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erdflow-Wolkenatlas, der Online-Atlas für praxisorientierte Wetterkunde

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Beurteilung der Windverhältnisse


Die Zeichen des Wetters (Bewölkung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Windverhältnisse, Farbverhältnisse in der Atmosphäre) zu beobachten ist eine sehr naturverbundene und befriedigende Tätigkeit. Damit kannst du im Outdoor-Bereich aber auch bessere Entscheidungen treffen, d.h. mögliche Wetterentwicklungen vorhersagen und deine Planung (z.B. bzgl. Einrichtung des Nachtcamps) entsprechend danach ausrichten. Im Folgenden ein sind paar Aspekte zusammengetragen, bzgl. Analyse und Schlussfolgerungen aus den Windverhältnissen



unterwegs bei starkem Wind


Hier ist entsprechende Kleidung nötig (d.h. äusserste Kleidungsschicht winddicht), denn die Auskühlung wird durch den Windchill-Effekt stark beschleunigt. Ausserdem ist zu beachten, dass die Atmung wegen der Sogwirkung des Windes etwas erschwert ist.


Messung der Windstärke/-richtung


Für die Abschätzung der Windstärke am Boden (an deinem derzeitigen Standort) kann die Beaufortskala zur Hilfe genommen werden. Bei der Bestimmung der Windrichtung kann das Gefühl auf der Haut oder aufwirbelte Staubkörner helfen, bzw. ab ca. 3 Bft (>12km/h) kann auch die Bewegung der Blätter und Zweige Hinweise darauf geben.


Wind spüren, beurteilen und deuten; Wind Entstehung, Einflussfaktoren und antreibende Kräfte; Rückschlüsse bei Outdoor-Unternehmungen, Wandern, Fahrradfahren, Trekking, Zelten, Nachtlager, Camp, Biwak, etc;  Beurteilung Windrichtung

Die Windrichtung ist dort wo die ihn am stärksten im Gesichts spürst. Falls vorhanden, können natürlich auch Windfahnen helfen

(Quelle: ©Vladimir Muravin - stock.adobe.com)


Für eine Abschätzung der Windverhältnisse in der Höhe können die Wolken beobachtet werden. Je rascher sie sich bewegen, desto stärker weht dort oben der Wind. Die Zugrichtung der Wolken entspricht ungefähr der Windrichtung (dies gilt jedoch nicht für die Unterart «lenticularis»!).


die Bewegung der Wolken verrät die Windrichtung in der entsprechenden Höhe


Bei Wellenstrukturen (Unterart «undulatus») sind diese stets quer zur Windrichtung angeordnet:


Foto einer undulatus Wolke und wie damit die Windrichtung abgelesen werden kann.

Altocumulus stratiformis undulatus

(Quelle: bearbeitet aus ©hardtodigit - stock.adobe.com)


Langgestreckte, parallele Bänder (Unterart «radiatus») richten sich dagegen parallel zum Wind aus:


Foto einer radiatus-Wolke und wie damit die Windrichtung abgelesen werden kann.

Cirrus fibratus radiatus

(Quelle: bearbeitet aus ©Menyhert - stock.adobe.com)


Bei vom Wind fortgewehten Kondensstreifen entspricht die Windrichtung der Ausrichtung der Ausbeulungen.


Bei Cumulus congestus kann die Zunahme der Windstärke beobachtet werden, indem sich diese zur Seite neigt:


Foto einer geneigten Cumulus congestus Wolke und wie damit die Windscherung abgelesen werden kann.

die Zunahme der Windstärke mit der Höhe lässt diesen Cumulus congestus zu Seite neigen

(Quelle: bearbeitet aus Ralph F. Kresge #0831 — http://www.photolib.noaa.gov/historic/nws/wea00088.htm, wea00088, Historic NWS Collection, Domaine public, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=424348)


Sind Berge schneebedeckt, dann können starke Winde auf den Gipfel/Kämmen meist durch den damit aufgewirbelten Schnee von weitem her (z.B. vom weniger windigen Talboden her) erkannt werden («Schneefahnen»). Die damit hervorgerufenen Schneeverwehungen, führen im Lee zur Ablagerung von Triebschnee und erhöhen dort für einige Tage die Lawinengefahr!


