das erdflow-Phytikon - die Enzyklopädie für Essbare Wildpflanzen und Heilpflanzen
Einleitung / Vorwort
Das Thema «Essbare Wildpflanzen», ist eine faszinierende Welt, die draussen in der Natur nicht nur gesehen und verstanden, sondern auch direkt erlebt und gelebt werden kann. Was gemeinhin als Unkraut, Wiesenpflanze, Hecken, Krautsaum, Waldvegetation, usw. verstanden wird, stellt den faszinierenden Kosmos der Pflanzenwelt und damit auch ein wichtiger Teil der uns umgebenden Natur dar. Nebst dem botanischen Verständnis und den komplexen ökologischen Zusammenhängen verbergen sich in dieser Pflanzenwelt aber auch wertvolle kulinarische Schätze, denn der Grossteil der Wildpflanzen ist essbar. Bei dieser pflanzlichen Wildnahrung handelt es sich aber nicht einfach nur um eine exotische Nahrung für Naturfreaks, sondern es handelt sich um unseren Urnahrung! Die Landwirtschaft mit dem Anbau von Kulturgemüsen entstand nämlich erst vor ca. 10'000 bis 12'000 Jahren, resp. in Europa hat sich diese Lebensweise sogar erst tausende Jahre später durchgesetzt. Menschen gibt es hingegen seit 2.5 Mio Jahren (resp. Homo sapiens seit ca. 300'000 Jahren) und diese waren nicht nur Jäger, sondern auch Sammler! Je nach Region bestand der Anteil pflanzlicher Nahrung zwischen 30 und 80% und das waren wie erwähnt weder Broccoli noch Kopfsalat, sondern Wildpflanzen. Genutzt wurden dabei deren Blätter, Wurzeln/Knollen, Blüten, Samen und Früchte.

Die Entdeckung und Wiederbelebung des alten Pflanzenwissens ist so also nicht nur wegen den tollen Rezepten und die Möglichkeit von pflanzlicher Notnahrung interessant, sondern führt uns auch auf direktem Weg zu unseren wilden Wurzeln! Doch nicht nur das Sammeln an sich, auch die generelle Beschäftigung mit der Natur, das Wahrnehmen der Natur mit geschultem Auge, die Freude an einem gelungenen wilden Rezept oder das Kennenlernen neuer Pflanzenarten und damit auch Geschmacksrichtungen macht einfach Freunde. Man bewegt sich oft draussen in der Natur an der frischen Luft und weiss am Ende direkt, von wo die Mahlzeit kommt.
In den wilden Pflanzen steckt aber noch viel mehr, denn sie sind nicht nur unsere Urnahrung, sondern auch unsere Ur-Apotheke. Die pflanzliche Medizin war die einzige Medizin, die den früheren Menschen zur Verfügung stand. Dominant war die Pflanzenheilkunde nicht nur in der Steinzeit, sondern auch über die Antike, das Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert hinein (bis man erst begann die pflanzlichen Wirkstoffe synthetisch zu verändern, bzw. völlig neue synthetische Wirkstoffe zu entwickeln). Auch heute kann man die Wirkung selbst gesammelter Arzneipflanzen in seine Hausapotheke einbauen, sei es für Heiltees, Tinkturen, Salben, Umschläge, usw. Gleichzeitig haben aber auch in der modernen Medizin pflanzliche Zubereitungen wie Weissdorn- oder auch Johanniskraut-Extrakt ihren Platz in der evidenzbasierten Medizin eingenommen und zwar durch positive Ergebnisse im Rahmen moderner klinischen Studien.

Um den Pflanzenkosmos hat sich in vielen Kulturen dieser Erde auch eine mythologische Welt auskristallisiert, getrieben vom Versuch die Natur und Heilwirkungen zu erklären und dem menschlichen Bedürfnis sich als Teil eines spirituellen Ganzen zu sehen. Mit Mythologie stark verbunden ist auch das Räuchern aromatischer Pflanzen, was auch heute noch gerne als Zeremonie praktiziert wird.
Die Beschäftigung mit Essbaren Wildpflanzen, Arzneipflanzen, usw. ist aber nicht einfach nur «altes Wissen», sondern in neuerer Zeit wurde auch viel neues Wissen generiert. Dank der Biologie verstehen wir die botanische Anatomie und Funktionsweise der Pflanzen und haben ein Bild über die ökologischen Zusammenhänge, auch wenn vieles noch nicht erforscht und verstanden wird. Das Gleiche gilt auch für die Chemie und Medizin, mit deren Hilfe wir die Inhaltsstoffe der Pflanzen erforschen und deren Gefahren oder ernährungstechnischer / medizinischer Nutzen des Konsums abschätzen können. Mit den Methoden der Archäologie, Geschichte oder Ethnologie kann auch die vergangene Kulturgeschichte von Pflanzen rekonstruiert werden (zumindest stückweise).

