortages? Wer ein Messgerät zur Bestimmung der Luftfeuchtigkeit und ein Thermometer dabei hat (oder sich die Daten einer nahegelegenen Wetterstation mit dem Smartphone abruft), kann ihn berechnen, doch leider ist die Formel etwas kompliziert. Besser eignet sich deshalb das Ablesen auf einer Hilfsgrafik (siehe unten). Wenn am Himmel Quellwolken vorhanden sind (was eher in den warmen Monaten der Fall ist) und du mit nahegelegenen Bergen ungefähr die Höhe der Wolkenuntergrenze bestimmen kannst (geht also nur im Gebirge) gilt ausserdem: Taupunkt [°C] = «Lufttemperatur am Boden» [°C] + «Höhe Wolkenuntergrenze» [m] / 122

Energiebilanz am Boden, Lufttemperatur, Outdoor; Taupunkt je nach Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit

Taupunkt in Abhängigkeit von Lufttemperatur und relativer Luftfeuchtigkeit

Quelle: Original: Easchiff, Derivative: SLUB Dresden / Carsten Pietzsch - Diese Datei wurde von diesem Werk abgeleitet: Dewpoint-RH.svg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99281263


Mehr zum Thema Temperatur und Energie-/Strahlungsbilanz:



< zur Startseite des erdflow-Wolkenatlas


erdflow-Wolkenatlas

der Online-Atlas für praxisorientierte Wetterkunde


400PngdpiLogo.png

©2021 erdflow. Erstellt mit Wix.com

Outdoor.jpg
bottom of page