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Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Die Rosskastanie ist nicht mit der Edel-Kastanie verwandt und ist bei uns auch nicht heimisch. Sie stammt ursprünglich aus dem Balkan. Die Osmanen nutzten ihre Samen als Pferdefutter, deshalb wohl der Name. Bei uns in Mitteleuropa wird die Rosskastanie seit dem 16. Jahrhundert vor allem in Gärten und Parks als Zierbaum angepflanzt. Beliebt sind Rosskastanien auch bei der Belaubung von Biergärten als Schattenspender, wodurch sie sich wegen der breiten Krone mit den grossen Blättern ideal eignen. Hinzu verursachen sie sie mit ihren Wurzeln keine Schäden an den Keller (im Gegensatz zu anderen Baumarten). Ursprünglich war die Rosskastanie eigentlich in Bayern als Schattenbaum über dem Gewölbe von Bierkellern gepflanzt worden, damit (vor der Erfindung des Kühlschrankes) das dortige Bier kühl bleibt. In den Biergärten ist die Rosskastanie auch ein guter Wärmereflektor am Abend. Aus den kultivierten Habitaten verwildert die Rosskastanie dann gelegentlich auch in die freie Natur. Was bei der Rosskastanie als «Kastanie» verstanden wird, ist nicht wie bei der Edel-Kastanie die Nuss, sondern der Samen. Die Blüten sind Nektarreich und werden von Insekten bestäubt. Der Fleck in der Mitte ist bei unbestäubten Blüten gelb und sobald die Blüte bestäubt wurde, ändert («schaltet») sie auf rot. Die «Ampel» signalisiert damit den Bestäubern, ob sich der Besuch lohnt oder nicht (kein Nektar mehr). Die Blütezeit Ende Frühling / Frühsommer ist für viele Insekten sehr wertvoll, denn sie fällt damit in eine Zeit, wo viele andere Baum- und Straucharten bereits verblüht sind.
Die kugeligen Samen der Rosskastanie sind reich an Saponinen. Diese in ihrer Gesamtheit als „Aescin“ bezeichneten Stoffe machen einen kulinarischen Verzehr unmöglich, da giftig. Bereits der Verzehr von 1-2 Samen kann zu ersten Beschwerden führen. Doch die Dosis macht das Gift: Rosskastanien werden auch medizinisch genutzt und zwar bei Venenbeschwerden. Dank den enthaltenen Saponinen kann aus den Rosskastanien auch ein natürliches und ökologisches Waschmittel für Hände, Geschirr und Kleider hergestellt werden. Hierzu werden auf den Boden gefallene Exemplare gesammelt, gewaschen und dann in Stücke geschnitten. Diese Stücke werden im Anschluss für 5 bis 10 Stunden im Backofen (ca. 40 Grad, Umluft mit geöffnetem Spalt) getrocknet. Nun hat man einen Vorrat, der auch viele Monate aufbewahrt werden kann. Für 300ml Waschmittel werden 30g getrocknete Rosskastanien (ca. eine Handvoll) für mehrere Stunden in 300ml Wasser gelegt. Alternativ können sie auch kurz im Wasser ausgekocht werden. Der Auszug ist trüb und seifig. Eigene Erfahrung zeigen, dass das beim Handwaschen von Geschirr gut funktioniert, ausser es ist sehr zäher Dreck dran. Auch Selbstversuche in der Waschmaschine mit Kleidern ergaben positive Ergebnisse. Das Waschmittel ist zwar geruchsneutral, enthält allerdings auch Schwebstoffe, die sich auf den Kleidern als Rückstände ablagern können. Bei weissen Kleidern müssen die braunen Schalen der Rosskastanie vor dem Trocknen entfernt werden, ansonsten kommts zu Verfärbungen. Bei funktioneller Sportwäsche würde ich persönlich auf DIY-Kastanienwaschmittel verzichten.

zum Autor: Hallo, ich bin David und ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Wildpflanzen. Ich betrachte und behandle das ganze Thema Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen rational, evidenzbasiert und mit einer gesunden Portion Realismus
Ich bin leidenschaftlich gerne in der Natur unterwegs, egal ob zum Spazieren, Wandern, Biwaktouren oder Trailrunning.
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