Wind spüren, beurteilen und deuten; Wind Entstehung, Einflussfaktoren und antreibende Kräfte; Rückschlüsse bei Outdoor-Unternehmungen, Wandern, Fahrradfahren, Trekking, Zelten, Nachtlager, Camp, Biwak, etc;  Beurteilung Schneefahnen

Windige Tour in Armenien: Der starke Wind auf dem Gipfel (der 4'090 m hohe Aragats) zeigt sich an der dortigen Schneefahne, welche an diesem Tag die Gipfelbesteigung unmöglich machte.


Genau wie die Wellenstrukturen der Wolken entstehen auch die Wasserwellen aus der Reibung zwischen der Luft und dem Wasser in Folge des Windes. Somit kann auch aus der Ausrichtung der Wellenberge- /Täler die Windrichtung (senkrecht dazu) bestimmt werden.


Hauptwindrichtung


Steht ein Baum an einer windexponierten Stelle (im offenen Gelände), dann richten sich die Äste und Zweige mit der Zeit stromlinienförmig der Hauptwindrichtung aus. Dieses Phänomen ist vor allem in windreichen Gebieten zu beobachten und hat für die Bäume den Zweck, den Winddruck und somit die Gefahr von Windwurf zu reduzieren. So können geneigte Baumkronen einen Hinweis auf die bevorzugte Windrichtung eines Standortes geben. Wenn man weiss, welche Windrichtung in einem Gebiet am häufigsten auftritt (bei uns ist das der Westwind), kann man aus der Neigung der Baumkrone die ungefähre Himmelrichtung bestimmen. Achtung: Im nicht-offenen Gelände neigen sich die Baumkronen v.a. dem Licht hin zu!


Zwei Bäume biegen sich nach rechts durch den Wind. Text "Hauptwindrichtung". Linke Landschaft grün, rechts felsig. Himmel blau. Die Grafik zeigt wie durch die Wuchsform von Bäumen an exponierten Stellen die Hauptwindrichtung abgelesen werden kann

Baumkronen, die sich der Hauptwindrichtung ausrichten. Bei Fichten (Bild rechts) bleibt der Hauptstamm meist senkrecht.

Quelle: zusammengesetzt und bearbeitet aus Jan Reurink - originally posted to Flickr as By the force of high winds the trees grow in a horizontal way, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6284887 (links) und Kenneth P. James - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12096028 (rechts)


Standorte wo stärkere/schwächere Windverhältnisse erwartet werden


  • Je exponierter (d.h. baumloser, topgraphisch- ausgesetzter, etc.) ein Standort, desto höhere Windgeschwindigkeiten können erwartet werden.

  • Im Gebirge nimmt die Windgeschwindigkeit allgemein mit der Höhe zu (gilt nicht bei Bisenlage!). Durch die Ekman-Spirale ist ausserdem mit der Höhe eine Drehung im Gegenuhrzeiger zu erwarten.

  • Hochebenen, Bergsättel und Talverengungen sind allgemein mit einer Beschleunigung des Windes verknüpft.

  • Weht ein grossräumiger Wind, dann nimmt die Windstärke am Boden in der Regel am Abend ab und mit dem Morgen wieder zu (falls das nicht der Fall ist, muss mit einer Änderung der Grosswetterlage gerechnet werden). In der Höhe ist das Gegenteil der Fall: die Windstärke nimmt ab dem Abend zu und am Morgen wieder ab.

  • In Leebereichen des Geländes sind die Windstärken allgemein geringer, dafür erhöht sich durch die Bildung von Leewirbeln die Böigkeit.

