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Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale)


Familie: Zeitlosengewächse (Colchicaceae), Gattung: Zeitlose (Colchicum)


Achtung: Giftpflanze !


Blätter: jeweils drei ineinander verwachsene, ungestielte Blätter; lanzettlich, 20 bis 40cm lang, 2 bis 4 cm breit, Ende stumpf; achsenparallel verdreht; ganzrandig, Blattunterseite glänzend


Blüten: einzeln; gestielt; aufrecht glockenförmig; 6 lila bis rosa Perigonblätter; blüht August bis Oktober


Frucht: hellgrüne Kapsel, die zwischen den Blättern eingebettet ist


  • ©Lena Polia- stock.adobe.com
  • ©JRG- stock.adobe.com

Auch die Herbstzeitlose hat etwas andere Standortansprüche als der Bärlauch. Sie ist nämlich eine typische Wiesenpflanze und tritt vor allem auf Feuchtwiesen und Fettwiesen auf, die nicht zu früh und nicht zu oft gemäht werden. Man findet die Art auch auf extensiv genutzten Weiden, wo sie vom Weidevieh weitestgehend gemieden wird (ist auch für diese Kollegen giftig!). Bei zu starker Trittbelastung verschwindet sie jedoch. Weiter erstreckt sich das Vorkommen ausserdem auf halbschattige Bereiche am Rand von Wiesen, wo diese in den Wald oder Gehölze übergehen und gerade dort ist (v.a. an Nordhängen) auch ein gemeinsames Vorkommen mit dem Bärlauch möglich. Die Blätter treiben, wie der Bärlauch, bereits früh im Jahr (Ende Winter bis März) aus. Zwischen den Blättern wächst dabei die Frucht aus der Blüte des Vorjahres heran. Die Samen sind Ende Frühling reif und dabei öffnet sich die Fruchtkapsel, wodurch sie auf den Boden fallen. Kurze Zeit später sterben die Blätter bereits wieder ab und die Pflanze zieht sich in die unterirdische Sprossknolle (das Speicherorgan der Herbstzeitlose) zurück. Daraus treiben dann im Herbst die Blüten aus (deshalb auch der Name), dessen Kronen Ende Oktober wieder absterben. Die Fruchtknoten der Blüten befinden sich allerdings tief unter der Oberfläche überwintern dort, ehe diese sich im nächsten Frühling zu den Früchten weiterentwickeln.


Die Herbstzeitlose gehört zu den giftigsten Arten Mitteleuropas. Der Giftstoff ist das Alkaloid «Colchizin». Dieses ist ein Mitosegift, das heisst, es hemmt die Zellteilung: Zellen die sich gerade teilen, bleiben in der «Metaphase» gefangen, was zu deren Absterben und damit auch Organschäden führt. Erste Symptome treten nach wenige Stunden nach der Einnahme auf, typischerweise mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfällen. Erst viel später, teils erst nach 24 Stunden kommen dann die gefährlichen Symptome, wie Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden, Nierenversagen, usw., was bei tödlichem Ausgang in einem zu einem Multiorganversagen gipfelt. Auch wenn man diese Phase überstanden hat, können wegen den Organschänden noch Tage später Komplikationen mit tödlichen Folgen auftreten, wie z.B. Knochenmarkversagen, was wiederum die Immunabwehr stark schwächt, was rasch zu bakteriellen Infektionen und damit Blutvergiftung führt. Zur Therapie einer Herbstzeitlosenvergiftung steht kein Gegengift zur Verfügung, wodurch sich die Behandlung lediglich auf rasche Giftentfernung und der Behandlung von Komplikationen beschränkt. In den letzten 10 Jahren wurden in der Schweiz und 15 Vergiftungsfälle mit den Herbstzeitlosen gemeldet und seit 1966 verliefen 4 Fälle tödlich. Bei Überlebenden sind abhängig von der Schwere der Vergiftung und dem Zeitpunkt des Therapiebeginn auch Folgeschäden möglich, von denen sich der Körper aber in den meisten Fällen wieder vollständig erholen kann.


Wie das Maiglöckchen ist auch die Herbstzeitlose nicht nur eine Gift-, sondern auch eine Arzneipflanze. So wird das Colchizin zur Behandlung von Gichtanfällen eingesetzt. Bereits in den antiken Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes und des Orients war die Wirkung der Herbstzeitlose bei Gichtanfällen bekannt. Genutzt wurden dabei die Samen und die Knollen (im Frühling gesammelt). Es wurde damals jedoch meist höher dosiert, was zu häufigen Nebenwirkungen und auch schweren Vergiftungen führte. Heuzutage wird das Colchizin zwar aus den Herbstzeitlosen gewonnen, wird dabei aber gut kontrollierbar als Reinsubstanz eingesetzt. Es verhindert bei einem Gicht-Anfall die Entzündung in den Gelenken. Das Colchizin lagert sich dabei in den Weissen Blutkörperchen an, wo es deren Arbeit hemmt und so beim Gicht-Anfall den Teufelskreis von «Auflösung der Harnsäurekristalle > vermindern des PH-Wertes und erneutes Auskristallisieren» unterbricht. Wegen den möglichen Nebenwirkungen wird Colchizin nur niedrig dosiert, ist aber auch so bei Gichtanfällen ausreichend wirksam.

Keine Selbstanwendung (schwer dosierbare und potentiell tödliche Giftpflanze)! Entsprechende Medikamente sind verschreibungspflichtig und deren Anwendung bedarf einer ärztlichen Begleitung!


zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus

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Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.

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