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Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

Die Giftigkeit kommt wegen diversen enthaltenen Herz-Glykosiden (u.a. Digitoxin, Gitoxin, Gitaloxin,…). Bei einem Verzehr der Pflanze können bereits kleinste Mengen zum Tod durch Herzstillstand führen. Nebst Herzrhythmusstörungen, verlangsamten Puls und Verdauungsbeschwerden treten auch Benommenheit, Schwindel, Halluzinationen auf. Im Spital erfolgt die Behandlung u.a. durch die Einleitung von Gegengiften, resp. teils werden gleichzeitig die Herzrhythmusstörungen mit dem Atropin aus der Tollkirsche behandelt (keine Selbstmedikation, sondern bei Vergiftung sofort 144 anrufen!). Auch wenn es eine potente Giftpflanze ist, werden die Herz-Glykoside aus dem Roten Fingerhut als Reinsubstanzen medizinisch bei Herzinsuffizienz eingesetzt («die Dosis macht das Gift» > trotzdem bitte keine Selbstmedikation, denn die kann tödlich enden!). Die Herz-Glykoside führen dabei zu einer erhöhten Kontraktionskraft des Herzens und zu einer Erniedrigung der Herzfrequenz. Die wirksame Dosis ist von Person zu Person verschieden und Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen können auch bereits bei therapeutischen Dosen auftreten. Auch wenn mal «eine Tablette zu viel eingenommen» wird, können gefährliche Überdosierungen rasch auftreten. Hinzu kommt, dass der Einsatz von Digitoxin bei bestimmen Vorerkrankungen, wie z.B. Niereninsuffizient, nicht möglich ist. Aus diesem Grund werden bei Herzinsuffizient heutzutage bevorzugt andere sicherere Medikamente verwendet, resp. Digitoxin wird v.a. im Stadium III und IV genutzt, wenn andere Arzneimittel nicht mehr die erwünschte Wirkung zeigen.
Der Rote Fingerhut wächst in lichten Wäldern und auf Schlagfluren. Nach Kahlschlägen reichert sich der Waldboden meist stark mit Nährstoffen an (stärkere Zersetzung des Humus durch erhöhte Mikroben-Aktivität im Boden aufgrund der erhöhten Temperatur durch mehr Sonnenlicht), was ihm als nährstoffliebende Art zugutekommt. Weiter wird der Rote Fingerhut im Gegensatz zu anderen Pionierarten vom Wild nicht gefressen, wodurch er sich ungestört ausbreiten kann (währenddem das Wild die Bestände seiner Konkurrenten dezimiert). Je höher der Wildbestand, desto stärker ist dieser Effekt. Der Rote Fingerhut ist jedoch auf saure Böden angewiesen und meidet dadurch Kalk-Standorte. In der Schweiz trifft man ihn nur selten an, doch im Schwarzwald findet man ihn dafür umso mehr massenhaft. Es handelt sich um eine zweijährige Pflanze. Im 1. Jahr wird nur eine Grundrosette gebildet. Auch im 2. Jahr beginnt der Austrieb im Frühling mit der Grundrosette, ehe die Pflanzen später mit einem Stängel in die Höhe wachsen und schliesslich an dessen Ende der imposante Blütenstand gebildet wird. Der Blütenstand folgt während des Tages immer der Orientierung der Sonne.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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