  • Allgemein geringe Windstärken findet man in Städten, sowie in Wäldern unter dem Kronendach.


windgeschütztes Lager


Im Outdoor-Camp ist ein ständig wehender Wind nicht erwünscht, da dieser auf Dauer unangenehm ist und für eine schnellere Auskühlung sorgt. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort des Camps sind deshalb die Windverhältnisse zu berücksichtigen. Generell sind dann vor allem Stellen im Lee-Bereich (hinter Kuppe, Kamm, Mauer, Haus, Block, Baum, Hecke, etc.) aufzusuchen. Am besten eigenen sich dabei der Wald (gilt jedoch nicht bei sehr starkem Wind!). Auch Gräben oder Mulden sind interessant, wobei sich dort in windstillen Nächten ein Kaltluftsee bilden kann und bei aufkommendem Regen die Gefahr besteht, dass man sich plötzlich in Mitte eines Baches befindet.


Windgeschütztes Outdoor-Camp in sonst Wind-exponierter Landschaft

Im offenen Gelände lohnen es sich im Lee-Bereich von Hindernissen (wie z.B. Sträucher) zu übernachten


Wichtig: Die Windrichtung am Nachmittag/Abend entspricht nicht unbedingt derjenigen in der Nacht oder nächsten Morgen! Ein Hangaufwind am Nachmittag, geht am Abend in einen Hangabwind, bzw. ein Talwind während der Nacht in einen Bergwind über. Auch kann es sein, dass sich während der Nacht die Grosswetterlage ändert. So wurde ich einmal mitten im Wald beim Zelten von einem heftigen Wintersturm überrascht. Ich musste dann im strömenden Regen alles zusammenpacken und an einen sicheren Standort «flüchten». Es lohnt sich also vorgängig die Wetterprognosen zu prüfen! Bei grossräumigem Wind ist ausserdem der Tagesgang der Geschwindigkeit zu berücksichtigen. Ein vergleichsweise laues Lüftchen am Abend nach Sonnenuntergang hat mich einmal bei einer Fahrradreise in der Patagonischen Pampa zu einem windexponierten Zeltstandort verleitet. Am nächsten Morgen hat der Wind dann kurz nach Sonnenaufgang so richtig Fahrt aufgenommen und die Zeltstangen verbogen!


Ein Aufenthalt im Wald oder in der Nähe eines Baumes ist bei Sturm ist eine sehr schlechte Idee, da sehr gefährlich! Nicht weil sich damit ganze Bäume entwurzeln würden, sondern da sich lose Äste von den Baumkronen lösen oder Äste abbrechen können und dich erschlagen. In Mitteleuropa kommen deswegen jedes Jahr Leute ums Leben!


  Ein wunderbarer windstiller Abend (links). In der Nacht kam eine Sturmfront auf und ich musste im strömenden Regen aus dem Wald flüchten. Eine perfekte windgeschützte Stelle fand ich dann in einer nahe gelegenen Höhle (Bild rechts) :-)


Auch solltest du bei der Wahl deines Schlafplatzes im Wald bereits vorsorgen, d.h. eine Stelle unter einem Baum wählen, der möglichst gesund aussieht und bei dem keine losen Äste in der Krone herumhängen.


Ein Zelt bietet mit dem Aussenzelt bereits einen guten Windschutz. Wenn letzteres jedoch nicht ganz zum Boden reicht, dann ist die Windisolation deutlich geringer, weil dabei am Boden Luft ins Zelt strömen kann (Vorteil: Durch die höhere Durchlüftung bildet sich dabei weniger Kondenswasser). Bei Schnee kommt es ausserdem auf der Luvseite zu Schneeablagerungen, weshalb bei Winterzelten das Aussenzelt immer bis zum Boden reichen muss. Bei starkem Wind ist auf eine windsichere Befestigung zu achten und robuste Zeltstangen aus Aluminium-Legierungen sind dann besonders wichtig. Ausserdem sollte das Zelt längs zur Windrichtung ausgerichtet werden um die Angriffsfläche zu minimieren. Zelte mit zwei Eingängen haben den Vorteil, dass die Seite mit schwächerem Wind genutzt werden kann. Von den Zelttypen sind übrigens Kuppelzelte oder Tunnelzelte, bzw. Mischformen davon am windstabilsten.