Die moderne, vernetzte und über das Internet verbundene Welt hat auch völlig neue Möglichkeiten erschaffen, wie man sich über die Nutzung von Pflanzen informieren, resp. man selbst das Wissen verbreiten kann. Dabei fällt auf, dass es verschiedene Strömungen und Herangehensweisen zu dem Thema gibt. So findet man in Büchern oder auch bei Content auf Social-Media zum Thema «Pflanzenwissen» heute die Bandbreite von «traditioneller volkstümlicher Grossmutters Kräuterküche», «moderne, rein kulinarische Rezepte / Kochbücher ohne mythologischen Anspruch», «altes Wissen der Kräuterhexen», «junge moderne Tik-Tok Kräuterhexen», «altes Wissen modern/urban neu interpretiert», «wissenschaftlich / evidenzbasierte Lehrbücher über Heilpflanzen» bis zu «einfach nur Survivalnahrung für Kalorien», usw.
Das erdflow-Phytikon hat den Anspruch eine Enzyklopädie und auch Lehrmaterial eines wilden Pflanzenwissens in seiner Gesamtheit zu sein. Der Inhalt reicht von Bestimmung, Botanik, Ökologie, Sammelpraxis, Kulinarik, Notnahrung, Heilanwendungen bis zu Mythologie, etc., auch wenn niemals alle Aspekte dieses vielfältigen Themas behandelt werden können (dafür müsste auch der Tag für mich als Autor mehr als 24 Stunden haben). Bei den Pflanzenarten beschränkt sich die Auswahl auf die wichtigsten und häufigsten essbaren Arten Mitteleuropas, vom Tiefland über die Hügelregionen bis zu alpinen Bergpflanzen. Teils werden auch spezielle Aspekte mit Bezug zur Schweiz behandelt, doch das soll das erdflow-Phytikon nicht minder wertvoll für Pflanzenfreunde aus Deutschland, Österreich oder wo auch immer in Mitteleuropa machen.

Das erdflow-Phytikon soll ausserdem eine Brücke schlagen und das alte Wissen mit eigenen praktischen Erfahrungen und modernen, wissenschaftlichen Erkenntnissen von Stand Heute kombinieren. Der Anspruch ist dabei, das Thema der Essbaren WIldpflanzen und Heilpflanzen aus der evidenzbasierten-rationalen Sichtweise zu betrachten, wodurch sie das erdflow-Phytikon von der Mehrheit der Bücher, Youtube-Videos, Instagram-Post klar abgrenzt. Clickbaiting-Sprüche wie "Immunbooster" findet man deshalb in diesem Skript deshalb ebenso wenig wie unrealistische Heilsversprechen, Detoxkuren, Konzepte mit angeblichen "Schlacken" im Körper oder eine unkritische Wiedergabe alter Dogmas und Mythen. Ebenso wird bei komplexen Fragestellungen mit unklarer Evidenz auch des Öfteren von klaren, eindeutigen Aussagen abgesehen, um auch der Abiguität verschiedenster Fragestellung in dem Bereich gerecht zu werden. Den Anspruch auf Unfehlbarkeit und der absoluten Wahrheit kann aber auch das erdflow-Phytikon nicht erfüllen.
Der Inhalt dieses erdflow-Phytikons ermöglicht es dir, die heimischen Wildpflanzen draussen zu erkennen, botanisch und ökologisch zu verstehen und sie in der Küche, Outdoorküche, als pflanzliche Notnahrung, in der Hausapotheke oder zum Räuchern zu nutzen, bzw. die kulturgeschichtlichen Hintergründe dahinter zu kennen. Es handelt sich dabei um fachlich fundiertes Wissen, mit dem man sich als echter Experte / Expertin im Bereich Wildkräuter von der grossen Masse an oberflächlichen Akteuren in der Szene abheben kann. Es soll auch Hilfe dazu dienen um zu lernen, wie man selbst verschiedene Informationen zu dem Thema einordnen und kritisch bewerten kann
Das Pflanzenwissen aus dem erdflow-Phytikon ist nicht nur persönlich wertvoll und befriedigend, sondern gibt auch das nötige Rüstzeug dieses professionell als Kursleiter/-in, Pädagog/-in, Lehrer/-in im Bereich Outdoor, Naturpädagogik, Survival oder auch eigenen Wildpflanzenwanderungen anzuwenden und weiterzuvermitteln.
In diesem Sinne, wünsche ich dir viel Spass, Erfolg und vor allem Geduld beim Stöbern und der aktiven Beschäftugung mit dem Thema der Wildpflanzen :-)
David 🌱

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