Beurteilung Übernachtung Zeltstandort an Wind-exponiertem Standort

Eine Übernachtung an einem exponierten Standort ist nur bei schwachem Wind oder Windstille zu empfehlen


Verwendest du ein Tarp, dann lohnt sich dieses so aufzubauen, dass die windzugewandte Seite komplett geschlossen ist und eine möglich stromlinienförmige Form aufweist. Eine windsichere Befestigung ist ausserdem selbstverständlich, denn anders als beim Zelt, wird das Tarp nicht durch dein Körpergewicht beschwert).


Übernachtest du ohne Zelt/Tarp, dann lohnt es sich bei windigen Verhältnissen die Verwendung eines Biwaksackes, der den Schlafsack vor dem Wind und damit dem «Ausblasen» der Warmluft schützt.


Wind spüren, beurteilen und deuten; Wind Entstehung, Einflussfaktoren und antreibende Kräfte; Rückschlüsse bei Outdoor-Unternehmungen, Wandern, Fahrradfahren, Trekking, Zelten, Nachtlager, Camp, Biwak, etc;  Beurteilung  Biwaksack bei Gipfelbiwak

Bei Übernachtungen ohne Zelt/Tarp in windigen Verhältnissen oder an exponierten Stellen sollte man den Biwaksack immer dabeihaben!


Was für den Schlafplatz gilt, sollte auch auf die Lage deines Lagerfeuers zutreffen. Je windexponierter, desto schwieriger ist es, das Feuer zu kontrollieren und desto schneller wird die Warmluft weggeblasen. Bedarfsweise kann um das Feuer zum Windschutz (v.a, in Windrichtung) ein Steinwall aufgeschüttet werden Die Feuerstelle darf nie Luv-seitig neben dem Zelt stehen!


Wetterlagen je nach Windrichtung


Weht der Wind aus einer bestimmten Himmelsrichtung ist dies meist mit einem typischen Wettercharakter verknüpft. Denn schliesslich ist der Wind ja ein Ergebnis der grossräumigen Luftdruckverteilung und je nach Herkunft werden mir ihm Wärme/Kälte, Feuchtigkeit/Trockenheit etc. herantransportiert. Mit der Bestimmung der Windrichtung können demnach Rückschlüsse über das aktuelle und kommende Wetter getroffen werden.


Allgemein ist die herangeführte Luft aus dem Süden wärmer und diejenige aus dem Norden kälter als üblich. Ob die Luft aus Westen oder Osten wärmer oder kälter ist, bzw. die gleiche Temperatur hat, ist abhängig von der Jahreszeit. Ob die Luftmasse auf dem Weg zu uns eine Passage über das Meer gehabt hat oder nicht, hat ebenfalls einen grossen Einfluss auf die Lufttemperatur und vor allem auf die Wahrscheinlichkeit und Menge an Niederschlägen. Den über dem Meer werden grosse Mengen an Wasserdampf aufgenommen und die Temperatur der unteren Luftschichten nähert sich derjenigen der Meeresoberfläche an. Kontinentale Luft ist hingegen trocken, oft aber auch durch den mitgeführten Staub in den untersten Lagen etwas dunstig. Schliesslich sind auch topographische Effekte wirksam: Trifft der Wind auf die Alpen oder ein Mittelgebirge, werden im Luv die Luftmassen gehoben, was zu Stauniederschlägen führen kann. Gleichzeitig können in den Leebereichen durch Fallwinde (Föhn) trocken-warme Verhältnisse vorherrschen.


Im Folgenden habe ich die typischen Wetterlagen je nach Windrichtung zusammengetragen:


Windstille / sehr schwache Winde, bzw. ausgeprägte lokale Windsysteme: Es liegt entweder eine Hochdrucklage oder eine Flachdrucklage vor. Es bilden sich die typischen lokalen Windsysteme aus. In der Nacht ist die bodennahe Abkühlung vergleichsweise stark und in den Tälern/Vertiefungen bilden sich Kaltluftseen. Letzteres ist besonders Winter ausgeprägt, wo sich in tiefen Lagen ausserdem je nach Luftfeuchtigkeit Bodennebel bildet. Bei einer Hochdrucklage ist mit warmem-trockenen Wetter zu rechnen und die Gewitterneigung im Sommer ist allgemein gering.


Wind spüren, beurteilen und deuten; Wind Entstehung, Einflussfaktoren und antreibende Kräfte; Rückschlüsse bei Outdoor-Unternehmungen, Wandern, Fahrradfahren, Trekking, Zelten, Nachtlager, Camp, Biwak, etc;  Beurteilung Hochdruckwetter

durch das grossräumige Absinken von Luftmassen, herrscht in einem Hochdruckgebiet generell warmes und trockenes Wetter vor, mit guter Fernsicht in den Bergen. Meist ist es windstill, bzw. in den Bergen stellen sich die lokalen Windsysteme ein

(Quelle: ©Tom Fenske - stock.adobe.com)


Bei einer grossräumig schwachen Druckverteilung (Flachdrucklage), die vor allem im Sommer auftreten, ist hingegen mit einem ausgeprägten Tagesgang des Wetters zu rechnen, mit einer hohen Gewitterneigung am Nachmittag.


Westwind: Ist mit wechselhaftem Wetter verbunden. Die im Nordatlantik / Nordeuropa liegenden Tiefdruckgebiete führen dabei Wetterfronten mit ihrem typischen Wettercharakter (Niederschlagszonen) heran (siehe hier). Die Temperaturen sind dann im Winter allgemein wärmer, bzw. im Sommer kühler als sonst in der Jahreszeit. Dies hat damit zu tun, dass der Atlantik im Winter wärmer, bzw. im Sommer kälter als der Europäische Kontinent ist.


Westwindwetter in der Hügellandschaft des Zürcher Oberlandes nahe Schnebelhorn

typisches Westwindwetter: bewölkt und regnerisch


Die Wetterfronten selbst kündigen sich nebst den typischen Wolkenerscheinungen (mehr über Wetterfronten hier), auch mit einem typischen Windcharakter an:

  • vor der Warmfront: Winde aus Südost bis Südwest, Windstärke langsam zunehmend, langsame Drehung der Windrichtung im Uhrzeigersinn, Böigkeit gering, in den Tälern der Alpennordseite teils aufkommendem Föhn, der erstmal trocken-warmes Wetter bringt und das Einsetzen der Niederschläge verzögert

  • nach Durchzug der Warmfront: Sprunghafte Änderung der Windrichtung im Uhrzeigersinn (kann nur an exponierten Stellen beobachtet werden)

  • Warmsektor: gleichmässiger, mässig bis starker Wind, Windrichtung Südwest bis West

  • beim Durchzug der Kaltfront: starker Wind mit heftigen Böen, sprunghafte Änderung der Windrichtung im Uhrzeigersinn

  • Rückseitenwetter: Windrichtung Nordwesten bis Norden, durch Regenschauer zwischendurch immer wieder heftige Böen


Auch bei Hochdruck-beeinflusstem Wetter kann der Wind aus Südwesten kommen. In diesem Fall ist mit warmem Wetter, jedoch auch eher feuchter Luft zu rechnen. Im Sommer ist es dann die Zeit von schwül-heissem Wetter und einer nicht ganz so superstabilen Luftschichtung. Die Luft ist dann meist dunstig und es besteht eine erhöhte Gewitterneigung.


dunstige und unstabile Südwest-Wetterlage im Schwarzwald (auf dem Blauen)

Hochdruckbestimmter SW-Wind: Schwül-heissen, dunstiges Wetter mit hoher Gewitterneigung


Südwind: Damit herrscht eine Wetterlage vor, bei der sich auf dem Breitengrad Mitteleuropas von Westen her ein Tiefdruckgebiet annähert. In den Tälern der Alpennordseite ist es die typische Wetterlage für den Südföhn, der meist mit hohen Windgeschwindigkeiten und einer starken Boigkeit verbunden ist. Er sorgt ausserdem für trocken-warmes Wetter (mehr dazu siehe hier). Auf der Alpensüdseite ist jedoch mit heftigen Stauniederschlägen zu rechnen, denn bei der Passage über das Mittelmeer wurde die Luft stark angefeuchtet.


Handelt es sich bei der als Südföhn absinkenden Luftmasse ursprünglich um eine Höhenströmung, dann hat dann die Luft ihren Ursprung oft in der Sahara und die Temperaturen in den Föhngebieten sind dann meist noch wärmer. Durch den mitgeführten Saharastaub kann dann die Luft dunstig getrübt sein, z.T. mit einem gelblich oder rötlich-braunen Farbstich. Zum Teil ist dann die Hebung auf der Alpensüdseite so gering, so dass auch dort schönes Wetter herrschen kann.


Mit der Annäherung des Tiefdruckgebietes ändern sich auch die Luftdruckverhältnisse und damit die Windrichtung: Das Föhnwetter geht dann meist in unbeständiges Westwindwetter über.


Kommt der Wind aus dem (kontinentalen) Südosten, dann ist in ganz Mitteleuropa allgemein mit warm-trockenem, aber auch dunstigem Wetter zu rechnen.


Nordwind: Bei dieser Wetterlage liegt typischerweise über dem Atlantik ein Hochdruckgebiet und über Osteuropa ein Tiefdruckgebiet. Das Wetter ist geprägt durch einen Kaltlufteinbruch und Stauniederschläge auf der Alpennordseite (Die Alpensüdseite kann sich über Nordföhn freuen). Die kältesten Temperatureinbrüche finden dabei in erhöhten Lagen statt. Kommt der Wind aus Nordwesten sind (wegen der Anfeuchtung der Luft über der Nordsee) die höchsten Niederschlagsummen, jedoch auch geringere Temperatureinbrüche zu erwarten.


Ostwind: Damit befindet sich über dem nördlichen Mitteleuropa bis Nordeuropa ein kräftiges Hochdruckgebiet («Russlandhoch»), während im Mittelmeerraum tieferer Luftdruck herrscht. Die herangeführte Luft aus Russland / Osteuropa ist in der Regel trocken. Durch die aus den Industriegebieten Osteuropas mitbrachten Aerosole, sind die untersten Luftschichten meist von Dunst geprägt.


Im Schweizer Mittelland ist der Ostwind, der zwischen Jura und Alpen kanalisiert und somit verstärkt wird, auch bekannt als «Bise». Die höchsten Windgeschwindigkeiten der Bise werden jeweils in Genf gemessen, wo die Distanz zwischen Jura und Alpen am kürzesten ist.


Je nach Jahreszeit ist der Wettercharakter unterschiedlich:


  • kalte Jahreszeit: Da die Luftmasse über Russland ist dann besonders in den tiefen Lagen sehr kalt. Aus einer Kombination dieser bodennahen Kaltluft und der Turbulenz durch die Bise, bildet sich dann im Schweizer Mittelland der wenig beliebte Hochnebel (mehr dazu hier). Je stärker die Bise, desto höher liegt dabei die Nebelobergrenze. Über dem Nebel ist es dann jedoch deutlich wärmer. Weil in der Höhe die Luftdruckunterschiede zum Tiefdruckgebiet geringer sind (durch die bodennahe Kaltluft, welche die Isobaren nach unten drückt), weht dort ausserdem der Wind deutlich schwächer.


  • warme Jahreszeit: Dann sind die Temperaturen auch in Russland angenehm warm, weshalb warm-trockenes Wetter vorherrscht.

Ostwindlage im Winter mit Hochnebel.

Im Winter gilt bei Bise: Oben blau, unten grau


Im Schweizer Mittelland kann es sich beim Ostwind auch um die «bise-noire» handeln, die sich u.a. einstellt, wenn sich über dem Golf von Genua ein Tiefdruckgebiet bildet («Genuatief») und sich nach Norden ausdehnt. Sie ist meist mit einer «Gegenstromlage» verknüpft, bei der sich auf der Alpennordseite starke Niederschläge bilden können.


Mehr zum Thema Wind:



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